„Klang“-Verschleiß

HARP64, Montag, 20. Oktober 2025, 12:41 (vor 316 Tagen)

Liebe Mitlesende, insbesondere Orgelbauer.
Beim Improvisieren an meiner erst etwa 30 Jahre alten Orgel fällt mir immer wieder mal auf, dass ich für bestimmte Stile lieber in C-, D-, oder F-Dur spiele, für andere eher in Des, Es und Fis. Ich fragte mich, warum das so ist und stelle eine möglicherweise gewagte These auf:
Die wahrscheinlich von der wesentlich größeren Mehrheit der Orgelspieler genutzten vorzeichenarmen Werke vornehmlich des Barocks „verschleißt“ die entsprechenden Töne und Pfeifen mehr als die vorzeichenreicheren Werke aus Romantik und Moderne.
Meine These beruht jetzt allerdings auf der Annahme, dass z. B. das vielgenutzte C, D, und F im Pedal gewissermaßen abgenutzt klingt (schwächer, weniger füllig), wohingegen Es, Fis und As ein wenig frischer, präsenter und fülliger klingen. Es fällt mir besonders bei den Tiefen im Pedal auf. Gibt es so eine Abnutzung des Materials nur durch Setzung, Luftabrieb, Materialermüdung durch Schalleinwirkung?

Oder ist das einfach nur weniger Staub in den Labien und alles müsste nach 12 Jahren mal wieder ausgereinigt werden - und dann klingen alle Töne wieder gleich „frisch“?

Sonnige Grüße
HARP

„Klang“-Verschleiß

MAT @, Montag, 20. Oktober 2025, 12:46 (vor 316 Tagen) @ HARP64

Ich hörte noch nie davon, dass sich an den vielbenutzten Tönen/Pfeifen etwas abnutzen würde, außer vielleicht die Tastenbeläge. Vielleicht liegt es einfach nur an den seltener gehörten Tonarten, die das Gefühl von Frische vermitteln.

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Gruß
MAT

„Klang“-Verschleiß

Friedrich @, Montag, 20. Oktober 2025, 14:31 (vor 315 Tagen) @ HARP64

Meine These beruht jetzt allerdings auf der Annahme, dass z. B. das vielgenutzte C, D, und F im Pedal gewissermaßen abgenutzt klingt (schwächer, weniger füllig), wohingegen Es, Fis und As ein wenig frischer, präsenter und fülliger klingen. Es fällt mir besonders bei den Tiefen im Pedal auf. Gibt es so eine Abnutzung des Materials nur durch Setzung, Luftabrieb, Materialermüdung durch Schalleinwirkung?

Wenn es so einen Effekt gibt, müsste er mit der Nutzung der Orgel zu tun haben. Wenn Chorälepumpen im Kantionalsatz ihre Hauptaufgabe ist, könnte es sein, dass bestimmte Pfeifen und vor allem bestimmte Lage weniger benutzt werden und andere mehr -- das würde sich dann aber an den Tastaturen zeigen (siehe aktuelle Fotos z. B. von Saint-Ouen -- erschütternd).

Wenn auf der Orgel aber regelmäßig Bach und Späteres gespielt wird -- und da zählt auch üben --, dann sollte eigentlich keine Tonhöhe auf Dauer vernachlässigt werden. Spätestens er nutzt den vollen Umfang und alle Töne regelmäßig und systematisch aus, jedenfalls den seiner Zeit (C bis c''').

„Klang“-Verschleiß

elias.orgel, Montag, 20. Oktober 2025, 16:42 (vor 315 Tagen) @ HARP64

Ich bin mir fast sicher, dass ein solcher Effekt eindeutig zwischen zwei Ohren und nicht zwischen den einzelnen Pfeifen zu suchen ist.

persönlich spiele ich fast nur auf den weißen Tasten - dann klingt es einfach nicht so düster... ;-)

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Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

„Klang“-Verschleiß

HARP64, Montag, 20. Oktober 2025, 19:55 (vor 315 Tagen) @ elias.orgel

Ich bin mir fast sicher, dass ein solcher Effekt eindeutig zwischen zwei Ohren und nicht zwischen den einzelnen Pfeifen zu suchen ist.

persönlich spiele ich fast nur auf den weißen Tasten - dann klingt es einfach nicht so düster... ;-)

…bei mir sind die Obertasten weiß. Das schränkt die Tonarten doch schon etwas ein…

„Klang“-Verschleiß

elias.orgel, Montag, 20. Oktober 2025, 20:28 (vor 315 Tagen) @ HARP64

Ich bin mir fast sicher, dass ein solcher Effekt eindeutig zwischen zwei Ohren und nicht zwischen den einzelnen Pfeifen zu suchen ist.

persönlich spiele ich fast nur auf den weißen Tasten - dann klingt es einfach nicht so düster... ;-)


…bei mir sind die Obertasten weiß. Das schränkt die Tonarten doch schon etwas ein…

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https://www.youtube.com/watch?v=0DTk6GqVJHM

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dieses wertvolle Video sollte an den Hochschulen Pflicht sein und der Inhalt der Kommentare definitiv Klausurenstoff...

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„Klang“-Verschleiß

jori @, Montag, 20. Oktober 2025, 21:13 (vor 315 Tagen) @ HARP64

Ist die Orgel frei von Schimmelbefall?
Kann gut sein, dass wenig bespielte Pfeifen stärker im Kernspaltebereich betroffen sind.

„Klang“-Verschleiß

HARP64, Montag, 20. Oktober 2025, 21:22 (vor 315 Tagen) @ jori

Oh, das ist eine gute Frage. Da muss ich demnächst mal in ihre Eingeweide gucken…

„Klang“-Verschleiß

Christoph @, Dienstag, 21. Oktober 2025, 19:59 (vor 314 Tagen) @ HARP64

Wie ist die Orgel denn temperiert?
Tritt das Phänomen auch an anderen Orgeln auf?

„Klang“-Verschleiß

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 22. Oktober 2025, 19:35 (vor 313 Tagen) @ HARP64

Ich weiß die Quelle nicht mehr - zu Studienzeiten hörte ich, dass an alten Orgeln in Italien in der Nähe der aktiven Vulkane die Pfeifen der häufiger genutzten Töne an Labien und Kerspalte stärker von Säuren belastet waren. Da ürde ja allerdings auch Kondensation voraussetzen. Wie gesagt, genauer kriege ich es nicht mehr hin.

„Klang“-Verschleiß

Carlo, Mittwoch, 22. Oktober 2025, 21:38 (vor 313 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

...das hört sich schlüssig an: Vulkane in der Nähe, die unter anderem auch Schwefeldämpfe herauslassen, worauf sich schweflige Säure im Verbindung mit Regen oder Luftfeuchtigkeit bildet, so dass diese "saure Atmosphäre" letztendlich in den nahe gelegenen Kirchen durch diejenigen Pfeifen geblasen wird, die am meisten benutzt werden.

„Klang“-Verschleiß

stein @, Donnerstag, 23. Oktober 2025, 10:32 (vor 313 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Ich weiß die Quelle nicht mehr - zu Studienzeiten hörte ich, dass an alten Orgeln in Italien in der Nähe der aktiven Vulkane die Pfeifen der häufiger genutzten Töne an Labien und Kerspalte stärker von Säuren belastet waren. Da ürde ja allerdings auch Kondensation voraussetzen. Wie gesagt, genauer kriege ich es nicht mehr hin.

Jetzt verstehe ich, wenn ich Cis oder Fis Dur Spiele, habe ich das Gefühl eine neue Orgel zu spielen.

„Klang“-Verschleiß

elias.orgel, Donnerstag, 23. Oktober 2025, 11:08 (vor 313 Tagen) @ stein

Ich weiß die Quelle nicht mehr - zu Studienzeiten hörte ich, dass an alten Orgeln in Italien in der Nähe der aktiven Vulkane die Pfeifen der häufiger genutzten Töne an Labien und Kerspalte stärker von Säuren belastet waren. Da ürde ja allerdings auch Kondensation voraussetzen. Wie gesagt, genauer kriege ich es nicht mehr hin.


Jetzt verstehe ich, wenn ich Cis oder Fis Dur Spiele, habe ich das Gefühl eine neue Orgel zu spielen.


Hauptsache Du versuchst nicht des nach Ges Dur zu transportieren - da bestehen verwerfliche harmonelle Verwechslungsgefahr(en)

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