...eine Frage insbesondere an diejenigen hier, die als professionelle Musiker eReader oder Tablets für ihre Noten verwenden:
Was spricht für Tablets, was für eReader? Bei letzteren soll das Display für Noten optimiert und auch bei Tageslicht im Freien gut lesbar sein, wo normale Displays üblicherweise kapitulieren.
Wie gestaltet sich das Umblättern an fremden Orgeln? Bluetooth-Taster über dem Pedal bzw. unter den Manualen kommen wohl allmählich auf, aber wie macht man es an historischen Instrumenten oder sonst? Wischen, Gesten via Kamerasteuerung?
Wie lädt man am besten Noten hoch - Kamera mit PDF-Umwandlung, oder Hochladen von PDFs (bitte die urheberrechtlichen Fragen mal außen vor lassen)? Wie kann man am Display Eintragungen machen und speichern?
Wie hoch sind die Kosten für ein Gerät, das professionellen Ansprüchen genügt, und gibt es Erfahrungen mit "Abstürzen"?
Und, vorerst last, aber natürlich nicht least: was kostet es ungefähr, und kann jemand konkrete, auf seiner Musizierpraxis beruhende Empfehlungen geben?
Vielen Dank schonmal vorab!
Tablet oder EReader?
Niederrheiner
, Donnerstag, 30. Oktober 2025, 21:42 (vor 364 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
Habe auf einem iPad ForeScore.
Das kann von der Software so ziemlich alles. Man kann PDFs hochladen oder Noten fotografieren und umwandeln lassen.
Desto größer der Bildschirm umso besser finde ich das, allerdings wird das iPad dann auch immer teurer. Ein gebrauchtes Gerät könnte eine Alternative sein. Bei mir war das iPad sowieso vorhanden und daher die Kosten dafür nicht relevant.
Man kann unterschiedlichste Notizen machen und diese Ein- oder Ausblenden.
Man kann sogar Notizen für eine Aufführung machen (z.B. Registrierungshinweise) und auf einem anderen Layer für eine andere Aufführung und dann hin- und herwechseln.
Nutze ich manchmal beim Chorsingen, wenn ich ein Stück mal mit einem Dirigenten gesungen habe und dann ein anderer Dirigent Dinge anders haben will.
Für das Blättern habe ich keine 100% optimale Lösung gefunden. ForScore kann (ich meine gegen Aufpreis) auf Augenzwinkern hin umblättern. Bei mir als Brillenträger hat das leider nicht 100% zuverlässig funktioniert. Zum Üben reicht das, wenn jedes 20. Blättern schief geht, finde ich das beim Üben nicht so schlimm. Für ein Konzert wäre mir das allerdings viel zu riskant.
Für Schalter hat man oft keine Hände/Füße frei. Man kann auch durch einfaches Tippen auf den Bildschirm blättern.
Als Idee könnte man (sofern MIDI-Signale abgreifbar sind) ja theoretisch auch eine Software schreiben, die bei einer bestimmten Akkordkombination (ggf. über KI mit einer gewissen Fehlertoleranz) blättert, so etwas habe ich aber noch nicht gesehen.
Mit der Helligkeit des iPads hatte ich nie Probleme in direktem Sonnenlicht hatte ich es allerdings auch nicht ausprobiert.
Ggf. hilft ja dieser Erfahrungsbericht.
Tablet oder EReader?
Tobias
, Freitag, 31. Oktober 2025, 21:01 (vor 363 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
Ich nutze das Tablet, weil es schon da ist. Die normalen Geräte sind kleiner als A4, was für manche problematisch sein kann, vor allem, wenn man die großen Papierausgaben gewohnt ist. Die großen Tablets (Apple oder Android) kosten leider sehr viel, weil sie eben noch entsprechende Technik mit verbaut haben, die man meist nicht braucht.
Blättern funktioniert in vielen Programmen über ein Tippen am rechten oder linken Rand sehr zuverlässig.
Kostenfrei ist z.B. die App von IMSLP mit direkter Anbindung an die Bibliothek aber auch die Möglichkeit, jede andere PDF Datei zu importieren.
Die Henle App für Klaviermusik ist z.B. auf Tablets (oder nur iPads?) ausgelegt und bietet sogar unterschiedliche Zoom Funkionen, die dann natürlich (meist negative) Auswirkung auf die Blätterstellen haben.
Blättern mit Tippen funktioniert für mich ausreichend gut, weil schneller als Papier. Für einen Assistenten / eine Assistentin gehts so auch gut, bzw. ein Bluetooth Gerät zum Blättern per Klick oder Druck kostet nicht die Welt.
Tablet oder EReader?
uih, Samstag, 01. November 2025, 15:55 (vor 362 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
Die beste Erfahrung habe ich ebenfalls bis jetzt mit dem grossen ipad (neueres Modell mit Gesichtserkennung) gemacht. Bei for score (Abonnement hat soeben von 10.50 auf 15€ aufgeschlagen)funktioniert bei mir für das Seitewenden besser das Zucken mit dem Mundwinkel, obwohl ich auch hier eine unbewusste Mundwinkelbewegung nicht immer vermeiden kann.Folgende zwei bekannte Organisten scheinen mit derselben Methode und App zu arbeiten: Olivier Latry und Anna Lapwood.
Auf meinem grossen Acer-Windows-Tablet (Bildschirmgrösse reicht für zwei A4-Seiten) kann ich es mit der App MusicReaderPro so einrichten, dass immer nur eine von beiden Seiten durch die (über-)nächste ersetzt wird. Dadurch kann man den Zeitpunkt für die Betätigung des bluetooth-Schalters wählen.Auch hier habe ich leider die Erfahrung gemacht, dass die bluetooth-Technologie nicht immer 100prozentig sicher funktioniert.
Auch wenn es dann 2 ipads braucht, hoffe ich, das bei forscore diese Wendemöglichkeit irgendwann ebenfalls eingeführt wird.
Tablet oder EReader?
elias.orgel, Samstag, 01. November 2025, 16:45 (vor 362 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von elias.orgel, Samstag, 01. November 2025, 18:25
Eine, oder mehrere Fragen die bereits ziemlich ausführlich in den diversen Foren, wenn schon nicht beantwortet, so zumindest weitreichend diskutiert wurde...
Ich persönlich finde es bemerkenswert, dass es, trotz aller Diskussionen über die Fähigkeiten der KI, noch kein Programm gibt welches grob das Gespielte erkennt und dann selbstständig umblättert...
die nächste Frage ist natürlich, warum überhaupt "blättern"
NotenSeiten stammen aus einer Zeit als es kaum andere Möglichkeiten gab
unabhängig von synthesia (pianoroll mit "Noten" die von oben nach unten "laufen")
gibt es ja auch diverse YT Videos bei denen die Noten von rechts nach links "laufen"
https://youtu.be/OBKu4uCLbNo?si=5cRC1RDFzY1OFZnJ
daher läge es (mbunnmMn) eigentlich näher selbst ein klassisches Notenblatt von unten nach oben zu scrollen...
zumal die meisten Menschen bei einer "Performance" das Tempo nicht so stark variieren, das ein durchschnittliches (eigenes) Scrolltempo mit dem Spieltempo vollkommen auseinander läuft...
Natürlich sind die wenigen sichtbaren Takte bei dem obigen Video nicht für ein live Spiel geeignet - das sollte auch nur ein Beispiel sein...
Die Idee immer zwei Seiten anzuzeigen und jeweils nur eine davon "blätternd" zu tauschen ist zwar nachvollziehbar - aber von der Platz Ökonomie her quasi Verschwendung
Frage: Wieviel Noten oder Takte möchte ich (gleichzeitig) sehen und wie weit "im Voraus"
--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...
... für Gott
Tablet oder EReader?
hintersatz
, Sonntag, 02. November 2025, 23:42 (vor 360 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von hintersatz, Sonntag, 02. November 2025, 23:48
...eine Frage insbesondere an diejenigen hier, die als professionelle Musiker eReader oder Tablets für ihre Noten verwenden:
Was spricht für Tablets, was für eReader? Bei letzteren soll das Display für Noten optimiert und auch bei Tageslicht im Freien gut lesbar sein, wo normale Displays üblicherweise kapitulieren.
Für e-Reader spricht eigentlich nichts, die normalen Tablet-Displays sind im Alltag an der Orgel hervorragend abzulesen, Probleme gibt es allenfalls mal mit der montierten Notenpult/Spieltischbeleuchtung.
Wie gestaltet sich das Umblättern an fremden Orgeln? Bluetooth-Taster über dem Pedal bzw. unter den Manualen kommen wohl allmählich auf, aber wie macht man es an historischen Instrumenten oder sonst? Wischen, Gesten via Kamerasteuerung?
Zum Blättern verwende ich den Roland FS-1, das Ding ist teuer aber verlässlich, bedingt aber eine Fläche über dem Pedal, auf der man es anstellen kann. Habe ich an meinen beiden Histörchen im Koe/Lei nicht, hier gibt's dann Bach aus dem auf die Orgel zugeschnittenen A3-Notenformat, für Choralvorspiel/Liedsätze kann man auch per Fingertip blättern. Als Software verwende ich MobileSheets unter Windows, das kennt zwar schon die Gestensteuerung, so richtig zuverlässig scheint mir das aber nicht. Hinzu kommt, dass die Bildauswertung rechenintensiv ist, was die Akkulaufzeit erheblich verkürzt, wenn du nicht eh eine stationäre Stromversorgung hast.
Wie lädt man am besten Noten hoch - Kamera mit PDF-Umwandlung, oder Hochladen von PDFs (bitte die urheberrechtlichen Fragen mal außen vor lassen)? Wie kann man am Display Eintragungen machen und speichern?
PDF kann man importieren, Eintragungen mit einem Stift vornehmen, MobileSheets hat so genannte Stempel, mit denen stemple ich die Registerstaffeln der jeweiligen Orgeln in den Notentext und kann mit dem Stift dann die Regierungen festlegen. Das Ganze Kunstwerk ist dann auch in einem eigenen Format weiter editierbar, abspeicherbar und übertragbar.
Wie hoch sind die Kosten für ein Gerät, das professionellen Ansprüchen genügt, und gibt es Erfahrungen mit "Abstürzen"?
An den Orgeln, die ich regelhaft bespielen, habe ich je zwei Windows-Tablets samt Netzteilen stationiert, gute Erfahrungen habe ich mit den HP Elite X2 gemacht, gebraucht gibt's die für 150€ abwärts, der Vorteil ist, dass die zu billig sind, um geklaut zu werden und ich nichts schleppen muss, zumal die Glasdisplays halt auch bruchgefährdet sind, wenn man den ÖPNV verwendet. In der Luxusvariante habe ich noch zwei Microsoft Surface gebraucht für je 800€, Win11, deutlich besseres Display aber auch das etwas rundgelutschte Gehäuse, dass auf meinem Upright-Piano nicht solide zum Stehen kommt. Abstürze gab es, da die Systeme für nichts anderes als die Notenanzeige verwendet werden, nicht einen einzigen.
Und, vorerst last, aber natürlich nicht least: was kostet es ungefähr, und kann jemand konkrete, auf seiner Musizierpraxis beruhende Empfehlungen geben?
Ja, lass es bleiben mit der Digitalisierung und verwende deine Zeit auf deine Instrumente.
LG
Vielen Dank schonmal vorab!
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Organiste titulaire de l'Opus diaboli