Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg im März 2025

oHo, Dienstag, 16. Dezember 2025, 23:05 (vor 255 Tagen)
bearbeitet von oHo, Mittwoch, 17. Dezember 2025, 01:58

Einige Bemerkungen aus Anlass der Emeritierung von Christoph Bossert an der Musikhochschule Würzburg im März 2025


Stellen Sie sich vor, ein international renommierter Professor für künstlerisches und liturgisches Orgelspiel sowie Leiter der Abteilung für Kirchenmusik und Orgel seiner Hochschule tritt nach langjähriger Tätigkeit, in der er wichtige Impulse weit über seine Lehrverpflichtungen hinaus gesetzt hat, in den Ruhestand - und die Hochschule verliert darüber: (fast) kein Wort. Keine offizielle Verabschiedung, keine Danksagung, keine akademische Feier, kein Konzert, nicht mal eine offizielle Mitteilung, die seine Verdienste wenigstens erwähnt - wenn sie diese schon nicht in angemessener Öffentlichkeitswirksamkeit zu würdigen bereit ist.

Undenkbar, oder jedenfalls unwahrscheinlich? Keineswegs. Die Rede ist von Christoph Bossert, der im März 2025 nach 18-jähriger erfolgreicher Forschung, Lehre und Projektarbeit an der Würzburger Musikhochschule seinen (Un-)Ruhestand angetreten hat. Lediglich im Hochschul-Newsletter April 2025 war unter "Personalia in der Lehre" die blutleer-administrative Notiz zu lesen: "Verabschiedungen / Prof. Dr. Christoph Bossert, Professor für Orgel".

Nun ist die wenig angemessene, ja würdelose Behandlung selbst von Musikern mit höchsten Verdiensten im Bereich von Orgel und Kirchenmusik durchaus schon öfter vorgekommen. Aktuelle Beispiele stilloser Entlassungen sind in der Organisten- und Kirchenmusikwelt hinlänglich bekannt. Traurige Prominenz erlangte im Jahr 2024 der brüskierende Umgang der Verantwortlichen an Notre-Dame in Paris mit den langjährigen "Titulaires" Philippe Lefebvre (große Orgel) und Johann Vexo (Chororgel) anlässlich der Wiederbesetzung der Organistenstellen der Kathedrale nach Abschluss der Sanierungsarbeiten an Bausubstanz und Orgel nach dem verheerenden Brand. Außer einer dürren Erklärung, in der der eine noch nicht mal erwähnt wurde (Johann Vexo) und es über den anderen (Philippe Lefebvre) nur knapp hieß, er befände sich im Ruhestand, mochte man sich nicht äußern. Gründe? Offizielle Verabschiedung, vielleicht mit Konzert oder Mitwirkung der kalt "Gefeuerten" an den Wiedereröffnungsfeierlichkeiten? Fehlanzeige. Der alsbald einsetzende, sich in einer Petition manifestierende Protest - immerhin waren Lefebvre und Vexo jahrzehntelang Kathedralmusiker an Notre-Dame mit hervorragendem weltweiten Ruf und damit feste Größen im musikalischen Geschehen auf der Ile de la Cité - wurde vom Klerus der Kathedrale so beantwortet, wie es zu erwarten war: mit einer Mischung aus Ignoranz und Arroganz, die nicht davor zurückschreckte, das Anliegen des internationalen Protests, an dem sich prominente Musikerkollegen beteiligt hatten, auch noch bewusst falsch darzustellen.

Auch der ehemalige Dresdener Frauenkirchenorganist Samuel Kummer (1968 - 2024) - übrigens ein Schüler Christoph Bosserts, von dem hier die Rede ist -, wurde unter Begleitumständen entlassen, die in der Fachwelt Kopfschütteln auslösten (und bei denen die Annahme nicht fernliegt, dass der psychische Schock der Entlassung, die Kummer schwer traf, zu seinem plötzlichen und frühen Tod beitrug).

Man könnte weitere Beispiele nennen, doch genügen schon diese wenigen Namen, um anzuzeigen, wo das Problem liegt: in der Geringschätzung, die Musikern, und seien sie noch so renommiert, von seiten dienstlicher Vorgesetzter in Hochschul- oder Kirchenhierarchien entgegenschlägt. Und zwar selbst dann, wenn die Entscheider ihrerseits eine künstlerische Ausbildung haben (was besonders erschreckt): da mag die Karriere des oder der zu Verabschiedenden noch so überzeugend, die Ausstrahlung über den eigentlichen Wirkungsort noch so groß, die Anziehungskraft als Lehrer/in noch so stark und der künstlerische Horizont noch so disziplinübergreifend sein.

Und das ist bei Christoph Bossert der Fall - ich sage das bewusst im Präsens, denn er ist, wie alle, für die Musik nicht bloß Beruf, sondern Berufung ist, auch im Ruhestand weiter tätig (z.B. im Rahmen des DVVLIO - Projekts zur Digitalisierung, Vernetzung und Vermittlung in der Lehre der internationalen Orgelkunst - https://innovation-orgellehre.digital/). Sein Lebenslauf gibt es beeindruckend wieder: ab 1978 Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart bei Werner Jacob (Orgel), Kenneth Gilbert (Cembalo), Ulrich Süße und Helmut Lachenmann (Komposition), anschließend in Fribourg/Schweiz bei Luigi Ferdinando Tagliavini, einem der damals profiliertesten und prominentesten Pioniere der historisch informierten Aufführungspraxis.

Nach Lehrtätigkeiten an der Stuttgarter Musikhochschule und an der Hochschule für Kirchenmusik in Esslingen (heute die Evangelische Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen) wurde er 1991 Professor für Orgel und Leiter der Studienkommission Evangelische Kirchenmusik an der Musikhochschule Trossingen und ab 2007 Professor für künstlerisches und liturgisches Orgelspiel sowie Leiter der Abteilung Kirchenmusik und Orgel an der Hochschule für Musik Würzburg.

Besonders hervorzuheben ist sein Engagement für den Studiengang OrganExpert an der Musikhochschule Trossingen, ein Herzensprojekt Bosserts, für das er sich sprichwörtlich "ins Zeug legte": die Idee, einen disziplinübergreifenden Studiengang zu etablieren, der über das bloß spieltechnisch-interpretatorische hinaus Auge und Gehör der Teilnehmerinnen und Teilnehmer für den Orgelbau in allen seinen Epochen und Stilen - einschließlich seiner handwerklichen Dimension - schult, um so einen umfassenden Blick auf das Instrument insbesondere für künftige Sachverständige zu ermöglichen, illustriert Bosserts ganzheitlichen künstlerischen Ansatz. Doch zeichnete sich nach seinem Wechsel nach Würzburg auch hier schon die erste Geringschätzung seiner Leistungen und seines Ideenreichtumgs ab: weder sein Nachfolger noch die Hochschulleitung vermochten die Chancen eines solchen Studiengangs, der ein Alleinstellungsmerkmal für die Trossinger Hochschule dargestellt hätte, zu erkennen - und warfen alsbald die Flinte ins Korn, als sich Probleme entwickelten, die lösbar gewesen wären. Welche Gelegenheit hier vertan wurde, vermag der Verfasser durchaus zu beurteilen: er ist, wie andere Schüler Bosserts, Absolvent dieses Studiengangs und bis heute tief dankbar für die dabei erworbenen Kenntnisse.

Nicht nur seine Studenten konnten von seiner tief durchdrungenen Hermeneutik-Forschung zu so unterschiedlichen Komponisten wie Bach, Mendelssohn, Reger u.v.m. profitieren. So fand er beispielsweise die von der Fachwelt lange gesuchte Lösung zur Frage der Gruppierung von Johann Ulrich Steigleders (1593 - 1635) 40 Variationen über „Vater unser im Himmelreich“: sie ergeben grafisch einen Abendmahlskelch, was auch erklärt, warum die prächtigste Variation in der Mitte der letzten Gruppe liegt: Dort berührt der Mund den Kelch.

Natürlich war und ist Christoph Bossert auch als konzertierender Künstler präsent, und er hat zahlreiche Einspielungen vorgelegt. Insbesondere eine Gesamteinspielung der Werke Max Regers an authentischen Instrumenten der Reger-Zeit zählt hier zu seinen großen Leistungen, wie überhaupt das Werk Regers einen persönlichen Schwerpunkt seiner Tätigkeit bildet. Seine Offenheit für Projekte jenseits des "Mainstreams" zeigt seine Rolle als Mitbegründer des Halberstädter John-Cage-Orgelprojekts mit der geplanten 639-jährigen Aufführung von Cages Komposition ORGAN²/ASLSP, ein von Anfang an und bis heute (und wohl auch in Zukunft) kontrovers diskutiertes Vorhaben. Doch was kann der Orgelmusik und -kultur in einer sich immer weiter säkularisierenden Gesellschaft besseres passieren als öffentlich kontrovers diskutierte Projekte?

Die wohl größte Leistung Bosserts für die Würzburger Hochschule: die neue Klais-Orgel im Konzertsaal, die er mit der Erbauerfirma konzipierte - sein künstlerisches Vermächtnis in Form eines hoch innovativen, ebenso wie das Cage-Projekt avantgardistische Aspekte umsetzenden Instruments, von dem es an deutschen Musikhochschulen kein vergleichbares zweites gibt; eine Orgel, die dem Studium in Würzburg besondere Anziehungskraft und Attraktivität verleiht, weit über die Amtszeit eines Hochschullehrers hinaus.

Was soll man von einer Hochschule, deren Leitungsgremien und Repräsentanten bis hin zum Präsidenten halten, die sich bis heute nicht mal zu einer verbalen Verabschiedung eines ihrer Kollegen mit solcher internationaler Ausstrahlung durchringen kann, dessen Schüler prominente Positionen wie z.B. Professuren in Wien (Balazs Szabo) oder Krakau (Filip Presseisen) oder Weimar (Martin Sturm) sowie nicht minder prominente Organistenstellen (Samuel Kummer, Sebastian Küchler-Blessing, Christian Bischof, um nur einige Namen zu nennen) erreicht haben?

Die Frage beantwortet sich eigentlich von selbst. - Christoph Bossert wird sich hoffentlich nun auch wieder dem Komponieren widmen können, nachdem er darauf in der Vergangenheit aus Zeitgründen immer mehr verzichten musste.

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg im März 2025

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Dienstag, 16. Dezember 2025, 23:24 (vor 255 Tagen) @ oHo
bearbeitet von Karl-Bernhardin Kropf, Dienstag, 16. Dezember 2025, 23:55

Unabhängig vom wichtigen Inhalt: Ist das hier die Erstveröffentlichung bzw. hast Du diesen Text für ein anderes Medium geschrieben?

EDIT: Eine gewisse Antwort - eben auf FB gefunden.

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg im März 2025

Stephan Kreutz, Mittwoch, 17. Dezember 2025, 09:33 (vor 254 Tagen) @ oHo

Das ist nicht schön, passt aber zu dem, was ich selbst an der Freiburger Hochschule erlebt habe. Nach 16 Jahren Lehrauftrag LO bei derselben Stundenvergütung (!) und einem erfolglosen Vorstoß bei der Hochschulleitung daran etwas zu ändern, habe ich den Job an den Nagel gehängt.
Wohlgemerkt, es war "nur" ein Lehrauftrag. Interessiert hat das einige wenige Kollegen, und die waren nicht aus dem Hauptfachbereich, soviel kann ich sagen.
An den Hochschulen hat das Hauen und Stechen um die Pfründe längst begonnen, da schauen viele nur noch auf ihren Fachbereich oder auf sich. Bei der momentanen wirtschaftlichen Lage und dem kulturellen Desinteresse sowohl der Landesregierungen wie auch des Bundes stehen manche Häuser mit dem Rücken zur Wand. Da geht es um alles.
Das ändert natürlich nichts daran, wie man miteinander umgehen sollte...!

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg

perotin, Mittwoch, 17. Dezember 2025, 16:49 (vor 254 Tagen) @ oHo
bearbeitet von perotin, Mittwoch, 17. Dezember 2025, 16:54

Stellen Sie sich vor, ein international renommierter Professor für künstlerisches und liturgisches Orgelspiel sowie Leiter der Abteilung für Kirchenmusik und Orgel seiner Hochschule tritt nach langjähriger Tätigkeit, in der er wichtige Impulse weit über seine Lehrverpflichtungen hinaus gesetzt hat, in den Ruhestand - und die Hochschule verliert darüber: (fast) kein Wort. Keine offizielle Verabschiedung, keine Danksagung, keine akademische Feier, kein Konzert, nicht mal eine offizielle Mitteilung, die seine Verdienste wenigstens erwähnt - wenn sie diese schon nicht in angemessener Öffentlichkeitswirksamkeit zu würdigen bereit ist.

Mich würde interessieren, wie es in Würzburg bei anderen Dozenten/Professoren gehandhabt wurde, die in den letzten Jahren in den Ruhestand gegangen sind. Vielleicht ist "sang- und klanglos" dort ja eher der Normalfall und es lief bei Christoph Bossert wie bei anderen auch?

Ist nur so eine Frage...

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg

Niederrheiner @, Mittwoch, 17. Dezember 2025, 20:02 (vor 254 Tagen) @ perotin

Bei uns an der Hochschule hat man noch nicht einmal einen Vizepräsidenten nach mehr als 15 Jahren Amtszeit als Vizepräsident und davor natürlich auch viele Dienstjahre als Professor irgendwie verabschiedet, noch nicht einmal eine freundliche Rundmail.

Er ist jetzt Chef einer anderen Hochschule.

Für manche ist Sti(e)l eben nur das andere Ende des Besens.

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 17. Dezember 2025, 23:23 (vor 254 Tagen) @ perotin

Mich würde interessieren, wie es in Würzburg bei anderen Dozenten/Professoren gehandhabt wurde, die in den letzten Jahren in den Ruhestand gegangen sind. Vielleicht ist "sang- und klanglos" dort ja eher der Normalfall und es lief bei Christoph Bossert wie bei anderen auch?

Ist nur so eine Frage...

Ja, interessant.

In Österreich würde man (branchenübergreifend) mit der Würdigung auch grundsätzlich bis zum Ableben der entsprechenden Person warten, dann allerdings fällt diese umso heftiger aus.

In der "Singenden Kirche", als ich sie vor Jahrzehnten noch las, griff eine besondere Praxis um sich (auch das vielleicht branchenübergreifend, aber ich las sonst nichts Ähnliches).
Da hieß es dann "Erinnerung an Professor (natürlich nur Berufstitel) XY" oder "17,5ter Todestag von Herrn Kanonikus A.B.C.). (Nicht nur die allerrundesten Todestage wurden bedacht...)
Und ich wunderte mich, dass ich diese anscheinend wichtige Person nicht kannte. Bald erklärte sich mir aber der tiefere Anlass der Würdigung: In jene Texte flocht sich der Laudator recht bald selbst mit ein à la "und ich durfte unter ihm meinen Abschluss machen, wozu er mir besonders herzlich gratulierte" oder gar "bekleidete damit ein Amt, in dem ich ihm im Jahre 19XX nachfolgen durfte." Dann gab es mituner auch noch weitere Zutaten, die mich an einen meiner späteren Dienst-Pfarrer erinnerte, der in Beerdigungsreden gerne einbaute, dass sich der/die Verstorbene über seinen Besuch "immer sehr gefreut" habe. NAja, vielleicht ist das immer noch so oder es hat sich endlich erledigt....

Lieber Oliver, Du und Dein Text, Ihr seid mit diesen Anekdoten ausdrücklich NICHT gemeint!

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg

Wolfgang Gourgé @, Donnerstag, 18. Dezember 2025, 00:36 (vor 254 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Donnerstag, 18. Dezember 2025, 00:43

Mich würde interessieren, wie es in Würzburg bei anderen Dozenten/Professoren gehandhabt wurde, die in den letzten Jahren in den Ruhestand gegangen sind. Vielleicht ist "sang- und klanglos" dort ja eher der Normalfall und es lief bei Christoph Bossert wie bei anderen auch?

Ist nur so eine Frage...


Ja, interessant.

In Österreich würde man (branchenübergreifend) mit der Würdigung auch grundsätzlich bis zum Ableben der entsprechenden Person warten, dann allerdings fällt diese umso heftiger aus.


....Gegenbeispiel: letztes Jahr ging an der Wiener Universität der Religionswissenschaftler Hans Gerald Hödl in den Ruhestand, mit dem ich befreundet bin - mit Abschiedsvorlesung...

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...und anschließender Feier im Dekanat, so wie man sich das eigentlich vorstellt, mit reichlich österreichischem Bier und Wein....

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(Gedenktafel für Moritz Schlick im Treppenhaus des Hauptgebäudes)
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Schöne Feier!

Selbst wenn so etwas in Würzburg *bislang* nicht üblich sein sollte, hätte man es mit Christoph Bossert einführen können - Abschiedsvorlesung mit Konzert, dabei auch ehemalige Schüler, danach Empfang: warum nicht? Er war ja eine den Lehrbetrieb in seinem Fach weit über Würzburg hinaus prägende Persönlichkeit. Deshalb auch mein Urteil: unangemessen und stillos.

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 18. Dezember 2025, 08:20 (vor 253 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Danke!
Matthias Schneider (Kimu/Muwi Greifswald) hält demnächst ebenfalls eine feierliche Abschiedsvorlesung, er wiederholt sie sogar auf unserem Kirchenmusikerkonvent im Januar.

Und für Dich persönlich noch Aktuelles zu Georg Danzer ;-):
https://wien.orf.at/stories/3334512/

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg

3rd_astronaut, Freitag, 19. Dezember 2025, 14:25 (vor 252 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

In Österreich würde man (branchenübergreifend) mit der Würdigung auch grundsätzlich bis zum Ableben der entsprechenden Person warten, dann allerdings fällt diese umso heftiger aus.

ich weiß nicht, ob in Ö an den unis noch "klassisch" emeritiert wird, aber damit ergibt diese praxis doch auch einen guten sinn. wenn die gesundheit es erlaubt(e), war der übergang in den emeritus-stand an der uni oft kaum bemerkbar, außer im vorlesungssaal ...

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg im März 2025

Regermann @, Oberpfalz, Donnerstag, 18. Dezember 2025, 09:49 (vor 253 Tagen) @ oHo

Vielleicht braut sich hier was zusammen:
Einweihung und Vorstellung der Klais-Orgel im Konzertsaal der Würzburger Musikhochschule

--
freundliche Grüße, Regermann

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg im März 2025

link1907 @, Donnerstag, 18. Dezember 2025, 15:00 (vor 253 Tagen) @ Regermann

Vielleicht braut sich hier was zusammen:
Einweihung und Vorstellung der Klais-Orgel im Konzertsaal der Würzburger Musikhochschule<

Das hört sich doch gut an!

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg im März 2025

MichaelS ⌂, Dülmen, Donnerstag, 18. Dezember 2025, 18:39 (vor 253 Tagen) @ oHo

Die wohl größte Leistung Bosserts für die Würzburger Hochschule: die neue Klais-Orgel im Konzertsaal, die er mit der Erbauerfirma konzipierte - sein künstlerisches Vermächtnis in Form eines hoch innovativen, ebenso wie das Cage-Projekt avantgardistische Aspekte umsetzenden Instruments, von dem es an deutschen Musikhochschulen kein vergleichbares zweites gibt; eine Orgel, die dem Studium in Würzburg besondere Anziehungskraft und Attraktivität verleiht, weit über die Amtszeit eines Hochschullehrers hinaus.

Dieser Absatz des Textes offenbart ein Kern-Problem der Organisten-Welt. Jeder andere Musiker hat "sein" Instrument zuhause, übt darauf und nimmt es auf Tournee mit. Er pflegt es, investiert Zeit und Geld und wenn er die Stelle wechselt begleitet es ihn natürlich.
Der Organist sieht sich immer dem Problem gegenüber, dass die jeweilige Orgel an der Stelle "hängt", er kann sie nicht mitbringen und auch nicht mitnehmen. Er kann einen Neubau (Umbau, etc. etc.) initiieren und viel Kraft und Zeit dafür investieren. Der Organist kann ein nach seinen Vorstellungen bestmögliches Instrument erschaffen (lassen) und auch trefflichst darauf musizieren. Am Ende des Tages und vor Allem am Ende des Arbeitsverhältnisses muss er Abschied nehmen.
Können andere Musiker das überhaupt nachvollziehen? Nachempfinden? Es gar angemessen würdigen und auch in der Öffentlichkeit honorieren? Ich glaube nicht. Andere Musiker sehen primär den Vorteil, für Anschaffung und Pflege des Instruments nicht selbst aufkommen zu müssen. Dass mit einer Orgel immer auch Kulturgut für die Allgemeinheit entsteht, kommt primär im Denken da nicht vor. Eine Honorierung dafür quasi Einfordern zu wollen, ist daher müßig.

--
"Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht." (Albert Schweitzer)
www.bulderone.de

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg im März 2025

elias.orgel, Donnerstag, 18. Dezember 2025, 19:20 (vor 253 Tagen) @ MichaelS

Die wohl größte Leistung Bosserts für die Würzburger Hochschule: die neue Klais-Orgel im Konzertsaal, die er mit der Erbauerfirma konzipierte - sein künstlerisches Vermächtnis in Form eines hoch innovativen, ebenso wie das Cage-Projekt avantgardistische Aspekte umsetzenden Instruments, von dem es an deutschen Musikhochschulen kein vergleichbares zweites gibt; eine Orgel, die dem Studium in Würzburg besondere Anziehungskraft und Attraktivität verleiht, weit über die Amtszeit eines Hochschullehrers hinaus.


Dieser Absatz des Textes offenbart ein Kern-Problem der Organisten-Welt. Jeder andere Musiker hat "sein" Instrument zuhause, übt darauf und nimmt es auf Tournee mit. Er pflegt es, investiert Zeit und Geld und wenn er die Stelle wechselt begleitet es ihn natürlich.
Der Organist sieht sich immer dem Problem gegenüber, dass die jeweilige Orgel an der Stelle "hängt", er kann sie nicht mitbringen und auch nicht mitnehmen. Er kann einen Neubau (Umbau, etc. etc.) initiieren und viel Kraft und Zeit dafür investieren. Der Organist kann ein nach seinen Vorstellungen bestmögliches Instrument erschaffen (lassen) und auch trefflichst darauf musizieren. Am Ende des Tages und vor Allem am Ende des Arbeitsverhältnisses muss er Abschied nehmen.
Können andere Musiker das überhaupt nachvollziehen? Nachempfinden? Es gar angemessen würdigen und auch in der Öffentlichkeit honorieren? Ich glaube nicht. Andere Musiker sehen primär den Vorteil, für Anschaffung und Pflege des Instruments nicht selbst aufkommen zu müssen. Dass mit einer Orgel immer auch Kulturgut für die Allgemeinheit entsteht, kommt primär im Denken da nicht vor. Eine Honorierung dafür quasi Einfordern zu wollen, ist daher müßig.

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er könnt E Ds schon...

A B CC Fo G ler

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Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg im März 2025

Orgelfritze, Freitag, 19. Dezember 2025, 10:02 (vor 252 Tagen) @ MichaelS
bearbeitet von Orgelfritze, Freitag, 19. Dezember 2025, 10:13

Das trifft ja auf Pianisten schon mal nicht zu. Auch wenn es da einzelne "Nerds" im Bereich der "Spitzenverdiener" gibt, die sich vor dem Konzert fünf Instrumente auf die Bühne stellen lassen und dann auswählen, müssen konzertierende Pianistinnen und Pianisten i.d.R. mit dem Leben, was sie vom Veranstalter vorgesetzt bekommen, auch wenn die Bandbreite des dabei Möglichen natürlich mit jener bei Orgeln nicht vergleichbar ist.

Im Gegensatz zur (ihre Komplexe permanent inszenierenden) Orgelwelt haben Pianisten sich wohl irgendwann damit abgefunden, ganz gleich ob bewusst oder unbewusst, dass ihr Instrument so eng mit der (frühen) Industrialisierung und den Logiken der Moderne verknüpft ist, wie kein anderes. Obwohl die (frühe) Romantik - als erste Hochzeit des Klavieres und des Pianisten, wenn man so etwas wie einen "Epochengeist" herausarbeiten möchte, sehr gut als erste wirkmächtige Moderne- und (nicht-ökonomische sondern kulturelle) Kapitalismuskritik gelesen werden kann. Da hängt die Orgel seit +/- 200 Jahren zwischen Baum und Borke.

Einer dieser, salopp formuliert, Komplexe der Orgelwelt ist, dass sich, im Grunde bis heute, nie ein "unverdächtiges" Vituosentum bzw. ein Geniekult entwickeln konnte, wie es für die bürgerliche Musikkultur prägend war/ist. Orgeln stehen/standen vorangig in Kirchen, "da schickt sich das nicht"; alles Kirchliche ist spätestens seit dem frühen 19. Jh. ohnehin kulturell anrüchig und verdächtig. Organisten produzieren im kirchlichen Umfeld vorrangig Gebrauchsmusik und bleiben über Anstellungsverhältnisse, den Aufstellungsort ihres Instrumentes etc. immer dem der Regression unterliegenden Kirchlichen verhaftet.

Ich behaupte, dass dieser Orgelneubaukult, der ab der Orgelbewegung auf Einzelpersonen (Organisten, Sachverständige, Pfarrer und Architekten, die sich für Letzteres halten...) ausgerichtet ist, nichts anderes ist, als die Abreaktion eines "Nichtgesehenwerdens". Auch die Orgelbewegung als inkonsequenter Versuch, eine Logik der Besonderung gegen die die "Fabrikorgel" kennzeichnende Logik des Allgemeinen zu stellen, ordnet sich so ein. Man projeziert in einer immer stärker der Rationalität, der Standardisierung, dem Effizienzdenken, der industriellen Produktions- und Verwertungslogik unterworfenen Welt den eigenen, nicht adäquat einlösbaren Wunsch nach Individualität in "sein" Instrument, die Orgel.

In Kurzform: der (eigentlich nicht wirklich) stille Schrei nach Anerkennung, der sich im zeitlich über einen (möglicherweise) hinausreichenden Instrument manifestiert, weil das gewünschte Maß an persönlicher Anerkennung im kulturellen Kontext versagt bleibt.


Edit: Das ist eine Lesart, eine Facette, ein Aspekt...

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg im März 2025

elias.orgel, Freitag, 19. Dezember 2025, 11:05 (vor 252 Tagen) @ Orgelfritze
bearbeitet von elias.orgel, Freitag, 19. Dezember 2025, 11:14

Peter Ammer (Nagold) hat gesagt, dass sie deutlich mehr Besucher bei den Orgelkonzerten haben Seit man dem Organisten am zentralen Spieltisch direkt Bei seinem Schauspiel zugucken kann
In Zeiten von YouTube-Videos ist natürlich ein direkter Blick Im Großformat auf die bunten Socken oder das ausufernde Minenspiel Eines jeden an einer Orgel (oder orgelähnlichen Instrumentes) sitzenden millionenfach möglich
Das bescheidene Versteckspiel weit entfernt von den Blicken der Zuhörer wie Albert Schweitzer es formulierte ist damit definitiv vorbei
Und wer einigermaßen virtuos mit einer Kamera und dem Schnittprogramm umgehen kann braucht nicht einmal richtig zu spielen - zumindest nicht die Orgel ;-)

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Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg im März 2025

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Freitag, 19. Dezember 2025, 13:54 (vor 252 Tagen) @ Orgelfritze

Das trifft ja auf Pianisten schon mal nicht zu. Auch wenn es da einzelne "Nerds" im Bereich der "Spitzenverdiener" gibt, die sich vor dem Konzert fünf Instrumente auf die Bühne stellen lassen und dann auswählen, müssen konzertierende Pianistinnen und Pianisten i.d.R. mit dem Leben, was sie vom Veranstalter vorgesetzt bekommen, auch wenn die Bandbreite des dabei Möglichen natürlich mit jener bei Orgeln nicht vergleichbar ist.

Die bekannteste Ausnahme unter den Pianisten ist Arturo Benedetti Michelangeli.

Bemerkungen zur Emeritierung von Christoph Bossert an der HfM Würzburg im März 2025

Wolfgang Gourgé @, Dienstag, 23. Dezember 2025, 22:10 (vor 248 Tagen) @ Orgelfritze
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Dienstag, 23. Dezember 2025, 23:06


Einer dieser, salopp formuliert, Komplexe der Orgelwelt ist, dass sich, im Grunde bis heute, nie ein "unverdächtiges" Vituosentum bzw. ein Geniekult entwickeln konnte, wie es für die bürgerliche Musikkultur prägend war/ist. Orgeln stehen/standen vorangig in Kirchen, "da schickt sich das nicht"; alles Kirchliche ist spätestens seit dem frühen 19. Jh. ohnehin kulturell anrüchig und verdächtig. Organisten produzieren im kirchlichen Umfeld vorrangig Gebrauchsmusik und bleiben über Anstellungsverhältnisse, den Aufstellungsort ihres Instrumentes etc. immer dem der Regression unterliegenden Kirchlichen verhaftet.

....Widor und Abbé Vogler sind Gegenbeispiele. Bei Widor drängte sich die Pariser Gesellschaft - vor allem die weibliche - auf der Orgelempore von St. Sulpice, bis der Erzbischof von Paris das beendete.

Ich behaupte, dass dieser Orgelneubaukult, der ab der Orgelbewegung auf Einzelpersonen (Organisten, Sachverständige, Pfarrer und Architekten, die sich für Letzteres halten...) ausgerichtet ist, nichts anderes ist, als die Abreaktion eines "Nichtgesehenwerdens". Auch die Orgelbewegung als inkonsequenter Versuch, eine Logik der Besonderung gegen die die "Fabrikorgel" kennzeichnende Logik des Allgemeinen zu stellen, ordnet sich so ein. Man projeziert in einer immer stärker der Rationalität, der Standardisierung, dem Effizienzdenken, der industriellen Produktions- und Verwertungslogik unterworfenen Welt den eigenen, nicht adäquat einlösbaren Wunsch nach Individualität in "sein" Instrument, die Orgel.

...der ist bei der Orgel sehr wohl einlösbar: mal der Reihe nach an eine Kemper, eine Beckerath und eine Ahrend setzen. Da merkt man sehr, sehr schnell den Unterschied, ob Handwerker(-innen) und Intonateur/in ein Könner waren oder Murkser. Der letzte Schritt, die Arbeit an den Pfeifen, ist immer noch hoch individuell, und standardisieren lässt sich im Orgelbau nur (eingeschränkt) der technische Teil.

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