Wünsche zu Weihnachten und dem neuen Jahr mit Rätsel

MCVL @, Freitag, 19. Dezember 2025, 20:36 (vor 250 Tagen)
bearbeitet von MCVL, Freitag, 19. Dezember 2025, 22:33

Liebe Foren-Gemeinde,

wie schon manches Mal in der Vergangenheit, möchte ich, wenn es Weihnachten bzw. dem Jahresende zugeht, ein kleines Rätsel einstellen, zu welchem es dieses Jahr aber eine große Vorgeschichte gibt...

Hätte mich jemand im vergangenen Jahr um diese Zeit nach näheren Details zur Firma Weise bzw. dem Firmengründer Ignaz Weise gefragt, ich hätte wohl nur mit der Schulter gezuckt.
Ausschlag zu der Beschäftigung gab ja, wie wohl manchen noch in Erinnerung sein dürfte, ein Link zu der Stockmeier-Aufnahme aus Niederalteich und mein daraufhin gefasster Beschluß, ein möglichst vollständiges Werkverzeichnis der Firma Weise zu erstellen, brachte mich kreuz und quer durch Bayern in viele Archive.
Besonders die Arbeit im Staatsarchiv Landshut und die beeindruckende Fülle des dort vorhandenen Materials haben nun im Laufe des zweiten Halbjahrs dazu geführt, weitere Archive zum Wirken des Firmengründers Ignaz Weise zu durchforsten und zusammengekommen ist bis jetzt eine fast unüberschaubare Anzahl von Digitalisaten der aufgefundenen Akten, die ich nun nach und nach systematisch transkribiere, auswerte und aufarbeite. Für kommendes Jahr ist noch ein großer Brocken an Archivarbeit in Regensburg und anderen Orten zu erledigen, aber es ist der Grundstein gelegt für ein detailliertes kommentiertes Werkverzeichnis zu Ignaz Weise und einem biograpischen Abriss sowie einer grundlegenden Untersuchung und Bewertung seiner Bau- und Arbeitsweise. Auch können nunmehr viele Orgeln neu und korrekt datiert, Fehlzuschreibungen ausgesondert und eine chronologisch richtige Werkliste erarbeitet werden.

Meine Forschungsprojekte in Württemberg und Südbaden bleiben von dieser Sache unberührt, ich habe von ihnen nur einmal kurzfristig eine Art Auszeit genommen und werde sie im Laufe des kommenden Jahres wieder tatkräftig weiterführen.

Ignaz Weises Werk wurde bislang völlig unterschätzt. Bei seinem Wirken, den etwa 110 Neubauten für Ober- und Niederbayern sowie die Oberpfalz handelt es sich um ein Gesamtkunstwerk, welches in stilistischer Hinsicht als auch in seiner Konsequenz im süddeutschen Orgelbau der Spätromanik beispielslos dasteht, sei es in architektonischer, klanglich/künstlerischer als auch technischer Richtung. Von dieser einst in Ostbayern nahezu flächendeckend vertretenen Arbeit ist heute nur noch ein Bruchteil vorhanden, den es zu sichten und auch anzuerkennen gilt, bevor noch weitere Stücke davon verschwinden. An dieser Stelle sei hier auch Peter Griesbacher gedacht, ohne dessen Wirken als Orgelsachverständiger es sicherlich nicht zu diesem Gesamtkunstwerk aus der Werkstatt von Ignaz Weise gekommen wäre und dessen Zusammenarbeit mit der Plattlinger Werkstätte von mancher Seite auch kritisch betrachtet, teilweise auch mit Häme überzogen wurde.

Was mich besonders freut, sind die vielen neuen und netten Kontakte, die diese Beschäftigung zu Forenmitgliedern und zu nicht hier aktiven Orgelbegeisterten gebracht hat, welche ich nicht mehr missen möchte und welche zu einem regen und interessanten Austausch geführt haben.

Nun aber zu dem Rätsel. Ja, es handelt sich um eine Orgel von Ignaz Weise, deren originale Disposition aber bislang nirgendwo veröffentlicht wurde, die in der einschlägigen Literatur falsch datiert ist und die schon einige Jahrzehnte nicht mehr existiert. Ein typischer Gehäuseentwurf aus der Feder von Ignaz Weise, mit den Proportionen, die offensichtlich noch auf den Entwurf des Münchner Architekten Johann Baptist Schott (wurde korrigiert, danke an ThoFi, man sollte vorher nochmals in die Akten schauen) für Weises vermeitliches Opus 2 für Pleinting zurückgehen (den Ignaz Weise unzweifelhaft verinnerlicht hatte) und den charakteristischen Gestaltungselementen wie der dreifeldrigen Anlage und den ungewöhnlich groß dimensionierten Aufsätzen über den Mittelfeldern, die je nach Projekt und Baustil der belieferten Kirche baukastenartig variiert werden konnten.

Meine Frage: errät jemand, für welchen Ort diese Orgel entstanden ist und kann womöglich sogar das richtige Baujahr nennen?

Ich wünsche jedenfalls allen hier ein besinnliches und geruhsames Weihnachtsfest und alles Gute für das kommende Jahr, auch wenn die Lage auf der Welt einen manchesmal zum Verzweifeln bringen könnte...

Mark

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Wünsche zu Weihnachten und dem neuen Jahr mit Rätsel

ThoFi, Freitag, 19. Dezember 2025, 21:36 (vor 250 Tagen) @ MCVL

Hallo Mark,
wer hat den Pleintinger Prospekt jetzt entworfen, Schott oder Schurr.
Hans Schurr war auch der Architekt der Pfarrkirche Pasing, hat sich aber mW nicht mit Orgelprospekten befasst. Er war eher Baumeister.
Thomas

Wünsche zu Weihnachten und dem neuen Jahr mit Rätsel

MCVL @, Freitag, 19. Dezember 2025, 21:49 (vor 250 Tagen) @ ThoFi
bearbeitet von MCVL, Freitag, 19. Dezember 2025, 22:30

Hallo Thomas,

Schott natürlich, nicht Schurr.

Das war mein Fehler. Danke für den Hinweis!

Wobei Schurr auch an Weise-Projekten beteiligt war, u.a. in Michaelsbuch bei Plattling.

Wünsche zu Weihnachten und dem neuen Jahr mit Rätsel

ThoFi, Freitag, 19. Dezember 2025, 22:48 (vor 250 Tagen) @ MCVL

Interessant. Wusste nicht, dass Hans Schurr sich mit Orgelprospekten beschäftigt hätte.
Thomas

Wünsche zu Weihnachten und dem neuen Jahr mit Rätsel

MCVL @, Freitag, 19. Dezember 2025, 22:54 (vor 250 Tagen) @ ThoFi

Zu Michaelsbuch gibt es beispielsweise sehr ansprechende Zeichnungen aus seiner Hand zur Erweiterung des Schweinacher(?)-Gehäuses, um Weises Registerkanzellenladenorgel darin unterzubringen

Schurr als Orgelarchitekt

MCVL @, Montag, 29. Juni 2026, 20:42 (vor 58 Tagen) @ ThoFi
bearbeitet von MCVL, Montag, 29. Juni 2026, 22:00

Interessant. Wusste nicht, dass Hans Schurr sich mit Orgelprospekten beschäftigt hätte.
Thomas


Wie schon anderweitig erwähnt, war ich vergangenen Donnerstag im Bistumsarchiv Augsburg und habe dort die Akten zu den beiden bislang für das Bistum Augsburg nachgewiesen Arbeiten von Ignaz Weise (Oberbernbach und Paar) ausgewertet.

In Oberbernbach war auch Hans Schurr beteiligt. Ignaz Weise sandte an ihn eine Skizze des Hochaltars um nach dessen Vorbild Entwürfe für ein Orgelgehäuse anfertigen zu lassen.
Weise hat dann die Entwürfe Schurrs in Reinform gebracht. Der Entwurf von Schurr/Weise wurde aber vom Generalkonservatorium München als plump und kitschig bezeichnet und man hätte sich eher an den Seitenaltären orientieren sollen. Die Orgel wurde trotzdem nach diesem Entwurf gebaut, was zu einer Rüge für die verantwortliche Kirchenverwaltung seitens der Regierung von Oberbayern führte.
Ignaz Weise war übrigens selbst in München beim Generalkonservatorium vorstellig geworden, nicht in erster Linie wegen Oberbernbach, sondern wegen eines anderen anspruchsvollen Projekts mit einem historischen Gehäuse.
Man kann nur mutmaßen, worum es sich dabei handelte, ich vermute stark Vilshofen.

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Das Gesamtresultat der Prüfung war ein äußerst günstiges, was zur wohlverdienten Weiterempfehlung des in seinem Fache großen Plattlinger Meisters förmlich drängt. (Mariakirchen 1905)

Wünsche zu Weihnachten und dem neuen Jahr mit Rätsel

MCVL @, Samstag, 20. Dezember 2025, 21:21 (vor 249 Tagen) @ MCVL

Noch ein kleiner Tip zur Lösung. Von Georg Brenninger existiert ein (wie ich festgestellt habe) vielen Orgelinteressierten unbekannter Aufsatz von 1984, auf dessen Seite 22 sich ein zielführender Hinweis findet.

Wünsche zu Weihnachten und dem neuen Jahr mit Rätsel

MCVL @, Dienstag, 23. Dezember 2025, 23:19 (vor 246 Tagen) @ MCVL

Eigentlich habe ich recht schnell eine Lösung des Rätsels erwartet...

Noch ein Hinweis: die Ortschaft liegt in einem Flusstal, in welchem sich Orgeln von Ignaz Weise einstmals fast vom Ursprung bis zur Mündung wie Perlen auf einer Kette reihten...

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