GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Sweelinck, Freitag, 16. Januar 2026, 19:26 (vor 223 Tagen)
Ohne Kommetar:
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Freitag, 16. Januar 2026, 19:30 (vor 223 Tagen) @ Sweelinck
Und ich hab schon gehofft, daß es außer mir niemand aus diesem erlauchten Kreis hier wahrnehmen würde ...
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Sweelinck, Freitag, 16. Januar 2026, 21:05 (vor 223 Tagen) @ Poupoulcorouse
Ist das die Zukunft der evangelischen Kirchenmusik?
Ich hatte neulich ein Gespräch mit einem Theologen, der meinte, mit ähnlicher Musik könne man wieder Gottesdienstbesucher gewinnen.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Freitag, 16. Januar 2026, 21:08 (vor 223 Tagen) @ Sweelinck
Nein und nein.
Das haben nur leider ein paar Leute noch nicht gemerkt und zu vielen ist es egal.
Das größte Problem ist aber, daß solche Musik, die, wenn überhaupt, nur sehr begrenzte Milieus von Leuten zwischen v. a. 50 und 70 Jahren anspricht, als "jung" verkauft wird. Ich überlege schon, später mal ein "Boomer-Gottesdienst"-Format mit solcher Musik zu stricken, um ... wenn auch unter dem für mich ästhetisch größten persönlichen Opfer ;-) ... etwas gegen diese Fehlwahrnehmung zu tun.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Freitag, 16. Januar 2026, 21:12 (vor 223 Tagen) @ Sweelinck
bearbeitet von Poupoulcorouse, Freitag, 16. Januar 2026, 23:36
Aber ganz davon abgesehen, mal zum Eigentlichen:
Vor dem Hintergrund der anstehenden Einsparungsentscheidungen und der Debatten davor, ist eine solche kirchenmusikalische Gestaltung ein weiterer Mittelfinger gegenüber den kirchenmusikalischen Einrichtungen, die von den drohenden Kürzungen betroffen sein könnten.
Dieser Murks sagt deutlich: "Jammert nur. Wir brauchen euch eh nicht."
Typisch Latzel, aber trotzdem sehr schmerzhaft.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Große Pfeife
, Freitag, 16. Januar 2026, 23:54 (vor 223 Tagen) @ Poupoulcorouse
![[image]](images/uploaded/20260116224829696ac03d0d60a.jpg)
Ich wollte es eigentlich löschen und mich über
meine neue alte Hausorgel freuen.
Wer Tiefe und Authentizität will, Statement ist, nicht Anbiederung. Wer Lärm, Künstlichkeit
und Aufgesetztheit und Modeerscheinung meidet: Wer geht kommt dann zum Popkantor? Und wie viele?
(Anhand der Formulierung ist schon klar: Ich bin so oder so raus).
Und damit geht es mir ganz gut.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Samstag, 17. Januar 2026, 00:27 (vor 223 Tagen) @ Große Pfeife
Obwohl ich nicht alle Formen von Popmusik schlecht finde ;-)
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Wolfgang Gourgé
, Samstag, 17. Januar 2026, 22:04 (vor 222 Tagen) @ Große Pfeife
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Samstag, 17. Januar 2026, 22:18
Ich wollte es eigentlich löschen und mich über
meine neue alte Hausorgel freuen.
Wer Tiefe und Authentizität will, Statement ist, nicht Anbiederung. Wer Lärm, Künstlichkeit
und Aufgesetztheit und Modeerscheinung meidet: Wer geht kommt dann zum Popkantor? Und wie viele?
(Anhand der Formulierung ist schon klar: Ich bin so oder so raus).
Und damit geht es mir ganz gut.
....man kann über ABBA denken, wie man will, mein Fall war's nie und ist es auch heute nicht - aber erstens waren die nicht schlechterdings blöd und zweitens hat diese Musik in dem Genre, in dem sie funktionieren sollte, auch tatsächlich funktioniert. Nur würden Björn Ulvaeus und Benny Andersson wohl kaum auf die Idee kommen, ihre Songs hätten irgendwas mit Kirchen oder Liturgie zu tun. Die Idee, einen ABBA-Gottesdienst zu machen, ist schlichtweg lächerlich, und wer auf diese Idee gekommen ist, sollte sich wirklich mal überlegen, welche Altersgruppe er damit anspricht - Poupoulcourouse hat dazu schon das richtige gesagt. Ich kenne auch jemanden, der Taizé mag - die (sehr nette) Dame ist Mitte 80. Wann muss man mit dem ersten Richard-Clayderman-Gottesdienst rechnen?
Was einem in diesem Gottesdienst zugemutet wird, durchschlägt wirklich *jedes* Netz auf dem Weg in den Abgrund. Schon der Anfang mit dem Klimper-Titel "The Beginning" - ein Werk, das besser nie das Licht der Notenpulte erblickt hätte - ist flacher als die Goldschicht auf der billigsten Versandhaus-Uhr, und danach wird es noch schlimmer.
Was ich persönlich so bestürzend finde, ist die totale Ignoranz des Präses und seines Leitungspersonals. Am Ende heißt es allen Ernstes, er danke für die "wunderbare, schwungvolle Gestaltung" (die in Wahrheit so viel "Drive" hat wie ein leiernder Kassettenrecorder), die eine "schöne Werbung für die neue Kirchenmusik" sei. Wie bitte? Wie wenig Bildung muss man haben, um im Ernst zu glauben, mit solchen Darbietungen die gesellschaftlichen Schichten ansprechen und halten zu können, die gerade die evangelische Kirche für ihr Überleben braucht - nämlich die gebildeten Verdiener und Steuerzahler?
Was man hier sieht, ist das totale Scheitern des Modells "Popkantor/in". Verräterisch ist schon die Aufforderung vor "Nun danket alle Gott" an die Gemeinde, sie solle "gerne mit einstimmen". Gilt im Protestantismus nicht der Gemeindegesang als integraler Bestandteil der Verkündigung? Und wieso muss man zum Singen auffordern? Ganz einfach: weil die Bands mit ihren Sängern die Gemeinden in eine rein passive Rolle drängen. Das ließ sich auch in anderen Beispielen schon mitverfolgen: die Popkantorin singt mit ihrer Band, die Gemeinde lässt es über sich ergehen. Mit dem eigentlichen protestantischen Musikverständnis hat das nichts mehr zu tun.
Nicht zuletzt: man sieht, wie erstarrt diese Szene eigentlich ist. Nichts ist neu, nichts originell, nichts gut. Vor gut vierzig Jahren, zu meiner Schulzeit, klang es schon genauso, und es war genauso flach, pseudo-rockig, pseudo-poppig. Jede gut gemachte Reklamemusik schlägt das um Längen. Da singt die Band am Schluss "es ist nie zu spät für einen Neuanfang" - den sie selbst am nötigsten hätte mit ihrem 80er Jahre-Kirchentagsstil, der einem längst zu den Ohren heraushängt.
Eh alles egal. Sollen sie untergehen. Diese Kirche braucht niemand.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Samstag, 17. Januar 2026, 22:08 (vor 222 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
Was man hier sieht, ist das totale Scheitern des Modells "Popkantor/in". Verräterisch ist schon die Aufforderung vor "Nun danket alle Gott" an die Gemeinde, sie solle "gerne mit einstimmen". Gilt im Protestantismus nicht der Gemeindegesang als integraler Bestandteil der Verkündigung? Und wieso muss man zum Singen auffordern? Ganz einfach: weil die Bands mit ihren Sängern die Gemeinden in eine rein passive Rolle drängen. Das ließ sich auch in anderen Beispielen schon mitverfolgen: die Popkantorin singt mit ihrer Band, die Gemeinde lässt es über sich ergehen. Mit dem eigentlichen protestantischen Musikverständnis hat das nichts mehr zu tun.
Das ist auch das, was mich daran tatsächlich am meisten ärgert. Da wird nichts "belebt" mit etwas tollem "Neuen", sondern der Gemeindegesang wird einfach nur weiter zugrunde gerichtet. Ich hätte schließlich auch keine Lust, gegen eine Solistin anzusingen. Und wenn man während der Musikteile die Resonanz im Publikum beobachtet, dann sieht man auch, daß es kaum jemandem wirklich gefällt. Nicht einmal der Band selbst.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
ErikvdNeers, Samstag, 17. Januar 2026, 22:22 (vor 222 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
Wobei ABBA mit Orgel auch geht:
Flügel und Orgel, war: GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Orlos
, Samstag, 17. Januar 2026, 22:55 (vor 222 Tagen) @ ErikvdNeers
Vor einiger Zeit habe ich ein Konzert mit Flügel und Orgel in einem Konzertsaal gemacht. Die Orgel hat beim Aufregistrieren ziemlich schnell den Flügel klanglich überdeckt. Wir hören hier eine Aufnahme mit Mikrophonen direkt vor dem Flügel. Haben die Zuhörer im Saal den Flügel überhaupt gehört? Vielleicht wurde der Klang dort auch verstärkt.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
kjz1, Sonntag, 18. Januar 2026, 13:38 (vor 222 Tagen) @ ErikvdNeers
Wobei ABBA mit Orgel auch geht:
Wobei ich mal gelesen habe, dass gerade 'Dancing Queen' von den Sängerinnen schon einen gewissen Stimmumfang abfordert, woran etliche Nachahmer gescheitert sind.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
orgelquaeler, Montag, 19. Januar 2026, 08:37 (vor 221 Tagen) @ Sweelinck
Ist das die Zukunft der evangelischen Kirchenmusik?
Ich hatte neulich ein Gespräch mit einem Theologen, der meinte, mit ähnlicher Musik könne man wieder Gottesdienstbesucher gewinnen.
;-) Im evangelischen Teil unseres Christen-Bunkers war letzten Freitag mal wieder Holy Rave mit Gottesdienst.
https://www.badische-zeitung.de/300-menschen-bei-holy-rave-in-freiburger-kirche
Eine Veranstaltung, die die Vielfalt fördert. Ist das die Zukunft der Kirchenmusik?
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
ErikvdNeers, Montag, 19. Januar 2026, 10:47 (vor 221 Tagen) @ orgelquaeler
Vielfalt vielleicht. Zukunft der Kirchenmusik nein. Eher werden noch mehr Kirche geschlossen. In Niederlande läuft alles parallel. Worship (auch mit Orgel), Gospel, klassisch. Klassisch mit Band. Schaut mal Nederland zingt auf die TV.
In kath Kirche, die in NL seit die 70er Jahre schon kaum noch Bedeutung hat, gibt es nur noch in Kathedralen Orgelmuziek (ich übertreibe das etwas).
Qualität na ja....
Bei gereformerte Kirche besser aber auch nicht überall.
Sorry, mein Deutsch ist nicht so gut....hoffentlich zu verstehen.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Montag, 19. Januar 2026, 11:04 (vor 221 Tagen) @ orgelquaeler
Ich habe mit solchen Sonderveranstaltungen eigentlich überhaupt keine großen Probleme. Als "Extra". Es muss ja auch nicht bei allem Außergewöhnlichen gleich gefragt werden, ob das jetzt "die Zukunft" von dem und dem sei. Das ist ja auch eher ein zwanghafter Reflex in der medialen Kommunikation und weniger originärer Teil der Motivation, so etwas zu veranstalten.
Was mich viel mehr stört, ist, wie sehr die normale "Sonntagsform" schleifen gelassen wird und daß an vielen Stellen der Eindruck erweckt wird, daß man sie selbst eigentlich nicht mehr ernst nimmt. Wenn das nicht so wäre, wäre alles andere ja gar kein großes Problem.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
ErikvdNeers, Montag, 19. Januar 2026, 11:26 (vor 221 Tagen) @ Poupoulcorouse
Aber ist das bei die ev. Kirche in Deutschland nicht schon lange so? Eine Kollege sagte mal: Bei die katholische Kirche kannst du in Timbuktu oder Köln in die Messe gehen und kommst gut mitzuverfolgen. Bei die ev. Kirche weißt du in St. Pauli nicht, was in Altona gemacht wird.
Wird dann ja oft bezeichnet als Vielfalt, ich sage vielleicht es ist durcheinander, was die Leute abschreckt zu kommen. Bei kath. sagen natürlich auch einige, das es langweilig ist, immer das gleiche Ablauf zu haben. Aber gibt auch "liturgische Bastelstunde".
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Montag, 19. Januar 2026, 11:38 (vor 221 Tagen) @ ErikvdNeers
Ich hab das bewusst konfessionell neutral formuliert, weil für mich naturgemäß dabei andere Maßstäbe zählen als zum Beispiel für liturgisch-traditionsverbundene Katholiken. Es stört mich überhaupt nicht, daß es in evangelischen Gemeinden unterschiedliche Gottesdiensttraditionen gibt, solange man sie ernst nimmt. Die Vielfalt an Gottesdienstordnungen in evangelischen Gemeinden ist auch überhaupt kein neues Phänomen. Eigentlich hat sie sich in den letzten 100 Jahren, konträr zur populären Wahrnehmung, faktisch sogar eher verringert.
Das Problem liegt da, wo die gewählte Form einfach nur runtergeschludert wird, wo kein Verständnis dafür gepflegt wird, was man da tut und was das alles soll, wieso man sich irgendwann dafür entschieden hat und auf welcher Grundlage man das getan hat.
Wenn man das vermeidet und das Ergebnis dann überzeugend ist, dann werden sich auch die wenigsten darüber beschweren, daß irgendetwas nicht nach Schema F gelaufen ist.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
ErikvdNeers, Montag, 19. Januar 2026, 12:00 (vor 221 Tagen) @ Poupoulcorouse
Das runterschludern ist aber auch kein reines ev..Problem. Habe ich neulich in einen Gottesdienst auf ktv gezappt, in alte Ritus, die Priester war so uninspiriert (sagt man das so?). Da kann man verstehen, wenn Nietzsche sagt, die Christen müssten erlöster aussehen.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
untersatz32, Freitag, 16. Januar 2026, 20:12 (vor 223 Tagen) @ Sweelinck
Jetzt mal ganz abgesehen von der Musik, die ich jetzt gar nicht werte: was für ein Durcheinander!!!
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Orlos
, Freitag, 16. Januar 2026, 21:16 (vor 223 Tagen) @ Sweelinck
bearbeitet von Orlos, Freitag, 16. Januar 2026, 21:19
Obwohl ich katholisch bin, durfte ich schon viele evangelische Gottesdienste an der Orgel begleiten, ich leitete auch eine Kantorei in einer evangelischen Gemeinde und hatte mehrere Jahre eine Organistenstelle an einer evangelischen Landgemeinde hier am Mittelrhein. Ich fühlte mich da immer sehr wohl, weil es ein sehr ähnliches Verständnis von Liturgie gab, im Grunde war auch der Ablauf gleich zur katholischen Messe. Aber dieser Gottesdienst der Synode lässt mich etwas ratlos zurück, er wirkt auf mich ungeordnet und beliebig (zum Beispiel: Warum der Friedensgruß gegen Anfang, das Lied "gib uns Frieden" aber viel später?). Liturgie gibt Halt, Ordnung und ein Gefühl des Wiedererkennens und damit des Geborgenseins – das klingt jetzt arg pathetisch. Dieser Synoden-Gottesdienst wirkt auf mich eher wie ein Happening, ein Tagungspunkt. Aber wahrscheinlich habe ich einfach falsche Erwartungen an so ein Event.
Ich finde es schade, dass man die Orgel gar nicht einsetzt, nicht einmal bei den "klassischen" Liedern. Da wäre mehr klangliche Abwechslung (und die Musik vielleicht auch harmonisch interessanter) gewesen als bei den immer gleichen Klangfarben der Band. Wenn jemand so dominant ins Mikrophon singt, fühlt man sich als Gemeinde wahrscheinlich wenig motiviert, überhaupt mitzusingen, das hat dann Konzert-Charakter.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
ErikvdNeers, Freitag, 16. Januar 2026, 21:30 (vor 223 Tagen) @ Sweelinck
Ich hab schon Gottesdienste mit schlechterer klassischen Kirchenmusik gehört.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
MAT
, Freitag, 16. Januar 2026, 22:25 (vor 223 Tagen) @ Sweelinck
Beim ersten Lied hab ich abgeschaltet. Unerträglich!
--
Gruß
MAT
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
ArnezN, Sonntag, 18. Januar 2026, 17:54 (vor 221 Tagen) @ Sweelinck
Da das "Popkantorenbashing" hier gerade wieder losgeht, erlaube ich mir mal einen dazu passenden Bericht aus der Praxis zu geben.
Ich wohne seit zwei Jahren in einer Württembergischen Kleinstadt, in der es eine klassisch ausgerichtete 50%-B-Stelle gab. Logischerweise ist so eine Stelle, so schön Kirche und Orgel auch sein mögen, immer nur ein Sprungbrett in das nächste frei werdende Bezirkskantorat. Bei der aktuellen Absolventenzahl an Kirchenmusikhochschulen klappt das allerdings für viele mittlerweile auch ohne Sprungbrett. Und so begab es sich, dass sich auf die letzte Ausschreibung einfach keine geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten beworben haben.
Daraufhin hat man beschlossen, das Experiment zu starten und die Stelle als Popkantorat neu auszuschreiben. In dieser Form konnte es dann auch wiederbesetzt werden. Nun gibt es also regelmäßig Klaviermusik im Gottesdienst, es gibt ein (vom Kantor unabhängiges) Musikteam, eine neu gegründete Jugendband, regelmäßige Gospelchorprojekte, einen großen Posaunenchor und einen (ebenfalls vom Kantorat unabhängigen) klassischen Kirchenchor. Für mich als "neigschmeckter" bot die Situation die Chance, mich zuerst der Orgel, mittlerweileile auch des klassischen Chores anzunehmen - letzteres ist noch einmal eine andere Geschichte, denn auch nebenamtliche Chorleiter sind ein seltenes Gut geworden.
So haben wir hier die in meinen Augen luxuriöse Situation, ein breites Spektrum an Musik in der Gemeinde praktizieren zu können. Natürlich bekomme ich als Organist auch Rückmeldungen à la "Schade, dass die Orgel so selten im Gottesdienst spielt", aber die "Schön, dass im Gottesdienst jetzt mehr Klavier gespielt wird"-Stimmen melden sich natürlich nicht bei mir.
Die Zusammenarbeit der einzelnen Gruppen ist sehr gut, da mir unser Kantor gleich zu Beginn erklärt hat, dass er von Überheblichkeiten des einen Stils dem anderen gegenüber nichts hält - die gibt es nämlich nicht nur von unserer Seite aus. Musik hat eben doch viel mit Geschmack zu tun und wenn ich nun mit dem klassischen Chor nicht zwanghaft irgendwelche Pop-Geschichten singen und im Gegenzug der Popkantor sich nicht an der Orgel einen abbrechen muss, ist die Situation für alle so, dass es sinnvoll ist, dass jeder an seiner Position am selben Strang zieht.
Dass ein Popkantorat nicht zwingend eine Einrichtung für "die Jugend" ist, kann man hier allerdings auch feststellen: Pop- und Kirchenchor haben eine ähnliche Altersstruktur, wobei unser Chor (noch) nach oben deutlich offener ist. Umgekehrt haben beim letzten Neukonfirmandenbegrüßungsgottesdienst einige der 12-14-jährigen die Frage danach, was im Gottesdienst nicht fehlen darf, mit der Orgel beantwortet.
Deshalb hier mein Plädoyer: Wir sollten aufhören, in der Kirchenmusik schwarz-weiß zu sehen und vor allem uns gegeneinander auszuspielen oder ausspielen zu lassen. Es geht dabei auch um Außenwirkung. Ich glaube nicht, dass irgendeine Energie sinnvoll eingesetzt ist, die pauschal eine vermeintliche Gegenseite schlecht redet. Sie wäre besser genutzt, wenn man sie aktiv für die Musik, die einem am Herzen liegt, einsetzt. Kurz gesagt: Machen, nicht lamentieren.
Unabhängig von dieser ganzen Geschichte: Die Musik im verlinkten Gottesdienst ist wirklich unterirdisch. Den Michael Schütz vom Anfang habe ich noch nie so gequält und uninspiriert gehört. Das zeigt: Unabhängig von allen Grundsatzfragen kommt es doch letzendendes auch immer darauf an, wer die Musik musiziert.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Sonntag, 18. Januar 2026, 19:52 (vor 221 Tagen) @ ArnezN
Deshalb hier mein Plädoyer: Wir sollten aufhören, in der Kirchenmusik schwarz-weiß zu sehen und vor allem uns gegeneinander auszuspielen oder ausspielen zu lassen. Es geht dabei auch um Außenwirkung. Ich glaube nicht, dass irgendeine Energie sinnvoll eingesetzt ist, die pauschal eine vermeintliche Gegenseite schlecht redet. Sie wäre besser genutzt, wenn man sie aktiv für die Musik, die einem am Herzen liegt, einsetzt. Kurz gesagt: Machen, nicht lamentieren.
Genau das ist aber Teil des aktuellen Problems: Vor allem in den Fernsehgottesdiensten, bei kirchlichen Großereignissen usw. wird mittlerweile eine Monokultur des Sakropop gepflegt und nicht die Vielfalt, die man sich eigentlich mal auf die Fahnen geschrieben hatte. Die Sakropop-Ausbildungsgänge usw. unterliegen nicht denselben Evaluationszwängen wie die "klassischen" Bildungsstätten und die qualitativen Ansprüche werden so niedrig angesetzt, daß sich auch der größte Mumpitz eines Fleißsternchens sicher sein darf, während anderswo sehr unbarmherzige Qualitäts- und Privilegiendebatten geführt werden.
Die Wahrnehmung der musikalischen Realität steckt gleichzeitig noch irgendwo in den 90ern fest. Die Vertreter der kirchlichen Popularmusik tun immernoch so, als seien sie die größten Exoten und würden überall benachteiligt und müssten überall "kämpfen", um ihren Platz zu haben. Das ist objektiv allerdings mittlerweile völliger Unsinn. Ebenso großer Unsinn wie die "Jugendlichkeits"-Legende oder auch, anderes Feld, die Behauptung vom großen Wachstum der Freikirchen. Aber es ist leider, hier wie da, folgenreicher Unsinn.
Mit den "Pop"-Kapazitäten wird auch langfristig keine flächendeckende musikalische Versorgung möglich sein. Aber durch Vergraulen, Wegsparen im klassischen Bereich, werden immer mehr Kirchen in den nächsten Jahren gar keine Musik mehr haben, die nicht aus der Konserve kommt oder dermaßen schlecht ist, so leid mir das jetzt auch tut, daß man es besser gleich ganz lassen sollte.
Diese Probleme werden aber völlig unterschätzt und hinter irgendwelchem blöden bzw. verblödendem Marketinggeschwafel wie dem von Latzel am Schluss des Eröffnungsgottesdienstes der Synode unsichtbar gemacht. Mit demselben Schwafel verkauft er auch andernorts die Folgen von (oft genug strategisch falsch geplanten) Einsparungen als Innovation.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
ArnezN, Sonntag, 18. Januar 2026, 23:13 (vor 221 Tagen) @ Poupoulcorouse
und die qualitativen Ansprüche werden so niedrig angesetzt, daß sich auch der größte Mumpitz eines Fleißsternchens sicher sein darf, während anderswo sehr unbarmherzige Qualitäts- und Privilegiendebatten geführt werden.
Genau das meine ich doch mit "sich nicht gegeneinander ausspielen und ausspielen lassen". Die Generation 60+, die teilweise unbeirrt am Glauben festhält, mit Sacropop allein ließen sich die Besucherzahlen der Gottesdienste stabilisieren, darf man natürlich gelegentlich daran erinnern, dass eine einspurige Strategie immer Menschen auf der Strecke lässt, seien es Pop- oder Klassikanhänger. Da würde ich mir von den Praktikern beider Seiten zuerst die Toleranz gegenüber der anderen Seite und daran anschließen ein gemeinsames Nein gegenüber denen wünschen, die sie gegeneinander ausspielen wollen, aus welchen Gründen auch immer. Natürlich braucht die vermeintlich neue Kirchenmusik nicht mehr oder weniger Werbung, als die "alte".
Das eigentliche Problem ist doch nicht nur, dass von der Kirchenleitung Sparmaßnahmen auferlegt werden, sondern auch, dass es zu wenig gutes Personal in Form von Kirchenmusikern gibt. Bei uns war es keine Entweder-Oder-Frage, ein klassischer Kirchenmusiker war nicht zu finden.
In der nächsten größeren Stadt (ca. 40.000 Einwohnr) gibt es einen Bezirks- und einen Popkantor. Letzter füllt im Gemeindeblatt mehrere Seiten mit Berichten und Ankündigungen, der Bezirkskantor erscheint nur auf der Kontaktseite und verbreitet bei jeder Gelegenheit seine Theorie, dass vor allem das Chorwesen auf dem Land ein Auslaufmodell sei. Sowas kann natürlich den Eindruck vermitteln, dass der Popkantor das zukunftsfähigere Modell sei, ist aber sicherlich ein Einzelfall.
Aber gleichermaßen wird auch jedes unberechtigte Fleißsternchen und jede unbarmherzige Qualitätsdebatte ein Einzelfall sein, vielleicht auch mit einem deutlich weiteren Kontext drumherum. Ich denke einfach nicht, dass man diese Fälle auf "das Modell Popkantor" generell beziehen und aus ihnen den Niedergang der klassischen Kirchenmusik folgern sollte.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Montag, 19. Januar 2026, 11:14 (vor 221 Tagen) @ ArnezN
Das eigentliche Problem ist doch nicht nur, dass von der Kirchenleitung Sparmaßnahmen auferlegt werden, sondern auch, dass es zu wenig gutes Personal in Form von Kirchenmusikern gibt. Bei uns war es keine Entweder-Oder-Frage, ein klassischer Kirchenmusiker war nicht zu finden.
Das ist allerdings, zumindest nach meiner Wahrnehmung, wie bei der Theologie, auch Folge dieser Narrative, die uns offensichtlich beide stören. Wenn etwas so penetrant als unzeitgemäß gelabelt wird, werden die Schwellen, sich für die Praxis zu interessieren, natürlich höher. Zumal es ja nun wirklich leichter zu erreichende berufliche Optionen gibt, die mehr Einkommen versprechen.
Man muss das wollen. Und wenn dann auch noch überall, gerade da, wo es "jugendlich" zugehen soll, implizit oder explizit kommuniziert wird, daß das etwas Aussterbendes, Verstaubtes sei, das "für junge Menschen nicht geeignet" ist, dann wird sich das natürlich auch, neben allen anderen Problemen, auf die Nachwuchszahlen auswirken.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
hintersatz
, Montag, 19. Januar 2026, 22:01 (vor 220 Tagen) @ ArnezN
In Schuttertal haben wir am nächsten Sonntag eines unserer beiden Patrozinien. Zu diesem Anlass kommen der Männerchor, die Trachtenkapelle, der Kirchenchor und natürlich meine Wenigkeit. Durch die gegenseitige Wertschätzung dieser Musikgruppen kommt es dazu, dass diese regelmäßig mit ihren wenigen kleinen Auftritten zur Höchstform auflaufen. Ich meine, dass Wertschätzung hier nicht gerade eure Stärke ist; das könnte man ja im Umgang dieser Grüppchen hier mit eurem Administrator ablesen, oder?
Wertschätzung, meine Lieben und Damen und Herren, führt übrigens zum Beispiel auch in einer Pflegesituation auf einer neurologischen Pflegestation dazu, dass man Personal ohne Ende hat, während alle anderen am Suchen sind. Ja, und haben Sie noch Fragen, meine Damen und Herren?
Während wir also unser Fest in bewährter Gemeinschaft feiern, wünsche ich Ihnen die nötige Zeit, um über den Wert echter Wertschätzung einmal gründlich nachzudenken.
--
Organiste titulaire du grand orgue de Saint-Rémi
Wir wollen gefälligst mehr echte Wertschätzung!!!
Evacuant, Dienstag, 20. Januar 2026, 10:43 (vor 220 Tagen) @ hintersatz
Ich meine, dass Wertschätzung hier nicht gerade eure Stärke ist; das könnte man ja im Umgang dieser Grüppchen hier mit eurem Administrator ablesen, oder?
...
Während wir also unser Fest in bewährter Gemeinschaft feiern, wünsche ich Ihnen die nötige Zeit, um über den Wert echter Wertschätzung einmal gründlich nachzudenken.
Genau! Und darum wäre es am besten, wenn jetzt jeder die gewünschte Wertschätzung für die eigene Person mit den nötigen Nachdruck von allen anderen einfordern würde.
Wir wollen gefälligst mehr echte Wertschätzung!!!
MAT
, Dienstag, 20. Januar 2026, 15:39 (vor 219 Tagen) @ Evacuant
Hoch lebe der Trumpismus.
--
Gruß
MAT
Wir wollen gefälligst mehr echte Wertschätzung!!!
hintersatz
, Dienstag, 20. Januar 2026, 20:51 (vor 219 Tagen) @ MAT
Oh diese Kimus, die wissen wirklich nix. Aber die leben ja auch in ihrer Gemeindeblase und werden nicht geschult. Wertschätzung, meine Liebe ist etwas, was du jemandem aus deinem reinen Herzen heraus entgegenbrinst, und nicht etwas, was sich hier lustig ironisierend irgend ein Arsch einfordert. Regis Saba et Seba adducent.
--
Organiste titulaire du grand orgue de Saint-Rémi
Wir wollen gefälligst mehr echte Wertschätzung!!!
orgelquaeler, Mittwoch, 21. Januar 2026, 08:32 (vor 219 Tagen) @ hintersatz
....so wie ein ehemaliger Alttestamentdozent und Priester zu mir meinte, dass die Osternacht ein ganz normaler Gottesdienst sei und warum ich mich darauf vorbereiten wolle....
Ich mag die Gewohnheit, dass bei uns in der Gemeinde nach dem Nachspiel geklatscht wird.
Wir wollen gefälligst mehr echte Wertschätzung!!!
hintersatz
, Mittwoch, 21. Januar 2026, 21:08 (vor 218 Tagen) @ orgelquaeler
Den genieße ich Königschaffhausen und Leiselheim nach der Bach-Fuge am Schluss auch, verneige mich dafür allerdings nicht vor dem Publikum, sondern vor der Orgel (um1780/90), die uns Allen diesen Genuss bescheert hat.
--
Organiste titulaire du grand orgue de Saint-Rémi
Wir wollen gefälligst mehr echte Wertschätzung!!!
Bariolage, Sonntag, 25. Januar 2026, 17:51 (vor 214 Tagen) @ orgelquaeler
Ich mag die Gewohnheit, dass bei uns in der Gemeinde nach dem Nachspiel geklatscht wird.
Das passiert bei uns nur nach improvisierten Apokalypsenmusik. Nach Literatur überhaupt nicht mehr.
In meiner Jugendzeit gab es in einigen Gemeinden das Orgelnachspiel, das auch im Pfarrblatt angekündigt worden. Gibt es das noch irgendwo?
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
jens79, Sonntag, 25. Januar 2026, 11:08 (vor 215 Tagen) @ Sweelinck
bearbeitet von jens79, Sonntag, 25. Januar 2026, 11:13
Im Vergleich zu diesem aktuellen Beispiel aus Wien wirkt die Musik bei Rheinischen Synoden geradezu hochkomplex:
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Bariolage, Sonntag, 25. Januar 2026, 13:14 (vor 215 Tagen) @ jens79
Im Vergleich zu diesem aktuellen Beispiel aus Wien wirkt die Musik bei Rheinischen Synoden geradezu hochkomplex:
Ja und Nein. Auf jeden Fall nicht besser oder schlechter.
Wien oder Bonn? Pest oder Cholera? Auf jeden Fall ökumenische Eintracht.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Sonntag, 25. Januar 2026, 14:58 (vor 215 Tagen) @ Bariolage
Im Vergleich zu diesem aktuellen Beispiel aus Wien wirkt die Musik bei Rheinischen Synoden geradezu hochkomplex:
Ja und Nein. Auf jeden Fall nicht besser oder schlechter.
Wien oder Bonn? Pest oder Cholera? Auf jeden Fall ökumenische Eintracht.
Ich kann mit beiden relativ gut leben. In beiden Gruppen ist auch gutes Handwerk dabei. Ich würde diese Musik so nicht machen, aber so ähnlich. Und nie stilistisch isoliert in solchen Gebäuden mit Anspruch und Historie, sondern auch mit "könservativen" Beiträgen. In einer Kongresshalle o. ä. mag das anders sein, und dann können die Liturg:innen sich auch normal anziehen, also Anzug und so, keine Amtstrachten.
Ein Punkt scheint aber auch mir bedenklich, und zwar die Gemeinde-Beteiligung am Gesang. Bands sind oft lauter als Orgeln (manchmal ist es leider auch umgekehrt), und man wird als Gemeinde schnell zugedeckt, vor allem von solistischen Ansängern am Mikro. Schon als Kind (vor 45 Jahren) entdeckte ich in meiner Dorfkirche einen Schalter, der den Strom zur Lautsprecheranlage unterbrach, damit man den Pfarrer während der Lieder abschalten könnte, Falls er am Altar oder Ambo mitsang. Man musste halt rechtzeitig wieder einschalten.... Naja, das kennen wir und haben es hier schon oft durchgenommen.
Wenn ich auf also meine "Gegenseite" eingehen wollte, würde ich zustimmen (von Herzen!), dass manche Orgelbegleitung Anfechtung und Ärgernis ist. Das gilt aber generell für Popularkirchenmusik fast noch mehr, weil sie sich (noch) nicht auf eine lange Tradition berufen kann.
Aber vielleicht kommt auch das langsam in Mode, dass man schlecht gedrückte Barrée-Griffe an der Gitarre und unbewusst mitlaufende E- und A-Saiten als Tradition oder gar historische Aufführungspraxis erleben kann. Ebenso wie ungedämpftes Schlagzeug mit Sticks statt Besen etc. in halligen Kirchen. Schlecht gemachter Pop als Retro-Faktor, genau wie auch das in der Periodik verunglückte Choralvorspiel an der Orgel oder die zusätzlichen Fermaten in der Begleitung, weil noch die Noten zusammengesucht werden, wo der Satz "Aber man begleitet doch die Gemeinde mit der Orgel" das einzige verbliebene Argument ist.
Wie sang schon die Erste Allgemeine Verunsicherung: "Das Böse ist immer und überall."
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
jens79, Sonntag, 25. Januar 2026, 19:31 (vor 214 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
bearbeitet von jens79, Montag, 26. Januar 2026, 13:02
Ich kann mit beiden relativ gut leben. In beiden Gruppen ist auch gutes Handwerk dabei.
"Gutes Handwerk" kann in der rheinischen Darbietung kaum, bei der Wiener Combo gar nicht erkennen. Dazu der geradezu manisch penetrante erlöste pseudofröhliche Gesichtsausdruck der beiden Frontdamen - haben die etwas eingenommen, um von ihrem Tun so beglückt zu sein?
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Sonntag, 25. Januar 2026, 20:07 (vor 214 Tagen) @ jens79
Ich kann mit beiden relativ gut leben. In beiden Gruppen ist auch gutes Handwerk dabei.
"Gutes Handwerk" kann in der rheinischen Darbietung kaum, bei der Wiener Combo gar nicht erkennen. Dazu der geradezu manisch penetrante erlöste pseoudofröhliche Gesichtsausdruck der beiden Frontdamen - haben die etwas eingenommen, um von ihrem Tun so beglückt zu sein?
Bevor ich hier fragwürdig wirke: Das gute Handwerk sehe ich darin, dass die Instrumente gut bedient werden (z B Cello) und dass sauber gesungen wird. Also, nur die Ausführung.
Die Kompositionen nehme ich da eher aus. Aus Köln habe ich auch nur einen Titel gehört.
Gesichtsausdrücke & Co. - ja, man wundert sich.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
jens79, Montag, 26. Januar 2026, 12:20 (vor 214 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Bevor ich hier fragwürdig wirke: Das gute Handwerk sehe ich darin, dass die Instrumente gut bedient werden (z B Cello) und dass sauber gesungen wird. Also, nur die Ausführung.
Die Kompositionen nehme ich da eher aus. Aus Köln habe ich auch nur einen Titel gehört.Gesichtsausdrücke & Co. - ja, man wundert sich.
Naja, allzu große technische Anforderungen an die Ausführenden stellt diese Komposition nicht.
Und wenn schon sauber singen für einen Auftritt im Stephansdom nebst medialer Verbreitung auf der Seite der Erzdiözese reicht, völlig losgelöst vom musikalischen Wert und nebenbei auch verbunden mit einem theologisch fragwürdigen Text (was ist die "Melodie Gottes"?, das ist doch auf dem Niveau von Poesie-Album-Kitsch), dann kann man nur mit Herrn Gourgé sagen, freilich diesmal auf die katholische Kirche bezogen:
"Eh alles egal. Sollen sie untergehen. Diese Kirche braucht niemand" (Zitat seines Beitrages vom 17. Januar in diesem Faden)
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Zink, Montag, 26. Januar 2026, 13:11 (vor 214 Tagen) @ jens79
bearbeitet von Zink, Montag, 26. Januar 2026, 13:19
Melodiam dei recipite ist der Wahlspruch des neuen Erzbischofs. Stammt von Ignatius von Antiochien.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
jens79, Montag, 26. Januar 2026, 13:17 (vor 214 Tagen) @ Zink
bearbeitet von jens79, Montag, 26. Januar 2026, 14:45
Melodiam dei recipite ist der Wahlspruch des nwuen Erzbischofs.
ich weiß, aber das macht es nicht besser, ganz im Gegenteil, auch wenn es auf Latein nicht ganz so banal klingt.
"Melodie" ist keine theologische Kategorie, nichts was man Gott zuschreiben könnte.
Schiefe Bilder und Vergleiche sind ja eines der untrüglichsten Kennzeichen schlechter Texte.
Insofern passt die Musik auch wieder gut.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Montag, 26. Januar 2026, 13:44 (vor 214 Tagen) @ jens79
Melodiam dei recipite ist der Wahlspruch des nwuen Erzbischofs.
ich weiß, aber das macht es nicht besser, ganz im Gegenteil, auch wenn es auf Latein nicht ganz so banal klingt.
"Melodie" ist keine theologische Kategorie, nichts was man Gott zuschreiben könnte.
Schiefe Bilder und Vergleiche sind ja eines der untrüglichsten Kennzeichen von schlechter Texte.
Insofern passt die Musik auch wieder gut.
Ich ergänzte ja meinen vorigen Beitrag, dass ich nur von der Ausführung sprach. Und ja, sauber gesungen und gespielt ist für mich schon was Positives, gibt es bei Orgel auch nicht immer, auch nicht bei Synoden-GD oder aus Domkirchen, vor allem aber am kleineren Parkett, und da freue ich mich, wenn eine Sängerin schon mal überhaupt singen kann und nicht eingesetzt wurde, weil sie Frau oder "modern" ist oder nicht dem Kirchenchor angehört. Großé Kunst ist das nicht, schon klar.
Die Stücke dioeses Genres verteidige ich nicht und stimme zu, dass vor allem textlich vieles sehr dünn ist, wie immer. Auch die hier genannte "Melodie Gottes" ist für mich tatsächlich kein wirklich nutzbarer Begriff.
Auf unserer regionalen Kimu-Tagung diskutierte ich mit Dennis Bischoff, dem neuen Popkantor der Nordkirche (sehr nett und er kann was - hat allerdings kein KM-Diplom, sondern Schumu. Durfte ich mit ihm überhaupt sprechen? ;-). Und zwar ging es um das Monatslied-Projekt. Dort gibt es aktuell wohl an die 80 in Auftrag gegebene oder aus dem Redaktionskreis kommende Stücke. Etwa ein Zehntel davon ist Repertoire unserer Gemeinde - Stücke, die nicht nur "Spaß" machen, sondern auch inhaltlich zumindest eine Kleinigkeit bieten. Über den Rest und auch die Titel, die er uns neu mitbrachte, sprach ich mit ihm - dass ich es in vielen Kontexten günstig finde, dass "Gott" als Wort nicht vorkommt, aber ich brauche doch irgendwelche Inhalte, die an kirchliche Themen anschließen können. Da war bei den letzte Woche vorgestellten zwei Titeln sehr wenig dabei. Er nahm diese Meinung aufmerksam mit - drei Theologen wären im Redaktions-Team, und es wird sehr genau über jedes Lied gesprochen, aber tatsächlich gibt es eine Überzeugung, dass sozusagen die Deutungshoheit sehr individuell bzw. im Zweifel breit verteilt wird. Ich führte meine Kritik weiter, dass es dann aber nur mehr um ein "schönes Gefühl" ginge. Dies bejahte er, eine schönes Gefühl fände er erst mal richtig (mit Blick auf Fernstehende etc.). Darin wiederum kann ich ihm Recht geben, dieses Gefühl hat man auch beim Besuch einer schönen Kirche, oder wenn man dort Musik hört, deren Inhalt völlig fremd ist.
Sicherlich glauben auch in der Nordkirche einige Hauptverantwortliche, dass diese Musik den Absturz der Kirche als einzige retten kann. Dies sehe ich natürlich völlig anders. Aber ich weiß, dass diese Musik, vor allem das Bessere aus ihr, unter den vielen Mitteln zur Bremsung des Kirchenverfalls eine Rolle spielen kann. Eine unter vielen, wohlgemerkt, und da gehören selbstverständlich die ererbten Schätze der kirchenmusikalischen Hochkultur dazu.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Dienstag, 27. Januar 2026, 12:25 (vor 213 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Bei der Sache mit dem "schönen Gefühl" muss ich jetzt doch mal einhaken: Ja, gerne, aber wer ist denn ganz praktisch-objektiv dafür verantwortlich?
Die Gemeinde (!) ist die "erste Liturgin", der gemeinsame Lobgesang der Gemeinde also fundamentaler Teil der "Ur-Liturgie" aus Gebet, Gesang, Glaubensbekenntnis, Kollekte und Herrenmahl. Im großen Tempel-"Musikgemälde" in 2. Chronik 5, 13f. heißt es:
"[...] und als die Trompeter und die Sänger wie ein einziger Mann mit einer Stimme anzustimmen hatten, um den Herrn zu loben und zu preisen, und als sie einsetzten mit Trompeten und mit Zimbeln und mit anderen Musikinstrumenten und als sie den Herrn lobten: Ja, er ist gut; ja, ewig ist seine Güte!, da wurde das Haus von einer Wolke erfüllt, das Haus des Herrn. Angesichts der Wolke aber konnten die Priester nicht hinzutreten, um den Dienst zu verrichten, denn die Herrlichkeit des Herrn hatte das Haus Gottes erfüllt."
Sänger und Instrumentalisten singen Ps 136,1 und zwar קוֹל־אֶחָד "mit einer Stimme". Und dieser Maßstab ist nicht mit dem Tempel untergegangen. Das ist natürlich kein Plädoyer für einstimmigen Gesang, so wie es später manchmal gedeutet wurde. Das Entscheidende ist der Zusammenklang aller Beteiligten. Erst darin kommt die "Schönheit" im Gottesdienst zur Vollendung. Alles andere ist Kirchenkonzert. Und das sollte auch keine konfessionelle Frage sein.
In diesem Rahmen gibt es natürlich eine große Vielfalt der Formen. Aber auch in Traditionen, in denen weite Teile der Liturgie ohne Beteiligung der Gemeinde gesungen werden, gibt es Elemente, die von der Gemeinde mitgesungen werden (können) und wo sie verschwunden waren, wurde das im Regelfall irgendwann als Defizit empfunden.
Natürlich gehts da nicht um das persönliche Fleißabzeichen. Wer nicht mitsingen kann, der ist nicht "raus" aus dem "Schönen". Wenn aber vom Mitsingen eigentlich gar nicht mehr ausgegangen wird, bzw. stillschweigend oder durch Schluderei in Kauf genommen wird, daß es immer weiter abebbt oder ausbleibt, dann ist der Zweck des Ganzen verfehlt und dann ist auch das "schöne Gefühl" nur noch Illusion, die mit dem Anlass nichts mehr zu tun hat oder im schlimmsten Fall vom Anlass ablenkt.
Entweder wird der Gemeinde etwas genommen, was eigentlich zu ihren ureigenen Dingen gehört. Oder die Gemeinde vernachlässigt etwas, was eigentlich ihre Verantwortung ist.
Beides vereitelt aber das, was ich im Kontext des Gottesdienstes als "schön" bezeichnen würde. Für alles andere gibt es die Bedudelung im Alltag.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Dienstag, 27. Januar 2026, 22:39 (vor 212 Tagen) @ Poupoulcorouse
Natürlich gehts da nicht um das persönliche Fleißabzeichen. Wer nicht mitsingen kann, der ist nicht "raus" aus dem "Schönen". Wenn aber vom Mitsingen eigentlich gar nicht mehr ausgegangen wird, bzw. stillschweigend oder durch Schluderei in Kauf genommen wird, daß es immer weiter abebbt oder ausbleibt, dann ist der Zweck des Ganzen verfehlt und dann ist auch das "schöne Gefühl" nur noch Illusion, die mit dem Anlass nichts mehr zu tun hat oder im schlimmsten Fall vom Anlass ablenkt.
Ja.
Ich hatte das "Schöne Gefühl" aus einem Kontext zitiert, in dem eindeutig vom Gemeindegesang ausgegangen wird - der Popkantor in Hinblick auf das Ziel seines Projektes, ich meinerseits im Zweifel tieferer Sinnhaftigkeit.
Aber ja, so wie Du kann man das schon mal festmachen.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Dienstag, 27. Januar 2026, 23:41 (vor 212 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Das bezog sich auch eher auf den gesamten Nebenthread. Du hattest ja selbst bemerkt, daß die Gemeindebeteiligung eher dürftig war.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Karl-Bernhardin Kropf
, Rostock, Mittwoch, 28. Januar 2026, 15:11 (vor 212 Tagen) @ Poupoulcorouse
Das bezog sich auch eher auf den gesamten Nebenthread. Du hattest ja selbst bemerkt, daß die Gemeindebeteiligung eher dürftig war.
Alles richtig. Mein Trigger bei diesen Sachen ist auch wohl der Ton, er auf Facebook zu dem Thema herrscht. Viele der dort schreibenden Kulturwächter sind etnweder gar nicht im Dienst (und bleiben dann als GD-Teilnehmer den Kirchen fern, das ist natürlich auch nicht gut) oder suchen sich die Orgelkultur, in der sie meist keine nennenswerte Rolle spielen, als Feigenblatt für verschiedene konservative Positionen. Nun, so ein Satz widerspricht natürlich schon mal meiner Kritik an Bashings aller Art.*momentdereinsicht*
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Mittwoch, 28. Januar 2026, 17:11 (vor 211 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf
Das hatte ich auf Facebook ja schon in der Causa "Schleim-Jesus" moniert, obwohl ich verstehen kann, daß die Nummer nicht jedermenschs Sache war.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
3rd_astronaut, Mittwoch, 28. Januar 2026, 19:52 (vor 211 Tagen) @ Poupoulcorouse
danke übrigens für deinen guten beitrag dort in dieser causa im shitstorm der ganzen revisionisten.
GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?
Poupoulcorouse
, Elberfeld, Mittwoch, 28. Januar 2026, 20:11 (vor 211 Tagen) @ 3rd_astronaut
Ich hab' hinter den Kulissen noch ein paar Gespräche dazu geführt und ich denke selbst auch, daß man bei einer etwas strategisch reflektierteren Herangehensweise durchaus zum Schluss hätte kommen können, dafür eine andere Gelegenheit oder ein anderes Format zu wählen. Letztlich war irgendwie auch erwartbar, was kommen würde und wieviele Leute sich von diesem Shitstorm emotional mitreissen lassen würden. Trotzdem ist dessen Inhalt natürlich blanker Nonsens gewesen, der aus ideologischen Gründen platziert wurde.