Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

zehnzweidrittel @, Samstag, 31. Januar 2026, 20:41 (vor 208 Tagen)

Vergangenen Samstag (24.01.2026) gastierte Anna Lapwood in Nürnberg an der Steinmeyer-Orgel der Meistersingerhalle zusammen mit den Nürnberger Symphonikern.
Das war dem Bayerischen Rundfunk sogar einen Hörbeitrag mit Klangschnipseln wert.
Ich kann dem Autor in vielem zustimmen, absolut aber nicht hinsichtlich der Beurteilung der ersten drei Sätze der "Symphonie concertante" von Jongen. Ich finde dieses Werk von Jongen durchweg spannend und abwechslungsreich.
Erstaunt und positiv überrascht haben mich die vielen abwechslungsreichen Klangfarben, die Anna Lapwood aus der Steinmeyer-Orgel hervorzauberte.
Letztendlich blieb der Klang aber immer recht nüchtern; Mystik kann diese Instrument offensichtlich nicht. In der Toccata ging dem 85-Register-Instrument dann erwartbar die lautstärkemäßige Puste aus (ebenso im Saint-Saens). Da hat das Orchester deutlich den ersten Platz erobert.
Das Orgelspiel von Anna Lapwood war insbesondere in der Toccata hochvirtuos und über jeden Zweifel erhaben.
Ein Konzertabend, den man von Anfang bis Ende genießen konnte.

Herzliche Grüße
zehnzweidrittel

Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

Orlos @, Samstag, 31. Januar 2026, 22:18 (vor 208 Tagen) @ zehnzweidrittel

Diese Orgel konnte ich leider noch nie live hören. Die Disposition finde ich beeindruckend, aber anscheinend hat sie nicht genug Power. Das gleiche Problem haben wir mit der Steinmeyer-Orgel im Wiesbadener Kurhaus.

Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

Dorforganist, Samstag, 31. Januar 2026, 23:43 (vor 208 Tagen) @ Orlos

Die Disposition finde ich beeindruckend, aber anscheinend hat sie nicht genug Power.

Ja, das Beeindruckendste an ihr ist tatsächlich der Prospekt.

Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

HARP64, Sonntag, 01. Februar 2026, 23:56 (vor 207 Tagen) @ Orlos

Ich habe die Orgel seinerzeit auf dem Kirchentag gehört und war total begeistert von ihr. Zu einem wissenschaftlichen Weltall-Vortrag kam sozusagen kosmische Musik (ich weiß noch Boellmann-Toccata und das unvermeidliche Zimmer-Interstellar).
Profunde Bässe, schöne Schwebungen, berauschendes Tutti (?).
Ich fand es aber auch sehr schade, dieses tolle Instrument nicht in einer Kathedrale zu hören. Die Meistersinger-Halle ist eben ein Multifunktionssaal, eingerichtet für Bälle, Podiumsdiskussionen und – wie erlebt: Vorträge mit einer riesigen Leinwand vor der Orgel.
Eine andere Vermutung wegen der möglichen fehlenden Kraft: könnte es nicht sein, dass das moderne Orchester von heute einfach zu laut ist? Eventuell hilft auch mal eine gründliche Ausreinigung der Orgel…

Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

Karsten @, Montag, 02. Februar 2026, 00:13 (vor 207 Tagen) @ HARP64

[...]
Eine andere Vermutung wegen der möglichen fehlenden Kraft: könnte es nicht sein, dass das moderne Orchester von heute einfach zu laut ist? Eventuell hilft auch mal eine gründliche Ausreinigung der Orgel…

Hallo!

Ich war noch nie vor Ort, aber es scheint mir eine Kombination aus vielen Faktoren zu sein:
die undankbare Akustik, die - auf dem Papier - eindrucksvolle, aber letztlich doch nicht ausreichend für diesen Zweck umgesetzte Disposition mit entsprechenden Mensuren und natürlich schlicht die Klangkraft eines modernen Orchesters. Eine Orgel kann (wenn nicht gerade entsprechende Hochdruckregister vorhanden sind) schlicht nicht den "Druck" aufbauen, der gegen ein großes Sinfonieorchester ankommt. In Deutschland hat man ja jahrzehntelang große Kirchenorgeln in Konzertsäle eingebaut. Die meisten wurden im Laufe der Zeit massiv überarbeitet und erweitert (Chamaden und Oktavkoppeln lassen grüßen). Und trotzdem kommen sie selten gegen das Orchester an... Ausnahmen bestätigen die Regel.

Gruß
Karsten

unangenehm laut? - Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

Orlos @, Montag, 02. Februar 2026, 00:22 (vor 207 Tagen) @ Karsten

Das ist alles richtig.
Mir stellt sich die Frage, warum die Orgeln nicht lauter sind. Man will wohl nicht. Vielleicht ist es aber auch so, dass man als Zuhörer bei einem lauten Orchester toleranter ist als bei einer lauten Orgel. Wenn ich Orgelführungen für Kinder mache, halten die sich spontan die Ohren zu, obwohl wir noch ziemlich weit vom Tutti entfernt sind. Ich glaube nicht, dass sie sich in einem Orchesterkonzert die Ohren zuhalten würden. Ist die Orgel "unangenehm" laut?
Falls ja – woran liegt das?

unangenehm laut? - Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

MAT @, Montag, 02. Februar 2026, 07:51 (vor 207 Tagen) @ Orlos

Welcher Organist hat sich nach dem Gottesdienst noch nicht anhören müssen die Orgel sei zu laut? Ich denke hohe Mixturen, Gezimbel und Piepsaliquote könnten die Ursache sein.

--
Gruß
MAT

unangenehm laut? - Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

Florian-L @, Montag, 02. Februar 2026, 09:48 (vor 206 Tagen) @ Orlos

Ist die Orgel "unangenehm" laut?
Falls ja – woran liegt das?

Vielleicht am Klangspektrum, das in einem Frequenzbereich liegen kann, auf das das menschliche Ohr besonders sensibel reagiert.
Die Piccoloflöte sticht ja im Orchester auch hervor, obwohl sie gar nicht so laut ist.

unangenehm laut? - Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

Evacuant, Montag, 02. Februar 2026, 09:54 (vor 206 Tagen) @ Orlos

Das ist alles richtig.
Mir stellt sich die Frage, warum die Orgeln nicht lauter sind. Man will wohl nicht. Vielleicht ist es aber auch so, dass man als Zuhörer bei einem lauten Orchester toleranter ist als bei einer lauten Orgel. Wenn ich Orgelführungen für Kinder mache, halten die sich spontan die Ohren zu, obwohl wir noch ziemlich weit vom Tutti entfernt sind. Ich glaube nicht, dass sie sich in einem Orchesterkonzert die Ohren zuhalten würden. Ist die Orgel "unangenehm" laut?
Falls ja – woran liegt das?

Meine Erfahrungen sind:

- Kinder halten sich häufig die Ohren zu, wenn sie direkt vor der Orgel stehen, insbesondere wenn Zungenregister aus nächster Nähe (z. B. Schwellwerk direkt über dem Spieltisch) ertönen. Kleine Kinder können 16'-Zungen als furchteinflößend empfinden, auch wenn sie die Orgel auch der Distanz hören.

- Klagen über zu schrille Mixturen habe ich bisher nur von Organisten gehört, die eben auch direkt an der Orgel sitzen. (Die Gemeinde dagegen freut sich oft, wenn Scharf und Zimbel gezogen ist, weil das "festlich" klingt.)

- Mit Mixturplena (auch einschließlich orgelbeweger Zimbeln) habe ich mir noch nie Klagen über ein zu "lautes" Nachspiel eingehandelt. Die (seltenen) Beschwerden kommen eigentlich nur, wenn massive Pedalzungen im Einsatz sind. Dicker labialer Manual-16' und Pedal-32' wird mitunter als belastend empfunden.

- Ältere Menschen mit beginnender Schwerhörigkeit sind manchmal besonders empfindlich bei 2' in mittlerer oder 4' in höherer Lage.

- Jede professionelle Blechbläsergruppe klatscht mühelos eine durchaus kräftig intonierte Orgel von 70-80 Registern an die Wand.

unangenehm laut? - Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

Florian-L @, Montag, 02. Februar 2026, 11:50 (vor 206 Tagen) @ Evacuant

- Jede professionelle Blechbläsergruppe klatscht mühelos eine durchaus kräftig intonierte Orgel von 70-80 Registern an die Wand.

Ja, da sind ein paar hundert Millimeter Wassersäule Druck nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

unangenehm laut? - Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

Friedrich @, Montag, 02. Februar 2026, 11:01 (vor 206 Tagen) @ Orlos

Bei Kindern spielt meiner Meinung nach eine Rolle, dass sie oft zum ersten Mal auf musikalische Wirklichkeit treffen. Musik aus dem Lautsprecher ist in der Regel viel leiser und flacher. Schon eine fachkundig gestrichene Geige im Klassenzimmer kann da zum Ohrenzuhalten führen, von Blasinstrumenten ganz zu schweigen. Dass z. B. Gitarren vergleichsweise sehr leise sind, ist vielen Leuten nicht klar. Als praktizierende Musiker haben wir dazu ein anderes Verhältnis.

Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

link1907 @, Montag, 02. Februar 2026, 14:34 (vor 206 Tagen) @ Orlos

Diese Orgel konnte ich leider noch nie live hören. Die Disposition finde ich beeindruckend, aber anscheinend hat sie nicht genug Power. Das gleiche Problem haben wir mit der Steinmeyer-Orgel im Wiesbadener Kurhaus.<

Hier die einzige mir bekannte Aufnahme der Orgel:

https://youtu.be/AxbJIf0iam4?list=RDAxbJIf0iam4

Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

Orlos @, Montag, 02. Februar 2026, 15:09 (vor 206 Tagen) @ link1907

Vielen Dank!
Irgendwie klingt die Orgel "klein" auf der Aufnahme, vielleicht waren die Mikrophone zu nah (oder der Saal "klingt" nicht).
(Nebenbei: Ich hätte aus dieser Zeit mehr Legato erwartet.)

Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

link1907 @, Montag, 02. Februar 2026, 15:26 (vor 206 Tagen) @ Orlos

Vielen Dank!
Irgendwie klingt die Orgel "klein" auf der Aufnahme, vielleicht waren die Mikrophone zu nah (oder der Saal "klingt" nicht).
(Nebenbei: Ich hätte aus dieser Zeit mehr Legato erwartet.)<

Die Originalaufnahme stammt aus dem Jahre 1986, tontechnisch eher nicht optimal.
Werner Jacobs Regereinspielungen sind spieltechnisch nicht immer vom feinsten.

Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

perotin, Montag, 02. Februar 2026, 16:03 (vor 206 Tagen) @ link1907
bearbeitet von perotin, Montag, 02. Februar 2026, 16:09

Hier die einzige mir bekannte Aufnahme der Orgel:
https://youtu.be/AxbJIf0iam4?list=RDAxbJIf0iam4

Da gibt es noch mehr, z.B. dieses Analog-Album mit Regers "Inferno".

EDIT: Karsten hat's hier erwähnt:
https://www.pfeifenorgelforum.net/forum/index.php?id=78106

Anna Lapwood in der Nürnberger Meistersingerhalle

Nazard, Sonntag, 01. Februar 2026, 11:24 (vor 207 Tagen) @ zehnzweidrittel

Die Saint-Saens-Sinfonie gab es gestern mit Anna Lapwood und dem Philharmonia Orchestra unter Santtu-Matias Rouvali im Dortmunder Konzerthaus. Das war von der ersten bis zur letzten Note mitreißend; die Klais-Orgel hatte weniger Probleme, wo es nötig war, Präsenz zu zeigen. In dem zarten Passagen war der Orgelpart dynamisch sehr differenziert ausgearbeitet; ich hätte gerne noch den Jongen gehört. Die Präsenz von Anna Lapwood ist musikalisch beeindruckend und im Kontakt unheimlich sympathisch - sie ist eine großartige Botschafterin für das Instrument Orgel. Rachmaninovs sinfonische Tänze im zweiten Teil waren toll gespielt, ich fand die Kombination der beiden Werke aber irgendwie unglücklich.

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