Austrittswelle bei der GdO?
Anscheinend gibt es eine Austrittswelle bei der GdO infolge der Erhöhung des jährlichen Mitgliedsbeitrags von 35 auf 48 Euro. Der Präsident ist, wie man hört (und liest), inzwischen um Schadensbegrenzung bemüht; Mitglieder, die ausgetreten sind, wurden offenbar angeschrieben und gebeten, sich den Austritt nochmals zu überlegen.
Ich will den Präsidenten nicht persönlich attackieren. Dass er ehemalige Mitglieder anschreibt, ist ein honoriger Versuch der Schadensbegrenzung. Allerdings stellt sich die Frage, ob Schadensvermeidung nicht vielleicht die bessere Strategie wäre. Erfahrungsgemäß ist es nicht nur leichter, sondern auch billiger, Schäden zu vermeiden, als sie zu reparieren.
Denn bei der GdO wird so gut wie nichts auf eine Art und Weise kommuniziert, die heutigen Maßstäben entspricht. Das Internet, schon seit längerem ein durchaus gebräuchliches Kommunikationsinstrument: anscheinend für die GdO-Gremien immer noch Neuland. Warum ist die Beitragserhöhung nicht auf der HP angekündigt und begründet worden? Warum nicht z.B. auch auf der FB-Seite?
Die digitale "Kommunikation" der GdO: sie existiert schlicht nicht. Der letzte Eintrag auf der Homepage datiert auf den 12. März und ist - wer hätte es gedacht! - die Todesanzeige eines Mitglieds.
Die Einträge davor: 22. Februar (Tagungsstipendien), 20. Februar (Einträge in der Literaturdatenbank), dann eine große Lücke bis zum 20. Dezember 2025 (Erscheinen von Heft 4 von AO/2025) - und dann klafft auch schon eine Bresche von einem Vierteljahr bis zum 12. September (Mitteilung über den deutschen Orgeltag) und danach - sage und schreibe - bis zum 25. April (!) 2025 (Sonderpreis der GdO zum deutschen Musikwettbewerb für Silvan Meschke). Das alles, wohlgemerkt, unter "Aktuelles" - eine Rubrik, die damit eher das Potential für eine Realsatire hat.
Die FB-Seite der GdO: nicht besser. Der letzte Eintrag stammt vom 02. Oktober 2025.Immerhin gibt es dort keine Rubrik, die mit "Aktuelles" überschrieben ist. Sonst? Totenstille. Dito Instagram.
Mitteilungen auf HP und FB/Instagram-Seite über die anstehende Hauptausschusswahl? Fehlanzeige, komplett. Pardon, aber was soll man von einem Wahlleiter halten, der offensichtlich nicht imstande ist, eine derartig wichtige Wahl über die Internetauftritte seines Vereins zu kommunizieren und z.B. Stimmzettel als PDFs zum Download anzubieten (werden diese doch oft mit den Reklamebeilagen der AO unbeabsichtigt "entsorgt" - weiß ich aus eigener Erfahrung...)? Warum keine Vorstellung der Kandidaten auf HP und FB-Seite? Glaubt man allen Ernstes, so die Wahlbeteiligung - seit Urzeiten ein wirklich problematischer Punkt der GdO - zu erhöhen?
Das alles befremdet umso mehr, als die derzeitigen Präsidiumsmitglieder vor ihrer Wahl (ein Präsidiumsmitglied ist für einen vorzeitig ausgeschiedenen Vizepräsidenten aus dem Hauptausschuss nachgerückt) nach meiner Erinnerung allesamt ihre Absicht beteuert hatten, die Internetauftritte der GdO endlich mit Leben zu füllen - und nicht bloß mit Todesanzeigen. Man kann nicht wirklich behaupten, dass die Umsetzung dieser Absichten sichtbar geworden ist. Dass es nicht prioritär die Aufgabe von Schatzmeister und Schriftführer ist, den Außenauftritt konzeptionell und inhaltlich zu bestimmen, versteht sich dabei von selbst.
Der "frischere" Auftritt von Ars Organi ist zwar zu begrüßen, Dominik Susteck hat insofern den richtigen Weg eingeschlagen (sein Vorgänger Martin Balz hat, dass ich da nicht falsch verstanden werde, Großes geleistet und die Ehrenmitgliedschaft absolut verdient). Aber die AO wirkt nur vereinsintern, kaum nach außen - das läuft heutzutage über das www, und da steht die GdO da wie ein schwarzes Loch. Man schaut in ein Nichts, und man hat auch nicht den Eindruck, dass sich bei der GdO die Erkenntnis Bahn bricht, dass sich die Gewichte in den letzten 20 Jahren massiv hin zu den Webpräsenzen verschoben haben. So erscheinen mittlerweile die ersten Tageszeitungen wie z.B. die taz nur noch digital, Printmedien werden immer mehr zum Auslaufmodell, schon wegen der hohen Druck- und Vertriebskosten, von den starren Redaktionsschlüssen ganz zu schweigen.
Auch die Altersstruktur der GdO ist schon lange kein Argument mehr. Wer heute 80 Jahre alt ist und regulär mit 65 Jahren, also 2011, in den Ruhestand gegangen ist, hat das Internet beruflich wie privat als normalen Teil des alltäglichen Lebens kennengelernt. Auch Smartphones gibt es mittlerweile fast 20 Jahre.
Bei Orgeln mag eine grundsätzlich konservative Haltung, was deren Konzeption und Bau angeht, nicht schlecht sein. Wer aber heute noch so kommuniziert wie vor 30 Jahren, ist schlicht aus der Zeit gefallen. Und irgendwann schließt sich dann auch das Fenster, um den Anschluss überhaupt noch zu schaffen - zumal in Zeiten einer sich immer weiter zuspitzenden Krise der Kirchen, die gerade wieder desaströse Mitgliederverluste für 2025 veröffentlicht haben. Mit jeder Kirche, die geschlossen wird (alleine in "meinem" Dekanat vier, alle mit hochwertigen Orgeln, von denen nur eine weiterverwendet werden soll/kann), wird das Milieu kleiner, in dem der Erstkontakt mit der Orgel stattfindet.
Gleichzeitig sollen im neuen evangelischen Gesangbuch über 50% der Lieder (!) ebenfalls "neu" sein, wie dieser Tage zu lesen ist - und man kann sich unschwer denken, dass da der Wind aus Witten weht, nicht aus den ernstzunehmenden Musikhochschulen. Warum kommt aus der GdO nullkommanichts dazu, obwohl die Gemeindebegleitung in der Liturgie ein Ur-Thema für Orgelbau und -spiel ist? Pardon, aber ein Verein für Orgelspiel, -bau und -musik, der dazu schweigt, vermittelt damit den Eindruck, dass er sich selbst aufgegeben hat.
MaW und Fazit: wenn man merkt, dass man aufs Abstellgleis zufährt, sollte man nicht mehr allzulange damit warten, die entscheidenden Weichen umzustellen. Hat man die schon hinter sich, bleibt nur noch der Prellbock.