Austrittswelle bei der GdO?
Ich sehe das ähnlich. Eine gelegentliche Mitglieder"betreuung" mittels eines kurzen Newsletters, bei dem z.B. auf neueste Updates in den Kanälen der sozialen Medien oder auf der Homepage hingewiesen würde (so es sie denn gäbe), wäre für eine Kundenbindung durchaus hilfreich.
Auch eine Beteiligung am Diskurs, wie man sich denn die Kirchenmusik der Zukunft vorstellen möchte, wäre für eine Außenwahrnehmung der GdO sinnvoll.
So, wie es jetzt ist, gleicht die GdO einem Elfenbeinturm.
Die Ars Organi mag ja für Spezialisten einige Informationen zur Verfügung stellen, aber auch hier ist der Inhalt nicht so, als daß er das allsonntägliche Musikschaffen eines "Landorganisten" mit Anregungen überschwemmen würde.
Ich habe gar nichts gegen Hochkultur und Elitäres. Das ist die eine Seite. Sie ist notwendig. Das Ganze aber ist eben eine Pyramide: Die Spitze kann nur glänzen, wenn sie ein nach unten immer breiteres Fundament hat, welches die Spitze trägt. Um dieses Fundament muß man sich kümmern, wenn man im gesellschaftlichen Diskurs bestehen will. Mit anderen Worten: Auch ein Wald- und Wiesenorganist sollte aus seiner Mitgliedschaft in der GdO gelegentlich einen Nutzen ziehen können. Sei es mit Tipps für die Praxis auch seines Spiels oder auch mit Argumenten, warum die Orgel unverzichtbar bleibt und die er gegebenenfalls seinem örtlichen Kirchengemeinderat sagen kann, wenn dieser lieber ein E-Piano anschaffen möchte, als die Orgel warten zu lassen.
Exkurs: Ich bin in einem Elternbeirat eines Gymnasiums. Der sehr hochwertige Flügel im Musiksaal hat Trockenschäden, die behoben werden müssen. Dazu war der Förderverein, den der Elternbeirat verwaltet, um eine Finanzspritze angefragt worden. Eine Kollegin in diesem Elternbeirat (durchaus gebildet, promoviert) machte allen Ernstes den Vorschlag, statt des Flügels ein E-Piano anzuschaffen.
Diese Denke ist inzwischen Mainstream - und das betrifft eben auch das Orgelwesen. Wer, wenn nicht die GdO wäre berufen, hier auf allen Kanälen gegenzusteuern?
Wenn ich eine neue Ars Organi auspacke, fällt mir ein Wust von Werbeflyern auf den Tisch. Im Heft selbst findet sich ebenfalls eine Unmenge an Werbung, zum großen Teil immer dieselbe. Natürlich verstehe ich, daß so eine Zeitschrift Werbeeinnahmen braucht. Aber so wie es sich seit langer Zeit gestaltet, hat man den Eindruck, die Ars Organi sei ein Werbekatalog (davon ein nicht geringer Teil mit immer denselben Werbungen) mit ein paar redaktionellen Beiträgen aufgehübscht, in der Hoffnung, daß nicht gleich das Ganze ins Altpapier wandert - was bei mir schon öfters passiert ist.
Die GdO ist ein Verein. Jeder Verein lebt von seinen Mitgliedern. Damit die bleiben, müssen sie das Gefühl haben, daß diese Mitgliedschaft und ihr Vereinsbeitrag für sie nützlich ist und sie in irgendeiner Weise in das Vereinsgeschehen eingebunden sind. Die von Wolfgang Gourgé angesprochene Kommunikationsproblematik bringt es auf den Punkt: Es gibt diese Einbindung nicht.
Fazit: Was hat derzeit ein einfacher Wald-und Wiesenorganist von der Mitgliedschaft in der GdO? Ich möchte es einmal sehr provokant sagen: Er kann den Göttern des Olymp von der Ferne bei ihren Festmählern zusehen und sich einreden, daß er ja irgendwie auch dazugehöre, auch wenn er nicht zum Bankett geladen ist. Einmal im Jahr darf er für teuer Geld am Götterausflug teilnehmen und in ihrem Glanze wandeln. Aber richtig mitspielen? Darf er das?
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Wolfgang Gourgé,
20.03.2026, 20:22
- Austrittswelle bei der GdO? - stein, 20.03.2026, 20:40
- Austrittswelle bei der GdO? - Hausorgler, 21.03.2026, 17:56