Neue Bornefeld-Einspielung

Subbass1, Samstag, 04. April 2026, 16:56 (vor 194 Tagen)

Da gerade der Name des unter anständigen Kimus verhassten Bornefeld fiel: demnächst erscheinen alle Choralpartiten, gespielt in Schorndorf (besser in Schuss, als B sie evtl. je erleben durfte) von Hannelore Hinderer. Irgendwo gelesen - wirklich eine Repertoirelücke und die dortige, sehr teuer sanierte Orgel kommt sicher bestens zur Geltung. Leute, die das spielen wollen und (auch zeitlich) können, werden wohl auch immer weniger, wahrscheinlich bald an einer Hand abzählbar. (Sie hatte aber einige davon z.B. kürzlich in Weißenburg i.B. gespielt, wenn ich mich recht erinnere.)

Neue Bornefeld-Einspielung

Wolfgang Gourgé @, Samstag, 04. April 2026, 21:54 (vor 194 Tagen) @ Subbass1

Da gerade der Name des unter anständigen Kimus verhassten Bornefeld fiel: demnächst erscheinen alle Choralpartiten, gespielt in Schorndorf (besser in Schuss, als B sie evtl. je erleben durfte) von Hannelore Hinderer. Irgendwo gelesen - wirklich eine Repertoirelücke und die dortige, sehr teuer sanierte Orgel kommt sicher bestens zur Geltung. Leute, die das spielen wollen und (auch zeitlich) können, werden wohl auch immer weniger, wahrscheinlich bald an einer Hand abzählbar. (Sie hatte aber einige davon z.B. kürzlich in Weißenburg i.B. gespielt, wenn ich mich recht erinnere.)

..."verhasst" ist nicht der richtige Ausdruck. Vielleicht eher: belächelt, mit einem Hauch Mitleid und (berechtigtem) Unverständnis für seinen Rigorismus, weil er die eigentlich zunächst sehr diskutablen Ideen seiner hochliegenden Register selbst versenkt hat durch die ideologische Enge seines Klang- und Orgelideals, die ihn völlig taub und blind machte für das 19. Jahrhundert und seine Leistungen. Man kann nur froh sein, dass die Giengener Link-Orgel von ihm verschont blieb - er war das Gegenteil eines "Orgelpflegers", weil er nicht davor zurückschreckte, wertvolle und authentisch erhaltene historische Substanz rücksichtslos seinen Vorstellungen - immer verbrämt als "heutige Erfordernisse" - zu opfern. Und über Mendelssohn hat er sich in der Tat auf eine Weise abfällig geäußert, die heute noch befremdet (es fiel, mir von einem anwesenden Orgelbauer bezeugt, tatsächlich das Verdikt "...süßlicher Dreck!").

Neue Bornefeld-Einspielung

Subbass1, Samstag, 04. April 2026, 22:21 (vor 194 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Weiß ich, weiß ich - und das Zitat (übrigens nachvollziehbar von seiner Warte) kam auch Zacher sehr gelegen (die Folgerungen müssen trotzdem nicht stimmen). Ich glaube, über seine Werke wird heute Schlimmeres gesagt. Und ehrlich, er würde er wahrscheinlich über "uns", bzw. einige höher dotierten Herrschaften, die eigentlich verantwortlich für die Zukunft der Musik in der Kirche (nicht Karstatdt, ist manchmal zu verwechseln) und ihr Personal sind, lächeln. Aber ich weiß schon, dass die meisten das anders sehen. Dass er Giengen nicht unter die Finger bekam, ist natürlich gut.
PS Man weiß ja nie, vielleicht gibts auch an der Heidenheimer Orgelstiftung, von ihm gegründet, was zu kritisieren? Sowas würde man sich häufiger wünschen. Lauter wahre Worte sowieso...

Neue Bornefeld-Einspielung

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 05. April 2026, 00:05 (vor 194 Tagen) @ Subbass1

Weiß ich, weiß ich - und das Zitat (übrigens nachvollziehbar von seiner Warte) kam auch Zacher sehr gelegen (die Folgerungen müssen trotzdem nicht stimmen). Ich glaube, über seine Werke wird heute Schlimmeres gesagt. Und ehrlich, er würde er wahrscheinlich über "uns", bzw. einige höher dotierten Herrschaften, die eigentlich verantwortlich für die Zukunft der Musik in der Kirche (nicht Karstatdt, ist manchmal zu verwechseln) und ihr Personal sind, lächeln. Aber ich weiß schon, dass die meisten das anders sehen. Dass er Giengen nicht unter die Finger bekam, ist natürlich gut.
PS Man weiß ja nie, vielleicht gibts auch an der Heidenheimer Orgelstiftung, von ihm gegründet, was zu kritisieren? Sowas würde man sich häufiger wünschen. Lauter wahre Worte sowieso...

Ich fand Bornefeld bislang unter den Belächelten bzw. Verhassten relativ spröde. So geht es mir auch mit dem späten J. N. David, die früheren Stücke mag ich. Doch steht mir bei B das Urteil nicht zu, habe ich doch viel zu wenig von ihm gesehen/angespielt.
Insgesamt halte ich es aber für wahrscheinlich, dass wir eine Renaissance dieser Epoche(n) erleben werden, es ist halt noch zu früh.

Ein hochrangiger Kollege wunderte sich mir gegenüber über das Konzept eines an sich gelungenen Orgelneubaus (französisch symphonisch, aber kein Kathedralraum) - aber wo bliebe man da mit Buxtehude oder manch Bachschem Choralvorspiel? (Nein, er kann und mag auch anderes...)

Wir sind noch immer in der Phase der Re-Romantisierung, begonnen vor schon gut 40 Jahren (?), wenn auch abklingend. Neu (ca. 15-20 Jahre) ist die beginnende Wertschätzung der Neobarock-Instrumente. Diese werden nicht mehr entfernt/verkauft, sondern "reorganisiert", wenn sie gut sind sogar nur "ergänzt".

Obertonsynthese kommt sicher wieder. Ich hatte gestern Karfreitag ein Bach-Programm mit Orgelbüchlein und zwei Leipzigern. Von den 19 Zungenregistern kamen 16 zum Einsatz! Gerade auch die Specials wie Sordun 8', Singend Cornett 2', Schalmei 4', (Rohr)Krummhorn 8'... Und die zwei Oboen, zwei Fagotte, vier Trompeten und drei Posaunen (*angeb* ;-). Das Sound Design macht Spaß, das Instrument so fit zu halten, dass man überhaupt noch was designen kann, weniger. Es gab sehr gute Hörerkommentare, und ich habe schon das Gefühl, dass es klang-ästhetisch richtig ist, was ich da mache. (Spieltechnisch sind andere deutlich weiter).
Ich denke, das Aequalverbot wird nicht mehr wiederkommen, aber wir werden wieder "steilere" Dispositionen sehen. (War trotzdem schön zu erleben, dass Pfeifenmacher und Intonateure heutzutage wieder ein Set von acht 8'-Registern gelungen ausdifferenzieren können.) Ich hatte auf der Mühleisen-HP schon gelesen, dass die Schorndorfer den Bornefeld-Klang im Prinzip beahren wollten. Frau Hinderer ist wohl sehr am Erbe ihres ersten Lehrers gelegen.
Ich glaube, dass man auch solche Instrumente bald wieder gezielt bereisen wird. Komplett kopieren wohl eher nicht, aber man wird ein paar Impulse aufnehmen. Dass zum Beispiel sehr abseitige Obertöne an Reiz und Praktikabilität gewinnen, wenn man sie ein wenig abschwellen kann. Und natürlich, wenn es Spielhilfen gibt, die den Zugriff auf sorgfältige gesuchte/gefundende Klänger erleichtern, und alles auf einem Spielgefühl (mechanisch oder elektrisch), das man heute erwarten darf. Ja, und vielleicht kommt auch Musik von Bornefeld wieder auf die Playlist. Ist ja alles schon ziemlich retro, irgendwie.

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