Neue (gebrauchte) Orgel in Kiedrich
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Im Rheingauer Weindorf Kiedrich gibt es ein großes katholisches Krankenhaus, das Hauptgebäude stammt aus dem Jahr 1884. Die ziemlich geräumige, zweistöckige Krankenhauskapelle mit schöner Akustik erhielt in den 1960er-Jahren eine neue Orgel von Oberlinger (siehe unten). Das Instrument hat nie gut geklungen und war für die katholische Liturgie unpraktisch, da es nur über ein einziges Manual verfügte, was das Begleiten von Wechselgesängen mühsam machte. Nun stand eine Reinigung an und es gab Probleme mit der Windversorgung, der Orgel ging die "Puste" aus. Es wurde entschieden, im Rahmen der gerade durchgeführten Kircheninnenrenovierung die Orgel zu ersetzen. Ich wurde beauftragt, nach einem passenden gebrauchten Instrument Ausschau zu halten. Es gab mehrere Instrumente, die von der Disposition in Frage kamen, leider waren die meisten zu hoch. Die Orgel sollte wieder auf der Empore stehen, dort steht nur wenig Höhe zur Verfügung.
Auf der Internet-Seite der niederländischen Firma van den Heuvel fand ich ein schönes Instrument der Firma van Vulpen, erbaut im Jahr 1974. Ich fuhr nach Holland, um sie anzuschauen, zu spielen und anzuhören. Sie stand dort nicht mehr am ursprünglichen Standort, sondern in einem Gemeindezentrum. Für den dortigen Raum war sie leiser gemacht worden, das ließ sich nun aber rückgängig machen. Die Orgel besaß acht Register auf zwei Manualen, allerdings war ich nicht mit allen Details glücklich. So war der Subbass 16' ab c° mit dem Gedackt 8' des Manuals zusammengeführt, auch fehlte der Orgel ein Terzregister für Soloregistrierungen.
Van den Heuvel hat die Orgel nun gründlich gereinigt, den Balg neu beledert und eine andere, gebrauchte Pedalwindlade mit zwei Registern hinter der Orgel aufgestellt. Dafür war eine neue Traktur nötig sowie ein weiterer Registerzug. Der Subbass erhielt eigene Pfeifen; zudem wird ein gebrauchter Oktavbass 8' eingebaut, der fehlt zur Zeit noch. Die Traktur liegt in einem neuen Podest, in dem auch ein neuer Windkanal unterkam, der Motor steht jetzt seitlich.
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Im Hauptgehäuse, wo der Subbass früher stand bzw. von wo die Kondukten abgingen, ist die Pedallade noch vorhanden; der Platz reicht für ein eigenständiges Rankett 16' o.ä.
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Im vorderen Gehäuse sind die beiden Manualladen hintereinander angeordnet, so dass das Gedackt 8' von beiden Werken aus angespielt werden kann. Im Prospekt steht der Praestant 4; zudem gibt es eine Flöte 2' sowie eine Mixtur. Im zweiten Manual findet sich eine Gedacktflöte 4', eine Oktave 2' sowie eine Quinte 2 2/3'. Dieses Register habe ich ab c1 mit einer Terz zum Sesquialter aufrüsten lassen.
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Wir haben den Winddruck auf nunmehr 73mm WS erhöht und die Intonation wieder deutlich frischer gestaltet. Die Orgel klingt jetzt kräftig und transparent. Der Sesquialter mischt sich wunderbar ins Plenum und gibt fast eine Zungenanmutung. Die beiden Werke haben etwa gleich laute 8'-4'-2'-Mischungen; mit der Manualkoppel sind schöne Klangkombinationen möglich.
Ich hätte mir jetzt noch eine historische Temperierung gewünscht. Da die meisten Pfeifen jedoch auf Länge geschnitten sind, haben wir das unterlassen.
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Manual I (C-g3)
Gedackt 8' (ab c° Metall)
Praestant 4' (Prospekt)
Waldflöte 2'
Mixtur 2-3fach
Manual II (C-g3)
Gedackt 8' (gemeinsam mit Manual I)
Gedacktflöte 4' (Metall)
Quinte/Sesquialter 2 2/3' (ab c1 mit 1 3/5')
Oktave 2'
Pedal (C-f1)
Subbass 16'
Oktavbass 8'
Leerschleife (Rankett 16' o.ä.)
3 Normalkoppeln
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Die Oberlinger-Orgel besaß folgende Disposition:
Manual (C-g3)
Gedackt 8'
Prinzipal 4' (Prospekt)
Rohrflöte 4'
Sesquialter 2fach 2 2/3' (ab c1)
Octave 2'
Sifflöte 1'
Mixtur 3fach
Pedal (C-f1)
Subbass 16' (Rückprospekt)
I/P
Die Orgel steht zum Verkauf. Sie müsste gereinigt und der Balg repariert werden.
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Neue (gebrauchte) Orgel in Kiedrich
Schöne Sache! Ja, ungleichstufig wäre in diesem Fall sicher noch mal eine Steigerung.
Neue (gebrauchte) Orgel in Kiedrich
Schöne Sache! Ja, ungleichstufig wäre in diesem Fall sicher noch mal eine Steigerung.
Ich bin da hin- und hergerissen. Klanglich finde ich es eindeutig schöner, aber der Intonateur sagte, er müsse dann Pfeifen abschneiden. Ab ist ab. Das heißt, wenn man die Orgel irgendwann verkaufen muss (es werden ständig Krankenhäuser geschlossen!), findet sich vielleicht kein Käufer, wenn die Orgel nicht gleichschwebend ist.
Na ja, warten wir es ab. Wenn die "neue" Orgel ein paar Jahre im Dienst ist, kann man es immer noch verändern. Ich freue mich jetzt erst einmal über ein schön klingendes Instrument, das den Raum gut füllt und Klangfarben bietet.
Neue (gebrauchte) Orgel in Kiedrich
Ich bin da hin- und hergerissen. Klanglich finde ich es eindeutig schöner, aber der Intonateur sagte, er müsse dann Pfeifen abschneiden. Ab ist ab.
Ließe sich da nichts mit Stimmringen machen? Nach meinem (begrenzten) Verständnis müssten doch für eine neue Temperatur vor allem Pfeifen verlängert oder der Stimmton erhöht werden. Oder wäre das zu aufwendig?
Neue (gebrauchte) Orgel in Kiedrich
Van den Heuvel hat die Orgel nun gründlich gereinigt, den Balg neu beledert und eine andere, gebrauchte Pedalwindlade mit zwei Registern hinter der Orgel aufgestellt. Dafür war eine neue Traktur nötig sowie ein weiterer Registerzug. Der Subbass erhielt eigene Pfeifen; zudem wird ein gebrauchter Oktavbass 8' eingebaut, der fehlt zur Zeit noch (...)
Im zweiten Manual findet sich eine Gedacktflöte 4', eine Oktave 2' sowie eine Quinte 2 2/3'. Dieses Register habe ich ab c1 mit einer Terz zum Sesquialter aufrüsten lassen (...)
Wir haben den Winddruck auf nunmehr 73mm WS erhöht und die Intonation wieder deutlich frischer gestaltet.
Das klingt nach einer "runden Sache", danke für den interessanten Beitrag. Aber wie lässt sich so etwas bei einer Krankenhauskapelle(!) finanzieren? Da kam doch sicherlich ein fünfstelliger Betrag zusammen, vielleicht sogar im "gehobenen fünfstelligen Bereich". Man denke auch an: Abbau der Orgel am bisherigen Standort, Verpackung, Transport und fachmännischer Aufbau, dazu noch Abbau und Einlagerung der Oberlinger-Orgel...
(Ich habe vor Jahren ab und zu bei evangelischen Abendgottesdiensten in der Kapelle eines katholischen Krankenhauses gespielt. Der Pfarrer war auch ausgebildeter Sänger und in namhaften klassischen Vokalensembles aktiv. Als Instrument stand leider nur eine ältere Ahlborn zur Verfügung - klanglich gar nicht mal soo schlecht, aber mit deutlichen altersbedingten Ausfallerscheinungen. Ein neues und für den Zweck ausreichendes "Elektrium" wäre wohl für wenige tausend Euro zu haben gewesen, jedoch wurde mir deutlich zu verstehen gegeben, daß hierfür bis auf weiteres kein Geld da sei.)
Neue (gebrauchte) Orgel in Kiedrich
Das klingt nach einer "runden Sache", danke für den interessanten Beitrag. Aber wie lässt sich so etwas bei einer Krankenhauskapelle(!) finanzieren? Da kam doch sicherlich ein fünfstelliger Betrag zusammen, vielleicht sogar im "gehobenen fünfstelligen Bereich". Man denke auch an: Abbau der Orgel am bisherigen Standort, Verpackung, Transport und fachmännischer Aufbau, dazu noch Abbau und Einlagerung der Oberlinger-Orgel...
Den Abbau habe der Oberlinger-Orgel ich selbst gemacht, eingelagert ist sie noch nicht, sie liegt in Einzelteilen (mit beschrifteten Tütchen für die Schrauben) auf der Seitenempore. Wir hoffen auf einen Käufer, der sie abholt und mitnimmt.
Den Gesamtpreis weiß ich nicht, van den Heuvel kam uns aber preislich sehr freundlich entgegen. Die waren froh, dass jemand die van-Vulpen-Orgel haben wollte, denn das Gemeindezentrum wird demnächst (bzw. wurde mittlerweile?) abgerissen.
Neue (gebrauchte) Orgel in Kiedrich
Ließe sich da nichts mit Stimmringen machen? Nach meinem (begrenzten) Verständnis müssten doch für eine neue Temperatur vor allem Pfeifen verlängert oder der Stimmton erhöht werden. Oder wäre das zu aufwendig?
Ich persönlich hasse Stimmringe und fluche immer, wenn ich solche Pfeifen stimmen muss. Letzthin war ein Intonateur bei uns, dem geht es genauso. Stimmringe passen auch nicht zur Ästhetik einer van-Vulpen-Orgel.
Natürlich hast Du recht, man hätte den Stimmton höher legen müssen, wenn man die Pfeifen nicht anlängen kann, so ist zum Beispiel der Ton "e" deutlich tiefer als bei einer gleichschwebenden Stimmung. Das ist nicht schön, wenn ab und zu andere Instrumentalisten (vor allem Bläser) mit der Orgel zusammenspielen wollen.
Neue (gebrauchte) Orgel in Kiedrich
Hallo,
wenn das Pfeifenwerk erst ab 2'-Länge auf Ton geschnitten ist, sollte zumindest die Billeter-Stimmung problemlos gehen - ohne Abschneiden.
Gruß mst
Neue (gebrauchte) Orgel in Kiedrich
wenn das Pfeifenwerk erst ab 2'-Länge auf Ton geschnitten ist, sollte zumindest die Billeter-Stimmung problemlos gehen - ohne Abschneiden.
Danke. Die Billeter-Tempereierung habe ich an Winterhalter-orgeln kennengelernt. Hat mir gut gefallen. Ich bin dafür, es auszuprobieren. Gäbe der Orgel noch einen netten "Touch".