Thomas Lennartz in St. Katharina, D-Vennhausen

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 27. Januar 2014, 17:34 (vor 4595 Tagen)
bearbeitet von Clemens Schäfer, Montag, 27. Januar 2014, 17:41

Hallo Forum,

am gestrigen Sonntag, 26.01.2014, gab es ein Orgelkonzert in St. Katharina,
Düsseldorf-Vennhausen. Bislang war mir diese Kirche (Baujahr 1965, Orgel von Seifert 1970 ca, 25/II) nicht als Konzertort bewußt geworden. Aber ein rühriger Förderkreis Für Musik an den Kirchengemeinden St. Katharina und St. Reinold (auch dort war ich noch nie) hatte keinen geringeren als den Organisten der ehem. Hofkirche und Kathedrale zu Dresden, Thomas Lennartz, als Gast gewinnen können. Da wird man dann doch neugierig.

Die Kirche ist außen wie innen mit rotem Backstein gemauert, die zeltartige Dachkonstruktion ist aus Holz. Das alles schluckt einiges an Klang, so daß der Naschhall gering ist. Andererseits ergibt sich aber ein sehr angenehmer Raumeindruck des freitragenden, säulenlosen Raumes. Die Orgel ist ein Kind ihrer Zeit, verfügt aber über einige schöne Einzelregister, so z.B. eine bemerkenswerte Schalmey. Ansonsten fehlt es erwartungsgemäß an Grundtönigkeit.

Lennartz wußte aber mit den Manki gut umzugehen und bot ein vielfältiges Programm:

Er begann mit Böhm, Praeludium in d. Das ging hier natürlich recht gut. Auch Bachs Fuge in G-Dur BWV 577 ging gut, ist aber mit seinen endlosen Sequenzen erkennbar ein Frühwerk. Schön auch die Partita “Freu dich sehr, o meine Seele” von Böhm.

Aufhorchen ließ die wohldosiert herbe “Epiphanie” von Litaize. Im “Noel” von Bédard entlockte Lennartz dann tatsächlich liebliche, sanfte Töne.

Am Ende gab es vier Wagner-Transkriptionen (Pilgerchor, Wach auf!, Albumblatt und
Meistersinger Ouvertüre I), was natürlich nur mit Einschränkungen realisierbar war, dennoch aber Eindruck machte.

Lennartz hatte dieses Literaturprogramm dreimal mit Improvisationen unterbrochen: Zuerst gab es vier kontrapunktische Bearbeitungen des Chorals “Wie schön leuchtet der Morgenstern”, dann gab es im Zauberflötenstil eine Darstellung des Chorals “Wohl denen, die da wandeln” und - vor dem Wagner - noch eine romatisierende Version von “Schönster Herr Jesu”.

Fast 100 Hörer spendeten spontan und anhaltend Beifall, Zugabe jazzig. Orgel und Spieltisch stehen im Westwerk nur zwei Stufen über dem Kirchenboden. So konnte man mit dem sympathischen Künstler noch ins Gespräch kommen.

Gruß Clemens Schäfer

Edit: Die Orgel wurde 2012 ausgereinigt, eine Setzeranlage eingebaut.

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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)

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