Die neue Lenter-Orgel in Langenau scheint ein interessantes Instrument geworden zu sein (Link). Hauptwerk und Positiv überaus klassisch, das Schwellwerk nur grundtönig und in beide Richtungen mit ausgebauten Oktaven. Kegel- und Schleifladen sind kombiniert. Spannend und aus der Ferne nicht zu analysieren ist die Frage, wie das denn zusammenklingt. Im HW ist die größere Mixtur sogar höher als die kleinere, aber vielleicht liegen die Repetitionspunkte enger. Eine Herausforderung an die Intonation, auch im Bereich der Zungen.
Auf der zweiten Seite des pdf-Dokuments kommen das die Extras: MIDI, Registerfessel, "Aufnahmerecorder" (ist das nicht dasselbe?) und abschaltbare Stoßfänger (das klingt interessant, muss man mal ausprobieren!).
Vielleicht kann jemand aus der Gegend berichten.
Mal 'was anderes
Solcena
, Freitag, 31. Januar 2014, 15:53 (vor 4594 Tagen) @ Orlos
Kegel- und Schleifladen sind kombiniert.
... in einem Werk (SW)!
Wie funktioniert das denn bzw. was könnte die Motivation dahinter sein?
In der Tat, das scheint ein interessantes Instrument zu sein. Kundige vor!
Mal 'was anderes
Ophicleide, Freitag, 31. Januar 2014, 18:56 (vor 4594 Tagen) @ Solcena
Kegel- und Schleifladen sind kombiniert.
... in einem Werk (SW)!
Wie funktioniert das denn bzw. was könnte die Motivation dahinter sein?
Kegelladen:
Dienen einem stabilen Wind und dem romantischen Anspracheverhalten der 16 und 8 Füße
Schleifladen vermitteln das präzise Spielgefühl einer Schleifladenorgel.
Das ist zumindest meine Interpretation
Gruß Ophicleide
Mal 'was anderes
Karsten
, Samstag, 08. Februar 2014, 22:01 (vor 4585 Tagen) @ Solcena
bearbeitet von Karsten, Samstag, 08. Februar 2014, 22:50
Kegel- und Schleifladen sind kombiniert.
... in einem Werk (SW)!
Wie funktioniert das denn bzw. was könnte die Motivation dahinter sein?
In der Tat, das scheint ein interessantes Instrument zu sein. Kundige vor!
Hallo!
Ich bin so frei ausgiebig aus der Festschrift zum Orgelneubau (S. 17) zu zitieren:
[...] [Es] entstand im Projektverlauf die Idee, auch die Windversorgung der Pfeifen der jeweiligen Zeit anzupassen. Die barocken Pfeifen stehen unausweichlich auf der sogenannten Schleiflade: Alle Pfeifen eines Werkes werden über ein Tonventil mit Wind versorgt. Der Spieler nimmt diese Windladenbauweise über den sogenannten Druckpunkt wahr: Zu Anfang muss ein Widerstand überwunden werden, bis das Tonventil im Windsog vollständig geöffnet werden kann. Das gemeinsame Tonventil hat einen direkten Einfluss auf die Klangverschmelzung der Register. Die Bauweise dieser Windladen folgte alten, klassischen Prinzipien.
Mit der Zuwendung zum romantischen Klangbild benötigte man mehr Wind an den Pfeifen. Große Pfeifen auf einem gemeinsamen Ventil führen zu Konflikten, es entstand daraus die sogenannte Kegellade. Dabei besitzt jede Pfeife ihr eigenes Ventil. Auch Link verwendete beim Bau der rein romantisch geprägten Orgel 1907 ein Kegelladensystem. Man sieht also, dass nicht nur die Bauart der Pfeifen klanglich perfektioniert wurde, sondern auch unterhalb der Pfeifen neue Entwicklungen erdacht wurden. Durch die Kegellade erhalten die Register eine größere Eigenpräsenz, da die Windversorgung einer jeden Einzelpfeife autonom ist. Unsere Firma hat sich über viele Jahre mit dem Prinzip der Kegellade befasst und weiter entwickelt. Aus diesen Erkenntnissen lag es nun auf der Hand, auf mechanischem Wege die Kegellade in die Orgel zugunsten des Klangideals im dritten Manual einzufügen. Da die Kegellade aber nur einen geringen Druckpunkt aufweist, musste im Vergleich zu den zwei anderen Manualen eine Lösung gefunden werden. Schleiflade und Kegellade wurden kombiniert: Die vier Zungen des Schwellwerkes stehen auf einer Schleiflade (und erzeugen einen gewissen Druckpunkt), die sechs labialen Pfeifen [sic! recte: Register] stehen auf der Kegellade. Wir waren sehr erfreut, dass die Kirchengemeinde diesem Neuland an Entwicklungsmöglichkeiten über den Projektverlauf zugestimmt hat.
Das Großpedal wurde mit drei Registern auf einer pneumatischen Windlade von Link 1907 übernommen. Hier stehen die drei größten Pfeifenreihen der Orgel. Mit dieser Tatsache haben wir in einem Instrument nun drei Schichten vertreten:
a) Die mechanische Schleiflade
b) Die mechanische Kegellade, kombiniert mit der Schleiflade
c) Die pneumatisch angesteuerte Kegellade für das Großpedal
Alle drei Systeme bilden nun einen gültigen Organismus, welcher die Zeitströmungen sichtbar macht, gleichfalls aber die einmalige Chance einer faszinierenden Synthese darstellt.
Gruß
Karsten
Mal 'was anderes
perotin, Samstag, 08. Februar 2014, 22:46 (vor 4585 Tagen) @ Karsten
Die vier Zungen des Schwellwerkes stehen auf einer Schleiflade (und erzeugen einen gewissen Druckpunkt), die sechs labialen Pfeifen stehen auf der Kegellade.
Muß eine Mini-Kegellade sein -- sechs Pfeifen...
Aber danke für die Infos!
Grüße,
perotin
Mal 'was anderes
Karsten
, Samstag, 08. Februar 2014, 22:49 (vor 4585 Tagen) @ perotin
Die vier Zungen des Schwellwerkes stehen auf einer Schleiflade (und erzeugen einen gewissen Druckpunkt), die sechs labialen Pfeifen stehen auf der Kegellade.
Muß eine Mini-Kegellade sein -- sechs Pfeifen...
Aber danke für die Infos!
Grüße,
perotin
So steht's tatsächlich im Text! Muss - logisch - Register heißen...
Gruß
Karsten
Mal 'was anderes
Florian-L
, Sonntag, 09. Februar 2014, 08:54 (vor 4585 Tagen) @ Karsten
Das gemeinsame Tonventil hat einen direkten Einfluss auf die Klangverschmelzung der Register.
Ist diese Hypothese nicht schon vor längerer Zeit entkräftet worden?
Da die Kegellade aber nur einen geringen Druckpunkt aufweist, musste im Vergleich zu den zwei anderen Manualen eine Lösung gefunden werden.
Ich dachte, bei der Kegellade sei überhaupt kein Druckpunkt zu spüren.
Schleiflade und Kegellade wurden kombiniert: Die vier Zungen des Schwellwerkes stehen auf einer Schleiflade (und erzeugen einen gewissen Druckpunkt), die sechs labialen Pfeifen [sic! recte: Register] stehen auf der Kegellade.
Da wäre es interessant zu erfahren, ob dieses Manual noch einigermaßen leicht bespielbar ist.
Die Regulierungsarbeit dürfte recht herausfordernd sein.
Gruß, Florian
Mal 'was anderes
Friedrich
, Sonntag, 09. Februar 2014, 10:09 (vor 4585 Tagen) @ Florian-L
Das gemeinsame Tonventil hat einen direkten Einfluss auf die Klangverschmelzung der Register.
Ist diese Hypothese nicht schon vor längerer Zeit entkräftet worden?
Nein. Widerlegt wurde -- ich glaube, von den Leuten um Frau Angster -- die Annahme, dass die gemeinsame Tonkanzelle die Klangverschmelzung entscheidend fördere, z. B. über Phasengleichheit der Schallwellen aus den unterschiedlichen Pfeifen. Das gemeinsame Tonventil fördert allerdings die Klangverschmelzung, weil es den gemeinsamen Toneinsatz der Pfeifen erleichtert (nicht garantiert). Die Luft steht immer allen Pfeifen der Kanzelle gleichzeitig zur Verfügung. Allerdings hängt gute Klangverschmelzung entscheidend ab von der Mensurierung und vor allem der Intonation.
Die Regulierungsarbeit dürfte recht herausfordernd sein.
Siehe oben. Je weniger Ventile, desto weniger Ärger beim Regulieren.
Viele Grüße,
Friedrich
Mal 'was anderes
Tuba brassica, Samstag, 03. Mai 2014, 17:54 (vor 4502 Tagen) @ Karsten
Ja. Endlich was anderes. Wer den Vorgängerbau gekannt hat, weiss Änderungen zu schätzen. Bornefeld.... und Hauptwerk ohne Zungen ;-)
Ich habe die neue Orgel gehört, es war ein Konzert mit Trompetensolist....
Und es klang gut. Werde mich sicher mal persönlich davon überzeugen können...
Disposition
http://www.kirche-langenau.de/orgelprojekt/neue-orgel/neue-orgel.html