Lizenz zu Quintparallelen

Willscher, Sonntag, 02. Februar 2014, 14:13 (vor 4594 Tagen)

Moin moin,

da hatte ich doch heute die Ehre, den wunderschönen Kehrvers 633,3 aus dem neuen GL zu begleiten. Wie fast alle neuen Sachen ist dieser vermutlich am Lagerfeuer zu Gitarrenbegleitung entstanden (Hebt euch, ihr Tore). Drittletzter Takt F-Dur, dann G- Dur, dann A-Dur. Dankenswerterweise sind ja einige Liednummern mit Akkordsymbolen ausgestattet (falls sich mal ein Gitarrist auf die Empore schleicht, der mitjammen möchte). Wenn ich also so begleite, wie es dasteht, dann bekommen ich ja laufend Quint- und Oktavparallelen. Die man natürlich vermeiden kann, wenn man sich viel Mühe gibt. Zum Beispiel, wenn man anders harmonisiert. Aber das ist dann ja nicht im Sinn des Komponisten ;-)) Oder darf man das?
Also lieber Parallelen in Fülle. Und dann darf man sich nicht wundern, daß das auch bei "normalen" Liedern so begleitet wird mit der Begründung: bei Nr. 417, 437 und soundso darf ich das ja auch...........

Meine schwarze Liste (die dann für die Zelebranten in der Sakristei aushängen wird) wird auch immer länger.
Nr. 1 immer noch 874 Anhang HH-OS-HI (Caminando juntos). Dieser Song wird mit Sicherheit niemals gesungen, nimmt aber DREI ganze Seiten ein. Was hätte man da für wundervolle Sachen abdrucken können.

Viele Grüße

Andreas

PS: Ich bin der Kommission für das neue GL unendlich dankbar, daß "Wenn das Brot, das wir teilen" unter der Rubrik "Gerechtigkeit und Friede" steht. Das muß nämlich nie mehr als Lied zur Gabenbereitung spielen. Ich sage einfach: Steht nicht in der Rubrik "Zur Gabenbereitung" ;-))

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florianf, Graz (A), Sonntag, 02. Februar 2014, 15:28 (vor 4594 Tagen) @ Willscher

Hallo allerseits!

Eine schwarze Liedliste in der Sakristei - das ist ein Luxus, den ich mir sehnlichst wünschen würde. ;-) Bei uns sucht die der Priester stets für einige Wochen im Voraus aus, teils endete das aber mit liturgischen Fehlgriffen...

Ich selbst würde bei solchen Liedern anders und abwechslungsreicher harmonisieren als notiert. P. Planyavsky beispielsweise hat bei seinem letzten NGL-Kurs in Graz bei einigen harmonisch kargen Liedern etwas "Würze" und Vielfalt eingebracht, wobei er aber "gattungsgerecht" in einem gewissen Rahmen geblieben ist. Seine Haltung zu den häufigen Quintparallelen im NGL war damals, dass die Gitarre das dürfe, man an der Orgel aber auch zu anderen Möglichkeiten greifen könne und vielleicht auch sollte.

Deinem PS kann ich mich nur anschließen.

viele Grüße,
Florian

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Axel, Sonntag, 02. Februar 2014, 18:11 (vor 4594 Tagen) @ Willscher

Ich bin ja pessimistisch. Für mich zeigt sich (auch im Chorbuch) der Verlust von handwerklich solider Arbeit sehr deutlich. Die Generation NGL ist im Job angekommen, letztlich mein Alter, denn wir mussten den Krempel zur Erstkommunion singen. Und wer da im Job nicht mitzieht, wird rausgeekelt. Hab ich selbst erlebt.

Möglicherweise ist da eine Generation am Werk, die es nicht mehr besser kann und auch nicht will. Wer von Qualität spricht ist elitär und grenzt aus. Das kann man in der Kirche ja heute nicht mehr wollen. Im Übrigen sehe ich da Franz auch kritisch. Liturgisches Niveau ist nun nicht das Thema seines Pontifikats.

Ob es uns passt oder nicht: Qualität ist out und wer noch anständig an seiner Stelle arbeiten kann, hat wirklich Glück gehabt.
Billiger Populismus und niederschwellige Angebote sind angesagt. Mutter-und-Kind-Chor statt Orgelkonzert, so schaut es inzwischen aus, Angebote parallel zur Volksverblödung sind gefragt. Dass damit der Exodus aus den Kirchen nicht aufgehalten wird, scheint keiner zu merken.

Schöne Grüße
Axel

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florianf, Graz (A), Sonntag, 02. Februar 2014, 19:05 (vor 4594 Tagen) @ Axel

und so entstehen mancherorts Gegenströmungen: bewusst geworden ist mir das, als ich in einer der neuen Grazer Kirchgemeinden (gegründet Mitte 20. Jh) mit zwei Kantoren gesprochen habe, die sich beklagten, dass die Liturgie seit Jahren weichgespült und "weibisch" würde... Auch wenn diese Haltung mMn ein wenig extrem ist; bei diesen Leuten hat sie dazu geführt, dass sie sich intensiv mit Gregorianik und alter Kirchenmusik auseinandergesetzt haben, als Gegenbewegung zu den "Mutter-Kind-Chören"...

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Orlos @, Sonntag, 02. Februar 2014, 19:28 (vor 4594 Tagen) @ florianf

Was mich wundert, ist die starke Polarisierung "entweder-oder". Meines Erachtens ist das Schöne an der Kirchenmusik doch gerade die Vielfalt. Aber das gelingt nicht immer. Für einen großen Pfingstgottesdienst, bei dem sich alle Gemeinden des Bezirks mit ihren musikalischen Gruppen beteiligen sollten, entwarfen wir einen abwechlungsreichen Ablauf von der Gregorianik bis zum Neuen Geistlichen Lied (da gibt es sehr ansprechende Pfingstlieder!). Interessanterweise haben die eher konservativen Kirchenchöre das Programm auch mit den rhythmischen Liedern sofort mitgetragen, während die Chöre, die nur NGL singen, sich mit den alten Liedern partout nicht anfreunden wollten. Da fällt einem doch keine Zacke aus der Krone, wenn man mal ein Lied singt, das 100 Jahre alt ist!

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Axel, Sonntag, 02. Februar 2014, 20:30 (vor 4594 Tagen) @ Orlos

Beobachte ich auch immer wieder: Die ach so progressiven und natürlich modern-toleranten Gruppen zeigen ganz schnell ihr wahres Gesicht....

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hardy @, Sonntag, 02. Februar 2014, 20:36 (vor 4594 Tagen) @ Orlos

Gute, nicht oberflächliche Texte, ansprechende und gut singbare Melodien - dadurch zeichnen sich die in unseren Gottesdiensten gesungenen neueren Lieder aus. "Feiert Jesus" heißen die entsprechenden Liederbücher (mittlerweile 4 Bände). So etwas auch qualitativ ordentliches gibt es durchaus. Sie bilden etwa die Hälfte, manchmal etwas mehr, der Gottesdienstlieder. Meist durch eine Ansinggruppe mit Stage-Piano, Gitarre, Baß begleitet oder angeleitet. Alle zufrieden, incl. Kirchenmusiker (= ich, der Orgel und manchmal auch das Klavier traktiert).
Gruß H.

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