Mal 'was anderes

Karsten @, Samstag, 08. Februar 2014, 22:01 (vor 4583 Tagen) @ Solcena
bearbeitet von Karsten, Samstag, 08. Februar 2014, 22:50

Kegel- und Schleifladen sind kombiniert.


... in einem Werk (SW)!
Wie funktioniert das denn bzw. was könnte die Motivation dahinter sein?
In der Tat, das scheint ein interessantes Instrument zu sein. Kundige vor!

Hallo!

Ich bin so frei ausgiebig aus der Festschrift zum Orgelneubau (S. 17) zu zitieren:

[...] [Es] entstand im Projektverlauf die Idee, auch die Windversorgung der Pfeifen der jeweiligen Zeit anzupassen. Die barocken Pfeifen stehen unausweichlich auf der sogenannten Schleiflade: Alle Pfeifen eines Werkes werden über ein Tonventil mit Wind versorgt. Der Spieler nimmt diese Windladenbauweise über den sogenannten Druckpunkt wahr: Zu Anfang muss ein Widerstand überwunden werden, bis das Tonventil im Windsog vollständig geöffnet werden kann. Das gemeinsame Tonventil hat einen direkten Einfluss auf die Klangverschmelzung der Register. Die Bauweise dieser Windladen folgte alten, klassischen Prinzipien.
Mit der Zuwendung zum romantischen Klangbild benötigte man mehr Wind an den Pfeifen. Große Pfeifen auf einem gemeinsamen Ventil führen zu Konflikten, es entstand daraus die sogenannte Kegellade. Dabei besitzt jede Pfeife ihr eigenes Ventil. Auch Link verwendete beim Bau der rein romantisch geprägten Orgel 1907 ein Kegelladensystem. Man sieht also, dass nicht nur die Bauart der Pfeifen klanglich perfektioniert wurde, sondern auch unterhalb der Pfeifen neue Entwicklungen erdacht wurden. Durch die Kegellade erhalten die Register eine größere Eigenpräsenz, da die Windversorgung einer jeden Einzelpfeife autonom ist. Unsere Firma hat sich über viele Jahre mit dem Prinzip der Kegellade befasst und weiter entwickelt. Aus diesen Erkenntnissen lag es nun auf der Hand, auf mechanischem Wege die Kegellade in die Orgel zugunsten des Klangideals im dritten Manual einzufügen. Da die Kegellade aber nur einen geringen Druckpunkt aufweist, musste im Vergleich zu den zwei anderen Manualen eine Lösung gefunden werden. Schleiflade und Kegellade wurden kombiniert: Die vier Zungen des Schwellwerkes stehen auf einer Schleiflade (und erzeugen einen gewissen Druckpunkt), die sechs labialen Pfeifen
[sic! recte: Register] stehen auf der Kegellade. Wir waren sehr erfreut, dass die Kirchengemeinde diesem Neuland an Entwicklungsmöglichkeiten über den Projektverlauf zugestimmt hat.
Das Großpedal wurde mit drei Registern auf einer pneumatischen Windlade von Link 1907 übernommen. Hier stehen die drei größten Pfeifenreihen der Orgel. Mit dieser Tatsache haben wir in einem Instrument nun drei Schichten vertreten:
a) Die mechanische Schleiflade
b) Die mechanische Kegellade, kombiniert mit der Schleiflade
c) Die pneumatisch angesteuerte Kegellade für das Großpedal
Alle drei Systeme bilden nun einen gültigen Organismus, welcher die Zeitströmungen sichtbar macht, gleichfalls aber die einmalige Chance einer faszinierenden Synthese darstellt.

Gruß
Karsten


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