Wolfgang Abendroth in der Johanneskirche, D-Innenstadt
Hallo Forum,
das war am 29.11.2013 um 19h in der Johanneskirche, Düsseldorf-Innenstadt, ein vielgestaltiges Programm und doch eine runde Sache. Unter dem Titel “Vom Dunkel zum Licht” hatte Wolfgang Abendroth passend zum Ende des Kirchenjahrs und zur bevorstehenden Adventszeit neun Stücke zusammengestellt, die entweder in sich oder als Paar dem Motto entsprachen.
Den Auftakt machte Mendelssohns zweite Sonate. Das dunkle Grave kam hier eher betrachtend als drängend; diese Gangart ließ den Übergang zum Adagio (schön ausgesungen) um so zwingender erscheinen. Heller dann, energisch und entschlossen die beiden Schlußsätze.
Von Bach folgte das herrliche Choralvorspiel “Wenn wir in höchsten Nöthen sein” BWV 641. Als heller Gegensatz dazu das große der Welt zugewandte Praeludium samt Fuge in C-Dur 9/8. Im wiegenden Rhythmus ging es durch das Praeludium, frisch und präzise die Fuge.
In wunderbaren dunklen Klangmischungen zelebrierte Abendroth danach “Herzlich tut mich verlangen” von Brahms. op. 122 Nr. 10; heller dann “Es ist ein Ros’ entsprungen” op. 122 Nr. 8.
Große Gegensätze auch mit Olivier Messiaen: Aus den Livre du Saint sacrement gab es die Nr. IX “Les ténèbres” und Nr. X “La Résurrection du Christ”. Das erste gestaltete Abendroth ernst und dramatisch. Das zweite wirkte wie ein Entwicklungsstück: Die Auferstehung nicht als plötzliches Ereignis sondern als anstrengender Prozeß, immer wieder aus dissonanten Akkorden sich zum Licht emporarbeitend, vergleichbar vielleicht mit einem Schmetterling, der erst nach vielen Versuchen und nur mühsam aus dem Cocon schlüpft. Am Ende dann aber die Erlösung in strahlendem Fis-Dur.
Dunkel und tastend beginnt auch Regers Charakterstück “Weihnachten”, ehe mit in dulci jubilo die Weihnachtsfreude aufleuchtet (op. 145 Nr. 3), sehr eindrucksvoll. Zum Abschluß noch ein großes Crescendo mit Théodore Dubois “Fiat Lux”.
Großer, lang anhaltender, dankbarer Beifall der ca. 80 Hörer.
Gruß Clemens Schäfer
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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)
Wolfgang Abendroth in der Johanneskirche, D-Innenstadt
Dunkel und tastend beginnt auch Regers Charakterstück “Weihnachten”, ehe mit in dulci jubilo die Weihnachtsfreude aufleuchtet (op. 145 Nr. 3), sehr eindrucksvoll. Zum Abschluß noch ein großes Crescendo mit Théodore Dubois “Fiat Lux”.
Ja, Regers Weihnachten beginnt sehr düster und je nach Orgel ziemlich mulmig, so dass ich den Anfang noch nie an Weihnachten gottesdienstlich verwendet habe.
Es geht dann weiter mit "Es kommt ein Schiff geladen", aber kann gut sein, dass Dulci Jubilo auch irgendwo versteckt ist. Schade ist dann, dass der dynamische Höhepunkt mit einem (zumindest mir unbekannten) Choral bestritten wird (Kommst du, kommst du, Licht der Heiden). Aber der Schluss mit dem verwobenen Vom Himmel hoch und Stille Nacht ist toll!
Das Fiat Lux ist mein Lieblings-Dubois, aber das habe ich hier glaube ich schon einmal kundgetan ;-)
Orgel der Johanneskirche, D-Innenstadt
Von Bach folgte das herrliche Choralvorspiel “Wenn wir in höchsten Nöthen sein” BWV 641. Als heller Gegensatz dazu das große der Welt zugewandte Praeludium samt Fuge in C-Dur 9/8. Im wiegenden Rhythmus ging es durch das Praeludium, frisch und präzise die Fuge.
Selbiges spielte W.A. auch im Fernsehgottesdienst am 10.11. zum Schluß. Wie nach wenigen Takten Abwürgen durch die Fernsehleute. Schade.
hier ab etwa 58:45
In diesem Zusammenhang meine Frage zur Orgel:
Bekannt: Beckerath aus den 50ern, Arbeiten 2011 der gleichen Firma: Setzer+ Midi.
W.A. spielte am Sonntag nicht am Spielschrank, sondern an einer Konsole in der Nähe des Chores, 3 Manuale, Registerschalter mit Leuchtdioden, das Ganze ähnelt den allbekannten Johannus-Geräten. Im Video mehrfach zu sehen. Worum handelt es sich hierbei: Elektrischer Zweitspieltisch, Midi-Installation?
Wer kann aufklären?
Danke im Voraus
Tastenhalter
Orgel der Johanneskirche, D-Innenstadt
Hallo Tastenhalter,
an sich bin ich ja über die Düsseldorfer Orgeln recht gut, wenn auch (leider) nicht vollständig informiert, in der Johanneskirche war aber (leider) schon länger nicht mehr zu Konzerten.
Deshalb bin ich auch an Informationen über den Zweitspieltisch interessiert.
Der Umbau, bei dem die Orgel eine Setzeranlage (5000 Setzer) und Midi-Einrichtung bekam, war schon 2001.
Ich werde deshalb mal eine E-Mail an Wolfgang Abendroth schicken mit der Bitte um
Information über den neuen Spieltisch, ebenso über die digitale Orgel (OR/BIT) in der
Bergerkirche, an deren Konzeption Wolfgang Abendroth maßgeblich beteiligt war.
Wenn er mir die Information schickt, werde ich sie weitergeben
Herzliche Grüße
Frank (Berger)
Orgel der Johanneskirche, D-Innenstadt
Der Spieltisch unten in der Johanneskirche stammt von der Firma Hoffrichter,(soviel ich weiß).
Orgel der Johanneskirche, D-Innenstadt
Also: Orgelwilli hat recht: Auskunft des Organisten und Kantors
der Johanneskirche, Wolfgang Abendroth: Elektrischer Zweitspieltisch der Fa. Hoffrichter, Salzwedel, Anfang 2012. Das Brustwerk (am mechanischen Spieltisch oben auf IV) ist da als "Floating Division" auf jedes der 3 Manuale schaltbar.
Herzliche Grüße
Frank
Max Reger: "Weihnachten" aus Op. 145
Dunkel und tastend beginnt auch Regers Charakterstück “Weihnachten”, ehe mit in dulci jubilo die Weihnachtsfreude aufleuchtet (op. 145 Nr. 3), sehr eindrucksvoll.
Ja, Regers Weihnachten beginnt sehr düster und je nach Orgel ziemlich mulmig, so dass ich den Anfang noch nie an Weihnachten gottesdienstlich verwendet habe.
Es geht dann weiter mit "Es kommt ein Schiff geladen", aber kann gut sein, dass Dulci Jubilo auch irgendwo versteckt ist. Schade ist dann, dass der dynamische Höhepunkt mit einem (zumindest mir unbekannten) Choral bestritten wird (Kommst du, kommst du, Licht der Heiden). Aber der Schluss mit dem verwobenen Vom Himmel hoch und Stille Nacht ist toll!
Der dynamische Höhepunkt in "Weihnachten" bzw. das Crescendo vorher stellt den Choral "Ach, was soll ich Sünder machen" dar. Ist mir als Katholiken auch nicht geläufig ... aber ein gewisser Herr Bach hat da gleich eine ganze Partita zu komponiert! ;-) Der fastenzeitliche Choral nimmt in Regers 1915 während dem ersten Weltkrieg entstandener Orgelkomposition vermutlich Bezug auf die letzten Strophen vom zuvor erklungenen Choral "Es kommt ein Schiff":
"5. Und wer dies Kind mit Freuden
umfangen, küssen will,
muß vorher mit ihm leiden
groß Pein und Marter viel,
6. danach mit ihm auch sterben
und geistlich auferstehn,
das ewig Leben erben,
wie an ihm ist geschehn."
"In Dulci Jubilo" habe auch ich bislang ergebnislos in dem Stück gesucht.
Max Reger: "Weihnachten" aus Op. 145
Dunkel und tastend beginnt auch Regers Charakterstück “Weihnachten”, ehe mit in dulci jubilo die Weihnachtsfreude aufleuchtet (op. 145 Nr. 3), sehr eindrucksvoll.
Ja, Regers Weihnachten beginnt sehr düster und je nach Orgel ziemlich mulmig, so dass ich den Anfang noch nie an Weihnachten gottesdienstlich verwendet habe.
Es geht dann weiter mit "Es kommt ein Schiff geladen", aber kann gut sein, dass Dulci Jubilo auch irgendwo versteckt ist. Schade ist dann, dass der dynamische Höhepunkt mit einem (zumindest mir unbekannten) Choral bestritten wird (Kommst du, kommst du, Licht der Heiden). Aber der Schluss mit dem verwobenen Vom Himmel hoch und Stille Nacht ist toll!
Der dynamische Höhepunkt in "Weihnachten" bzw. das Crescendo vorher stellt den Choral "Ach, was soll ich Sünder machen" dar. Ist mir als Katholiken auch nicht geläufig ... aber ein gewisser Herr Bach hat da gleich eine ganze Partita zu komponiert! ;-)
Oh, das muss ich mir bald nochmal anschauen -- "Ach, was soll ich Sünder machen" hätte ich erkennen sollen, habe ich doch eine zugehörige Partita von Pachelbel schon oft gespielt (die von Bach dazu kenne ich nicht).