Petr Eben und Chagall, St. Franz. Xaver., D-Mörsenbroich

Clemens Schäfer, Montag, 18. November 2013, 13:28 (vor 4664 Tagen)

Hallo Forum,

auf den Tag genau vor sechs Jahren hatten beim 2.ido David Tasa (Trompete) und Prof. Torsten Laux “Okna” von Petr Eben in St. Michael gespielt. Damals war das Konzert unvermittelt zu einem Gedenken geworden, war der Komponist doch eine Woche zuvor gestorben.

Jetzt gab es am 31.10. 2013 mit den gleichen Künstlern eine Wiederholung in St. Franziskus-Xaverius. Aber die Veranstalter hatten sich noch etwas besonderes ausgedacht. 1959 hatte Marc Chagall den Auftrag angenommen, für die Krankenhaussynagoge des Universitätsklinikums Jerusalem zwölf Fenster zu gestalten. Es sollten die zwölf Stämme Israel charakterisiert werden. Nach Fertigstellung der Fenster und Ausstellungen in Paris und New York wurden sie dann 1962 vor Ort eingeweiht. Zu vier dieser Fenster hat Petr Eben Musik für Orgel und Trompete geschrieben (Stämme Ruben, Isacher, Zebulon und Levi). Gestern gab es zu vier weiteren Fenstern Improvisationen Düsseldorfer Organisten: Odilo Klasen charakterisierte Naphtali, Markus Hinz Benjamin, Torsten Laux Asher und Alexander Herren Juda. Die Bilder wurden großformatig projiziert.

Zur Entstehung der Fenster und zur biblischen Charakerisierung der Stämme Israels fand Pater Elias H. Füllenbach OP moderierend die passenden Informationen und nicht zu langen Verbindungstexte. Mit wunderbar klarer Diktion übrigens!

Was die Musik angeht, so wurde es ein großer Abend. Gewiß hatte ich befürchtet, daß die Improvisationen der Komposition Ebens nicht würden gleichwertig sein können. Aber erstaunlicherweise waren die Unterschiede gering. Dabei erwies sich die Musik Ebens wieder als unverbraucht, klangschön (Tasa!) und von interessanter mäßiger Modernität. Hier paßten sich die Improvisateure an. Klasen wußte sein Dienstinstrument vielleicht am geschicktesten einzusetzen, Herren ließ den Löwen Juda auch brüllen. Zurückhaltender, dem Sujet angepaßt, die Vorträge von Hinz und Laux. Das Ganze war übrigens offenbar das richtige “Futter” für diese Orgel: Selten habe ich sie so farbig gehört.

Mächtiger Beifall von den über 200 (in diesem Fall sogar zahlenden) Hörern für alle Beteiligten.

Gruß Clemens Schäfer


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