Giampaolo Di Rosa in St. Lambertus, D-Altstadt
Hallo Forum,
das Aprilkonzert der “Internationalen Orgelkonzerte” in St. Lambertus, Düsseldorf-Altstadt, spielte am 7.4.214 Giampaolo Di Rosa (Rom).
Er begann mit Bach, Praeludium und Fuge e-moll, BWV 548. Selten hat man die stimmungsmäßige Verwandtschaft des Praeludiums mit dem Eingang der Matthäuspassion so deutlich gehört. Di Rosa hatte ein getragenes Tempo gewählt und so registriert, daß gerade die Höhen besonders gut zur Geltung kamen. Alles sehr gut durchhörbar. Auch in der Agogik der Passion ähnlich. So erwartete man nach dem ersten Themendurchgang förmlich das “Helft! Helft!, Ihr Töchter...). Aber Di Rosa entwickelte natürlich das Praeludium weiter. Die Fuge kam dann überraschend und ohne
erkennbaren Grund in virtuos schnellem Tempo, das zwischendurch noch einen kleinen Spurt erlebte. Auch hier blieb alles klar; nichts verwischt oder gar verwaschen. Aber warum das so schnell sein mußte, blieb Di Rosas Geheimnis. Gewiß, er konnte es sich leisten.
An zweiter Stelle Franck, Prière op. 20. Im Tempo richtig, in den Klangfarben sehr schön. Hier bietet die Orgel ja auch alles, was man da so braucht. Lediglich unter der Führungsstimme war es am Anfang etwas zu dicht; das löste sich aber im Verlaufe des Stücks. Sehr schön.
An dritter Stelle Messiaen, Les Mains de l’abime (pour les temps pénitence) aus Livre d’orgue. Schneidend die Akkorde des Beginns (und am Ende). Dazwischen Klangzauber vom Feinsten mit Echowirkungen zwischen Chor- und Turmorgel. Wohl der Höhepunkt des Konzerts.
Hatte der Messiaen mit zwei tiefen Baßakkorden geendet, begann das folgende Stück mit dergleichen: Di Rosa präsentierte eine eigene Bearbeitung von Beethovens Pathetique”, Klaviersonate Nr 8, c-moll, op. 13. Das war wohl für Kenner der Beethovenschen Klaviermusik gedacht. Denn wer die Sonate noch nie gehört hatte, konnte hier auch nicht im Ansatz Zugang zu dieser Musik finden. Alles Klavieristische (stufenlose Dynamik, Anschlagsvielfalt) mußte hier auf der Strecke bleiben. Die Versuche, das durch Registrierung wettzumachen, waren hilf- und erfolglos. Im Adagio wurde gar die Kitschgrenze gestreift. Da fragt man sich wirklich: Cui bono?
Schließlich hatte Gastgeber Marcel Andreas Ober zwei zur Passionszeit gehörende Lied/Choralzeilen als Improvisationsgrundlage ausgewählt. Di Rosa begann mit einem ausgedehnten, ruhigen Teil, in dem er in spätromantisch-frümodernen Harmonien schwelgte. Dann folgte ein rasanter, virtuoser schneller Mittelsatz, ehe er in die langsame Gangart zurückfand. Am Ende noch mal ein Themenzitat und ein wirkungsvoller Schluß ohne Aplomb.
Lebhafter Beifall der rund 100 Hörer, Zugabe: Vermutlich eine Improvisation, von virtuoser Natur.
Gruß Clemens Schäfer
P.S. 05.05.2014, 19.30h, Etienne Walhain (Tournai) mit Bach (552), Mozart f-moll, Liszt (Orpheus) und Mussorgski (Bilder)
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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)