Via Crucis von Franz Liszt, Sonntagsorgel St. Andreas

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Sonntag, 13. April 2014, 18:26 (vor 4580 Tagen)

Hallo Forum,

das Werk “Via Crucis” von Franz Liszt war mir bislang noch nicht begegnet. Jetzt gab es eine Aufführung in der Sonntagsorgel von St. Andreas in Düsseldorf (Altstadt). Heinz Terbuyken (Orgel), Pamela Terbuyken (Sopran), Harald Martini (Bariton) und Pater Elias H. Füllenbach OP (Sprecher) waren die Ausführenden.

Das Werk wurde laut Programmzettel 1878/79 in Rom und Budapest geschrieben. Verarbeitet sind gregorianische Choräle, Passagen aus den Evangelien und dem Stabat Mater sowie protestantischen Kirchenliedern, darunter O Haupt voll Blut und Wunden. Es werden neben Zigeunermoll auch alte Tonleitern verwendet. Einige Stationen sind für Orgel solo komponiert, an anderen Stellen ist die Orgel lediglich als Stütze der Singstimme ausgelegt.

Fast durchweg herrscht ein getragener, langsamer Duktus, obwohl das Geschehen doch durchaus mit Dramatik nicht geizt. Diese kommt allenfalls in geschärfter Harmonik zum Ausdruck. Die Sänger dürfen immer schön singen. Das erinnert an das Nazarenertum in der Malerei. Mit dem virtuosen Liszt der bekannten Orgelwerke hat dies kaum etwas zu tun. Wahrscheinlich würde kaum jemand auf Liszt tippen, wenn der Blindtest gemacht wird.

Pater Elias hatte den ohnehin sehr kleinteiligen Musikfluß noch durch seine Ansagen zu unterbrechen. In bester Diktion gab er die nötigen Sachinformationen zu den 14 Stationen (wer kann die heute noch zusammenbringen?) und flocht kurze Predigtansätze ein.

Gegen die Qualität der musikalischen Darbietung gibt es nichts zu erinnern, berücksichtigt man, daß es sich nicht um Profisänger handelte. Am Ende eine Mischung aus Ergriffenheit und Ratlosigkeit: Was hat dagegen Dupré aus dem Sujet gemacht! Eine andere Zeit, gewiß. Aber “Via Crucis” ist auch unter Liszts eigenem Niveau. Beim Publikum (rund 80) überwog die Ergriffenheit: Langes Schweigen, eher einer seinen Beifall loswerden wollte und den Rest mitzog. 50 Minuten.

Gruß Clemens Schäfer

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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)

Via Crucis von Franz Liszt, Sonntagsorgel St. Andreas

Heuler, Sonntag, 13. April 2014, 18:44 (vor 4580 Tagen) @ Clemens Schäfer

Gegen die Qualität der musikalischen Darbietung gibt es nichts zu erinnern, berücksichtigt man, daß es sich nicht um Profisänger handelte.


Dies sagt das www:

"Harald Martini wurde 1975 geboren und erhielt seine erste musikalische Ausbildung bei den Essener Domsingknaben. Nach dem Abitur studierte er Gesang, zunächst bei Soto Papoulkas, später dann bei Ulf Bästlein an der Folkwang-Musikhochschule Essen und der Universität der Künste in Graz. Im Sommer 2003 legte er sein Diplom mit Auszeichnung ab, 2006 das Konzertexamen.

Auftritte mit dem Münchener Bach-Chor, der Bachakademie Stuttgart, den Essener Philharmonikern, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen oder dem WDR Sinfonieorchester Köln führten den jungen Bariton durch Deutschland. Darüber hinaus trat er bei Opernfestspielen auf und widmet sich dem romantischen Kunstlied. So sang er im November 2005 erstmals Schuberts Winterreise und gab im letzten Sommer beim Europäischen Klassikfestival ein Konzert mit Orchesterliedern von Wolf und Mahler.

Meisterkurse bei Charles Spencer, Irwin Gage, Rudolf Piernay und Axel Bauni begleiteten seine musikalische Ausbildung."


Ich durfte ihn vor einigen Jahren in Essen mit JoPa erleben: Großartig!


Entweder Harald Martini hat sich extrem verschlechtert bzw. einen ganz düsteren, schlechten Tag gehabt oder das Urteilsvermögen des Berichterstatters ist anzuzweifeln.

Via Crucis von Franz Liszt, Sonntagsorgel St. Andreas

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Sonntag, 13. April 2014, 19:01 (vor 4580 Tagen) @ Heuler

Hallo Heuler,

mea culpa, ich hätte recherchieren müssen. Im Programmzettel stand nämlich nichts zu den Künstlern. Martini ist also ein Profi und, ja, er war der bessere von den beiden. Aber ich wollte Frau T. nicht zu nahetreten. Die hatte nämlich Probleme mit den tieferen Lagen. So ist das, wenn man zu lavieren beginnt. Scheren im Kopf sind nun mal ungesund. Und Martini wurde in Mithaftung genommen.

Gruß Clemens Schäfer

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Via Crucis von Franz Liszt, Sonntagsorgel St. Andreas

stein @, Sonntag, 13. April 2014, 19:31 (vor 4580 Tagen) @ Clemens Schäfer

Salopp gesagt, Via Crucis von Liszt hat mich noch nie vom Hocker gehauen.
Wie viele seiner Spätwerke aus der Romzeit, doch sehr introvertiert. Wenn man es weiss, kann man es eher als Gebet verstehen. So sind auch viele seiner Spätwerke gemeint.

Via Crucis von Franz Liszt, Sonntagsorgel St. Andreas

Martin Kondziella, Mittwoch, 16. April 2014, 14:18 (vor 4578 Tagen) @ stein

Gebet ja. Verinnerlicht ja. Introvertiert nein. Stattdessen transcendental. Mich hat diese Linie in Liszts Schaffen schon immer angesprochen, schon als ich Jugendlicher war. Liszt malt nicht das äußere Geschehen nach, sondern die Meditation darüber.

Via Crucis von Franz Liszt, Sonntagsorgel St. Andreas

stein @, Mittwoch, 16. April 2014, 21:38 (vor 4577 Tagen) @ Martin Kondziella

Stattdessen transcendental.

Gefällt mir auch gut als Beschreibung.

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