Wer noch was Besondres sucht …

Friedrich @, Mittwoch, 11. Dezember 2013, 18:07 (vor 4641 Tagen)
bearbeitet von Friedrich, Freitag, 13. Dezember 2013, 20:30

Ich hatte mal irgendwann angeregt, dass wir hier regelmäßig CD-Tipps austauschen könnten. Dank Karstens Einsatzes ist daraus (und aus Wünschen und Beiträgen vieler Forumsmitglieder) inzwischen unsere Must-Have-Liste geworden, die ich für eine der schönsten Früchte unseres Forums halte.

Ich werde sie bald um eine Platte ergänzen, die ich im Herbst bekommen habe: Gerd Zacher spielt Gerd Zacher (Cybele). Aufgenommen wurde sie schon 2004, vor kurzem ist sie neu rausgekommen.

Zacher dürfte den allermeisten hier ein Begriff sein. Er hat sich schon in den 1950er-Jahren von Hamburg aus für Neue Orgelmusik eingesetzt und hat sie seitdem immer wieder und wieder gespielt und erklärt. Im Booklet der CD tut er auch das wieder, und zwar auf herrlich knappe Weise. Wenn ich aber die CD höre, geht es mir inzwischen so, dass solche Erklärungen mir höchstens im Nachhinein wichtig sind – sie verraten eher, wie ein Stück zustande kam, als dass sie dem Hören hülfen.

Im übrigen ist Zacher auch ein großartiger Interpret für alles vor 1960, wie seine Bach-, Mattheson-, Reger- und andere Aufnahmen (und seine schönen Konzertprogramme) immer wieder zeigen.

Zachers Stücke selbst sind vor allem Klangwunder. Zacher ist im Komponieren und im Spielen immer ganz nah am Klang dran. Er kostet die Ensembles, einzelne Register, ja einzelne Pfeifen mit einem Feingefühl aus, dass man überhaupt nichts anderes mehr hören möchte. Der Klang wurde auf dieser Cybele-Platte perfekt aufgenommen – das Hören mit Kopfhörer verschafft einem fantastische Eindrücke. Und die Orgel erlaubt all das auch: Zacher spielt auf »seiner« Schuke-Orgel in Essen-Rellinghausen (1968, IV/41). Was er über Orgel und Neue Musik zu sagen hat, kann u. a. man kurz hier nachlesen.

Besonders mochte ich das letzte Stück, »Ré« für Organist und Intonateur. Ein reines Klangstück, währenddessen der Intonateur mit ein paar (harmlosen) Hilfsmitteln das große D des Prinzipalbasses manipuliert, während andere Klänge diesen Grundklang interpretieren. Sieben Minuten Orgelklang für Neugierige. Toll.

Manchmal muss ich mich daran erinnern lassen, was Neue Musik und Neue Orgelmusik so können. Diese Platte hat mal wieder einen ordentlichen Knoten ins Taschentuch gemacht.

Gruß,
Friedrich

edit:
Die CDs sind nicht neu rausgekommen, das Label hat nur den Vertrieb gewechselt (zu Harmonia Mundi). Das tut aber dem fantastischen Hörgenuss keinen Abbruch.

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