fast völlig OT: Mozart, Krönungsmesse u.a.

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Samstag, 14. Dezember 2013, 20:52 (vor 4638 Tagen)

Hallo Forum,

in der Krönungsmesse von Mozart gibt es einen Orgelpart. Udo Flaskamp saß bei der Aufführung am 13.12.2013 (Symphoniekonzert in der Tonhalle) an einer schlichten dreimanualigen Konsole, vor sich die Noten, seitlich einen Bildschirm. Von dort sandte er via Elektronik die Töne auf die Lautsprecher des Saales. Zum Glück hat die Orgel hier keine solistischen Aufgaben. Das Ganze beschränkt sich weitgehend auf das Mitführen der Kontrabässe mit der linken Hand, gelegentlich darf die rechte Hand assistieren. Das Pedal bleibt unbenutzt.

Die Aufführung genügte hohen Ansprüchen. Der Chor (Städt. Musikverein, jenes Ensemble, das schon Hiller, Mendelssohn und Schumann zu Gebote stand) war bestens vorbereitet (Marieddy Rosetto), die Solisten (Jutta Maria Böhnert, Ingeborg Danz, Corby Welch, Andreas Wolf) harmonierten gut, einzig die Sopranisten hatte im Agnus Dei ein Ansatzproblem.

Die Krönungsmesse ist insofern ein merkwürdiger Zwitter, als sie für den Gebrauch im Gottesdienst sehr anspruchsvoll und auch lang ist, im Konzertsaal dagegen schnell als zu leicht empfunden wird. Zwar gibt es tiefe Stellen im Kyrie und Agnus Dei, Gloria und Credo sind aber über weite Strecken lediglich routiniert durchkomponiert.

Vor der Pause hatte es zunächst die Ouvertüre zu Hänsel und Gretel von Humperdinck gegeben. Leider schwebte im Schlußakkord einer der vier Hornisten ein wenig unterhalb der vorgegebenen Linie; der heikle Hornbeginn war dagegen schön sauber. Danach spielte Nigel Armstrong das Violinkonzert von Korngold. Der erste Satz geriet vielleicht etwas spröde; den vollen Ton einer Anne-Sophie Mutter hat Armstrong noch nicht. Eindrucksvoll und musikalisch mit Tiefgang und langem Atem jedoch der langsame Satz, volkstümlicher dann das Finale.

Dirigent war Sir Neville Marriner (89), der sich für dieses Konzert (drei Aufführungstage) mehr als eine Woche Zeit genommen hat. Vor dem Konzert stand er noch vor Publikum zum Interview in der Rotunde unter dem Konzertsaal zur Verfügung, tags zuvor hatte er die Generalprobe mit Publikum (in Düsseldorf ungewöhnlich) absolviert. Aufrechten Ganges und ohne stützende Hand schritt er zum Podest und dirigierte das ganze Konzert stehend. Seit ca. 40 Jahren war er Gast in Düsseldorf - meist mit seiner Academy...- gewesen. Nun stand er erstmals am Pult der hiesigen
Symphoniker.

Zu den Legenden des Musikbetriebs gehört auch Daniel Barenboim. Dieser war am 10.12.2013 zu Gast in der Tonhalle; ausverkauft natürlich. Barenboim spielte Schubert. Vor der Pause die Sonaten A-Dur D 664 und a-moll D 845, nach der Pause D-Dur D 850 “Gasteiner”. Über die Meriten des Künstlers muß man hier sicher nicht berichten. An diesem Abend zeigte sich aber, daß der vielbeschäftigte Mann nicht ohne Folgen auf so vielen Hochzeiten tanzen kann. Zahlreiche Gasttöne und häufiger, vernebelnder Pedalgebrauch trübten den interpretatorisch einleuchtenden Vortrag. So war das Echo denn auch geteilt. Einerseits standing ovations, andererseits kritische Töne in Treppenhäusern und Foyer. Die Kritiker der Tageszeitungen taten sich schwer; keiner indes verschwieg die Schwächen.

Am 12.12.2013 dann ein Kammerkonzert. Markus Becker, Klavier bestritt mit Gustav Rivinius, Cello, und Sharon Kam, Klarinette, im Robert Schumann Saal ein ganz herrliches Konzert. Vor der Pause Brahms erste Sonate für Klavier und Violoncello (e-moll, op. 38), dann Regers Sonate für Klarinette und Klavier B-Dur op. 107, nach der Pause zu dritt Brahms op. 114, a-moll. Herz, was willst du mehr? Da konnte man ins Schwärmen geraten. Ungemein dichte Musik, bestens disponierte Künstler mit schönem, passendem Ton. Eigentlich darf man keinen der drei besonders herausheben. Das ohne Zweifel beste Konzert dieser Woche, in die ja auch noch die Lunchtime-Orgel in der Johanneskirche fiel - ich berichtete. Puh, so habe ich doch noch die Kurve zurück ins Orgelforum gefunden.

Gruß Clemens Schäfer

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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)


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