Skinner-Orgel Ingelheim

friedemannw @, Gießen, Sonntag, 15. Dezember 2013, 23:50 (vor 4637 Tagen)
bearbeitet von friedemannw, Montag, 16. Dezember 2013, 18:52

Gerade bin ich auf einen Beitrag des SWR gestoßen, wo man einen ersten Klangeindruck der tollen Skinnerin bekommt:

http://swrmediathek.de/player.htm?show=f49db7e0-6413-11e3-8d81-0026b975f2e6

Super, dass dieses Projekt jetzt soweit gekommen ist! 2009 konnte ich die Orgelteile in ihrem Zwischenlager in einem leerstehenden Ingelheimer Kaufhaus besichtigen - jetzt muss ich wohl bald mal nach Ingelheim um das Ergebnis zu bestaunen!

Hier nochmal der Link zur exzellenten Fotodokumentation des Aufbaus:

http://www.skinner-orgel.de/html/fotos_aufbau.html

Skinner-Orgel Ingelheim

tombecher @, Saarbrücken, Montag, 16. Dezember 2013, 00:49 (vor 4637 Tagen) @ friedemannw

Genial :)))
hoffentlich gibt's davon irgendwann mal 'nen "Hauptwerk-Klon"

*auchhabenwill*
Thomas

Skinner-Orgel Ingelheim

Friedrich @, Montag, 16. Dezember 2013, 08:35 (vor 4637 Tagen) @ friedemannw

Hier nochmal der Link zur exzellenten Fotodokumentation des Aufbaus:

http://www.skinner-orgel.de/html/fotos_aufbau.html

Also dies hier erinnert mich irgendwie an »Brazil«.

Gruß,
Friedrich

Skinner-Orgel Ingelheim

Friedrich @, Montag, 16. Dezember 2013, 08:48 (vor 4637 Tagen) @ friedemannw

Bei aller Freude, dass so ein Dingen jetzt in Deutschland und hoffentlich allen Neugierigen offen steht, und bei allem Respekt vor der Entschlossenheit der Gemeinde, das durchzuziehen:

Es ist schon eine ganze Menge Orgel für das Bisschen Kirche.

Ich wünsche viel Glück!

Gruß,
Friedrich

Skinner-Orgel Ingelheim

MAT @, Montag, 16. Dezember 2013, 09:56 (vor 4637 Tagen) @ Friedrich

Genau das dachte ich auch!

--
Gruß
MAT

Skinner-Orgel Ingelheim

friedemannw @, Gießen, Montag, 16. Dezember 2013, 11:35 (vor 4637 Tagen) @ Friedrich

Es ist schon eine ganze Menge Orgel für das Bisschen Kirche.

Das stimmt. Das Pfeifenwerk ist ganz schön "aufgedreht", bedingt wegen des vorherigen Standortes. Es war bei der Projektbesichtigung der Gedanke (und so ist es ja auch ausgeführt worden), möglichst viel Pfeifenwerk in dicke Schwellkästen unterzubringen um die Orgel einigermaßen zu "bändigen". Ich bin wirklich auf das Ergebnis gespannt!

Skinner-Orgel Ingelheim

stein @, Montag, 16. Dezember 2013, 10:23 (vor 4637 Tagen) @ friedemannw

Danke für den Link. Tolle Fotodokumentation. Ein wirklich hochspannendes Projekt.
Eine Frage der Zeit, wo ich in Ingelheim vorbeischaue.
Gratulation!

Skinner-Orgel Ingelheim

Solcena ⌂ @, Montag, 16. Dezember 2013, 12:33 (vor 4636 Tagen) @ friedemannw

In der Tat ein imposantes Instrument.

Weiß jemand, ob man das "Antiphonal" auch aufgestellt hat? Wenn ja, im Hauptorgel-Gehäuse oder separat?

Skinner-Orgel Ingelheim

Dorforganist, Montag, 16. Dezember 2013, 12:57 (vor 4636 Tagen) @ Solcena

Dumme Frage von jemandem, der noch nie eine englische oder amerikanische Orgel gespielt hat: was ist eigentlich der primäre Zweck eines "Antiphonals"?

Skinner-Orgel Ingelheim

kjz1, Montag, 16. Dezember 2013, 16:36 (vor 4636 Tagen) @ Dorforganist

Da - wie ja schon gesagt - amerikanische Orgeln sehr oft im Chorraum (und dort dann oft noch getrennt in 2 organ chambers rechts und links) aufgestellt sind, braucht man dann noch ein separates Werk, um auch das Langhaus in größeren Kirchen von hinten akustisch füllen zu können (wo in Deutschland ja meist die Hauptorgel steht). Oft findet man dort auch noch (oder nur) ein 'Party Horn' (also eine horizontale Hochdruckzunge) im Antiphonal, was recht spezielle Effekte zuläßt. Ich erinnere da an St. Pauls Cathedral (London), den Kölner Dom oder auch St. John the Divine in NYC.

Oder auch andersherum gesagt: in Deutschland steht die Hauptorgel ja meist hinten (Westempore) und die Chororgel vorne. In Amerika ist es dann quasi umgekehrt: die Hauptorgel vorne und eine kleinere Orgel (Antiphonal) im Westen. Alles natürlich nur möglich durch die dort vorwiegend gebaute elektropneumatische Traktur, durch die man relativ frei in der Wahl der Orgelstandorte ist.

Skinner-Orgel Ingelheim

friedemannw @, Gießen, Montag, 16. Dezember 2013, 18:42 (vor 4636 Tagen) @ Solcena

Wie ich gehört/gelesen habe soll die Antiphonal Division erst später installiert werden, eventuell im Seitenschiff...

Skinner-Orgel Ingelheim

Solcena ⌂ @, Montag, 16. Dezember 2013, 18:57 (vor 4636 Tagen) @ friedemannw

Aha, danke.
Dann vermutlich im Querschiff gegenüber der Dreimännin, die ja auch nicht gerade winzig ist.
Ein zusätzlicher Prinzipalchor und nochmal Trompette und Clairon - das gibt es ja schon alles in der Hauptorgel...

Skinner-Orgel Ingelheim

Friedrich @, Montag, 16. Dezember 2013, 19:14 (vor 4636 Tagen) @ Solcena

Dann vermutlich im Querschiff gegenüber der Dreimännin, die ja auch nicht gerade winzig ist.

Aus Philipp Klais’ Beschreibung des Projekts auf der Klais-Homepage:
Das Projekt gliedert sich in zwei Bauabschnitte:
• Die Hauptorgel auf der Westempore
• Die Chororgel ("Antiphonal Division") im Südquerhaus unter der Empore der Dreymannorgel.

Auf der Gemeinde-Homepage wird die Disposition des Æolian-Skinner-Antiphonals so angegeben:
Great – Principal 8, Gemshorn 8, Principal 4, Fourniture IV
Swell – Bourdon 8, Spitz-Principal 4, Trompette 8, Clairon 4
Pedal – Rohrbordun 16'

Die Trompeten, die Æ-S als “French” und mit französischen Namen bezeichnete, sind meiner (Aufnahme-) Erfahrung nach enge, brillante und für europäische Ohren geradezu schneidende Register, die deutlich zu Skinner und Dreymann kontrastieren dürften.

Gruß,
Friedrich

Skinner-Orgel Ingelheim

Friedrich @, Montag, 16. Dezember 2013, 18:09 (vor 4636 Tagen) @ friedemannw
bearbeitet von Friedrich, Montag, 16. Dezember 2013, 18:14

Gerade bin ich auf einen Beitrag des SWR gestoßen, wo man einen ersten Klangeindruck der tollen Skinnerin bekommt:

http://swrmediathek.de/player.htm?show=1af9e010-64f7-11e3-b0dd-0026b975f2e6

Schade, der Beitrag scheint entfernt worden zu sein, jedenfalls der Abschnitt über Ingelheim.

Bedauert
Friedrich

Skinner-Orgel Ingelheim

friedemannw @, Gießen, Montag, 16. Dezember 2013, 18:54 (vor 4636 Tagen) @ Friedrich

Hab den Beitrag innerhalb einer Sendung gefunden und den Link korrigiert...

Skinner-Orgel Ingelheim

Tastenhalter @, Montag, 16. Dezember 2013, 22:25 (vor 4636 Tagen) @ friedemannw

Hab den Beitrag innerhalb einer Sendung gefunden und den Link korrigiert...

Sicher? Ich werde leider nicht fündig.

Tastenhalter

Skinner-Orgel Ingelheim

friedemannw @, Gießen, Dienstag, 17. Dezember 2013, 22:02 (vor 4635 Tagen) @ Tastenhalter

Hm... Sehr schade... Hoffentlich wird der Beitrag nochmal online gestellt!

Skinner-Orgel Ingelheim - gehört und gespielt

Orlos @, Mittwoch, 01. Januar 2014, 13:23 (vor 4620 Tagen) @ friedemannw

Jetzt hatte ich endlich Gelegenheit, die Skinner-Orgel zu besichtigen, zu hören und zu spielen. Vieles, was im Vorfeld befüchtet worden ist, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet! Das Problem beginnt damit, dass kaum jemand die amerikanische Orgel in USA noch erlebt hat. Diese Orgeln sind einfach nicht laut. Die schiere Registerzahl ließ hier manchen befürchten, dass das Kirchendach wegfliegen müsse, aber keineswegs! Die besonderen Qualitäten der Orgel liegen im leisen Bereich, herrliche Streicher und Flöten, wunderbare Solozungen, die man hier einfach noch nie live hören konnte. Außer einem kleinen Teil des Great und den wenigen echten Pedalregistern sind alle Pfeifen in Schwellkästen untergebracht.
Die Grundidee war, soweit wie möglich nur originale Skinner-Register zu benutzen und eine Disposition zu erstellen, die über das ursprüngliche Instrument zwar hinausgeht, aber sich an überlieferten Skinner-Konzepten orientiert. Obwohl das Material also aus verschiedenen Instrumenten besteht, ist das Ergebnis erstaunlich homogen und schlicht überwältigend. Schon jetzt besitzt die Orgel sechs (unterschiedlich klingende) Schwebungen, herrlich!
Die zweite Idee war, alle Laden etc. zu übernehmen bzw. originalgetreu neu zu bauen, was amerikanische Spezialisten übernommen haben. Sogar die Schwelltüren sind übernommen worden!
Und schließlich war es der Wunsch der Beteiligten, die Intonation auf ganz wenige Punkte zu beschränken, also möglichst viel "Original-Sound" beizubehalten. Es ist also keineswegs eine Klais-Orgel geworden, weder technisch noch klanglich, sondern eine weitgehend originale Skinner-Orgel, nur dass es eben nicht EINE Skinner-Orgel war, sondern nun eine zusammengestellte. Allerdings war der größte Teil des Materials durchaus aus EINER Orgel. Der Spieltisch musste leider neu gebaut werden, weil der bestehende nicht übernommen werden konnte.
Klanglich ist die Orgel schon jetzt phantastisch, obwohl noch nicht alle Pfeifen in der Hauptorgel klingen. Das Antiphonal-Werk wird in einem Gehäuse ohne Prospektpfeifen unterhalb der neuen Empore für die wieder ins Querhaus zurückgesetzte Dreymann-Orgel untergebracht werden.
Der neue fahrbare Spieltisch ist amerikanisch und bietet alle notwenigen Features. Die Traktur ist erstaunlich präzise. Das Instrument klingt selbst im Tutti mit Oktavkoppeln nicht brutal-laut, sondern rund und sonor. Ich sage mal böse: Jede original klingende Stumm-Orgel ist lauter. Die Lautstärke reduziert sich sehr schnell, schon in der Vierung sind die leisesten Register bei geschlossenen Schwelltüren kaum noch zu hören. Hier ist kein "Orgel-Monster" entstanden, sondern eine extrem differenzierte "Farb-Orgel" mit unerschöpflichen Schattierungen im piano-Bereich. Toll sind auch die drei Effektregister Harp, Celesta und Chimes.
Man sollte jetzt noch ein wenig warten, bis die 32'-Zunge, der Prospekt, die Aliquoten im Choir und die Register im schwellbaren Teil des Great klingen, dann wird sich die Hauptorgel komplett präsentieren. Das Antiphonal kommt erst, wenn genug Geld vorhanden ist. Man wird dieses Werk nicht nur für hübsche Effekte nutzen, sondern vor allem zur Begleitung der großen Chöre an der Saalkirche, die nicht auf der Empore Platz finden, sondern von vorne singen. Da ist ein schwellbares Begleitwerk schon sehr sinnvoll.
Ich finde das Projekt sehr gut, es gibt nicht viele Gemeinden in Deutschland, die eine solche finanzielle Potenz aufweisen können (Herr Böhringer gehört zur Gemeinde). Es ist für das an Orgeln reiche Rhein-Main-Gebiet eine hervorragende Bereicherung. Ich hatte gerade zuvor an der großen Walcker-Orgel von 1912 in der Wiesbadener Lutherkirche gespielt, da ist ein schöner Vergleich z. B. der Grundstimmen und Zungen möglich. Und da wir im nahen Mainz gerade eine neue Klais-Orgel bekommen haben, brauchte es in Ingelheim nicht auch eine "echte" Klais-Orgel.
Es war übrigens eine gute Entscheidung, diese Firma zu nehmen, die sich mit viel Engagement in die amerikanische Welt des Orgelbaus einlassen konnte und niemals versuchte, nach dem Motto "wir können das aber besser" Laden umzubauen oder Pfeifen zu verändern. Die konnten sich schön auf diesen ganz anderen Typ einlassen, das finde ich faszinierend. Da merkt man eine gewisse Erfahrung mit Restaurierungen aus verschiedenen Epochen. Und man hat ganz uneitel amerikanische Spezialisten nach Bonn geholt.

Also: Kommt her, hört und schaut (man kann da toll durch das Gehäuse laufen, ist alles sehr großzügig angeordnet) und spielt! Kollege Carsten Lenz ist sehr nett und stellt "sein" Instrument sehr gerne vor. Er war es auch, der durch langjährige Verbindungen und Konzerterfahrungen in Amerika den Kontakt dorthin herstellen konnte. Und er weiß einfach, wie die Pfeifen klingen müssen. Übrigens musste man die Amerikaner erst überzeugen, dass wir hier wirklich gut mit dem Material umgehen werden, bis man uns die Teile überließ! Die wissen ihre Skinner-Orgeln auch zu schätzen.

Ich wünsche ein gutes neues Jahr!

Skinner-Orgel Ingelheim - gehört und gespielt

stein @, Mittwoch, 01. Januar 2014, 13:56 (vor 4620 Tagen) @ Orlos

Danke für den spannenden Bericht.
Mit Klais hat man in diesem Fall sicherlich eine gute Wahl getroffen.
"Reorganisieren" scheint seine Spezialität zu sein.
Es wäre schade gewesen, wenn man solch ein wirklich einzigartiges Projekt in Europa auch noch verhunzt hätte.
Meilleurs veux!

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