Franz Comploi in der Auferstehungskirche, D-Oberkassel

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Donnerstag, 15. Mai 2014, 14:01 (vor 4555 Tagen)

Hallo Forum,

10. Oberkasseler Orgelfrühling, 3. Konzert: Italien (Südtirol), Franz Comploi (Domorganist in Brixen), Auferstehungskirche, Düsseldorf-Oberkassel, 14.05.2014.

Es ging los mit “Festpraeludium” von Vinzenz Goller (1873 bei Brixen - 1953). Der schrieb das Stück aus Anlaß des Einzugs Anton Bruckners (besser: einer Büste desselben) in die Walhalla bei Regensburg. Das war 1937. Das Stück zitiert Themen aus Bruckner Fünfter und ist geschickt gemacht.

Die Noten für den eigentlich jetzt vorgesehenen Baldassare Galuppi hatte Comploi versehentlich zu Hause gelassen. Er beweinte seine Sünde als Mensch groß mit J. S. Bach. Sehr schön, der colorierte c.f.

Von Gaetano Valeri (1760-1822) folgte nun die Sonata II. Nach einem kurzen Largo schloß sich ein Rondo Allegretto an. Eine Offertoriumsmusik. Drei Stücke von Padre Davide da Bergamo (1791-1863) schlossen des italienischen Teil des Programms ab. Zuerst eine Fughetta, die als perpetuum mobile Aeonen füllen könnte, entschlösse sich nicht der Organist irgendwann zu einem Schlußakkord. Als kontrapunktische Musik ein Rückblick in vergangene Zeiten. Denn ansonsten komponierte da Bergamo durchaus im Stile seiner Zeit. Beinahe kurios die “Elevazione” (cantabile affetuoso, andantino). Die begann über Alberti-Bässen mit einer Art Sopranarie, dann gab es einen beschwingten Walzer (als Wandlungsmusik!). Effektvoll mit Signalen ferner Trompeten danach noch eine Suonatina (allegro non troppo).

Nun spielte Comploi Mendelssohns dritte Sonate. Das war gradlinig und fein registriert. 6 leichte Variationen von Joseph Haydn Hob XVII/5 hatte er ins Programm genommen, weil er die Flöten der Orgel demonstrieren wollte. Das gelang prima. Schließlich gab es zum Abschluß “Veni Creator Spiritus”, Partita für Orgel op. 76 von Knut Nystedt (*1915), ein Stück mit elf Themadurchgängen und großer Steigerung gegen Ende. Stilistisch in der Art der Neuen Sachlichkeit. Modern, aber bestens hörbar - für mich eine angenehme Entdeckung. Und wohl auch der Höhepunkt dieses Konzerts.

Comploi hatte zuvor die Hörer über das Programm informiert, in akzentfreiem Deutsch, guter Diktion und anschaulicher Art (leider mit 15 Minuten viel zu lange!). Schon hier dürfte er viele Sympathien gewonnen haben. Sein aufmerksames und wohlüberlegtes Spiel und seine sorgfältigen Registrierungen taten ein übriges. Der warme Beifall der über 90 Hörer war spontan da und hielt lange an. Zugabe: “In dir ist Freude” von Bach.

Gruß Clemens Schäfer

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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)


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