Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Florian-L @, Freitag, 20. Dezember 2013, 11:39 (vor 4633 Tagen)

Hallo!

Cameron Carpenters "Touring Organ" ist nun fertig (mit Howard Seat und Ravalement im Pedal).

Gruß, Florian

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

kjz1, Freitag, 20. Dezember 2013, 14:44 (vor 4633 Tagen) @ Florian-L

Cameron Carpenters "Touring Organ" ist nun fertig (mit Howard Seat und Ravalement im Pedal).

Es tut natürlich schon etwas weh, dass man das Digital-Instrument ausgerechnet vor einem der schönsten Pfeifenorgel-Prospekte aufbaut.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

stein @, Freitag, 20. Dezember 2013, 19:17 (vor 4633 Tagen) @ kjz1

Scheint durchaus gewollt zu sein.

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

friedemannw @, Gießen, Freitag, 20. Dezember 2013, 21:50 (vor 4632 Tagen) @ Florian-L

Schon sehr beeindruckend! Sogar mit Lift in einem Flightcase, mit dem die Einzelteile angehoben werden können... Aber ein Howard-Seat ist das nicht! Das wäre so einer:

[image]
(Wurlitzer Theatre Orgen in der Radio City Music Hall, New York City)

Aber so einen Howard-Sitz wünscht man eh keinem Organisten - es sei denn, man möchte wieder als Sopran im Knabenchor mitsingen ;) Es gibt da ja diese Geschichte...

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

jori @, Samstag, 21. Dezember 2013, 17:55 (vor 4632 Tagen) @ Florian-L

Hallo,

ich mag diesen Schau-Hasen-Carpenter überhaupt nicht.
Da kann er noch so eine Super-Orgel hinstellen.

Weihnachtliche Grüße
jori

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

HenkM @, Samstag, 21. Dezember 2013, 20:00 (vor 4632 Tagen) @ jori
bearbeitet von HenkM, Samstag, 21. Dezember 2013, 22:57

Hallo,> > ich mag diesen Schau-Hasen-Carpenter überhaupt nicht.> Da kann er noch so eine Super-Orgel hinstellen. > > Weihnachtliche Grüße> joriHallo Jori,das verlangt auch keiner von Dir.Im übrigen finde ich, dass keiner aber auch wirklich niemand, der sich ernsthaft mit der Materie der Orgelmusik oder des Orgelspielens befaßt, einen solchen despektierlichen Kommentar verdient hat.Wenn Du ihm das unbedingt mitteilen möchtest, was Du von ihm hältst, so sage oder schreibe es ihm doch persönlich.Natürlich muß sich jeder, der in der Öffentlichkeit agiert, sich der Kritik stellen. Das ist völlig normal. Aber doch bitte sachlich begründet und nicht einfach jemanden als "Schau-Hasen-Carpenter" bezeichnen. Ich empfinde das durchaus schon als eine Beleidigung.Sorry, mußte mal raus.

Gruß
HenkM

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

stein @, Sonntag, 22. Dezember 2013, 12:09 (vor 4631 Tagen) @ HenkM

Ich mag ihn auch nicht sonderlich. Er kommt immer etwas sonderbar rüber. Aber toll spielen kann er schon.

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Wolfgang Gourgé @, Samstag, 21. Dezember 2013, 21:24 (vor 4631 Tagen) @ jori
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Samstag, 21. Dezember 2013, 21:29

Hallo,

ich mag diesen Schau-Hasen-Carpenter überhaupt nicht.
Da kann er noch so eine Super-Orgel hinstellen.

Weihnachtliche Grüße
jori

...der Schau-Hase kann allerdings phänomenal Orgel spielen. Damit will ich nicht sagen, daß mir alles bei ihm gefällt - sehr vieles gefällt mir durchaus nicht, z.B. seine hochmütige Ignoranz gegenüber historischen Instrumenten wie überhaupt dem historischen Hintergrund des europäischen Orgelbaus und damit auch gegenüber eines essentiellen Teils der Musikgeschichte, was auch nicht zitierfähige Äußerungen über neue - und sehr gute - Orgeln einschließt. Bach kann man nicht isoliert von den Instrumenten und der Musiszierpraxis seiner Zeit sehen, mindestens muß man sich dessen bewußt sein, auch wenn man ihn am Ende anders spielt, als es thüringische oder sächsische oder norddeutsche Barockorgeln nahelegen. Ebenso muß man seine Bühnenkleidung nicht unbedingt geschmackvoll finden, ebensowenig seine Konzertplakate, und seine Elektronen-Orgel löst bei mir weder Neid noch das Bedürfnis aus, sie hören zu wollen. Dem stehen dann wieder furiose Momente gegenüber wie die Übertragung der Volodos-Paraphrase von Mozarts "türkischem Marsch" auf die Orgel - ab Minute 4.33 - oder die von ihm im November 2010 in der Hamburger Laisz-Halle mit atemberaubendem Können in die Tasten gewuchtete Dupré-Skizze. Nun gut, da kommt einer aus Übersee und provoziert mächtig. Was ist daran eigentlich so schlimm? Imo gar nichts. Für manche Anlässe ist er der Richtige, für andere wieder nicht.

Gruß,
Wolfgang

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Samstag, 21. Dezember 2013, 22:28 (vor 4631 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Ich könnte mir vorstellen, daß er bei seinen Tempi einfach EIN Instrument braucht, auf das er vollständig eingeübt ist und mit unterschiedlichen Tasten, Pedalen und Trakturen nicht dieses Ergebnis erzielen könnte. Mit seiner Reiseorgel sitzt er bei jedem Konzert am selben, völlig vertrauten Instrument.
Ist meine Vermutung sehr abwegig?

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Karsten @, Samstag, 21. Dezember 2013, 22:44 (vor 4631 Tagen) @ Hausorgler

Ich könnte mir vorstellen, daß er bei seinen Tempi einfach EIN Instrument braucht, auf das er vollständig eingeübt ist und mit unterschiedlichen Tasten, Pedalen und Trakturen nicht dieses Ergebnis erzielen könnte. Mit seiner Reiseorgel sitzt er bei jedem Konzert am selben, völlig vertrauten Instrument.
Ist meine Vermutung sehr abwegig?

Nein, das sind - neben einigen aneren Gründen - genau die Gründe, die Cameron Carpenter als Argumente für seine Digitalorgel und eben gegen die Instrumente vor Ort vorbringt. Der Registrieraufwand ist bei ihm einfach zu groß und ein enormer Zeitfresser. Zudem machen viele Instrumente technisch seine Tempi nicht mit und musikalisch findet er selten die Klänge, die er braucht...

Soll er damit glücklich werden und vor allem viele viele neue Orgelmusikfans gewinnen. Vielleicht können die einen oder anderen nach dem Schock dem "normalen" Orgelklang der Kirche vor Ort und dessen Otto-Normal-Organisten dann doch etwas abgewinnen.

Gruß
Karsten

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Wolfgang Gourgé @, Samstag, 21. Dezember 2013, 22:46 (vor 4631 Tagen) @ Hausorgler
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Samstag, 21. Dezember 2013, 22:52

Ich könnte mir vorstellen, daß er bei seinen Tempi einfach EIN Instrument braucht, auf das er vollständig eingeübt ist und mit unterschiedlichen Tasten, Pedalen und Trakturen nicht dieses Ergebnis erzielen könnte. Mit seiner Reiseorgel sitzt er bei jedem Konzert am selben, völlig vertrauten Instrument.
Ist meine Vermutung sehr abwegig?

...nein, ganz im Gegenteil. Nur wird ein Konzert dadurch eher langweilig: es ist ja gerade interessant, wie derselbe Interpret dasselbe Stück an verschiedene Instrumente und Akustiken "anpaßt", das macht ja gerade den spezifischen Reiz von Orgelmusik aus und ist eine Schlüsselqualifikation professioneller Organisten. Wäre doch mal eine spannende Frage, wie Ton Koopman mit den Walckerinnen in Schramberg oder Hoffenheim umgehen würde..... - Genau das geht verloren, wenn immer auf derselben "Touring Organ" gespielt wird, und CC verweigert sich nach meinem Eindruck genau dieser Auseinandersetzung. Das ist es, was ich hochmütig und ignorant finde - nicht etwa, daß er nicht "historisch spielt", sondern sich mit der historischen Dimension der Musik und des Instruments "Orgel" erst gar nicht beschäftigen will, obwohl gerade Deutschland dafür reichlich "Material" bietet. Z.B. Marie-Claire Alain wußte es besser - auch wenn man manche ihrer Aussagen ("Orgelpfeifen klingen umso besser, je älter sie sind") skeptisch sehen mag. Aber von vielen großen Organisten (und eben auch von M.Cl.A.) weiß man, welchen Einfluß auf ihre Interpretationen die Begegnung mit alten Instrumenten hatte (von Helmut Walcha ist überliefert, welch enormen Eindruck die erste Begegnung mit den Silbermann-Orgeln in Rötha auf ihn machte und wie sie seine Vorstellungen von Grund auf veränderte). - Der Film über und mit M.Cl.A. ist übrigens sehr, sehr sehenswert.

Gruß,
Wolfgang

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

HenkM @, Samstag, 21. Dezember 2013, 22:57 (vor 4631 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Ich könnte mir vorstellen, daß er bei seinen Tempi einfach EIN Instrument braucht, auf das er vollständig eingeübt ist und mit unterschiedlichen Tasten, Pedalen und Trakturen nicht dieses Ergebnis erzielen könnte. Mit seiner Reiseorgel sitzt er bei jedem Konzert am selben, völlig vertrauten Instrument.
Ist meine Vermutung sehr abwegig?


...nein, ganz im Gegenteil. Nur wird ein Konzert dadurch eher langweilig: es ist ja gerade interessant, wie derselbe Interpret dasselbe Stück an verschiedene Instrumente und Akustiken "anpaßt", das macht ja gerade den spezifischen Reiz von Orgelmusik aus und ist eine Schlüsselqualifikation professioneller Organisten. Wäre doch mal eine spannende Frage, wie Ton Koopman mit den Walckerinnen in Schramberg oder Hoffenheim umgehen würde..... - Genau das geht verloren, wenn immer auf derselben "Touring Organ" gespielt wird, und CC verweigert sich nach meinem Eindruck genau dieser Auseinandersetzung. Das ist es, was ich hochmütig und ignorant finde - nicht etwa, daß er nicht "historisch spielt", sondern sich mit der historischen Dimension der Musik und des Instruments "Orgel" erst gar nicht beschäftigen will, obwohl gerade Deutschland dafür reichlich "Material" bietet. Z.B. Marie-Claire Alain wußte es besser - auch wenn man manche ihrer Aussagen ("Orgelpfeifen klingen umso besser, je älter sie sind") skeptisch sehen mag. Aber von vielen großen Organisten (und eben auch von M.Cl.A.) weiß man, welchen Einfluß auf ihre Interpretationen die Begegnung mit alten Instrumenten hatte (von Helmut Walcha ist überliefert, welch enormen Eindruck die erste Begegnung mit den Silbermann-Orgeln in Rötha auf ihn machte und wie sie seine Vorstellungen von Grund auf veränderte). - Der Film über und mit M.Cl.A. ist übrigens sehr, sehr sehenswert.

Gruß,
Wolfgang

Bei allem Respekt, auf welchen Instrumenten hat Herr Carpenter denn bislang konzertiert? Waren das nicht sehr reale Instrumente mit all ihren spezifischen Macken und Vorzügen. Ich kann nicht sehen, dass C. Carpenter sich diesen Instrumenten verweigert hätte. Mag sein, dass er sich typisch "historischen" Instrumenten ein wenig entzogen hat. Aber damit steht er nicht allein.

Gruß
HenkM

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Karsten @, Samstag, 21. Dezember 2013, 23:08 (vor 4631 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von Karsten, Sonntag, 22. Dezember 2013, 10:23


...nein, ganz im Gegenteil. Nur wird ein Konzert dadurch eher langweilig: es ist ja gerade interessant, wie derselbe Interpret dasselbe Stück an verschiedene Instrumente und Akustiken "anpaßt", das macht ja gerade den spezifischen Reiz von Orgelmusik aus und ist eine Schlüsselqualifikation professioneller Organisten. Wäre doch mal eine spannende Frage, wie Ton Koopman mit den Walckerinnen in Schramberg oder Hoffenheim umgehen würde..... - Genau das geht verloren, wenn immer auf derselben "Touring Organ" gespielt wird, und CC verweigert sich nach meinem Eindruck genau dieser Auseinandersetzung.

Ich bin mir nicht unbedingt sicher, ob er sich da "verweigert". Die genannte Registrier- und Anpassungskunst ist doch gerade für das "klassische" Literaturspiel interessant. Und Cameron Carpenters Stil ist eben davon weit, weit und noch weiter weg.

Die Klangfarbe, der Sound der "historischen" Orgel bewundert und schätzt er durchaus, aber der ganze technische Apparat dahinter (Mechanik, Windversorgung, Verstimmung, Temperatur....) ist für ihn viel zu unzuverlässig und daher inakzeptabel. Für ihn zählt nur, was an Klang raus kommt. Das "wie" interessiert ihn nur insoweit, ob alles, was er will, realisierbar ist. Und da muss er aus den genannten Gründen eben massiv Abstriche machen.

Die von dir genannte Kombination Koopman - Walcker-Orgel ist sicher extrem. Wobei Koopman mit der Romantik vom Studium ja duchaus vertraut ist. Allerdings zeichnen sich sehr viele der "großen" Organisten auch durch eine gewisse "Glätte" aus, sowohl was Programm als auch Spielweise angeht. Da habe ich mich in Konzerten trotz verschiedener Instrumente zwar nicht gelangweilt, aber wirklich aufregend war es nicht... Es blieb ein: Ja, so hat der das auch damals in xy gespielt...

Das ist es, was ich hochmütig und ignorant finde - nicht etwa, daß er nicht "historisch spielt", sondern sich mit der historischen Dimension der Musik und des Instruments "Orgel" erst gar nicht beschäftigen will, obwohl gerade Deutschland dafür reichlich "Material" bietet. Z.B. Marie Claire Alain wußte es besser - auch wenn man manche ihrer Aussagen ("Orgelpfeifen klingen umso besser, je älter sie sind") skeptisch sehen mag. Aber von vielen großen Organisten (und eben auch von M.Cl.A.) weiß man, welchen Einfluß auf ihre Interpretationen die Begegnung mit alten Instrumenten hatte (von Helmut Walcha ist überliefert, welch enormen Eindruck die erste Begegnung mit den Silbermann-Orgeln in Rötha auf ihn machte und wie sie seine Vorstellungen von Grund auf veränderte). - Der Film über und mit M.Cl.A. ist übrigens sehr, sehr sehenswert.

Wie erwähnt: er ist meines Erachtens vom "klassischen" Orgelspiel (sowohl was Technik als auch Spielweise und Interpretationsansatz betrifft) dermaßen weit weg, dass es für ihn schlicht Zeitverschwendung wäre, sich mit historischen Aspekten zu beschäftigen. In den Sphären, wo Carpenter denkt und spielt, bringen Fragen des Anschlags etc., die man am historischen Instrument kennenlernt, keinen wirklichen Zugewinn. Und Registrieren kann er sowieso...

Gruß
Karsten

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

kjz1, Sonntag, 22. Dezember 2013, 12:18 (vor 4631 Tagen) @ Karsten

Wie erwähnt: er ist meines Erachtens vom "klassischen" Orgelspiel (sowohl was Technik als auch Spielweise und Interpretationsansatz betrifft) dermaßen weit weg, dass es für ihn schlicht Zeitverschwendung wäre, sich mit historischen Aspekten zu beschäftigen. In den Sphären, wo Carpenter denkt und spielt, bringen Fragen des Anschlags etc., die man am historischen Instrument kennenlernt, keinen wirklichen Zugewinn.

Was ich mich dabei frage: stellt er sich als Künstler nicht absolut über alles? Also: weder historische Orgeln, noch historische Spielpraxis, teilweise auch nicht die Werke (die er ja durchaus auch umdeutet) interessieren ihn sonderlich; interessant ist für ihn nur die Verwirklichung seiner eigenen künstlerischen Vorstellungen? Provokant gesagt: alles hat sich der Verwirklichung seines eigenen künstlerischen Egos unterzuordnen?

Vielöe Grüße,

- Karl-Josef

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Karsten @, Sonntag, 22. Dezember 2013, 12:29 (vor 4631 Tagen) @ kjz1
bearbeitet von Karsten, Sonntag, 22. Dezember 2013, 14:44

Was ich mich dabei frage: stellt er sich als Künstler nicht absolut über alles? Also: weder historische Orgeln, noch historische Spielpraxis, teilweise auch nicht die Werke (die er ja durchaus auch umdeutet) interessieren ihn sonderlich; interessant ist für ihn nur die Verwirklichung seiner eigenen künstlerischen Vorstellungen? Provokant gesagt: alles hat sich der Verwirklichung seines eigenen künstlerischen Egos unterzuordnen?

Ich weiß wirklich nicht, was daran provokant oder ungewöhnlich ist. Man wage doch mal einen Blick über den Tellerand und in die Geschichte. Nur durch eben diese Rücksichtslosigkeit und Egozentrik der Künstler in allen Bereichen wurde Kunst und Kultur weitergetrieben und gelangte dahin, wo sie heute ist. Häufig sind die Künstler mit ihren Visionen und Vorstellungen den übrigen Zeitgenossen weit, weit voraus...

Gruß
Karsten

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

kjz1, Sonntag, 22. Dezember 2013, 12:10 (vor 4631 Tagen) @ Hausorgler

Ist meine Vermutung sehr abwegig?

Nein, auch Virgil Fox liess sich aus diesen Gründen 'Black Beauty' bauen und ging damit auf Tournee.

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

orgelquaeler, Sonntag, 22. Dezember 2013, 21:27 (vor 4630 Tagen) @ kjz1

Ist meine Vermutung sehr abwegig?


Nein, auch Virgil Fox liess sich aus diesen Gründen 'Black Beauty' bauen und ging damit auf Tournee.

Genau…
Leute, dass sind keine Organisten, sondern Popstars.
Paul Mccartney, Lemmy Kilmister, usw. haben immer ihr ganzes Gerödel dabei, Effekte vorher genau programmiert usw. Und genau das will auch CC. Und sein Instrument beherrscht er !....
Wie war es mit List, hat der nicht auch die Flügel mitgebracht, die er dann zerklopft hat ??
IMHO ne ganz andere Kiste wie Koopman und Alain. Eher so was wie Andre Rieu oder David Garrett…..

LG

OQ

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Wolfgang Gourgé @, Sonntag, 22. Dezember 2013, 21:48 (vor 4630 Tagen) @ orgelquaeler

Ist meine Vermutung sehr abwegig?


Nein, auch Virgil Fox liess sich aus diesen Gründen 'Black Beauty' bauen und ging damit auf Tournee.


Genau…
Leute, dass sind keine Organisten, sondern Popstars.
Paul Mccartney, Lemmy Kilmister, usw. haben immer ihr ganzes Gerödel dabei, Effekte vorher genau programmiert usw. Und genau das will auch CC. Und sein Instrument beherrscht er !....
Wie war es mit List, hat der nicht auch die Flügel mitgebracht, die er dann zerklopft hat ??
IMHO ne ganz andere Kiste wie Koopman und Alain. Eher so was wie Andre Rieu oder David Garrett…..

LG

OQ

...naja, zu Liszts Zeiten mußte man sich halt nur die Mühe machen, noch selber zu spielen, das Programmieren war so eine Sache...;--)....vielleicht würde ein Vergleich mit Abbé Vogler besser passen, zumal der zu seiner Zeit auch schon beißender (und berechtigter) Kritik ausgesetzt war, sowohl hinsichtlich seines mehr als fragwürdigen "Simplifizierungssystems" als auch seiner ewigen von Gewittern unterbrochenen Hirtenwonnen, Spazierfahrten auf dem Rhein und dergleichen Humbug mehr....

Okay, mag er sich als Popstar sehen. Allerdings: Virgil Fox ist mit seiner "Touring Organ" nie durch Deutschland gezogen, Carlo Curley auch nicht. Warum wohl? Weil beide sich vielleicht gedacht haben, daß das hier angesichts der vorhandenen Orgeln "nicht zieht"? Fox' Elektronium klang zudem unterirdisch, das belegen die auf youtube verfügbaren Clips eindrucksvoll, eine Klangfolter ohnegleichen, egal, wie gut er spielt.

Kann durchaus sein, daß CC mit seiner Touring Organ ziemlich schnell Schiffbruch erleidet. Ich möchte echte Orgelklänge hören, nicht das digitale Geblubber, und viele andere auch. Und es ist ja auch nicht plausibel, wenn jemand auf der Bühen an einem Elektronium sitzt, während hinter ihm eine mehr oder minder große Pfeifenorgel steht, da wird auch noch so fanszinierende Spieltechnik nichts ändern.

Gruß,
Wolfgang

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

orgelquaeler, Sonntag, 22. Dezember 2013, 22:17 (vor 4630 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Kann durchaus sein, daß CC mit seiner Touring Organ ziemlich schnell Schiffbruch erleidet. Ich möchte echte Orgelklänge hören, nicht das digitale Geblubber, und viele andere auch. Und es ist ja auch nicht plausibel, wenn jemand auf der Bühen an einem Elektronium sitzt, während hinter ihm eine mehr oder minder große Pfeifenorgel steht, da wird auch noch so fanszinierende Spieltechnik nichts ändern.

Gruß,
Wolfgang

Hallo Wolfgang!

Grundsätzlich gebe ich dir recht. Ich denke aber an den Popstar CC. Der kann sich nur an "seinem" Instrument präsentieren, nur da fühlt er sich wohl. French Horn Celeste, Tuba Celeste, Celesta, Grunzhorn und Posthupe, wer hat das schon zu bieten ;-)

Es lebe die Niederschwelligkeit! Ohne solche Auswüchse gäbe es vielleicht eine Wanamaker-Orgel nicht…

Garett, ja, eher Garrett, der Teufelsgeiger ;-) der würde auch mit Pailettenschühchen spielen…


LG

OQ

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Wolfgang Gourgé @, Sonntag, 22. Dezember 2013, 23:18 (vor 4630 Tagen) @ orgelquaeler
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Sonntag, 22. Dezember 2013, 23:27

Kann durchaus sein, daß CC mit seiner Touring Organ ziemlich schnell Schiffbruch erleidet. Ich möchte echte Orgelklänge hören, nicht das digitale Geblubber, und viele andere auch. Und es ist ja auch nicht plausibel, wenn jemand auf der Bühen an einem Elektronium sitzt, während hinter ihm eine mehr oder minder große Pfeifenorgel steht, da wird auch noch so fanszinierende Spieltechnik nichts ändern.

Gruß,
Wolfgang


Hallo Wolfgang!

Grundsätzlich gebe ich dir recht. Ich denke aber an den Popstar CC. Der kann sich nur an "seinem" Instrument präsentieren, nur da fühlt er sich wohl. French Horn Celeste, Tuba Celeste, Celesta, Grunzhorn und Posthupe, wer hat das schon zu bieten ;-)

Es lebe die Niederschwelligkeit! Ohne solche Auswüchse gäbe es vielleicht eine Wanamaker-Orgel nicht…

Garett, ja, eher Garrett, der Teufelsgeiger ;-) der würde auch mit Pailettenschühchen spielen…


LG

OQ

...so ganz "niederschwellig" finde ich ihn nicht. Dupré-Skizzen und das WTC von Bach sind ja nicht wirklich Popmusik, und da war er in Hamburg im November 2010 exzellent. Auch sonst wäre ich zurückhaltend, was die USA angeht, denn dort wird CC einerseits auch sehr, sehr kritisch gesehen (ich kenne zumindest einen sehr prominenten und überaus fähigen amerikanischen Organisten, der ihn nicht ausstehen kann....), zum anderen ist die Orgelkultur dort sehr vielfältig, und wer in Amerika als Organist "was werden" will, muß wirklich exzellent spielen können, was auch solche Musiker wie Nathan Laube oder Felix Hell beweisen und natürlich viele andere mehr. - Ich finde einfach, daß CC sehr arrogant auftritt - bei einem exzellenten neuen Instrument laut von einer "f.....g german organ!" zu schimpfen (so wurde es mir berichtet, und zwar absolut glaubwürdig), ist einfach "daneben".

@Karsten: ja, sicher, er schert sich nicht um die Traditionen, er *will* sie offensichtlich nicht kennen. Aber trotzdem halte ich das für einen Fehler. Wer etwas kennt, kann sich bewußt und begründet dagegen entscheiden. Wer erst gar nicht weiß, wogegen er sich da wirklich entschieden hat, ist künstlerisch schon anfechtbar, und außerdem hält das, was man nicht kennt, womöglich ja die ein- oder andere Überraschung bereit....(ich habe bisher jede Sushi-Bar mit Nichtachtung gestraft, um jetzt an einer neuen Sushi-Bar im Stader "Marktkauf" festzustellen, daß das Zeug zwar sauteuer, aber gar nicht übel ist....;--)...). Schon möglich, daß ihn das alles überhaupt nicht interessiert. Hochmütig ist es trotzdem - und künstlerisch fragwürdig. Vielleicht würden ihm an einer der Röthaer Silbermänninnen Ideen kommen, die er vorher nicht hatte?

Übrigens: André Rieu hat das Konservatium mit Auszeichnung abgeschlossen. Mein "Ding" ist er nicht, aber es gibt schwerer Erträgliches. Mag er seine Straußeneier weiter legen. Bloß Schostakowitschs Walzer finde ich so irgendwie "verharmlost". Für mich ist das eher ein Stimmungsbild als ein Tanz, wie ein bleierner, dick verschneiter Moskauer Wintertag zur Stalin-Zeit.

Gruß,
Wolfgang

PS: vor einigen Tagen wurde mir berichtet, daß sich ein französischer Organist, der eine Reger-Einspielung vorbereitet, dafür gehässige Kommentare seiner Kollegen eingefangen hat: "bedeutungslos" usw. - Reger = "bedeutungslos"? Wer sowas sagt, hat keine Ahnung. Aber es belegt, daß auch hochkarätige Musiker mitunter nicht frei von wenig intelligenten Ressentiments sind.

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

kjz1, Montag, 23. Dezember 2013, 19:16 (vor 4630 Tagen) @ orgelquaeler

Garett, ja, eher Garrett, der Teufelsgeiger ;-) der würde auch mit Pailettenschühchen spielen…

Oder halt Liberace, der dem Glitter auch nicht abgeneigt war.

In den 1950er Jahren gewann er siebenmal nacheinander den Preis für den schnellsten Klassikpianisten der USA. Er war in der Lage, bis zu 6.000 Noten in nur zwei Minuten korrekt wiederzugeben und galt deswegen als schnellster Pianist der Welt.

Liberace

Schnell war Liberace also auch.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Florian-L @, Montag, 23. Dezember 2013, 08:42 (vor 4630 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Fox' Elektronium klang zudem unterirdisch, das belegen die auf youtube verfügbaren Clips eindrucksvoll, eine Klangfolter ohnegleichen, egal, wie gut er spielt.

Für die frühen 1970er Jahre klingt es bemerkenswert, denn viel besser klingen auch die heute aktuellen Surrogate nicht. ;-)

Gruß, Florian

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Karsten @, Montag, 23. Dezember 2013, 11:00 (vor 4630 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von Karsten, Montag, 23. Dezember 2013, 11:05

Okay, mag er sich als Popstar sehen. Allerdings: Virgil Fox ist mit seiner "Touring Organ" nie durch Deutschland gezogen, Carlo Curley auch nicht. Warum wohl? Weil beide sich vielleicht gedacht haben, daß das hier angesichts der vorhandenen Orgeln "nicht zieht"? Fox' Elektronium klang zudem unterirdisch, das belegen die auf youtube verfügbaren Clips eindrucksvoll, eine Klangfolter ohnegleichen, egal, wie gut er spielt.

Wieso sollte Fox mit seiner Touring Organ Übersee bereisen, wenn er "vor Ort" viel Erfolg hat? Ja, die Touring Orgel klingt nach heutigen bzw. Pfeifenorgelmaßstäben vielleicht "unterirdisch". Aber das schert das auf den erwähnten Clips nur klatschend, pfeifend, jubelnd vernehmbare Auditorium offensichtlich nur wenig. Virgil Fox erreichte mit klassischen Orgelprogrammen (angereichert durch Nebel- und Lichtshows, seine Moderation etc.) die Massen (1973 kamen 6500 Leute zu einem Freiluftkonzert in Washington D.C.). Die damit einhergehenden ästhetischen Fragen (sowohl bzgl Show als auch Interpretation) waren damals schon umstritten. Es war ja keiner gezwungen, sich das "anzutun". Die ganze Bandbreite der Musikinterpretation war ja als Alternative vorhanden.

Kann durchaus sein, daß CC mit seiner Touring Organ ziemlich schnell Schiffbruch erleidet. Ich möchte echte Orgelklänge hören, nicht das digitale Geblubber, und viele andere auch. Und es ist ja auch nicht plausibel, wenn jemand auf der Bühen an einem Elektronium sitzt, während hinter ihm eine mehr oder minder große Pfeifenorgel steht, da wird auch noch so fanszinierende Spieltechnik nichts ändern.

Kann sein, muss aber nicht. Die von dir geführten Gedankengänge sind die eines Orgelfans. Und die sind eine Minderheit und dürften nur einen geringen Prozentsatz des potentiellen Publikums ausmachen. Die Heidelberger Stadthalle war bei einem Carpenter-Concert praktisch ausverkauft (die historische Voit-Orgel war ausschließlich im Einsatz). Ich kennen nun nicht wirklich alle Organisten und Orgelkenner der "Metropolregion Rhein-Neckar", aber ich behaupte, die überwiegende Anzahl waren keine speziell orgelaffine Leute.

Gruß
Karsten

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Florian-L @, Montag, 23. Dezember 2013, 11:21 (vor 4630 Tagen) @ Karsten

Kann durchaus sein, daß CC mit seiner Touring Organ ziemlich schnell Schiffbruch erleidet. Ich möchte echte Orgelklänge hören, nicht das digitale Geblubber, und viele andere auch. Und es ist ja auch nicht plausibel, wenn jemand auf der Bühen an einem Elektronium sitzt, während hinter ihm eine mehr oder minder große Pfeifenorgel steht, da wird auch noch so fanszinierende Spieltechnik nichts ändern.


Kann sein, muss aber nicht. Die von dir geführten Gedankengänge sind die eines Orgelfans. Und die sind eine Minderheit und dürften nur einen geringen Prozentsatz des potentiellen Publikums ausmachen. Die Heidelberger Stadthalle war bei einem Carpenter-Concert praktisch ausverkauft (die historische Voit-Orgel war ausschließlich im Einsatz). Ich kennen nun nicht wirklich alle Organisten und Orgelkenner der "Metropolregion Rhein-Neckar", aber ich behaupte, die überwiegende Anzahl waren keine speziell orgelaffine Leute.

Ich finde Carpenters manuelle und "peduelle" Fertigkeiten bewundernswert.
Auffällig ist jedoch nach meinem Eindruck, dass sich das Publikum relativ schnell zufriedengibt, solange nur möglichst schnell und/oder laut gespielt wird. Mag das klangliche Ergebnis noch so unterirdisch sein.

Gruß, Florian

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

orgelquaeler, Montag, 23. Dezember 2013, 22:50 (vor 4629 Tagen) @ Florian-L

Auffällig ist jedoch nach meinem Eindruck, dass sich das Publikum relativ schnell zufriedengibt, solange nur möglichst schnell und/oder laut gespielt wird. Mag das klangliche Ergebnis noch so unterirdisch sein.

Gruß, Florian

Genau das meinte ich. Es gibt ja auch einige, die ganz begeistert erzählen, dass sie jetzt Klassik hören. Auf Nachfrage: Sie waren bei einem Helmut Lotti Konzert…
CC hat nichts mit Organistentum im klassischen (unserem) Sinne zu tun.

Auf ein schön georgeltes Weihnachten

OQ

Cameron Carpenter

Contrebasson 32' @, Wien, Dienstag, 24. Dezember 2013, 08:47 (vor 4629 Tagen) @ orgelquaeler

Auffällig ist jedoch nach meinem Eindruck, dass sich das Publikum relativ schnell zufriedengibt, solange nur möglichst schnell und/oder laut gespielt wird. Mag das klangliche Ergebnis noch so unterirdisch sein.

Gruß, Florian


Genau das meinte ich. Es gibt ja auch einige, die ganz begeistert erzählen, dass sie jetzt Klassik hören. Auf Nachfrage: Sie waren bei einem Helmut Lotti Konzert…
CC hat nichts mit Organistentum im klassischen (unserem) Sinne zu tun.

Liebe Forumskollegen,

wieso verlaufen hier manche Diskussionen eigentlich immer gleich, wenn auch mit dem Unterschied, dass inzwischen einige Foris sich eine differenziertere Meinung als vor einigen Monaten bzw. Jahren zugelegt haben. So kann ich bspw. das, was Wolfgang geschrieben hat, am besten unterschreiben.

Naja, aber zurück zu Cameron Carpenter. Er ist laut, er ist provokant, technisch brilliant und noch dazu ein Julliard Absolvent, einer Musikhochschule, die gemeinhin nicht dafür bekannt ist, ihre Abschlüsse zu verschenken oder gar jeden aufzunehmen. Natürlich darf man sich manchmal fragen, wie z.B. dort ein David Garrett studieren konnte, aber ich glaube, dass der David Garrett, der damals dort studiert hat, und der David Garrett, der heute als moderne Rieu-Version Konzerthallen füllt und es dabei an technischer Brillianz mangeln lässt, leider nur wenig miteinander zu tun haben. Fehlende technische Brillianz kann man CC im Gegensatz zu David Garrett nicht vorwerfen...

CC rangiert für mich persönlich irgendwo zwischen Genie und Wahnsinnn. Er reiht sich in eine lange Reihe von Interpreten ein, die die Grenzen dessen, was auf ihrem Instrument möglich ist, ausloten wollen. Scheinbar ist es nun so, dass ihm die bisher vorhandene Literatur das aber nicht zur Gänze ermöglicht, und so verfremdet er Stücke (ich erinner nur an die A la Turca-Paraphrase von Volodos, die ihm technisch und musikalisch noch zu anspruchslos war), steigert sie im Tempo etc., und stellt sie so in den Dienst seiner Virtuosität.
Dabei geht er nicht immer geschmackssicher vor. Nur, weil etwas technisch möglich ist, muss man es nicht in seine Interpretationen einfließen lassen. So z.B. bei seiner Bachplatte, die ein schönes Zeugnis amerikanisch-neoromantischer Interpretationspraxis wäre, würde sie nicht bspw. durch Hervorhebung einzelner Passagen auf einem Solomanual (vorzugsweise auf einem dritten Manual) fast schon pädagogisierend auf Wendungen und ansonsten überhörte Nebenstimmen aufmerksam machen und damit den Hörgenuss schmälern.

Auch seine Meinung bzgl. so mancher Orgel ist mehr als grenzwertig. Innerhalb der Logik eines CC ist der Schritt zur Touring-Orgel aber absolut nachvollziehbar. Und sollte CC mit einem gescheiten Toningenieur unterwegs sein, der in der Lage ist, seine Digitalorgel gut auf den jeweiligen Konzertraum abzustimmen, wird das klanglich viel, viel befriedigender sein als z.B. jede Rodgers-Elektronenkiste, auf der CC so oft auf yt zu hören ist. Der Klang der M&O-Digitalorgeln ist nun einmal sehr, sehr realitätsnah, so leid es mir tut, das zu sagen. Für CC folgt aus der Touring-Orgel jedenfalls die Möglichkeit in allen Konzertsälen der Welt aufspielen zu können - unabhängig von der Qualität der dort vorhandenen Orgel.
Nehmen wir an, CC käme nach Düsseldorf. Auf der Tonhallen-Klaisine würde ich ihn nicht hören wollen. Die Orgel ist nämlich viel zu klein für Sololiteratur und außerdem sehr zurückhaltend intoniert. Hier macht eine Touring-Orgel Sinn. Es gibt jedoch auch genügend Konzertsäle mit hervorragenden Orgeln, Orgeln die ich lieber hören würde als jede noch so gute Digitalorgel. CC meint jedoch, dass selbst sehr gute Orgeln ihn und seine Interpretation einengen würden. Einerseits, weil sie seinem Spiel manchmal physisch nicht gewachsen sind (was man ja übrigens auch immer wieder von einen alte Musik-Experten hört), andererseits, weil er ihre klanglichen Möglichkeiten als nicht befriedigend bzw. defizitär empfindet im Vergleich zu seinen eigenen Klangvisionen.

Kommen wir nun aber endlich zu meinem Plädoyer: Lassen wir doch CC noch ein bisschen rumkrawallen und laut und schrill sein. Geben wir ihm etwas Zeit, sich die Hörner abzustoßen. Und so dürfen wir es vllt. in 10 Jahren erleben, dass CC reifer geworden ist und sich bzw. seine stupende Technik mehr und mehr in den Dienst am Werk, das er interpretiert, stellt als umgekehrt. Lassen wir ihm doch seinen immensen Schaffensdrang irgendwo zwischen - wie ich oben schrieb - Genie und Wahnsinn und freuen uns daran, dass er es schafft, die Menschen für die Orgel und ihre Literatur zu begeistern, statt ihm die vollen Konzertsäle zu neiden. Und wie schon mancher Vorredner schrieb. Es ist ja nicht so, dass er nur effekthascherische, oberflächliche Literatur im Programm hat. So jubelt er seinem Publikum so manches Werk unter, dass dieses sonst nie zu hören bekämen. Ich würde sagen: Gut so!
Und uns würde ich angesicht desssen zu etwas mehr Gelassenheit raten. Lassen wir doch die Kirche im Dorf. Noch hat CC nämlich ein eigenes Publikum, das mit dem Publikum des gemeinen Orgelkonzertbetriebs doch nur wenig Überschneidungen hat. Vielleicht wird es aber irgenwann so sein, dass sich jemand nach einem CC-Konzert für das Instrument Orgel begeistert und so in einem "unserer" Konzerte landet.

Mit besten Grüßen
Contrebasson 32'

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

samuelscheidt, Sonntag, 22. Dezember 2013, 21:53 (vor 4630 Tagen) @ orgelquaeler

IMHO ne ganz andere Kiste wie Koopman und Alain. Eher so was wie Andre Rieu oder David Garrett…..

Die beiden kommen immerhin in den Genuss von Violinen aus dem Hause Stradivari.
Ach, hätte sich Carpenter doch nur ein Silbermann- oder Cavaillé-Coll-Modell gegönnt ;-)

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Florian-L @, Montag, 23. Dezember 2013, 08:35 (vor 4630 Tagen) @ samuelscheidt

IMHO ne ganz andere Kiste wie Koopman und Alain. Eher so was wie Andre Rieu oder David Garrett…..

Die beiden kommen immerhin in den Genuss von Violinen aus dem Hause Stradivari.

Die jedoch mit dem ursprünglichen Klangbild nichts mehr zu tun haben dürften, seit sie umgebaut wurden, um den viel stärkeren Zugkräften durch Stahlsaiten standzuhalten.

Gruß, Florian

OT (Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Friedrich @, Montag, 23. Dezember 2013, 12:04 (vor 4630 Tagen) @ Florian-L

IMHO ne ganz andere Kiste wie Koopman und Alain. Eher so was wie Andre Rieu oder David Garrett…..

Die beiden kommen immerhin in den Genuss von Violinen aus dem Hause Stradivari.


Die jedoch mit dem ursprünglichen Klangbild nichts mehr zu tun haben dürften, seit sie umgebaut wurden, um den viel stärkeren Zugkräften durch Stahlsaiten standzuhalten.

Nach allem, was ich höre, haben viele dieser Geigen (ich hatte noch nie eine in der Hand) allerdings Qualitäten, die diese Umbauten überdauert haben. Umgebaut werden ja vor allem die ergonomischen Teile, also z. B. das Griffbrett. Das Holz, die Form und Gestaltung des Corpus sind aber viel wichtiger. Eine befreundete Geigerin schilderte ihre Stradivari-Erfahrung – eine Blind-Probe, sie wusste nicht, was sie da in Händen hielt – so, dass sie das Gefühl gehabt hätte, die Geige würde geradezu nach den Tönen schnappen – rasche Anspache, sofortige volle Resonanz und vollkommene Ausgeglichenheit sind musikalische Qualitäten. Und wenn sie nur darin bestehen, dass sie dem Spieler bestimmte Hürden erst gar nicht in den Weg stellen.

Und Saiten aus Kunststoff und Stahl sind in vieler Hinsicht ein Segen. Darmsaiten sind in Alter Musik notwendiges Übel – wenn es ein Produkt gäbe, das stabiler und dauerhafter wäre, könntest Du damit reich werden! Es ist nicht reine Willkür und Geschmacksverirrung, die die modernen Instrumente hervorgebracht haben.

Bitte entschuldigt den Exkurs, aber über »historisches« Spiel auf Streichinstrumenten und über deren Beschaffenheit ist viel Quatsch im Umlauf, auch unter den Spielern. Da bin ich etwas empfindlich.

Gruß,
Friedrich

OT (Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Evacuant, Montag, 23. Dezember 2013, 13:19 (vor 4630 Tagen) @ Friedrich

Nach allem, was ich höre, haben viele dieser Geigen (ich hatte noch nie eine in der Hand) allerdings Qualitäten, die diese Umbauten überdauert haben. Umgebaut werden ja vor allem die ergonomischen Teile, also z. B. das Griffbrett. Das Holz, die Form und Gestaltung des Corpus sind aber viel wichtiger. Eine befreundete Geigerin schilderte ihre Stradivari-Erfahrung – eine Blind-Probe, sie wusste nicht, was sie da in Händen hielt – so, dass sie das Gefühl gehabt hätte, die Geige würde geradezu nach den Tönen schnappen – rasche Anspache, sofortige volle Resonanz und vollkommene Ausgeglichenheit sind musikalische Qualitäten.

das war aber nicht diese Blind-Probe?
http://www.zeit.de/kultur/musik/2012-01/stradivari-geigen-studie

OT (Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Friedrich @, Montag, 23. Dezember 2013, 18:49 (vor 4630 Tagen) @ Evacuant

das war aber nicht diese Blind-Probe?
http://www.zeit.de/kultur/musik/2012-01/stradivari-geigen-studie

Über die hatte ich auch im alten Forum schon geschrieben.

*seufz*

Es mag aus dem Zeit-Artikel nicht ohne weiteres hervorgehen, weil der sich auf »alt« und »neu« einschießt. Aber bei diesem Test wurden durchweg Spitzeninstrumente gereicht, die neueren hatten bereits Wettbewerbe gewonnen. Es geht da nicht um die China-Schachtel aus dem Export-Import-Laden am Bahnhof. Wenn der Test etwas beweist, dann erstens, dass die Kategorie Alter bei Geigen möglicherweise (von wem?) überschätzt wird und dass zweitens heute ebenso gute Geigen gebaut werden wie vor 250 Jahren. (Beides gilt ja auch für Orgeln.)

Gruß,
Friedrich

OT (Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Florian-L @, Dienstag, 24. Dezember 2013, 08:47 (vor 4629 Tagen) @ Friedrich

Nach allem, was ich höre, haben viele dieser Geigen (ich hatte noch nie eine in der Hand) allerdings Qualitäten, die diese Umbauten überdauert haben.

Ja, das ist wirklich erstaunlich, dass diese Instrumente Umbauten so gut "wegstecken" und noch so hervorragend klingen.

Gruß, Florian

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Karsten @, Sonntag, 22. Dezember 2013, 22:08 (vor 4630 Tagen) @ orgelquaeler

IMHO ne ganz andere Kiste wie Koopman und Alain. Eher so was wie Andre Rieu oder David Garrett…..

Mit "anderer Kiste" bin ich einverstanden (siehe meine vorherigen Beiträge). Aber Rieu und Garrett? Dann am ehesten noch Garrett.

Und man kann über Fox' "Touring Organ" sagen was man will, er hat die Leute für Bach und klassische Orgelmusik dabei begeistert und erreicht. In amerikaischen Foren haben immer wieder Orgelfreunde berichtet, dass eine Fox- oder Edgar Power Biggs-Platte bzw. Konzert eines der ersten "Schlüsselerlebnisse" war.

Gruß
Karsten

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Florian-L @, Sonntag, 09. März 2014, 11:12 (vor 4554 Tagen) @ Florian-L

Hier ein Video dazu (englisch).

Gruß, Florian

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Karsten @, Sonntag, 09. März 2014, 13:27 (vor 4554 Tagen) @ Florian-L

Hier ein Video dazu (englisch).

Gruß, Florian

Manche Szenen in dem Video finde ich regelrecht lächerlich, so plakativ wie sie sind. Es fiel mir schwer, das Video bis zum Ende anzuschauen. Allein schon die Kontrast der Konferenzzimmer-Szene: Carpenter im hellen Hawaii-Hemd-Outfit und alle im konservativen dunklen Kostüm oder Anzug...

Wäre einmal interessant, endlich die technischen Details der virtuellen Orgel zu erfahren...

Gruß
Karsten

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

hintersatz, Sonntag, 09. März 2014, 15:05 (vor 4554 Tagen) @ Karsten

Interssant wäre auch, ob es CC gelingt, von dem Ding Aufnahmen zu verkaufen. Bisher galt doch die Annahme, dass Aufnahmen von digitalen Instrumenten auf dem Orgelmusik-Markt unverkäuflich sind. Marshall&Oggeltree mag es zwar gelungen sein, Babyrassel und Fahrradklingel in CC's neue Orgel als Register zu implementieren, eine grundsätzlich neue Tonerzeugung werden sie aber dafür wohl nicht erfunden haben. Sprich, was dabei als Tonaufnahme herauskommt, möchte man sich dann vermutlich schenken.

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Karsten @, Sonntag, 09. März 2014, 15:51 (vor 4554 Tagen) @ hintersatz
bearbeitet von Karsten, Sonntag, 09. März 2014, 17:18

Interssant wäre auch, ob es CC gelingt, von dem Ding Aufnahmen zu verkaufen. Bisher galt doch die Annahme, dass Aufnahmen von digitalen Instrumenten auf dem Orgelmusik-Markt unverkäuflich sind.

Da liegt ja der Hase im Pfeffer: Carpenter schert sich ja einen Sch... um den konventionellen Orgelmusiksektor. Dieser Orgelmusikmarkt ist gerade nicht seine "Zielgruppe". In einem einschlägigen sozialen Netzwerk hat Cameron Carpenters offizielle Seite knapp 11.500 Anhänger. Wenn nur jeder zehnte die Platte kauft, sind das Verkaufszahlen, von denen der klassische Orgelmusikmarkt oft nur träumen kann...

Marshall&Oggeltree mag es zwar gelungen sein, Babyrassel und Fahrradklingel in CC's neue Orgel als Register zu implementieren, eine grundsätzlich neue Tonerzeugung werden sie aber dafür wohl nicht erfunden haben. Sprich, was dabei als Tonaufnahme herauskommt, möchte man sich dann vermutlich schenken.

Grundsätzlich neu ist die Tonerzeugung nicht, aber die Abstrahlungsanlage ist extrem aufwändig. Man schaue sich die Kolonnen von Lautsprecher und Resonatoren an, die zur Touring Organ gehören. Aufgenommen wird wohlgemerkt der Klang aus den Lautsprechern im Raum, nicht dirkt das Signal aus den Lautsprecherbuchsen der Orgel.

Gruß
Karsten

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Contrebasson 32' @, Wien, Sonntag, 09. März 2014, 17:54 (vor 4554 Tagen) @ Karsten

Marshall&Oggeltree mag es zwar gelungen sein, Babyrassel und Fahrradklingel in CC's neue Orgel als Register zu implementieren, eine grundsätzlich neue Tonerzeugung werden sie aber dafür wohl nicht erfunden haben. Sprich, was dabei als Tonaufnahme herauskommt, möchte man sich dann vermutlich schenken.


Grundsätzlich neu ist die Tonerzeugung nicht, aber die Abstrahlungsanlage ist extrem aufwändig. Man schaue sich die Kolonnen von Lautsprecher und Resonatoren an, die zur Touring Organ gehören. Aufgenommen wird wohlgemerkt der Klang aus den Lautsprechern im Raum, nicht dirkt das Signal aus den Lautsprecherbuchsen der Orgel.

Gruß
Karsten

Wie schon öfters erwähnt, habe ich die M&O-Orgel der Trinity Church, NYC, sowohl live im Konzert gehört und ich besitze auch eine CD von ihr. Zwei Dinge darf man nicht vergessen, die nun auch für die Touring-Orgel und die neue - im April erscheinende - CD von CC gilt:
1.) M&O offerieren quasi die Referenzklasse im Digital- und Sakralorgelsegment.
2.) Wird im Raum aufgenommen und sowohl für eine Pfeifenorgel als auch für eine Digitalorgel ist die Raumakustik nunmal das wichtigste Register.

Beste Grüße
Contrebasson 32'

PS: Ansonsten sollte man über dieses Werbefilmchen von Sony doch wohl schmunzeln können, oder?

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Florian-L @, Montag, 10. März 2014, 09:25 (vor 4553 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Florian-L, Montag, 10. März 2014, 09:36

Grundsätzlich neu ist die Tonerzeugung nicht, aber die Abstrahlungsanlage ist extrem aufwändig. Man schaue sich die Kolonnen von Lautsprecher und Resonatoren an, die zur Touring Organ gehören.

Ja, das alles hat in einem Kleinbus mit Anhänger sicher nicht mehr Platz.

Das Video beinhaltet übrigens Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm "The Sound of my Life".

Gruß, Florian

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Florian-L @, Samstag, 05. April 2014, 08:42 (vor 4527 Tagen) @ hintersatz

Interssant wäre auch, ob es CC gelingt, von dem Ding Aufnahmen zu verkaufen.

Hörbeispiele sind nun auf "SoundCloud" verfügbar.

Gruß, Florian

Cameron Carpenters "Orgel für eh alles"

Karsten @, Montag, 10. März 2014, 22:57 (vor 4552 Tagen) @ Florian-L

Hallo!

Hier der Bericht der New York Times zum Vorstellungskonzert der Orgel:

http://www.nytimes.com/2014/03/11/arts/music/cameron-carpenter-performs-on-his-touring-...

Gruß
Karsten

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