Orgel in Breitenwang - Frage an die Fotoexperten...

jrbecker @, Montag, 23. Dezember 2013, 11:14 (vor 4631 Tagen)

Hallo allerseits!

Heut hielt ich den 2014er Organa Europae in der Hand ... und bin bei einem Bild fast "aus den Latschen gekippt"... weil ich letztes Jahr genau in dieser Kirche war, selbst Aufnahmen gemacht habe und die Kirche auf mich einen völlig anderen farblichen Eindruck vermittelte, als die Abbildung im Kalender. Vielleicht hat ja noch jemand den Kalender und kann mal vergleichen?

Hier meine Fotos:
Breitenwang Dekanatskirche

Es war nicht ganz leicht zu fotografieren (Sonne durch die Fenster unter der Orgelempore, Orgelempore dadurch eher im Dunklen...), aber trotzdem ist der farbliche Eindruck auf meinen Fotos zumindest sehr nah an dem, was meine Augen direkt wahrnahmen: Ich sah keinen Grund für eine digitale Nachberarbeitung.

Auf dem Kalenderfoto dagegen hätte ich die Orgel fast nicht wiedererkannt... Die hat ja plötzlich einen satten Grünton als Grundton...

Da ich diese Kirche ja nun selbst kenne, vermute ich bei dem Kalenderfoto eine starke digitale Nachbearbeitung. Die Orgel selbst ist ja noch recht neu (2000) und dass in den letzten 13 Jahren eine vollständige farbliche Umgestaltung der Kirche stattgefunden hat, halte ich eher für unwahrscheinlich...

Hier ein Foto mit starker künstlicher Beleuchtung, ich meine aber in der Emporenbrüstung einen Farbton zu erkennen, der eher meinen Fotos gleicht.

Meine Frage: Ist es notwendig, für eine Darstellung in einem Kalender eine Orgel farblich so zu überarbeiten, dass sie sich doch sehr weit vom originalen Eindruck entfernt? Wo sind die Grenzen digitaler Nachbearbeitung? Oder sehe ich das zu eng? Oder sehe ich das vielleicht überhaupt falsch und die Farbabweichung ist nicht durch eine digitale Nachbearbeitung entstanden? (Wodurch aber dann?!?)

Gruß
Jörg

Orgel in Breitenwang - Frage an die Fotoexperten...

Florian-L @, Montag, 23. Dezember 2013, 11:42 (vor 4631 Tagen) @ jrbecker

Oder sehe ich das vielleicht überhaupt falsch und die Farbabweichung ist nicht durch eine digitale Nachbearbeitung entstanden? (Wodurch aber dann?!?)

Vielleicht durch ein unpassendes Farbmodell?

Gruß, Florian

Orgel in Breitenwang - Frage an die Fotoexperten...

Wolfgang Gourgé @, Montag, 23. Dezember 2013, 15:25 (vor 4631 Tagen) @ jrbecker

Hallo allerseits!

Heut hielt ich den 2014er Organa Europae in der Hand ... und bin bei einem Bild fast "aus den Latschen gekippt"... weil ich letztes Jahr genau in dieser Kirche war, selbst Aufnahmen gemacht habe und die Kirche auf mich einen völlig anderen farblichen Eindruck vermittelte, als die Abbildung im Kalender. Vielleicht hat ja noch jemand den Kalender und kann mal vergleichen?

Hier meine Fotos:
Breitenwang Dekanatskirche

Es war nicht ganz leicht zu fotografieren (Sonne durch die Fenster unter der Orgelempore, Orgelempore dadurch eher im Dunklen...), aber trotzdem ist der farbliche Eindruck auf meinen Fotos zumindest sehr nah an dem, was meine Augen direkt wahrnahmen: Ich sah keinen Grund für eine digitale Nachberarbeitung.

Auf dem Kalenderfoto dagegen hätte ich die Orgel fast nicht wiedererkannt... Die hat ja plötzlich einen satten Grünton als Grundton...

Da ich diese Kirche ja nun selbst kenne, vermute ich bei dem Kalenderfoto eine starke digitale Nachbearbeitung. Die Orgel selbst ist ja noch recht neu (2000) und dass in den letzten 13 Jahren eine vollständige farbliche Umgestaltung der Kirche stattgefunden hat, halte ich eher für unwahrscheinlich...

Hier ein Foto mit starker künstlicher Beleuchtung, ich meine aber in der Emporenbrüstung einen Farbton zu erkennen, der eher meinen Fotos gleicht.

Meine Frage: Ist es notwendig, für eine Darstellung in einem Kalender eine Orgel farblich so zu überarbeiten, dass sie sich doch sehr weit vom originalen Eindruck entfernt? Wo sind die Grenzen digitaler Nachbearbeitung? Oder sehe ich das zu eng? Oder sehe ich das vielleicht überhaupt falsch und die Farbabweichung ist nicht durch eine digitale Nachbearbeitung entstanden? (Wodurch aber dann?!?)

Gruß
Jörg

....es läßt sich sicher trefflich darüber streiten, ob es notwendig ist. Man darf aber damit rechnen, daß es gemacht wird - und zwar sehr massiv -, um die ausgedruckten Bilder so "augenfreundlich" wie möglich zu machen. Die Bilder sollen ja schließlich "schön" sein, nicht unbedingt wirklichkeitsnah. Du hast ja wahrscheinlich Digital Photo Professional - da kann man schon einige Grundfunktionen ausprobieren und feststellen, was unterschiedliche Weißabgleiche und "Bildcharaktere" ausmachen. Allerdings sind diese Funktionen auch nötig, weil ein digitaler Apparat nunmal anders "sieht" als ein menschliches Auge. Teilweise ist es also sogar nötig, solche Dinge wie Farbintensität, Kontrast und Weißabgleich sowie Bildcharakter im nachhinein zu korrigieren, um das Bild der menschlichen Wahrnehmung anzunähern; so geben Digitalkameras üblicherweise Szenen in Kunstlicht viel zu "warm" und mit z.T. schrecklichem Orange-"Stich" wieder, und bei hochstehender Sonne werden Kontraste viel zu hart.

Beim kommerziellen/professionellen Druck von Bildern kommen noch viele weitere Fragen hinzu, z.B. der zu verwendende Farbraum (also die druckbaren Farben), der nicht identisch ist mit dem von der Kamera verwendeten, dann das Druckverfahren sowie das Trägermaterial. Ich habe neulich in der c't special zur Digitalfotografie mal einen längeren Artikel dazu "überflogen", allerdings mit mäßigem Interesse, weil das hochkomplexe Fragen sind, die fast schon einen einschlägigen technischen Hochschulabschluß voraussetzen, und weil mir persönlich das deutlich zu viel "Fälschen" ist. Digitalfotos haben, sofern sie nicht von Presseagenturen kommen, die ihren Fotografen üblicherweise das Retuschieren und künstliche "Aufhübschen" des Bildinhalts strikt untersagen, keinerlei Beweis- oder Dokumentationswert.

Gruß,
Wolfgang

Orgel in Breitenwang - Frage an die Fotoexperten...

Christoph @, Montag, 23. Dezember 2013, 17:03 (vor 4631 Tagen) @ jrbecker

Ohne viel Ahnung von digitaler Bildbearbeitung zu haben, fällt mir auf, dass in letzter Zeit relativ viele Fotos veröffentlicht werden, die entweder farblich oder in ihrer Auflösung oder in ihrer Bildproportion sehr zu wünschen übrig lassen. Selbst in der von mir ansonsten geschätzten ARS ORGANI findet man immer häufiger pixelige Abbildungen (so auch auf der Rückseite des aktuellen Heftes). In einem anderen Orgelkalender ärgerten mich schon desöfteren unnatürliche Farben und sogar verzerrte Proportionen. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich die Ratzeburger Domorgel plötzlich doch sehr pummelig präsentiert. Ich kann nicht glauben, dass dahinter eine gestalterische Absicht steht, sondern vermute, dass das einfach so "geschieht" und das den verantwortlichen Personen auch ziemlich Wurst ist. Schade!

Orgel in Breitenwang - Frage an die Fotoexperten...

Wolfgang Gourgé @, Montag, 23. Dezember 2013, 23:08 (vor 4630 Tagen) @ Christoph

Ohne viel Ahnung von digitaler Bildbearbeitung zu haben, fällt mir auf, dass in letzter Zeit relativ viele Fotos veröffentlicht werden, die entweder farblich oder in ihrer Auflösung oder in ihrer Bildproportion sehr zu wünschen übrig lassen. Selbst in der von mir ansonsten geschätzten ARS ORGANI findet man immer häufiger pixelige Abbildungen (so auch auf der Rückseite des aktuellen Heftes). In einem anderen Orgelkalender ärgerten mich schon desöfteren unnatürliche Farben und sogar verzerrte Proportionen. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich die Ratzeburger Domorgel plötzlich doch sehr pummelig präsentiert. Ich kann nicht glauben, dass dahinter eine gestalterische Absicht steht, sondern vermute, dass das einfach so "geschieht" und das den verantwortlichen Personen auch ziemlich Wurst ist. Schade!

....das ist einfach Unvermögen, sonst nichts. Das miserable Foto auf der Rückseite der aktuellen AO (Rauschen, Blockartefakte besonders bei den Pfeifen) ist mir auch sofort aufgefallen; daß da eine neue Orgel hinter einem alten Gehäuse steht, merkt man erst auf den zweiten Blick. Ich nehme an, daß es sich um ein Handy-Foto handelt. Schon etwas erstaunlich, daß eine Orgelbaufirma für eine ziemlich teure Anzeige ein derart schlechtes Foto verwendet.

Gruß,
Wolfgang

Orgel in Breitenwang - Frage an die Fotoexperten...

stein @, Dienstag, 24. Dezember 2013, 12:32 (vor 4630 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Ich bin kein Fotoexperte, aber mit ein paar kleinen Regeln kann man häufig sehr schöne und scharfe Fotos machen.

- manuelle Einstellung benutzen
- kleinste ISO-Zahl verwenden (80 oder 100) ab 200 kann es ein "Rauschen" geben
- Stativ benutzen
- grösste Blendenzahl einstellen (meistens 8) (heisst kleinste Blende)
- Langzeitbelichtung (bis 15 sec. kann bei dunklen Räumen nötig sein)
- Zeitauslöser mind. 10 sec. um Verwackeln nach dem Auslösen zu vermeiden, vor allem billige Stative können sich in den ersten Sekunden noch minimal bewegen.
- Blitz ist verboten

Das ist bei mir die Grundeinstellung.
Sollte das Bild zu hell werden, gehe ich mit der Belichtungszeit runter.
Sind die Räume so dunkel, dass 15 Sekunden (bei mir die mögliche Maximaleinstellung) nicht einmal ausreichen, gehe ich mit der Blenden zahl stufenweise herunter, 7,1 6,3 5,6 4,5 usw.
Hier mache ich mit unterschiedlichen Belichtungen die Fotos. Meistens ergibt eine moderate Überbelichtung das beste Ergebnis.
Mit billigsten Kleinbildkameras kann man schon erstaunliche Ergebnisse erzielen.
Die obigen Einstellungen sind durch jeden Anfänger oder Amateur zu realisieren.
Meine Kamera hat vor 5 Jahren noch etwa stolze 300 Euro gekostet, das Stativ 12 Euro.

Mein momentanes Hauptproblem sind Orgeln die um helle Fenster herum gruppiert sind.
Diese will ich in Zukunft mit Serienbelichtungsaufnahmen und einem geeigneten Bildprogramm nachbearbeiten.

Anbei meine Fotoseite bei Flickr, hier bin ich eigentlich immer nach obigen Regeln vorgegangen. Für mich am erstaunlichsten sind Erfolge in total dunklen Räumen, wo man fast nichts sieht, aber der eine Lichtstrahl ausgereicht hat um nachher ein farbneutrales helles Foto zu erhalten.

http://www.flickr.com/photos/pierremarteau/

weihnachtliche grüsse stein

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