....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Wolfgang Gourgé @, Mittwoch, 25. Dezember 2013, 22:41 (vor 4627 Tagen)
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Mittwoch, 25. Dezember 2013, 22:45

....gestern abend: auch ich suchte eine (evangelische) Christmette auf.

[image]
(bescheidenes Foto, ich weiß...konspirative Umstände, falscher Weißabgleich...)

Die Predigt: vernachlässigbar..."....eine ältere Frau wird von Jugendlichen überfallen, einer hält ihr das Messer an den Hals und fordert ihr Geld. Doch sie, selbst Mutter, sieht seinen unsicheren Blick, streicht ihm übers Haar und sagt: nein, du wirst nicht zustechen...." - jaja, alles wird gut, wenn man lieb zu den Bösen ist, das lehrt uns das Kindlein in der Krippe. Schnell vergessen, bitte.

Was mich eigentlich noch ärgerlicher machte: die Begleitung des Gesangs. Mir ist dabei grundsätzlich schon klar, daß es unterschiedliche Traditionen in der Begleitung zwischen evangelischer und katholischer Kirche gibt. Der Protestant hat es gerne zurückhaltender, gerne mit Sesquialtera-c.f. in einer Hand, bitte schön strikt polyphon. Na gut - aber auch innerhalb einer solchen "Philosophie" kann man doch durchaus mal "aufdrehen", wenn die Kirche voll ist, es die Christmette ist und die Lieder jeder kennt (fragt sich zwar, wie lange noch, aber egal...).

Indes: nichts da mit "Aufdrehen". Was zu hören war, bestätigte meine alte Vermutung: je leiser, passiver, zurückhaltender und schleppender man spielt, desto mehr drückt man damit den Gesang herunter. Und so geschah es gnadenlos bei *jedem Lied*: ließen die Vorspiele wenigstens noch die grandiose Schönheit der Orgel erkennen (die Einzelstimmen - ein Traum, und erst in dieser Akustik!), war es bei den Begleitungen damit vorbei. Unangenehm obertönig-schrille, ausgedünnte (manchmal regelrecht ausgezehrte) Registrierungen, das Pedal durchgehend viel zu schwach (das kann man schon beim alten Klotz nachlesen: Pedal stark registrieren beim Begleiten), spröde Harmonisierungen, schleppende Tempi (oft deutlich langsamer als das Singtempo der Besucher - ich merkte es deutlich an der gut besetzten Bank hinter mir), und von Strophe zu Strophe fiel der ohnehin schon zögerliche Gesang immer weiter zurück. Als ob die Begleitung einem ehernen Grundsatz zu gehorchen hätte, der da heißt: "nie schneller als die Gemeinde, niemals lauter, immer langsamer und leiser!".

Tja. Selbst das eigentlich unkaputtbare "Oh du fröhliche": eine Kriechspur musikalischer Askese. Man sitzt da, knetet die Hände und denkt: jetzt zieh' doch endlich mal die Posaune, jetzt gib' doch mal Gas, jetzt laß es doch endlich mal krachen......vergebens. Die musikalische Enttäuschung konnte es mit der theologischen aufnehmen.

Lernt/lehrt man das in der evangelischen Kirchenmusik so?

fragt ratlos:
Wolfgang

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

friedemannw @, Gießen, Donnerstag, 26. Dezember 2013, 00:14 (vor 4627 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Manche Organisten werden von den Pastoren extra gebeten, nicht so laut zu spielen. Mir ging es gestern Abend ähnlich: Ich spiele seit knapp 10 Jahren den Christnachtgottesdienst (evangelisch) hier im Ort, immer mit demselben Pfarrer. Wie jedes Jahr bekomme ich die Lieder per E-Mail und dazu noch einen kleinen Hinweis:

"Bekannter Wunsch, wie auch schon in den Jahren zuvor: Wenn möglich, bitte etwas dezent registrieren, so dass die Gemeinde sich beim Singen hört und dadurch auch kräftiger mitsingt!"

Ist in meinen Augen absoluter Käse! Es ist immer eine kleine Besucherschar (gestern etwa 30) und ich weiß von regelmäßigen Gottesdienstbesuchern dass ich nicht zu laut spiele! Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, als mir aus Versehen die Sesquialtera "rausrutschte" :D Ich merke auch, dass die Leute nicht zum singen im GD sind, sondern zum Genießen der weihnachtlichen Atmosphäre... Aber bummeln darf man trotzdem nicht!

Viele Grüße
Friedemann

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

perotin, Donnerstag, 26. Dezember 2013, 00:44 (vor 4627 Tagen) @ friedemannw

"Bekannter Wunsch, wie auch schon in den Jahren zuvor: Wenn möglich, bitte etwas dezent registrieren, so dass die Gemeinde sich beim Singen hört und dadurch auch kräftiger mitsingt!"
Ist in meinen Augen absoluter Käse!

Das ist es in der Tat.

Grüße,
perotin

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Dorforganist, Donnerstag, 26. Dezember 2013, 12:26 (vor 4627 Tagen) @ perotin

Kann ich nur bestätigen:

Da kann man kaum zu kräftig spielen, denn die alten Lieder kennt sowieso jeder und schmettert die mit Inbrunst mit (wollte, das wäre jeden Sonntag so...). Die würden sich bei 8'/4'-Gesäusel vermutlich völlig irritiert zur Orgel umdrehen.

Na gut, es ist in Franken und katholisch, vielleicht liegts daran.

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Freitag, 27. Dezember 2013, 21:29 (vor 4625 Tagen) @ perotin

"Bekannter Wunsch, wie auch schon in den Jahren zuvor: Wenn möglich, bitte etwas dezent registrieren, so dass die Gemeinde sich beim Singen hört und dadurch auch kräftiger mitsingt!"
Ist in meinen Augen absoluter Käse!

Das ist es in der Tat.

Grüße,
perotin

Es ist aber eine erstaunlich häufige Ermahnung durch Pfarrer. Ich traf schon mal eine Orgel an, bei welcher die Lied-Registrieranweisung am Notenpult klebte. Mehr als ein wenig 8'/4' herumflöten war "nicht erlaubt".

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

untersatz32, Samstag, 28. Dezember 2013, 23:08 (vor 4624 Tagen) @ Hausorgler


Es ist aber eine erstaunlich häufige Ermahnung durch Pfarrer. Ich traf schon mal eine Orgel an, bei welcher die Lied-Registrieranweisung am Notenpult klebte. Mehr als ein wenig 8'/4' herumflöten war "nicht erlaubt".

DANN soll der/diejenige alleine herumflöten.
Bin ich mir zu schade.

Ich rede ihm/ihr ja auch nicht in die Predigt/Liturgie.

;-)

GRüsse

Thomas

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Nachthorn, Sonntag, 29. Dezember 2013, 13:19 (vor 4624 Tagen) @ untersatz32

Es ist aber eine erstaunlich häufige Ermahnung durch Pfarrer. Ich traf schon mal eine Orgel an, bei welcher die Lied-Registrieranweisung am Notenpult klebte. Mehr als ein wenig 8'/4' herumflöten war "nicht erlaubt".


Nimmt denn einer von Euch solche Äußerungen zum Registrieren ernst?
Ich ignoriere so etwas konsequent und berufe mich auch meine Kompetenz als Musiker.
Ich sag` dem Pfarrer ja auch nicht, wie fromm, lange, intellektuell oder hintersinnig er predigen soll.

Nachthorn

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

untersatz32, Sonntag, 29. Dezember 2013, 13:48 (vor 4624 Tagen) @ Nachthorn

... Gefällt-mir-Taste ...

Natürlich sollte man sich ständig kritisch hinterfragen, und auch mal die Orgel von unten anhören (auch mit Gemeindegesang), aber was für gut befunden wurde und sich bewährte, darf man auch ruhig als Musiker verteidigen, dafür hat man Unterricht gehabt oder studiert... (genau wie der Pfarrer seine Theologie...)

Beste Grüsse

Thomas

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

untersatz32, Donnerstag, 26. Dezember 2013, 18:21 (vor 4627 Tagen) @ friedemannw

...Na dem Pfarrer würde ich glatt sagen: "Einen Wunsch, wenn es geht, bitte dezent predigen, sodass die Gemeinde es auch versteht..."

Natürlich soll man den Gesang nicht an die Wand fahren, aber was Gemeindegesangbegleitung (nich Vorspiele - aber Begleitung!) betrifft: Bitte mal Bespiel bei den Angelikanern oder Holländern nehmen. Das kesselt.

Bei uns auch.

Liebe Grüsse

TH

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

tombecher @, Saarbrücken, Donnerstag, 26. Dezember 2013, 00:40 (vor 4627 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Tja. Selbst das eigentlich unkaputtbare "Oh du fröhliche": eine Kriechspur musikalischer Askese. Man sitzt da, knetet die Hände und denkt: jetzt zieh' doch endlich mal die Posaune, jetzt gib' doch mal Gas, jetzt laß es doch endlich mal krachen......vergebens. Die musikalische Enttäuschung konnte es mit der theologischen aufnehmen.

Hallo Wolfgang,
...das ist ja echt schade. Ich hatte gestern in einer (kath.) Mitternachtsmette in Saarbrücken ein genau gegenteiliges Erlebnis: Da war bei "O du fröhliche" aber alles drin, Chamaden und Posaune, sogar die zu 32' in der letzten Strophe...
Und: die Gemeinde in der rappelvoll besetzten Kirche hat sich trotz fortgeschrittener Uhrzeit (O d F war das Danklied um kurz vor halb Zwei...) erfolgreich "gewehrt".
*Gänsehaut*
Trotzdem frohe Weihnachten und Grüße,
Thomas

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

hardy @, Donnerstag, 26. Dezember 2013, 12:55 (vor 4627 Tagen) @ tombecher

Ich registriere eigentlich immer so, daß ich noch etwas von der Gemeinde höre. Trotz durchschn. ca 200 GoDi-Besuchern an "normalen" Sonntagen ist der allerdings nicht ganz so kräftig wie man erwarten könnte. Vielleicht hat noch jemand Ideen, wie man das steigern könnte...
Bei dem recht kräftigen Instrument (K. Schuke 1970, II 17) reichen Grundstimmen 8-4-2 oft, aber ich bemühe mich um Vielseitigkeit, gerne auch mit Terzian und auch mal 1' und manchmal (nicht so sehr scharfer) Mixtur. Letzteres auch bei der letzten O du fröhliche-Strophe natürlich. Im letzten der 3 Hl. Abend-GoDi hatte ich einen Trompeter, der die meisten Strophen mitspielte.
Da so viele Leute an Hl. Abend kommen, sie sonst eher "kirchenfern" sind, wird sehr deutlich von der Bedeutung Jesu als Retter (für jeden, der ihn so annimmt) gepredigt.
Gruß Hardy
und noch einen schönen 2. W-Tag!

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

stein @, Donnerstag, 26. Dezember 2013, 14:14 (vor 4627 Tagen) @ tombecher

Ja der Bernhard der kann es!

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Matthias @, Donnerstag, 26. Dezember 2013, 13:50 (vor 4627 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Ich verstehe das auch nicht. Hochfest, (hoffentlich) einigermaßen volle Kirche, bekannte Lieder, da muss es "kesseln". Ich für mich jedenfalls geb da schon Gas. Macht doch auch Spass. Für was habe ich denn die Register in der Orgel? Ich habe auch den Eindruck, dass sich eine Gemeinde (meine jedenfalls) durch so ein Orgelspiel auch etwas "gereizt" oder angespornt wird und dann auch besser und kräftiger mitsingt.
Vielleicht begeht man ja eine Sünde, wenn Trompete oder Posaune einschaltet, wer weiß :-)
In den Fernsehgottesdiensten der vergangenen Tage ist das auch zu beobachten. Der GD aus Berlin sagt mir wesentlich mehr zu als die Mette aus Esslingen.

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Manuel, Donnerstag, 26. Dezember 2013, 18:47 (vor 4627 Tagen) @ Matthias

Man muss leider zugeben, dass die Gesangsbegleitung in manchen Gottesdiensten geradezu erbärmlich ist - und das kann sogar passieren, wenn ein hauptamtlicher Musiker, der die großartigsten Konzertprogramme spielen kann, vor den Tasten sitzt.

Allerdings würde ich das nicht unbedingt als evangelische Eigenart ansehen. Ich habe auch schon ganz anders spielende Musiker (in Kirchen beider Konfessionen erlebt).

Allerdings scheint mir die Kunst, eine singende Gemeinde zu begleiten (und auch der Schwierigkeitsgrad derselbigen) oft unterschätzt zu werden. Es reicht ja nicht aus, einen Choralsatz fehlerfrei zu spielen (bzw. zu improvisieren)....

Gruß, Manuel

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Dorforganist, Freitag, 27. Dezember 2013, 00:03 (vor 4626 Tagen) @ Manuel

Allerdings scheint mir die Kunst, eine singende Gemeinde zu begleiten (und auch der Schwierigkeitsgrad derselbigen) oft unterschätzt zu werden. Es reicht ja nicht aus, einen Choralsatz fehlerfrei zu spielen (bzw. zu improvisieren)....

Stimmt, es ist nicht trivial, aber es ist auch kein Hexenwerk, und die Regeln sind überschaubar - sofern sie denn im Unterricht vermittelt werden.

Gehört es eigentlich andernorts mit zum Unterrichtsumfang, daß der Orgellehrer sich mal anhört, wie sein Schüler die Gemeinde "confundieret"? Ich stelle mir immer vor, daß das eine gute Investition (gewesen) wäre...

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

tiratutti @, Freitag, 27. Dezember 2013, 10:53 (vor 4626 Tagen) @ Dorforganist

Gehört es eigentlich andernorts mit zum Unterrichtsumfang, daß der Orgellehrer sich mal anhört, wie sein Schüler die Gemeinde "confundieret"? Ich stelle mir immer vor, daß das eine gute Investition (gewesen) wäre...

das machen wir gerade im Rahmen unseres liturgiemusikalischen Supervisionsprojektes. Als langjährige Münsterorganistin bringt Barbara Kolberg viel Erfahrung mit, um bei jedem hiesigen Organisten Verbesserungsmöglichkeiten oder Unstimmigkeiten aufzeigen zu können. Und das nicht von Lehrer zu Schüler, sondern von Mensch zu Mensch. Sehr erfreulich das.

Grüße von tiratutti

Musikalische Supervision

Dorforganist, Freitag, 27. Dezember 2013, 12:44 (vor 4626 Tagen) @ tiratutti

klingt natürlich schon wesentlich besser ;-)

Wenn das gut gemacht ist, müßte das doch für jeden Organisten (na gut: für jeden, der gut/besser werden will) ein Super-Angebot sein. So was hätte ich mir immer schon (sowohl für mich als auch einige Kollegen) gewünscht. Da kann ich Eurem Projekt nur viel Erfolg wünschen!

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

bluenote, Freitag, 27. Dezember 2013, 12:02 (vor 4626 Tagen) @ Dorforganist

Das beste Korrektiv ist die Gemeinde selbst. Von den 30 Leuten, die im Gottesdienst anwesend sind, sind beim Kirchenkaffee 25 dabei. Und die Leute sind dann direkt und ehrlich und sagen, was toll war, aber auch, was besser geht. Als ich die Stelle übernahm, war ich mit meinem Spiel zu langsam, aber man fand es toll, dass das Pedal zu hören war und das Spiel ein Fundament hatte. Dank dieser direkten Kommunikation weiß ich ungefähr den Bedarf der Gemeinde - und alle sind glücklich. Und an den Pfeifen kommt mittlerweile ein gut vernehmbarer Gemeindegesang an.

A propos - wie verläuft bei Euch der Dialog mit der Gemeinde? Bekommt man nur mit, wenn gemeckert wird, bekommt man nur mit, wenn was toll gefunden wird, oder ist es ausgeglichen?

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

hardy @, Freitag, 27. Dezember 2013, 12:56 (vor 4626 Tagen) @ bluenote

Ausgeglichen. Mir sagt man beides direkt. Wenn negativ, dann aber konstruktiv. Sowohl Pfarrer als auch "Besucher".

Direkte Rückmeldungen

Dorforganist, Freitag, 27. Dezember 2013, 12:57 (vor 4626 Tagen) @ bluenote

kriege ich eher selten - von gelegentlichem Applaus und Dankesworten des Pfarrers mal abgesehen - und so ein Gremium wie Kirchenkaffee gibts bei uns nicht.

Meckern habe ich allerdings auch noch niemanden hören, und ich werde nach wie vor aus der Schar unserer Organisten gerne angefordert, v.a. für aufwendigere Termine wie Christmette, Osternacht, Chormessen etc.

Von daher gehe ich mal davon aus, daß meine Bemühungen, den Gemeindegesang zu führen (nein, nicht nur zu "begleiten"), in die richtige Richtung gehen, aber jemand, der mir - ohne mein Ego zu kratzen ;-) - fundiert sagen kann, wie ich das noch besser machen könnte, wäre mir sehr willkommen.

Man hört sich halt nicht selber von unten, und schon eine gelegentliche Tonaufnahme fördert ab und zu doch Interessantes zutage...

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

orgelquaeler, Freitag, 27. Dezember 2013, 17:33 (vor 4626 Tagen) @ bluenote

A propos - wie verläuft bei Euch der Dialog mit der Gemeinde? Bekommt man nur mit, wenn gemeckert wird, bekommt man nur mit, wenn was toll gefunden wird, oder ist es ausgeglichen?

Hallo zusammen!

Nur ab und an bekomme ich Rückmeldung. Über manches muss ich schon schmunzeln, v. A. wenn sich die hartnäckigen Emporensitzer über die Lautstärke meines Spiels beschweren. Wie irgendwann schon geschrieben verweise ich dann auch die vielen freien Plätze unten im Kirchenschiff, wo man nicht so vor den Boxen sitzt.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber so ein "das war heute aber schön" oder "Prima, schön festlich", das tut schon gut.
Ein Pfarrer meinte mal, ich würde die Gemeinde übertönen, aber als alter fränkischer Wallfahrtsorganist (nun im Breisgau) kenn ich da nix. Wofür hat der Orgelbauer denn die Trompete und Mixtur eingebaut ;-)
Was ich neben der Lautstärke der Begleitung sehr spannend finde, ist das Tempo der Gemeinde. Eine gewisse Flexibilität erwarte ich schon von der Gemeinde.
Gerade die tanzenden Lieder, wie "Oh Heiland reiss" werden mancherorten so lahm gesungen, und das bei nicht einmal so überalterter Gemeinde... Gähn. Trompete und Cornet rein und zur Strafe zwei Strophen Soprandurchführung ;-)

LG

OQ

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Freitag, 27. Dezember 2013, 17:28 (vor 4626 Tagen) @ Wolfgang Gourgé


Lernt/lehrt man das in der evangelischen Kirchenmusik so?

fragt ratlos:
Wolfgang

Nun, Wolfgang, die Abschlussfrage diente wohl der Diskursbeheizung, denn eigentlich weißt Du es ja besser...

Auch ich kann ähnliches wie Thomas berichten: 900 Leute in der Christvesper, und obwohl wenig fromm (Rostock halt) und singschüchtern, gibt es alle großen Zungen, auch mehrere Mixturen und in der letzten OdF-Zeile die 32'er-Posaune, in der das große D gottseidank funktioniert, einige andere Töne ja leider nicht.
(Kommt mir jetzt bloß nicht mit Wartungstipps, aber zum Ausheben brauche ich vier Leute, und das Stockbrett ist auch verzogen, daher Windabfluss....)

Bei der Frage des "zu laut" der Begleitung wird m. E. zu wenig über die Farbe gesprochen. Einerseits wird mit REcht auf das Kesseln im angloamerik. Raum verwiesen, aber dieses Kesseln ist meist viel matter als hier, selbst eine Tuba lässt mehr Gesangsobertöne durch als eine schwache, aber helle deutsche Mixtur.
Völlige Zustimmung zur Bedeutung des Pedals, gerade da, wo die Gemeinde selbst keinen Schall produziert, kann man leitend und führend wirken.
16-Fuß täuscht der Gemeinde eine große Mitsänger-Schar vor, in die man sich gerne einreiht, vielleicht auch eine abgeschwellte Zunge. Aber Wolfgangs Erfahrung - c.f. in Sesquialtera, begleitet vielleicht von GEdeckt 8' mit Blockflöte 4' - da ist man als Gemeindestimme einerseits sehr auf dem Präsentierteller und andererseits, bei brillantem c.f., im Klangbild auch eigentlich überflüssig. Frustration garantiert, es sei denn, die Melodie ist unbekannt, und eine Strophe lang wird sie einem sozusagen vorgeterzt, bei der 2. sollte man dann aber selbst wahrnehmbar und doch leicht im akustischen Feuerschutz singen dürfen.
Naja, mir hats jedenfalls wieder Spaß gemacht (2. Strophe von Stille Nacht in Harmonisierung von "Singers unlimited") und ich freue mich auf nächste Weihnachten - die Gemeinde scheinbar auch.

....Freiwillige zum Posaune 32'-Ausheben gesucht! - war: Gesang auf Null bringt.....

Wolfgang Gourgé @, Samstag, 28. Dezember 2013, 02:01 (vor 4625 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Auch ich kann ähnliches wie Thomas berichten: 900 Leute in der Christvesper, und obwohl wenig fromm (Rostock halt) und singschüchtern, gibt es alle großen Zungen, auch mehrere Mixturen und in der letzten OdF-Zeile die 32'er-Posaune, in der das große D gottseidank funktioniert, einige andere Töne ja leider nicht.
(Kommt mir jetzt bloß nicht mit Wartungstipps, aber zum Ausheben brauche ich vier Leute

.....ich bin dabei! - wer noch?

entschlossene Grüße von:
Wolfgang....

....Freiwillige zum Posaune 32'-Ausheben gesucht! - war: Gesang auf Null bringt.....

chp @, Samstag, 28. Dezember 2013, 11:42 (vor 4625 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Hallo,

Auch ich kann ähnliches wie Thomas berichten: 900 Leute in der Christvesper, und obwohl wenig fromm (Rostock halt) und singschüchtern, gibt es alle großen Zungen, auch mehrere Mixturen und in der letzten OdF-Zeile die 32'er-Posaune, in der das große D gottseidank funktioniert, einige andere Töne ja leider nicht.
(Kommt mir jetzt bloß nicht mit Wartungstipps, aber zum Ausheben brauche ich vier Leute


.....ich bin dabei! - wer noch?

kein Problem.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Florian-L @, Samstag, 28. Dezember 2013, 08:52 (vor 4625 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Naja, mir hats jedenfalls wieder Spaß gemacht (2. Strophe von Stille Nacht in Harmonisierung von "Singers unlimited")...

Echt? Mit all den Pitchbendings? ;-)

Gruß, Florian

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Samstag, 28. Dezember 2013, 18:47 (vor 4625 Tagen) @ Florian-L

Naja, mir hats jedenfalls wieder Spaß gemacht (2. Strophe von Stille Nacht in Harmonisierung von "Singers unlimited")...


Echt? Mit all den Pitchbendings? ;-)

Gruß, Florian

Es ist bei mir genaugenommen ein Mix aus 2. und 3. Strophe.
In Österreich wäre es wohl schwieriger, so zu begleiten, weil (mindestens) dort gerne eine zweite Stimme gesungen wird (terzparallel - als Verb "zuaweterzln").

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Matthias @, Samstag, 28. Dezember 2013, 11:44 (vor 4625 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Bei der Frage des "zu laut" der Begleitung wird m. E. zu wenig über die Farbe gesprochen.

Stimmt völlig. Ein angekoppeltes, geschlossenes Schwellwerk mit Zungen (wenn man sie denn hat) ist ja nicht unbedingt laut, macht´s aber etwas "satter". Ich mag das zumindest.

Naja, mir hats jedenfalls wieder Spaß gemacht (2. Strophe von Stille Nacht in Harmonisierung von "Singers unlimited")

... auch eine schöne Harmonisierung: Stille Nacht Chorsatz von Bernd Engelbrecht

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

untersatz32, Samstag, 28. Dezember 2013, 23:11 (vor 4624 Tagen) @ Matthias

Bei der Frage des "zu laut" der Begleitung wird m. E. zu wenig über die Farbe gesprochen.

Stimmt völlig. Ein angekoppeltes, geschlossenes Schwellwerk mit Zungen (wenn man sie denn hat) ist ja nicht unbedingt laut, macht´s aber etwas "satter". Ich mag das zumindest.

Genau Richtig (Full Swell und dann > bzw 1/2 > und langsam aufmachen).
Und satter Bass drunter - muss nicht unbedingt laut sein, aber gut zeichnen und führen. Weiche Principalbässe, Contrabässe und Violonbässe stützen da oftmals super.
Ein leiser 32' schadet auch nichts bei 2. oder 3./4. Strophe. Nicht gleich am Anfang.

Grüsse

Thomas

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 30. Dezember 2013, 19:10 (vor 4623 Tagen) @ untersatz32

Genau Richtig (Full Swell und dann > bzw 1/2 > und langsam aufmachen).
Und satter Bass drunter - muss nicht unbedingt laut sein, aber gut zeichnen und führen. Weiche Principalbässe, Contrabässe und Violonbässe stützen da oftmals super.
Ein leiser 32' schadet auch nichts bei 2. oder 3./4. Strophe. Nicht gleich am Anfang.

Grüsse

Thomas

Yep!

Eine nette engl. Umschreibung für das abgeschwellte Full Swell ist "Caged Rage - Effect".....Roaarrr!

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Friedrich @, Montag, 30. Dezember 2013, 19:21 (vor 4623 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Eine nette engl. Umschreibung für das abgeschwellte Full Swell ist "Caged Rage - Effect".....Roaarrr!

Wie treffend!

Roar,
Friedrich

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

untersatz32, Dienstag, 31. Dezember 2013, 11:50 (vor 4622 Tagen) @ Friedrich

Super, wo ist das denn her?

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Wolfgang Gourgé @, Dienstag, 31. Dezember 2013, 11:58 (vor 4622 Tagen) @ untersatz32

Super, wo ist das denn her?

...ja, das ist wirklich mal ein packender "Ad nos"-Beginn. Man möchte glatt mitsingen - wenn man nur den Text hätte......

Gruß,
Wolfgang

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Karsten @, Dienstag, 31. Dezember 2013, 12:21 (vor 4622 Tagen) @ Wolfgang Gourgé
bearbeitet von Karsten, Dienstag, 31. Dezember 2013, 12:43

Super, wo ist das denn her?


...ja, das ist wirklich mal ein packender "Ad nos"-Beginn. Man möchte glatt mitsingen - wenn man nur den Text hätte......

Hier das Oiginal und der Text:

Ad nos, ad salutarem undam
iterum venite miseri!
Ad nos, ad nos, venite populi!
etc.

Gruß
Karsten

P.S. Darf ich's verraten, Friedrich? ;)

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Friedrich @, Dienstag, 31. Dezember 2013, 18:18 (vor 4622 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Friedrich, Dienstag, 31. Dezember 2013, 18:24

P.S. Darf ich's verraten, Friedrich? ;)

Nur zu! :-)

(Giesecke??)

Viele Grüße und alles Gute für 2013 allerseits, bei dieser Gelegenheit!
Friedrich

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Karsten @, Dienstag, 31. Dezember 2013, 18:51 (vor 4622 Tagen) @ Friedrich

P.S. Darf ich's verraten, Friedrich? ;)


Nur zu! :-)

Ich tippe mal auf die erste Jubiläums-Doppel-CD aus dem Hause van den Heuvel, um genau zu sein CD 2 Track 1 :)

(Giesecke??)

Wer weiß, wo van den Heuvel die Zungen eingekauft haben... )

Viele Grüße und alles Gute für 2013 allerseits, bei dieser Gelegenheit!

Dem schließe ich mich gerne an!

Gruß
Karsten

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Friedrich @, Dienstag, 31. Dezember 2013, 19:25 (vor 4621 Tagen) @ Karsten

Ich tippe mal auf die erste Jubiläums-Doppel-CD aus dem Hause van den Heuvel, um genau zu sein CD 2 Track 1 :)

(Giesecke??)


Wer weiß, wo van den Heuvel die Zungen eingekauft haben... )

Auf ihrer Website schreiben sie zumindest, dass alle Labial- und Zungenpfeifen einzeln in Handarbeit hergestellt würden. Von wem, das steht da allerdings nicht.

Dieser Klang ergibt natürlich noch viel mehr Sinn, wenn man hört, wie Guillou danach sein unheilvolles Crescendo auftürmt. Da ist der rage dann kaum noch gecaged.

Ja, das ist schon schön, dass es diesen Orgelspieler und diese Aufnahme gibt!

Gruß,
Friedrich

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Karsten @, Dienstag, 31. Dezember 2013, 19:42 (vor 4621 Tagen) @ Friedrich

Ich tippe mal auf die erste Jubiläums-Doppel-CD aus dem Hause van den Heuvel, um genau zu sein CD 2 Track 1 :)

(Giesecke??)


Wer weiß, wo van den Heuvel die Zungen eingekauft haben... )


Auf ihrer Website schreiben sie zumindest, dass alle Labial- und Zungenpfeifen einzeln in Handarbeit hergestellt würden. Von wem, das steht da allerdings nicht.

Ein Mitarbeiter der Firma verriet mir, dass weit mehr Register aus der Vorgänger-Orgel (bzw. was davon übrig war) wiederverwendet wurden, als gemeinhin angegeben wird (das Cor de Basset von Willis wird ja immer wieder explizit erwähnt).

Gruß
Karsten

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 02. Januar 2014, 19:43 (vor 4619 Tagen) @ Friedrich

Dieser Klang ergibt natürlich noch viel mehr Sinn, wenn man hört, wie Guillou danach sein unheilvolles Crescendo auftürmt. Da ist der rage dann kaum noch gecaged.

Am Rande erwähnt:
Ich meinte, den "caged rage effect" als Begriff von John Mander zu haben, aber siehe, es hat ihn ein (englischsprachiges) Mitglied auch unseres Forums gebraucht!

van den Heuvel

Florian-L @, Mittwoch, 01. Januar 2014, 10:01 (vor 4621 Tagen) @ Karsten
bearbeitet von Florian-L, Mittwoch, 01. Januar 2014, 10:05

Ich tippe mal auf die erste Jubiläums-Doppel-CD aus dem Hause van den Heuvel, um genau zu sein CD 2 Track 1 :)

Ein Aufrufen des Links zeigt, dass die ehemalige Orgel der Duke's Hall der Royal Academy of Music in London noch immer zum Verkauf steht.
Bekanntlich hat sich Elton John sehr für den Orgelneubau eingesetzt. In diesem Interview lässt sein Kommentar zur alten Orgel ab 0:44 aufhorchen: "... because the one they had was absolutely useless and had been redundant for many many years. ... The last one was a desaster."
Kann es denn wirklich so schlimm gewesen sein?

Gruß, Florian

van den Heuvel

Karsten @, Mittwoch, 01. Januar 2014, 12:05 (vor 4621 Tagen) @ Florian-L

Ich tippe mal auf die erste Jubiläums-Doppel-CD aus dem Hause van den Heuvel, um genau zu sein CD 2 Track 1 :)


Ein Aufrufen des Links zeigt, dass die ehemalige Orgel der Duke's Hall der Royal Academy of Music in London noch immer zum Verkauf steht.
Bekanntlich hat sich Elton John sehr für den Orgelneubau eingesetzt. In diesem Interview lässt sein Kommentar zur alten Orgel ab 0:44 aufhorchen: "... because the one they had was absolutely useless and had been redundant for many many years. ... The last one was a desaster."
Kann es denn wirklich so schlimm gewesen sein?

Hallo!

Von der handwerklichen Ausführung war die van den Heuvel-Orgel sicherlich gut, aber eben auch voll und ganz dem französisch-symphonischen Stil verhaftet. Die relativ geringe Größe und stilistische Eingeschränktheit machte sie für den Einsatz als Hauptinstrument einer Musikhochschule auf Dauer wohl problematisch. Das spiegelt sich wohl auch in der von Elton John erwähnten Nichtnutzung der Orgel wider.

Das ist die Nachfolgerin.
(Man merkt, dass das klassisch-französische Repertoire außer Mode zu sein scheint. Die Vereinigung von Cromorne, Cornet und Plenum-Zungen auf einem Manual ist dafür ziemlich unpraktisch...)

Gruß
Karsten

van den Heuvel

Florian-L @, Donnerstag, 02. Januar 2014, 08:55 (vor 4620 Tagen) @ Karsten

Das ist die Nachfolgerin.
(Man merkt, dass das klassisch-französische Repertoire außer Mode zu sein scheint. Die Vereinigung von Cromorne, Cornet und Plenum-Zungen auf einem Manual ist dafür ziemlich unpraktisch...)

Und hier ein Bericht des SRF.

Gruß, Florian

van den Heuvel

Wolfgang Gourgé @, Mittwoch, 01. Januar 2014, 13:28 (vor 4621 Tagen) @ Florian-L

Ich tippe mal auf die erste Jubiläums-Doppel-CD aus dem Hause van den Heuvel, um genau zu sein CD 2 Track 1 :)


Ein Aufrufen des Links zeigt, dass die ehemalige Orgel der Duke's Hall der Royal Academy of Music in London noch immer zum Verkauf steht.
Bekanntlich hat sich Elton John sehr für den Orgelneubau eingesetzt. In diesem Interview lässt sein Kommentar zur alten Orgel ab 0:44 aufhorchen: "... because the one they had was absolutely useless and had been redundant for many many years. ... The last one was a desaster."
Kann es denn wirklich so schlimm gewesen sein?

Gruß, Florian

....das kann ich mir kaum vorstellen. Mag sein, daß die vdH-Orgel nicht den Vorstellungen von Elton John entsprach bzw. er nichts mit der Orgel anfangen konnte. Nur ist er halt Popmusiker, kein Orgelsachverständiger/Orgelbauer/Organist.

Gruß,
Wolfgang

van den Heuvel

ado ⌂ @, Mittwoch, 01. Januar 2014, 14:43 (vor 4621 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

....das kann ich mir kaum vorstellen. Mag sein, daß die vdH-Orgel nicht den Vorstellungen von Elton John entsprach bzw. er nichts mit der Orgel anfangen konnte. Nur ist er halt Popmusiker, kein Orgelsachverständiger/Orgelbauer/Organist.

das kann man so wohl nicht sagen. elton john begann seine musikalische karriere ausgerechnet als organist, spielte als junge sowohl die orgel in gottesdiensten seiner örtlichen pfarrkirche als auch just an der royal academy of music, wo er als 11jähriger "junior exhibitioner" (stipendiat) wurde. eben daher rührt sein entschluß, der RAM eine neue orgel zu spenden. siehe zB hier.

van den Heuvel

Friedrich @, Mittwoch, 01. Januar 2014, 22:38 (vor 4620 Tagen) @ ado
bearbeitet von Friedrich, Donnerstag, 02. Januar 2014, 11:18

....das kann ich mir kaum vorstellen. Mag sein, daß die vdH-Orgel nicht den Vorstellungen von Elton John entsprach bzw. er nichts mit der Orgel anfangen konnte. Nur ist er halt Popmusiker, kein Orgelsachverständiger/Orgelbauer/Organist.

das kann man so wohl nicht sagen. …

Auf dem Mander-Forum war zu lesen, dass es u. a. Probleme mit der Traktur und mit einsinkenden Prospektpfeifen gegeben haben soll, dass also ohnehin etwas fällig gewesen wäre. Es war also wohl weniger eine Frage des möglichen Repertoires oder des Geschmacks, sondern es ging um akute Schwierigkeiten mit dem Instrument. Das finde ich für eine so neue Orgel ziemlich bemerkenswert.

Gruß,
Friedrich

van den Heuvel

Erik @, Ede, Donnerstag, 02. Januar 2014, 13:56 (vor 4620 Tagen) @ Friedrich

Auf dem Mander-Forum war zu lesen, dass es u. a. Probleme mit der Traktur und mit einsinkenden Prospektpfeifen gegeben haben soll, dass also ohnehin etwas fällig gewesen wäre. Es war also wohl weniger eine Frage des möglichen Repertoires oder des Geschmacks, sondern es ging um akute Schwierigkeiten mit dem Instrument. Das finde ich für eine so neue Orgel ziemlich bemerkenswert.

Gruß,
Friedrich

In 2006 hat Flentrop die Prospektpfeifen ersetzt.

Grüsse,
Erik

Orgelsachverständige

bluenote, Donnerstag, 02. Januar 2014, 17:12 (vor 4620 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Dank Henny Jahn wissen wir ja, was von Orgelsachverständigen zu halten ist.

:-)

Orgelsachverständige

Wolfgang Gourgé @, Donnerstag, 02. Januar 2014, 19:27 (vor 4619 Tagen) @ bluenote
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Freitag, 03. Januar 2014, 01:25

Dank Henny Jahn wissen wir ja, was von Orgelsachverständigen zu halten ist.

:-)

....ach Gott. Abgesehen davon, daß der Link "tot" ist (jedenfalls bei mir funktioniert's nicht): wollen wir mal alle diejenigen erfolgreichen Projekte der letzten 25 Jahre aufzählen, die von Orgelsachverständigen begleitet wurden und auch deren "Handschrift" tragen? Ich glaube, da kommen insgesamt sehr viel mehr positive Ergebnisse heraus als negative (die es natürlich auch gibt, keine Frage), sei es bei Restaurierungen, sei es bei Neubauten.

Und Henny Jahn(n)/Walentowicz macht in ihrem blinden Eifer leider auch massive sachliche Fehler, soweit ich mich an diesen für sich selbst sprechenden Clip noch erinnere. So übersieht sie bei ihrem abwegigen Vergleich von vereidigten gerichtlichen Sachverständigen mit den kirchlichen bzw. denkmalbehördlichen OSVs, daß die gerichtlichen Orgelsachverständigen a) immer nur gerufen werden, wenn der kirchliche OSV "njet" gesagt oder schwere Mängel festgestellt hat, denn sonst kommt's nicht zum Prozeß, b) der gerichtliche Sachverständige schon deshalb nicht den kirchlichen/sonstigen Sachverständigen ersetzen kann, weil er keine Aussagen zu Stil, Disposition und Intonation trifft (zu letzterer nur ganz eingeschränkt hinsichtlich objektivierbarer Mängel), da diese Gesichtspunkte nicht justiziabel sind. Diese Punkte machen aber gerade den wesentlichen Tätigkeitsinhalt der kirchlichen/denkmalbehördlichen OSVs aus, wenn die Orgelplanungen erst beginnen. Ich könnte noch mehr einwenden, will es aber dabei belassen. Die Vergleiche von Frau Jahnn muten so an, als wenn man Architekten für überflüssig erklärt, weil es ja Statiker und Bauingenieure gibt. Nur sind die halt nicht für die künstlerische Seite des Bauens zuständig, sondern nur für die technische Umsetzung und ggf. Umplanung schon vorhandener Entwürfe.

Schließlich übersieht sie, daß sie Ihrem eigenen großen Vorbild Hans Henny Jahnn damit ein schlechtes Zeugnis ausstellt. Denn Jahnn war auch "nur" ein (autodidaktischer) Orgelsachverständiger. Den Umgang mit Holz beherrschte er als Sohn eines Schiffbauers zwar wegen seiner Kindheit auf einer Hamburger Werft. Das war es aber auch schon, mal abgesehen von einer Versuchswindlade und ein paar Einzelpfeifen in seiner "Werkstatt". *Eigene* Orgeln mit *eigenen* Händen hat auch er nicht gebaut bzw. restauriert, das tat er zusammen mit den Sauers aus Frankfurt/Oder (St. Pauli-Kirche), Furtwängler & Hammer (HH-Langenhorn, St. Ansgar) oder Karl Kemper (Lichtwarkschule), übrigens in Altenbruch und Neuenfelde in den 1920ern mit bemerkens- und lobenswertem Resultat (im Vergleich zu dem grausamen Pfusch von Hoppe/Furtwängler & Hammer in Otterndorf), da er behutsam mit der alten Substanz umging und deren Wert erkannte. Das ändert nichts an seinen Phantasie-Ansichten über den angeblich niedrigen Winddruck barocker Orgeln, seiner verblendeten pauschalen Ablehnung der Orgelbauästhetik des 19. Jahrhunderts oder der amüsanten Fata morgana des "Italienischen Prinzipals", der fortan in vielen orgelbewegten Instrumenten auftauchte (und unter seiner Ägide in die Schnitgerin in St. Jacobi in Hamburg sogar extra nachträglich eingebaut wurde, wenn ich das richtig erinnere).

Henny Jahnn/Walentowicz ist ja nicht gehindert, an den gemeinsamen Tagungen der Orgelbauer mit den Orgelsachverständigen teilnzunehmen (bei denen es übrigens auch welche mit Orgelbauer-Hintergrund gibt). In Karlsruhe 2012 tauchte sie nicht auf, in Speyer 2008 meines Wissens auch nicht, und ob sie dieses Jahr in Köln teilnimmt, ist wohl auch eher unwahrscheinlich; sie würde schnell merken, daß sie ein schwarz-weißes Zerrbild beschreibt, und dabei bleibt es auch, wenn man diesen unseligen Clip immer wieder verlinkt.

Gruß,
Wolfgang

Orgelsachverständige

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 02. Januar 2014, 20:10 (vor 4619 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Zu den amüsantestens Pannen Jahnns, die allerdings auch heute noch anderen - incl. meiner selbst! - passieren könnten, zählt das Feststellen der "salzigen" Klänge des 15. und 16. Jahrhunderts an der Orgel der Stiftskirche Bützow - als er sie hörte, war sie allerdings schon längst ein Instrument des 19. Jahrhunderts! Doch ein mitverwendeter Gehäuserest und ein Mißverständnis in der Baugeschichte lassen die Ohren hören, was das Hirn verstanden zu haben meint.

Eine ähnliche Entdeckung von bisher nicht als solchen erkannten "neuen Kaisers-Kleidern" musste ich in der eigenen Orgel jüngst machen, es gilt also stets der Satz vom Glashaus...

Orgelsachverständige

B80C @, Donnerstag, 02. Januar 2014, 21:10 (vor 4619 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Abgesehen davon, daß der Link "tot" ist (jedenfalls bei mir funktioniert's nicht)

Das liegt daran, dass ein Doppelpunkt fehlt. So klappt es: http://youtu.be/BPDa7kmBn4s

Orgelsachverständige

bluenote, Freitag, 03. Januar 2014, 10:01 (vor 4619 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Mist, mir ist entgangen, dass diese Person und ihre Statements bereits eifrig besprochen wurden.

Für mich disqualifiziert sich ein Artikel allein schon dann, wenn er vollgepackt ist mit polemischen Anmerkungen, da diese Sprache eine emotionale Lesart nach sich zieht, die eine rationale und sachliche Diskussion unmöglich macht.

Und natürlich, Wolfgang, gebe ich Dir in allen Deinen genannten Punkten recht. Allerdings wünschte ich mir hier in Dortmund auch einen OSV, der die Bunkorgel als erhaltenswert angesehen hätte und das deutlich und laut nach außen vertreten hätte. Aber das ist ja schon wieder ein anderes Themenfeld, zu welchem ich mich bereits geäußert habe.

Dietmar grüßt.

Orgelsachverständige

stein @, Freitag, 03. Januar 2014, 12:49 (vor 4619 Tagen) @ bluenote

Manchmal muss man nur langegenug suchen, um dann endlich den für sich richtigen Sachverständigen zu finden.
Das kann man jetzt in beide Richtungen interpretieren.

Orgelsachverständige

Wolfgang Gourgé @, Freitag, 03. Januar 2014, 13:17 (vor 4619 Tagen) @ stein

Manchmal muss man nur langegenug suchen, um dann endlich den für sich richtigen Sachverständigen zu finden.
Das kann man jetzt in beide Richtungen interpretieren.

...sicher, und auch die Zeitumstände spielen natürlich eine Rolle. Der OSV ist ja auch nur ein Mensch.....so gab es zum Beispiel zur Hess-Orgel der Mannheimer Liebfrauenkirche in den 1980er Jahren ein vernichtendes OSV-Gutachten, Tenor: jede weitere Mark ist verschwendet. Nach einer längeren Pause kam ein neuer OSV, der den Wert der Orgel erkannte und dafür sorgte, daß sie saniert wurde. Ihre Qualitäten - auch architektonisch, denn der filigrane Freipfeifenprospekt ist von einiger Eleganz - zeigten sich schon bei der Tagung 2012, obwohl sie damals noch nicht fertig war. Siehe im Archiv, etwas nach unten scrollen, denn zuerst kommt die Christuskirchen-Steinmeyerin. - An der Niederelbe gab es lange Zeit einen sehr honorigen Sachverständigen der Landeskirche, der - wen wundert's? - zutiefst orgelbewegt war. Bei einem originalen Instrument von Furtwängler & Hammer aus den 1890ern plädierte er auch für einen Neubau, glücklicherweise folgte ihm die Gemeinde nicht. Anderswo ging es weniger glücklich aus....

@Dietmar: ja, das würde ich mir für Reinoldi ja auch wünschen. Ärgerlich ist dort vor allem die komplette Diskussionsverweigerung: in Rostock gab's 2009 ein Symposion, in Lübeck/Marien gibt's demnächst eins. So macht man's richtig: man gibt einem breiten Spektrum von Meinungen Raum und läßt auch Kritiker zu Wort kommen. In Dortmund gibt es nichts davon, und das wirft weder auf die Gemeinde noch die Landeskirche ein gutes Licht.

Gruß,
Wolfgang

Orgelsachverständige

stein @, Freitag, 03. Januar 2014, 15:38 (vor 4619 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Komissionen bilden, die mehrere unabhängige Gutachter beinhalten.
Ich kenne die Reinoldiorgel nicht, könnte aber bei den schon bekannten Aspekten sinnvoll sein (Bunk, Zeitzeugnis, öffentliches Interesse, gegenteiliger Sachverständigenrat, schöner Klang für zumindest schon einmal einige)
Wenn die Meinung des Organisten von soviel Sachverstand zeugt, dann dürfte sie auch andere überzeugen.

Orgelsachverständige

Florgel @, Freitag, 03. Januar 2014, 15:48 (vor 4619 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

So übersieht sie bei ihrem abwegigen Vergleich von vereidigten gerichtlichen Sachverständigen mit den kirchlichen bzw. denkmalbehördlichen OSVs, daß die gerichtlichen Orgelsachverständigen a) immer nur gerufen werden, wenn der kirchliche OSV "njet" gesagt oder schwere Mängel festgestellt hat, denn sonst kommt's nicht zum Prozeß, b) der gerichtliche Sachverständige schon deshalb nicht den kirchlichen/sonstigen Sachverständigen ersetzen kann, weil er keine Aussagen zu Stil, Disposition und Intonation trifft (zu letzterer nur ganz eingeschränkt hinsichtlich objektivierbarer Mängel), da diese Gesichtspunkte nicht justiziabel sind. Diese Punkte machen aber gerade den wesentlichen Tätigkeitsinhalt der kirchlichen/denkmalbehördlichen OSVs aus, wenn die Orgelplanungen erst beginnen. Ich könnte noch mehr einwenden, will es aber dabei belassen. Die Vergleiche von Frau Jahnn muten so an, als wenn man Architekten für überflüssig erklärt, weil es ja Statiker und Bauingenieure gibt. Nur sind die halt nicht für die künstlerische Seite des Bauens zuständig, sondern nur für die technische Umsetzung und ggf. Umplanung schon vorhandener Entwürfe.

Ich teile die Meinung der Vorredner zu diesem Youtube-Video.
Hier möchte ich aber trotzdem gerne mal einhaken und ganz provokant fragen:

Braucht es eigentlich überhaupt einen kirchlichen Orgelsachverständigen (also von außerhalb der betreffenden Gemeinde)?
Aussagen zu Stil, Disposition und Intonation werden als Aufgaben genannt. Aber ist das nicht eher das Feld des Orgelbauers? Zumal es sich ja nicht von der Technik trennen lässt. Ein "deutsch-hochromantischer" Klang auf Schleifladen? Eine Schnitger-Klang auf Kegelladen?


Den Vergleich OSV=Architekt, OB=Statiker, Bauingenieur finde ich aber nicht passend. Ich würde den Orgelbauern die Fähigkeit für die "künstlerische Seite" des Bauens nicht absprechen.

Wie hat das eigentlich vor dem Aufkommen der OSV´s funktioniert? Waren die Ergebnisse so viel schlechter? -zB. im Bistum Regensburg vor Kraus, oder auch Düchtel.

Was ist der Mehrgewinn für die Gemeinde durch einen OSV? Reicht es nicht aus, wenn die Leute vor Ort sich auf einen Orgelbauer, bzw. dessen Konzept einigen? Wird hier nicht etwas "elitarisiert", was am Ende eher Gefühlssache ist?

Was mich auch noch interessieren würde: Welche Handlungsmöglichkeiten hat eigentlich ein OSV? -Und wer kontrolliert eigentlich einen OSV, bzw. prüft dessen Kenntnisse ab?


Schöne Grüße,
Florian

Orgelsachverständige

Evacuant, Freitag, 03. Januar 2014, 17:12 (vor 4619 Tagen) @ Florgel

Braucht es eigentlich überhaupt einen kirchlichen Orgelsachverständigen (also von außerhalb der betreffenden Gemeinde)?

Manchmal nicht.

Wie hat das eigentlich vor dem Aufkommen der OSV´s funktioniert? Waren die Ergebnisse so viel schlechter? -zB. im Bistum Regensburg vor Kraus, oder auch Düchtel.

Die staatlich oder kirchlich bestellten OSVs gab es schon im 19. Jahrhundert.

Orgelabnahmen durch externe Gutachter gibt es wahrscheinlich "schon immer".
Zumindest soweit Orgelbauakten zurückreichen.

Samuel Scheidt, Johann Sebastian Bach und viele andere waren als externe Gutachter tätig.

Orgelsachverständige

stein @, Freitag, 03. Januar 2014, 17:39 (vor 4619 Tagen) @ Florgel

Den Vergleich OSV=Architekt, OB=Statiker, Bauingenieur finde ich aber nicht passend. Ich würde den Orgelbauern die Fähigkeit für die "künstlerische Seite" des Bauens nicht absprechen.

Ein Fachgremium aus mehreren möglichst unabhängigen ist bei wichtigen Projekten schon sinnvoll. Einem OB könnte man schnell wirtschaftliche Interessen nachsagen, sobald er sich für einen Neubau einsetzt.
Hingegen viele andere Projekte lassen auch Einzelbeteiligten viel Spielraum, wenn z.B. der Organist an seiner Wirkungsstätte einen historischen Nachbau durch seine Lieblingsfirma bauen lassen will, und dafür viele andere begeistern kann.
Oder ein Orgelbauer endlich ohne Restriktionen seinen Traum verwirklichen kann.
Das findet man häufiger in Frankreich.
gruss stein

Orgelsachverständige

orgelwilli @, Freitag, 03. Januar 2014, 22:25 (vor 4618 Tagen) @ stein

Ich bin sehr froh darüber, daß beim Bau unserer Orgel kein Sachverständiger reingeredet hat und ich alleine mit dem Orgelbauer planen und "bauen" konnte.

Orgelsachverständige

Friedrich @, Freitag, 03. Januar 2014, 23:20 (vor 4618 Tagen) @ orgelwilli

Ich bin sehr froh darüber, daß beim Bau unserer Orgel kein Sachverständiger reingeredet hat und ich alleine mit dem Orgelbauer planen und "bauen" konnte.

Kann man in Deinem Fall nicht sagen, dass Du selber sachverständig warst? Du hast in Zusammenarbeit mit dem Orgelbauer das Projekt in Deinem Sinn entwickelt und gelenkt, mit einem klaren künstlerischen Konzept im Hinterkopf, das dann schließlich auch auf der Empore Wirklichkeit wurde. Das ist natürlich ein großer Glücksfall für alle Beteiligten. Aber es gibt ja Situationen, in denen keiner in der Lage wäre, ein solches Konzept in solcher Tiefe zu entwickeln, zu vermitteln und zu überwachen.

Haig Mardirosian hat in einem Vortrag über die Rolle des Sachverständigen erzählt, er sei mal in eine Gemeinde gekommen, deren Organist ihm ein Projekt für eine dreimanualige Orgel vorgelegt hätte; für das Choir-Manual hätte der sich lediglich eine Clarinet und eine Flute celeste gewünscht. Das kann eben auch passieren.

Im selben Vortrag berichtete er allerdings auch, dass er einmal eine Orgel nicht zur Abnahme empfohlen hätte, weil der Orgelbauer seine Spezifikationen für einen Choralbass (ich glaube, +3 oder 4 HT, Labium 1/4, Aufschnitt 1/4 Labiumbreite) nicht eingehalten und stattdessen seinen Stiefel gebaut hätte, eine Art weiten Offenbass in derselben Mensur wie der offene 8'. Darüber haben die anwesenden Orgelbauer dann die Köpfe geschüttelt, wohl mit dem Hintergedanken, dass “blend” (Klangverschmelzung) vor “fancy stop” (Extrawurst) geht.

So setzt er sich zwischen die Stühle – aber ich bin auch der Meinung, dass da manchmal einfach jemand sitzen muss, damit was draus wird.

Gruß,
Friedrich

Orgelsachverständige

tiratutti @, Samstag, 04. Januar 2014, 10:30 (vor 4618 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von tiratutti, Samstag, 04. Januar 2014, 10:38

So setzt er sich zwischen die Stühle – aber ich bin auch der Meinung, dass da manchmal einfach jemand sitzen muss, damit was draus wird.

naja, manchmal sitzt einer auch ganz fest auf einem Rosse. Wenn wie vor einigen Jahren geschehen ein OSV in die Ausschreibung reinschreibt, dass das Gehäuse aus Eiche massiv unbehandelt sein müsse mit polimentvergoldeten Schleierbrettern, das ganze bei einer in Richtung deutsch-romantisch gehenden Orgel in einer nichtbarocken Kirche, dann überschreitet er für mein Gefühl seine Kompetenzen und führt seine Vorlieben spazieren, ohne die konkrete Situation in den Blick zu nehmen. Zum Glück für alle Beteiligten ist es dann ganz anders gekommen ...
Und es geht bei einem anderen OSV auch wesentlich zielgerichteter: da steht dann in der Ausschreibung, dass das Schwellwerk eine starke und ausgeprägte Schwellwirkung haben müsse.

Grüße von tiratutti

Orgelsachverständige

Wolfgang Gourgé @, Samstag, 04. Januar 2014, 13:18 (vor 4618 Tagen) @ tiratutti

So setzt er sich zwischen die Stühle – aber ich bin auch der Meinung, dass da manchmal einfach jemand sitzen muss, damit was draus wird.


naja, manchmal sitzt einer auch ganz fest auf einem Rosse. Wenn wie vor einigen Jahren geschehen ein OSV in die Ausschreibung reinschreibt, dass das Gehäuse aus Eiche massiv unbehandelt sein müsse mit polimentvergoldeten Schleierbrettern, das ganze bei einer in Richtung deutsch-romantisch gehenden Orgel in einer nichtbarocken Kirche, dann überschreitet er für mein Gefühl seine Kompetenzen und führt seine Vorlieben spazieren, ohne die konkrete Situation in den Blick zu nehmen. Zum Glück für alle Beteiligten ist es dann ganz anders gekommen ...
Und es geht bei einem anderen OSV auch wesentlich zielgerichteter: da steht dann in der Ausschreibung, dass das Schwellwerk eine starke und ausgeprägte Schwellwirkung haben müsse.

Grüße von tiratutti

...Eiche massiv ist aber grundsätzlich keine schlechte Idee....;--).....

findet:
Wolfgang...

Orgelsachverständige

Wolfgang Gourgé @, Freitag, 03. Januar 2014, 21:47 (vor 4618 Tagen) @ Florgel

So übersieht sie bei ihrem abwegigen Vergleich von vereidigten gerichtlichen Sachverständigen mit den kirchlichen bzw. denkmalbehördlichen OSVs, daß die gerichtlichen Orgelsachverständigen a) immer nur gerufen werden, wenn der kirchliche OSV "njet" gesagt oder schwere Mängel festgestellt hat, denn sonst kommt's nicht zum Prozeß, b) der gerichtliche Sachverständige schon deshalb nicht den kirchlichen/sonstigen Sachverständigen ersetzen kann, weil er keine Aussagen zu Stil, Disposition und Intonation trifft (zu letzterer nur ganz eingeschränkt hinsichtlich objektivierbarer Mängel), da diese Gesichtspunkte nicht justiziabel sind. Diese Punkte machen aber gerade den wesentlichen Tätigkeitsinhalt der kirchlichen/denkmalbehördlichen OSVs aus, wenn die Orgelplanungen erst beginnen. Ich könnte noch mehr einwenden, will es aber dabei belassen. Die Vergleiche von Frau Jahnn muten so an, als wenn man Architekten für überflüssig erklärt, weil es ja Statiker und Bauingenieure gibt. Nur sind die halt nicht für die künstlerische Seite des Bauens zuständig, sondern nur für die technische Umsetzung und ggf. Umplanung schon vorhandener Entwürfe.


Ich teile die Meinung der Vorredner zu diesem Youtube-Video.
Hier möchte ich aber trotzdem gerne mal einhaken und ganz provokant fragen:

Braucht es eigentlich überhaupt einen kirchlichen Orgelsachverständigen (also von außerhalb der betreffenden Gemeinde)?
Aussagen zu Stil, Disposition und Intonation werden als Aufgaben genannt. Aber ist das nicht eher das Feld des Orgelbauers? Zumal es sich ja nicht von der Technik trennen lässt. Ein "deutsch-hochromantischer" Klang auf Schleifladen? Eine Schnitger-Klang auf Kegelladen?

...das führt spätestens dann nicht weiter, wenn ein Raum mehrere musikalisch wie architektonisch verschiedene Lösungen zuläßt, von der mittelalterlichen bis zur modernen Orgel (Beispiel: Konstantin-Basilika in Trier). Und nicht jeder Orgelbauer ist stilsicher - manche schon, aber nicht alle. Es gibt auch welche, für die nur der Kundenwunsch entscheidend ist, nicht das, was orgelbautechnisch/künstlerisch sinnvoll ist. Und Begehrlichkeiten auf der Kundenseite machen blind für Mängel einer Konzeption.

Ansonsten ist die Einschaltung des Sachverständigen üblicherweise kirchenaufsichtlich vorgeschrieben, wenn es nicht um normale Wartungen und kleinere Reparaturen geht, und das ist auch gut so, damit sich nicht jemand vor Ort Dispositionsänderungen oder sonstwas einfallen läßt, was keinen Sinn macht (doch, das gibt's....). Oder darauf kommt, eine "Orgel" anzuschaffen, die absoluten Schrottwert hat und selbst geschenkt noch zu teuer wäre. Sowas kenne ich auch - jeder ernstzunehmende OSV hätte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Nun steht es in der Kirche, angeschafft durch einen überengagierten Organisten ohne einen Hauch von Ahnung - und wer hineinschaut, fällt rückwärts wieder heraus über dem Grauen aus zusammengetackerten Alt-Teilen....

Den Vergleich OSV=Architekt, OB=Statiker, Bauingenieur finde ich aber nicht passend. Ich würde den Orgelbauern die Fähigkeit für die "künstlerische Seite" des Bauens nicht absprechen.

...tue ich auch nicht, aber H.J./A.W. tut so, als ob es keiner Beratung von musikalischer Seite bedarf. Bedarf es aber doch - bei einer Beratung in den 1980er Jahren, bei der ich dabei war, ging es um den Bau einer Orgel in zwei Abschnitten (bloß nicht machen, Riesenfehler - der erste Abschnitt steht dann für alle Ewigkeiten.... - wurde auch im besagten Fall dann glücklicherweise nicht gemacht). Der Subbaß 16' sollte erst im 2. Abschnitt ins Pedal kommen, was auf Kritik stieß - Gemeindebegleitung ohne Subbaß? Einwand des Orgelbauers: man könne doch die Quintade 16' des ersten Manuals, die ja ohnehin vorgesehen sei für den 1. Bauabschnitt, solange nehmen. Was von diesem Vorschlag musikalisch zu halten ist, beantwortet sich von selbst.....

Wie hat das eigentlich vor dem Aufkommen der OSV´s funktioniert? Waren die Ergebnisse so viel schlechter? -zB. im Bistum Regensburg vor Kraus, oder auch Düchtel.

...waren damalige Organisten, Lehrer usw.; problematisch ist, daß solche Leute nicht unbedingt technisch versiert genug sind, um von einer "verbauten" Orgel mit viel zu hoher Registerzahl auf zu engem Raum abzuraten, oder z.B. den Denkmalwert eines "unzeitgemäßen" Instruments zu erkennen.

Was ist der Mehrgewinn für die Gemeinde durch einen OSV? Reicht es nicht aus, wenn die Leute vor Ort sich auf einen Orgelbauer, bzw. dessen Konzept einigen? Wird hier nicht etwas "elitarisiert", was am Ende eher Gefühlssache ist?

...aus dem Umstand, daß es immer wieder auch Versuche von Orgelbaufirmen gibt - leider! -, den Orgelsachverständigen zu umgehen, ergibt sich unproblematisch der Mehrwert: nämlich die Kontrolle der angebotenen Leistung auf deren musikalischen wie technischen Sinn sowie die Durchführung geordneter Ausschreibungen, die die Vergleichbarkeit der Angebote gewährleisten. Erfahrene OSVs kennen übrigens ihre "Kandidaten" und wissen, wer welche Stärken und Schwächen hat und wer auch gern mal "schummelt", also z.B. Arbeiten abrechnet, die er nicht vorgenommen hat. Auch so ein Fall ist mir bekannt - der Pfusch kam leider zu spät heraus, um noch Gewährleistungsansprüche geltend machen zu können.

Und von einer "Gefühlssache" kann keine Rede sein: da geht es zunächst mal um ganz harte Dinge wie die technisch einwandfreie Funktion und insgesamt um die "Vertragsgemäßheit" des Werks. Denn eine Orgel bzw. eine Reparatur oder Restaurierung muß "abgenommen" werden, § 640 BGB, weil es sich um einen Werkvertrag handelt. Erst mit der Abnahme setzt die Verpflichtung zur Zahlung des Werklohns ein, beginnt die Verjährung von Gewährleistungsansprüchen zu laufen - und erlöschen Ansprüche wegen offenkundiger Mängel des Werks, die bei ordnungsgemäßer Abnahme aufgefallen wären. Ist die Orgel z.B. windstößig, obwohl das Konzept ausdrücklich sinfonisch angelegt ist, ist das ein Grund zur Verweigerung der Abnahme, denn hier kann ein kapitaler Fehler vorliegen (falsch berechnete Kanäle/Magazinbälge/Kanzellenquerschnitte). Sind Teile aus Nadelholz, steht im Vertrag aber "Eiche", kann das je nach Schweregrad ebenfalls ein Grund zur Abnahmeverweigerung sein. Sprechen Zungen in großer Zahl nicht richtig an, haben Flöten Strich? Sind Gebrauchtteile eingebaut worden? Dämmt der Schwellkasten richtig, ist die Traktur ausgeführt wie bestellt? Nix "Gefühlssache", da muß auf Herz und Nieren und ohne falschen Respekt geprüft werden, und Mängel müssen gewissenhaft gerügt und deren Beseitigung festgelegt werden.

Was mich auch noch interessieren würde: Welche Handlungsmöglichkeiten hat eigentlich ein OSV? -Und wer kontrolliert eigentlich einen OSV, bzw. prüft dessen Kenntnisse ab?

...er sagt der Gemeinde, was sie tun sollte: z.B. die Orgel bzw. die vorgenommenen Arbeiten abnehmen oder die Abnahme zu verweigern (falls letzteres, unter Angabe der Gründe), oder abnehmen, aber unter Zurückbehaltung von Teilbeträgen wegen der Beseitigung festgestellter kleinerer Mängel. - Üblicherweise werden von den Landeskirchen/Bistümern entweder Organisten mit Erfahrung und ausreichendem technischem Hintergrund eingesetzt oder sonstige Sachkundige, die die Ausbildungskurse der VOD durchlaufen haben. Natürlich hat jemand, der bei einem solchen Kurs das erstemal den Begriff "Schleiflade" hört, nicht den nötigen Fundus, um Orgeln beurteilen zu können, das versteht sich von selbst. Deshalb richtet sich das Angebot auch primär an solche Interessenten, die bereits einen ausgeprägten "Background" haben. Der für eine professionelle und umfassende Ausbildung eingeführte Studiengang "OrganExpert" - die beste Idee, die es insoweit bisher gab - wurde von der Musikhochschule Trossingen leider nach Schwierigkeiten bei der Akkreditierung (die durchaus überwindbar gewesen wären) voreilig wieder aufgegeben, womit auch für die dortige MHS eine große Chance, ein Alleinstellungsmerkmal zu etablieren, vertan wurde.

Gruß,
Wolfgang

Orgelsachverständige

Florgel @, Samstag, 04. Januar 2014, 14:22 (vor 4618 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Die Kernfunktion des OSV wäre also wohl die Prüfung und mögliche Abnahme der Orgel. Mit dieser Kompetenz ausgestattet gibt es das externe Sachverständigenwesen wie Evacuant geschrieben hat, wohl „schon immer“. So zB. die Regensburger Domorganisten Hanisch und Renner jun., Domkapellmeister Schrems, aber eben auch angesehene Lehrer und Chorregenten vor Ort. Allerdings gab es auch Fälle, in denen eben der Pfarrorganist nicht als Prüfer zugelassen wurde- so zB. 1934 in Weiden.

Sicher haben sich nicht alle OSV´s auf das Prüfen beschränkt, sondern haben Dispositionen erstellt und Aussagen über Technik und Traktur getroffen, so zB. Peter Griesbacher, oder als Einzelfall der Amberger Chorregent Carl Böhm.
Vor einigen Jahrzehnten und im Bistum Regensburg spürbar ab etwa 1965 treten nun aber flächendeckend Sachverständige auf, die ihre Kompetenz eben nicht mehr nur in der Prüfung und Abnahme der Orgeln sehen, sondern selbst Konzepte entwerfen, Mensuren/Intonation vorgeben oder die technische Ausführung penibelst vorgeben.

Den „Mehrwert“ für die Orgellandschaft der Diözese Regensburg kann man natürlich nicht allein als Werk des Sachverständigen sehen. Andere Umstände, wie zB. der Tod der „alten Elektropneumatiker“ Friedrich Meier oder 1969 Michael Weise und die darauffolgenden „Umstrukturierungen“ der Firma Weise spielen sicher auch eine Rolle.
Neubauten wurden nun in der Regel als mechanische Schleifladen mit durchaus sehr „interessanten“ steilen Dispositionen versehen. Dabei war es jetzt nicht so, dass nicht die meisten Kirchen bereits mit Orgeln versorgt waren, Pneumatische Instrumente von Weise, Binder, Maerz und Steinmeyer wurden relativ kategorisch durch kostengünstige neue Instrumente ersetzt- natürlich mit Konzept von OSV Kraus.
Kraus selbst betonte den finanziellen Aspekt in einem Abnahmegutachten: „Es ist sehr erfreulich, dass dieser Orgelneubau durchgeführt wurde. Das klangliche wie optische Ergebnis und nicht zuletzt auch das finanzielle Kalkül unterstreichen eindrucksvoll die Richtigkeit dieses Entschlusses“. Ich bin leider nicht genau im Bilde, wie viel Arbeit und Geld in das Instrument gesteckt wurde seit der Abnahme …
Sicher gehören da auch immer die Pfarreien dazu, denen das teilweise recht war, nicht mehr Geld auszugeben. Allerdings vertrat Kraus seine Thesen durchaus offensiv und war in den allermeisten Orgelprojekten einfach drin.
Er hat viele Instrumente abgenommen, die sein theoretisches Konzept trugen ...

Was ich damit sagen will, ich bin klar der Meinung, dass man bei einem Orgelprojekt einen einigermaßen sachverständigen, finanziell unabhängigen Vermittler braucht. Eine genaue Prüfung des Konzepts im Vorfeld und der Orgel nach Abschluss der Arbeiten ist sehr angebracht. Sicher macht es auch Sinn, Konzeptänderungen anzuregen, oder selbst Konzepte oder Alternativen zu entwerfen. Das kommt natürlich immer auf Einzelfälle an, aber was ich bis jetzt nicht verstehe: Welchen Zweck hat es, eine Ausschreibung an vom OSV vorgegebene Orgelbauer nach einer vom OSV vorgegebenen Disposition samt Bauweise,etc. nach XY zu machen?

Sind die Angebote am Ende wirklich vergleichbar? Ist es nicht vergleichbarer, eine Kostenaussage zu machen und dann zu sehen, was man dafür bekommt? Sicher- da gibt es Stilunterschiede- Steile Dispo gegen grundtönige Dispo, etc., aber dafür gibt´s ja Referenzen- Qualität ist ja durchaus erkennbar.

Meine größtes Fragezeichen habe ich aber bei der Kontrolle der OSV´s. Es gibt wohl Bemühungen, eine gewisse Ausbildung zu gewährleisten, aber OSV wird man ja in erster Linie durch Ernennung durch den Bischof. Eine einheitliche Linie gibt´s hier ebensowenig, wie eben eine Arbeitskontrolle der jeweiligen OSV´s durch kirchliche Gremien. Ist man in bestimmten Bistümern erstmal OSV, hat man eine wahnsinnig große Handlungsfreiheit und kann sich ordentlich was rausnehmen- was da von „Beraten und Vermitteln“ übrig bleibt kann man schnell spüren.
Sicher kann man OSV´s nicht über einen Kamm scheren und es wird vielerorts sehr gute Arbeit geleistet. Aber was ist, wenn es da Probleme gibt? An wen wenden? Nicht alle OSV´s sind bei der VOD.

Jedenfalls bin ich der Meinung, einen OSV, der keine Ideen und Konzepte außer seinen eigenen gelten lässt, der dem Orgelbauer die Technik und Bauweise bis ins Detail vorschreibt und für den Kommunikation mit denen, die´s bezahlt haben und mit dem Ergebnis leben müssen, ein Fremdwort ist- den braucht es nicht!- Gibt es aber …


Grüße,
Florian

Orgelsachverständige

Evacuant, Samstag, 04. Januar 2014, 15:34 (vor 4618 Tagen) @ Florgel
bearbeitet von Evacuant, Samstag, 04. Januar 2014, 17:29

Vor einigen Jahrzehnten und im Bistum Regensburg spürbar ab etwa 1965 treten nun aber flächendeckend Sachverständige auf, die ihre Kompetenz eben nicht mehr nur in der Prüfung und Abnahme der Orgeln sehen, sondern selbst Konzepte entwerfen, Mensuren/Intonation vorgeben oder die technische Ausführung penibelst vorgeben.

Jedenfalls bin ich der Meinung, einen OSV, der keine Ideen und Konzepte außer seinen eigenen gelten lässt, der dem Orgelbauer die Technik und Bauweise bis ins Detail vorschreibt und für den Kommunikation mit denen, die´s bezahlt haben und mit dem Ergebnis leben müssen, ein Fremdwort ist- den braucht es nicht!- Gibt es aber …

Dieser Sachverständigen kamen mit der Orgelbewegung um 1930 auf.

Der Prototyp war wohl Hans Henny Jahnn.

Selber totaler Autodidakt, der weder Orgeln bauen noch ordentlich spielen konnte. Sah sich selber in der Rolle des eigentlich schöpferischen "Orgelarchitekten" und definierte seine Rolle neben dem Orgelbauer wie folgt:

"Die schöpferischen Persönlichkeiten sollen zukünftig den Wesensinhalt der Orgel bestimmen. Ihr Name soll neben dem des Orgelbauers am vollendeten Werk erscheinen. Und so ergibt sich: Die Orgel soll zwei Urheber haben: den klangschaffenden Orgelarchitekten und den tüchtigen Fabrikanten."
Wunderwerk Orgel (Hamburger Fremdenblatt 1931)

Christhard Mahrenholz und Pater Winfred Ellerhorst gehörten in den 1930ern auch zu diesen sendungsbewussten Pionieren.

Nach dem 2. Weltkrieg könnte man Leute wie Ernst Karl Rößler und Herbert Schulze nennen. (Gerade nachgeschaut: Schulze war auch schon in den 1930ern aktiv.)

Heutzutage ist dieser Typ OSV wohl weitgehend ausgestorben.

Orgelsachverständige

jori @, Samstag, 04. Januar 2014, 16:45 (vor 4618 Tagen) @ Evacuant

Vor einigen Jahrzehnten und im Bistum Regensburg spürbar ab etwa 1965 treten nun aber flächendeckend Sachverständige auf, die ihre Kompetenz eben nicht mehr nur in der Prüfung und Abnahme der Orgeln sehen, sondern selbst Konzepte entwerfen, Mensuren/Intonation vorgeben oder die technische Ausführung penibelst vorgeben.

Jedenfalls bin ich der Meinung, einen OSV, der keine Ideen und Konzepte außer seinen eigenen gelten lässt, der dem Orgelbauer die Technik und Bauweise bis ins Detail vorschreibt und für den Kommunikation mit denen, die´s bezahlt haben und mit dem Ergebnis leben müssen, ein Fremdwort ist- den braucht es nicht!- Gibt es aber …


Dieser Sachverständigen kamen mit der Orgelbewegung um 1930 auf.

Der Prototyp war wohl Hans Henny Jahnn.

Selber totaler Autodidakt, der weder Orgeln bauen noch ordentlich spielen konnte. Sah sich selber in der Rolle des eigentlich schöpferischen "Orgelarchitekten" und definierte seine Rolle neben dem Orgelbauer wie folgt:

"Die schöpferischen Persönlichkeiten sollen zukünftig den Wesensinhalt der Orgel bestimmen. Ihr Name soll neben dem des Orgelbauers am vollendeten Werk erscheinen. Und so ergibt sich: Die Orgel soll zwei Urheber haben: den klangschaffenden Orgelarchitekten und den tüchtigen Fabrikanten."
Wunderwerk Orgel (Hamburger Fremdenblatt 1931)

Christhard Mahrenholz und Pater Winfred Ellerhorst gehörten in den 1930ern auch zu diesen sendungsbewussten Pionieren.

Nach dem 2. Weltkrieg könnte man Leute wie Ernst Karl Rößler und Herbert Schulze nennen.

Heutzutage ist dieser Typ OSV wohl weitgehend ausgestorben.

Hallo,

ich habe mal was über Karl Ernst Rößler gelesen. HIER unter 2. Über die mutierten Orgelexperten.

Gruß
jori

Orgelsachverständige

Evacuant, Samstag, 04. Januar 2014, 17:05 (vor 4618 Tagen) @ jori

ich habe mal was über Karl Ernst Rößler gelesen. HIER unter 2. Über die mutierten Orgelexperten.

Vieles ist richtig, aber zumindest eine Sache stimmt nicht:

Supper hat zwar mal einen Entwurf für eine Orgel in einer Fahnenhalle gezeichnet, aber das war nicht für die Riesenorgel in Nürnberg.

Orgelsachverständige

Evacuant, Samstag, 04. Januar 2014, 17:28 (vor 4618 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Den Umgang mit Holz beherrschte er als Sohn eines Schiffbauers zwar wegen seiner Kindheit auf einer Hamburger Werft. Das war es aber auch schon, mal abgesehen von einer Versuchswindlade und ein paar Einzelpfeifen in seiner "Werkstatt".

Hat er denn irgend ein Schaustück seiner "Werkstatt" selber gebaut?

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

stein @, Dienstag, 31. Dezember 2013, 13:35 (vor 4622 Tagen) @ Friedrich

Könnte eine grössere Orgel von Klais sein, Giesecke Zungen sind mit beteiligt. Guter alter Skinner Sound ist m.E. noch viel runder.

....wie man den Gesang auf Null bringt.....

chp @, Samstag, 28. Dezember 2013, 12:17 (vor 4625 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Hallo,

bei uns isr das so, dass die Leute leise singen, wenn ich leise spiele und kräftig, wenn ich kräftig spiele. Und wenn ich Mixturen und Zungen beigebe, gehen Sie bei "Großer Gott, wir loben Dich" und ähnlichem nur so aus sich heraus.

Beste Grüße von der Waterkant
Christoph P.


P.S.: Einer unserer Pastoren, der aus Nigeria stammt und auch mehrere Jahre in den USA gewirkt hat, ein ziemlich fröhlicher und spontaner Mann, der uns auch "frohe Weihnachten mit viel Lachen, Singen und Tanzen" gewünscht hatte, erzählte, dass er am ersten Weihnachtstag in einer Kleinstadt in der Region Gottesdienst gehalten habe. Zum Eingangslied "Engel auf den Feldern" hätte er mit Klatschen und Tanzschritten begonnen, so wie es in seiner Heimat üblich sei. Das hätte allerdings dazu geführt, dass den Leuten die Kinnladen bis zum Boden heruntergeklappt wären und sie diese nur mühsam wieder zurück in Position hätten hiefen können. Mal sehen, ob wir ihn nächstes Jahr für die Kinder- und Familienmette um 17 Uhr bekommen, zu der auch viele Bekenntnislose aus dem Wohnviertel kommen. ;-)

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