Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Für die Planung unseres neuen Spieltischs bin ich derzeit unterwegs, um verschiedene Konzepte kennenzulernen. Jeder Spieltisch ist anders. Was hat sich bewährt, was sollte man übernehmen, was ist unnötig?
Laukhuff hat den neuen "Vario-Setzer" entwickeln lassen, von dem hier im Forum schon die Rede war. Ich habe ihn mir jetzt einmal von einem Organisten vorführen lassen, der täglich damit arbeitet. Ort: die recht neue (rein elektrisch angesteuerte) Vleugels-Orgel in Würzburg, Peterskirche (zur Orgel unten mehr!).
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Der Setzer wurde nachträglich erweitert, weil er in der Grundform nicht alltagstauglich war. Deshalb kamen später 20 freie Kombinationen (A-Q + 4 Symbole) dazu, die man ganz einfach belegen kann, in dem man den entsprechenden Knopf gedrückt hält, also ohne den Setzerknopf zu betätigen. Das ist sinnvoll und leicht zu verstehen, auch wenn die Knöpfe etwas chaotisch verteilt sind. Allerdings sind die kleinen Knöpfe nicht gut zu treffen und es ist arg viel beleuchtet, denn jede eingespeicherte Position leuchtet immer. Ab N sind es größere Knöpfe über dem dritten Manual:
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RF=Registerfessel
Die vier Symbole auf der linken Seite sind im Grunde auch vier freie Kombinationen, die nur entsprechend vorbelegt worden sind:
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Auf diesem Photo erkennt man TF für die jeweilige Tastenfessel und links auf der Klaviaturwange vier Knöpfe für die freie Werkzuteilung. Man kann alle vier Werke auf die drei Manuale frei verteilen. Deshalb gibt es auch keine Manualkoppeln. Dumm ist nur, dass man mit "0" auch alle Werkzuteilungen löscht. Man sitzt an der Orgel und probiert z. B. Register des Schwellwerks aus, dann will man andere ausprobieren und drückt instinktiv auf "0" und alles ist weg. Jetzt muss man wieder definieren, auf welchem Manual das Schwellwerk erklingen soll. Mir ist das ein paar Mal passiert, dann war ich so genervt, dass ich mir eine Setzerkombination nur mit den Werkzuteilungen gemacht habe, um nicht immer wieder diese Knöpfe drücken zu müssen. Etwas ähnliches geschieht, wenn man auf den Knopf oben links mit den angedeuteten Tasten drückt. Aber die freien Werkzuordnungen sind eine tolle Sache, weil man z. B. ein Werk ankoppeln kann und trotzdem noch ein freies Manual für ein anderes Werk hat. Man hätte natürlich auch einfach vier Manuale bauen können, dann bräuchte man den Zauber nicht.
Zurück zum Setzer: Es gibt also diese 20 freien Kombinationen, die jeder Nutzer, der sich im System anmeldet, individuell belegen kann. Der eigentliche Vario-Setzer arbeitet mit Containern, die mit Setzerkombinationen gefüllt werden. Ich nehme z. B. die 1. Symphonie von Vierne und lege sie als Container an. Der Container hat eine Nummer. Diese kann ich ergänzen mit einem Namen, das geht einfach über das Touchding mit einer dort eingeblendeten Tastatur. Dann kann ich den Container später über die Suche leicht wiederfinden. Den Container kann ich mit beliebig vielen Setzerkombinationen füllen, also die ganze Symphonie dort abspeichern. Gesetzt wird mit dem Sequenzer, nicht über die Zahlenknöpfe 0 bis 9. Das ist verwirrend und contra-intuitiv, vor allem wenn man nachträglich ein Register ändern will. Man kann dann nicht einfach auf den Zahlenknopf drücken. Ich habe mir beholfen, indem ich dann < und > gleichzeitig gedrückt habe, das hat funktioniert. Das dicke Handbuch (Gebrauchsanweisung) zum Setzer habe ich nicht gelesen. Der freundliche Kollege, der als einziger das System vollständig nutzt und mir vorführte, hat auch nicht alle Funktionen im Kopf. Das System ist ähnlich wie eine PC-Tastatur aufgebaut, das heißt: mit anderen Knöpfen (analog zu Alt oder Shift) wechseln die Funktionen der Knöpfe. Man müsste sich also Tastenkombinationen merken (wie Strg-C beim PC). Ich weiß nicht, ob das so optimal ist. Ich fand es bislang völlig ausreichend, wenn ein Knopf nur EINE Funktion hat!
Eine Symphonie hat mehrere Sätze. Man kann nun in den vielleicht 80 Setzerkombinationen für die ganze Symphonie Sprungmarker setzen, damit man gleich zum entsprechenden Satz springen kann. Das mag schlau überlegt sein, scheint mir in der Praxis aber etwas verwirrend zu sein. Wichtig: Man kann überall einzelne Setzerkombinationen einfügen oder löschen, wenn man nachträglich noch Klangwechsel einfügen oder herausnehmen möchte.
Hat man viele Container mit Namen versehen und so nach und nach seine Notenbibliothek in den Setzer programmiert, kann man sich für ein Konzert einen "Konzertsetzer" zusammenstellen, das ist nur eine Form der Programmierung und ändert die Kombinationen nicht. Dann kann man das ganze Konzert einfach mit dem Sequenzer spielen. Das Gleiche geht mit Literaturstücken, die man im Gottesdienst spielen möchte. Das halte ich für eine recht sinnvolle und praktikable Lösung.
In Würzburg hat man gemerkt, dass der "echte" Vario-Setzer nur von Leuten beherrscht wird, die dort regelmäßig spielen. Ein Gastorganist, der ein Konzert vorbereitet, ist damit meistens überfordert. Deshalb hat man nun einen Bereich so programmiert, dass er wie eine herkömmliche Setzeranlage funktioniert. Dort kann man also tatsächlich mit den Knöpfen 0-9 die Ebenen setzen. Die Container bilden dann einfach 10er-Gruppen und werden dann so behandelt wie an "normalen" Orgeln. Dieses System kennt man und benutzt es intuitiv richtig. Es gibt hier also drei "Kompetenzbereiche": Der spontane Vertretungsorganist benutzt die 20 freien Kombinationen, der konzertierende Gastorganist nutzt das 10er-System und nur der Hausorganist steigt in die Tiefen des Vario-Setzers ein. Ich könnte damit leben. Was mir gefällt, ist die Möglichkeit, die Container mit Namen zu versehen und so eine Setzerbibliothek einzurichten.
Über das Touchdings kann man noch ganz viele andere Funktionen einstellen:
- Die Tastenfessel kann additiv oder auslösend funktionieren.
- Es lassen sich völlig beliebige Koppeln einrichten, Tastaturteilungen, Transponierungen.
- Verschiedene Zuordnungen der Schwelltritte sind programmierbar, natürlich auch Crescendi über Tritt oder Walze.
Alles kann den Setzerkombinationen zugeordnet werden, muss also nicht global eingestellt werden.
Da die Orgel über Einzeltonladen verfügt, kann man diese Register auch speziell einzelnen Manualen zuordnen, man kann also Register aus EINEM Werk auf verschiedenen Manualen spielen und so z. B. die Oboe mit der Streicherschwebung begleiten.
Solche Spielereien laufen nur über dem Touchding. Das ist ein Punkt, der mir nicht so gut gefällt: Man sieht am Spieltisch nicht mehr, was klingen wird. Ich gehe eigentlich lieber nach der Maxime, dass ich immer beim Blick auf die Wippen sehen kann, was die Orgel machen wird. Der zwangweise Blick auf das Touchding ist meine Sache nicht.
Interessant gelöst hat man das ein paar Meter weiter beim mobilen Spieltisch in der Augustinerkirche. Hier gibt es frei belegbare Taster (F1 bis F10) mit einem Display, das anzeigt, was mit dem jeweiligen Taster ausgelöst wird:
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Dieses System von Sinua bietet ähnliche Möglichkeiten. Es wird jedoch über einen ziemlich kleinen Bildschirm angewählt, dessen Menüführung man lernen muss. Auch hier wird man bei vielen gleichzeitig ausgewählten Funktionen (Pedalteilung, Sonderkoppeln, Transponierung) die Übersicht verlieren, was gerade alles eingeschaltet ist. Immerhin läuft der eigentliche Setzer hier noch ganz klassisch A-H und 1-8, das Ganze in unbegrenzt hoher Zahl. Die Kunst ist hier, seine Setzerkombinationen wiederzufinden.
![[image]](images/uploaded/201907041630365d1e29ac3ebab.jpg)
Noch ein Wort zur Vleugels-Orgel. Ich konnte sie nur vom Spieltisch aus hören, der neben dem Schwellwerk stand. Auf der gegenüberliegenden Empore steht das schwellbare Positiv, auf der Westempore HW, Solo und Pedal. Ein Teil des HW/Solos ist ebenfalls schwellbar.
Man kann den Wippen nicht immer ansehen, welche Register nur Oktavauszüge von anderen Registern bedeuten, manchmal finde ich da keine Ähnlichkeiten. Obwohl der Spieltisch fast 100 Wippen aufweist, besitzt die Orgel selbst nur etwa 30 eigenständige Register. Es gibt vier Zungenstimmen, leider keine Trompete in einem Schweller. Die Oboe ist sehr stark aufgedreht, um ein ähnlichen Effekt zu machen. Sehr schön klingt die Klarinette, Photo:
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Die Trompetenreihe 32'-16'-8'-4' ist sehr laut und eher solistisch zu gebrauchen. Gegen das Mixturplenum kann man nicht klassisch die Posaune ziehen. Aber barocke Musik ist sowieso weniger auf dem Schirm. Man kann sehr schön improvisieren, die Streicher klingen wunderbar, zwei Schwebungen. Mich persönlich hat das Konzept der vielen Oktavauszüge nicht überzeugt, es klingt dadurch vieles sehr ähnlich. Oktavkoppeln machen dann auch nur noch wenig Effekt, wenn das Register sowieso schon in sich ein Auszug ist.
Der Praestant 16' ist im Manual zu dick, weil er eigentlich das Pedalregister sein soll.
Im Spieltisch gibt es noch "dynamische Koppeln". Wenn man fester auf die Taste drückt, wird eine weitere Koppel aktiviert, so kann man zum Beispiel eine Melodie verstärken. Mir ist das zu stressig. Wenn ich den Kollegen richtig verstanden habe, benutzt das niemand.
Fazit: Man hat viel Orgel haben wollen und ganz viele Möglichkeiten (drei Schwellkästen!). Für ein abschließendes Urteil müsste man sie ein paar Mal von unten hören. Ich könnte mir vorstellen, dass ich dort als Organist nicht glücklich wäre, wenn ich jeden Sonntag spielen müsste. Eine klassische mechanische Orgel mit 30 echten Registern würde mich langfristig eher befriedigen.
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Danke für eine umfassende Betrachtung!
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Faszinierender Bericht, den zu schreiben muß ja schon fast soviel Arbeit gewesen sein, wie sich in das System einzuarbeiten. Zu letzterem: der Wahnsinn. Organisten der Zukunft (sollte es dann noch welche geben) werden vermutlich am Flugsimulator geschult.
Im Ernst: die Frage, Lohnt es sich, für diesen "Zauber" viel Geld auszugeben, wird auch hier im Forum sicher unterschiedlich beantwortet, aber für mich heißt die Antwort, ganz klar nein. Ich will doch nur spielen. Und auch wenn das alles seinen minimalen Grenznutzen irgendwo sicher noch hat: gute Musik, gut gespielt, braucht das nicht, oder wenn irgendwelche Musik das braucht, brauche ich sie nicht.
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Nachgedanke: wird man in 20 Jahren über die verwendete Computertechnik so lachen wie wir heute über Floppy Disks? Was ist die Halbwertzeit dieser Investition?
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
das mit Sicherheit. In 20 Jahren gibt es dann eine KI, die weiß, welche Register du beim nächsten Tastenanschlag gerne hättest ;)
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Ich denke, es wird eine direkte Gedankensteuerung über eine Schnittstelle zwischen Gehirn und Maschine geben. Schöne neue Welt !?
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Nachgedanke: wird man in 20 Jahren über die verwendete Computertechnik so lachen wie wir heute über Floppy Disks? Was ist die Halbwertzeit dieser Investition?
Wenn es funktioniert, muss man nicht lachen - der Würzburger Lochkartensetzer im Dom war recht lange in Gebrauch.
Gerne verweise ich auf die Schleifenzugmotoren von 1983 hier, die problemlos arbeiten, obwohl gerne auf Magnete getauscht wird und die Herstellung und Wartung aufgegeben wurde.
Aber ich unterstütze nachdrücklich, dass die Bedienung einfach sein muss und inspirieren, Spaß machen.
Ich war gestern in Berlins größtem Musikinstrumentenhaus und habe mich durch diverse Keyboards und Synthis gedrückt. Auch da ist die Bandbreite zu erleben von Sachen, dei eigentlich gut sind, aber nicht spontan gefunden werden oder gute Klänge, die sich aber "schlecht anfassen" (und umgekehrt natürlich noch mehr...)
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Nachgedanke: wird man in 20 Jahren über die verwendete Computertechnik so lachen wie wir heute über Floppy Disks? Was ist die Halbwertzeit dieser Investition?
Wenn es funktioniert, muss man nicht lachen - der Würzburger Lochkartensetzer im Dom war recht lange in Gebrauch.Gerne verweise ich auf die Schleifenzugmotoren von 1983 hier, die problemlos arbeiten, obwohl gerne auf Magnete getauscht wird und die Herstellung und Wartung aufgegeben wurde.
Aber ich unterstütze nachdrücklich, dass die Bedienung einfach sein muss und inspirieren, Spaß machen.
Hier gibt es den ACC-1859 Setzer, der seit 160 Jahren ununterbrochen im Einatz ist. Über seine Haltbarkeit habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Da auch die jüngeren Modelle wie der ACC-1862, ACC-1877 und ACC-1887 sehr ähnlich funktionieren, findet sich jeder Organist ohne grosse Einweisung zurecht. Schade, dass der ACC-1854 nicht weiter gebaut wurde. Dieser konnte den Bass und Diskant getrennt schalten. Zudem gab es oberhalb einen Tritt, der beide betätigte. Gerade kleinere Instrumente mit 10 und 12 Registern liessen sich da sportlich erweitern.
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Ich denke, es wird eine direkte Gedankensteuerung über eine Schnittstelle zwischen Gehirn und Maschine geben. Schöne neue Welt !?
Das setzt aber ein Hirn voraus.
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Das ist für mich eine ganz andere Welt. Im Herbst treffe ich den Ansgar Wallenhorst. Ein genialer Musiker. Seine Orgel in Ratingen scheint vom Ursprung her betrachtet ja nicht ein Trauminstrument gewesen zu sein. Erst die geschickten Erweiterungen und Gadgets haben dieses Instrument zu dem gemacht was es heute ist. Auf den YT Videos mit ihm, kommt man ja nicht aus dem Staunen heraus. Das muss ich mir unbedingt einmal antun. Mich stört nur immer die Kurzlebigkeit dieser Substanzen. Das ist bei unser momentanen Lage, Klima usw... auch eine Art Lebensphilosophie. Daher bin ich eher ein Minimalist, der mit wenig möglichst viel erreichen will. Das verfolgt mich 24 Stunden am Tag.
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Ansgar Wallenhorst hat aber auch einen sehr orgelbegeisterten Pfarrer hinter sich ;)
Dank - und Frage
Guten Tag!
Vielen Dank für diese ausführliche Betrachtung - ich glaube (und ich bin nun wirklich nicht wenig technikaffin), ich würde da schimpfend hinwerfen. Eine klare, einfache vorgegebene Strukturierung, ausreichend vorhandene Kombinationen: der Rest ist dann Selbstorganisation.
Zur Frage: gab es in diesem Kontext denn auch Gelegenheit, einen Rieger-Setzer im Vergleich auszuprobieren, und wenn ja, wie sind da Meinungen und Erfahrungen?
Viele Grüße
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Ich habe Ansgar Wallenhorst vor 14 Tagen an der neuen Winterhalter-Orgel in Bad Godesberg hören DÜRFEN ! Ich war , wie auch die anderen Zuhörer , begeistert wie er mit dem Instrument umgegangen ist und , was er aus dieser Klangfülle ( mit mir unbekannter Setzeranlage ) gemacht hat. Viel Freude im Herbst !
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Ich denke, es wird eine direkte Gedankensteuerung über eine Schnittstelle zwischen Gehirn und Maschine geben. Schöne neue Welt !?
Das setzt aber ein Hirn voraus.
Hirn braucht man doch auf jeden Fall zum Orgelspielen. Diese Voraussetzung sollte also erfüllt sein.
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Das ist für mich eine ganz andere Welt. Im Herbst treffe ich den Ansgar Wallenhorst. Ein genialer Musiker. Seine Orgel in Ratingen scheint vom Ursprung her betrachtet ja nicht ein Trauminstrument gewesen zu sein. Erst die geschickten Erweiterungen und Gadgets haben dieses Instrument zu dem gemacht was es heute ist. Auf den YT Videos mit ihm, kommt man ja nicht aus dem Staunen heraus. Das muss ich mir unbedingt einmal antun. Mich stört nur immer die Kurzlebigkeit dieser Substanzen. Das ist bei unser momentanen Lage, Klima usw... auch eine Art Lebensphilosophie. Daher bin ich eher ein Minimalist, der mit wenig möglichst viel erreichen will. Das verfolgt mich 24 Stunden am Tag.
Das Thema Nachhaltigkeit wire auch in der Orgelszene zunehmend Raum greifen.
Zur Bedienbarkeit noch mal: Es wäre einefach konsequent, eben viel Geld auch in das HUI zu investieren. Neudeutsch "Human User Interface", also das, wo Mensch auf Maschine trifft.
Beim zuvor erwähnten Probespielen diverser elektron. Instrumente war es, wie auch auf Weckern, Smartphones, Waschmaschinen etc. immer dann besonders ärgerlich, wenn man einen Schalter (oder ein vergleichbares Etwas) durch einen anderen oder durch längeres Drücken oder.... mit einer weiteren oder gar vielen Funktionen versehen muss, die man gerne separat fassbar gehabt hätte. Auch wird man manchmal um den Einbau eines seltener gekauften (Touchscreen)Displays, für dessen BEschaffung man vielleicht sehr lange recherchieeren muss, nicht herumkommen, selbst eine Maßfertigung sollte nicht völlig ausgeschlosen werden. Wir lassen doch sonst auch so vieles als Unikat einbauen.
Bei einer an sich hochwertigen Orgel (bei anderen ist es eh Wurscht) quasi die Benutzeroberfläche eines 1-Euro-Funkweckers zu verarbeiten (OK, sagen wir 5 Euro), sollte einfach tabu sein.
Dank - und Frage
Vielen Dank für diese ausführliche Betrachtung - ich glaube (und ich bin nun wirklich nicht wenig technikaffin), ich würde da schimpfend hinwerfen. Eine klare, einfache vorgegebene Strukturierung, ausreichend vorhandene Kombinationen: der Rest ist dann Selbstorganisation.
Zur Frage: gab es in diesem Kontext denn auch Gelegenheit, einen Rieger-Setzer im Vergleich auszuprobieren, und wenn ja, wie sind da Meinungen und Erfahrungen?
Wenn das System die "Selbstorganisation" unterstützt, indem man den Setzergruppen Namen (etwa Komponisten oder Hefttitel) geben kann, ist das aus meiner Sicht der entscheidende Punkt. Bei 10.000 Setzerkombinationen blickt man schnell nicht mehr durch. Vor allem, wenn man irgendwo eine Kombination einfügt und dann verschiebt sich der Rest! Nein, das ist bei dem Vario-Setzer schon ganz gut durchdacht. Ich habe den Eindruck, hier hat jemand eher "zu viel" gedacht und das Ganze überfrachtet. Sollte ich das System bekommen, werde ich damit leben müssen, es nur zu einem gewissen Prozentsatz tatsächlich zu nutzen. Aber das tun wir Menschen mit unserem Gehirn angeblich auch...
Nein, das Rieger-System kenne ich überhaupt nicht. Wir haben Rieger auch nicht in der Ausschreibung und könnten ihn wahrscheinlich auch nicht bezahlen.
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
... vor allem wenn man nachträglich ein Register ändern will. Man kann dann nicht einfach auf den Zahlenknopf drücken. Ich habe mir beholfen, indem ich dann < und > gleichzeitig gedrückt habe, das hat funktioniert.
Das macht man mit S+M.
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Die M-Taste:
Der Variosetzer stellt neben Sequenzer vor und Sequenzer zurück auch die Auf-der-Stelle-Funktion zur Verfügung, eben über die M-Taste. Alles, was auf der Stelle geschehen soll und nicht davor und nicht dahinter, wird mit der M-Taste erledigt. also auch das Ändern eines Registers. Der Organist muss nicht erst nachsehen, welche Endziffer die Kombi hat, dann über die zugehörige Buchstabentaste setzen, er setzt einfach über M.
Ich fühlte mich beim Gebrauch von klassischen Setzern bei Inserts mit den Zifferntasten immer aufgeschmissen, oder ich habe es bisher nicht mitbekommen, über welche Zifferntaste man im klassischen Setzer die Kombi 2b überschreiben kann.
Ich empfand die Inserts in klassischen Setzern als geschichtlich später hinzugekommenes Feature, das im ursprünglichen Bedienkonzept nicht berücksichtigt ist.
Deshalb habe ich im Variosetzer neben "Vorwärts" und "Rückwärts" auch "Auf der Stelle".
Im Variosetzer überschreibt man Inserts gleichfalls mit S+M.
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Vielen Dank, das wusste ich nicht. Es ist natürlich immer etwas problematisch, wenn man solche Dinge nicht intuitiv richtig macht. Dass "M" auf der Stelle bedeutet, muss man lernen, das erschließt sich nicht automatisch.
(Es tut mit leid, aber bei "S+M" hatte ich gerade eine ganz andere Assoziation, wobei sie in diesem Zusammenhang vielleicht gar nicht sooooo weit hergeholt ist.)
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
Das dicke Handbuch (Gebrauchsanweisung) zum Setzer habe ich nicht gelesen.
Da Laukhuff inzwischen die Anleitungen respektive den Kurzanleitungen herausgegeben hat, bin ich so frei, die Kurzanleitungen, so wie ich sie den Organisten zur Verfügung stelle, hier als Link anzugeben:
http://custodinos.com/vario-setzer/
LG, Reginhard
Laukhuffs Vario-Setzer erlebt (Würzburg, Peterskirche)
(Das mit der Assoziation ist mir beim Schreiben auch durch den Kopf gegangen. *g*)
Vorher war an dieser Stelle ein Symbol, eine Art Gefäß, in das von oben ein Pfeil hineinzeigt.
Aber dann hieß es, abstrakte Symbole könnten die Organisten verwirren,
weshalb es durch M wie Memory ersetzt wurde.
In Würzburg ist es noch das Symbol, glaube ich.
Rieger (war: Vario-Setzer)
Zur Frage: gab es in diesem Kontext denn auch Gelegenheit, einen Rieger-Setzer im Vergleich auszuprobieren, und wenn ja, wie sind da Meinungen und Erfahrungen?
Gestern erhielt ich von Herrn Eberle (Fa. Rieger) die Auskunft, man habe einen komplett neuen Setzer entwickelt, der nun erstmals im Wiener Stefansdom eingebaut werde.
Ich hatte angefragt, ob die Fa. Rieger ihr gutes System auch anderen Orgelbauern zur Verfügung stelle. Früher habe man das gemacht, derzeit aber nicht mehr.