Skinner-Orgel Ingelheim - gehört und gespielt
Jetzt hatte ich endlich Gelegenheit, die Skinner-Orgel zu besichtigen, zu hören und zu spielen. Vieles, was im Vorfeld befüchtet worden ist, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet! Das Problem beginnt damit, dass kaum jemand die amerikanische Orgel in USA noch erlebt hat. Diese Orgeln sind einfach nicht laut. Die schiere Registerzahl ließ hier manchen befürchten, dass das Kirchendach wegfliegen müsse, aber keineswegs! Die besonderen Qualitäten der Orgel liegen im leisen Bereich, herrliche Streicher und Flöten, wunderbare Solozungen, die man hier einfach noch nie live hören konnte. Außer einem kleinen Teil des Great und den wenigen echten Pedalregistern sind alle Pfeifen in Schwellkästen untergebracht.
Die Grundidee war, soweit wie möglich nur originale Skinner-Register zu benutzen und eine Disposition zu erstellen, die über das ursprüngliche Instrument zwar hinausgeht, aber sich an überlieferten Skinner-Konzepten orientiert. Obwohl das Material also aus verschiedenen Instrumenten besteht, ist das Ergebnis erstaunlich homogen und schlicht überwältigend. Schon jetzt besitzt die Orgel sechs (unterschiedlich klingende) Schwebungen, herrlich!
Die zweite Idee war, alle Laden etc. zu übernehmen bzw. originalgetreu neu zu bauen, was amerikanische Spezialisten übernommen haben. Sogar die Schwelltüren sind übernommen worden!
Und schließlich war es der Wunsch der Beteiligten, die Intonation auf ganz wenige Punkte zu beschränken, also möglichst viel "Original-Sound" beizubehalten. Es ist also keineswegs eine Klais-Orgel geworden, weder technisch noch klanglich, sondern eine weitgehend originale Skinner-Orgel, nur dass es eben nicht EINE Skinner-Orgel war, sondern nun eine zusammengestellte. Allerdings war der größte Teil des Materials durchaus aus EINER Orgel. Der Spieltisch musste leider neu gebaut werden, weil der bestehende nicht übernommen werden konnte.
Klanglich ist die Orgel schon jetzt phantastisch, obwohl noch nicht alle Pfeifen in der Hauptorgel klingen. Das Antiphonal-Werk wird in einem Gehäuse ohne Prospektpfeifen unterhalb der neuen Empore für die wieder ins Querhaus zurückgesetzte Dreymann-Orgel untergebracht werden.
Der neue fahrbare Spieltisch ist amerikanisch und bietet alle notwenigen Features. Die Traktur ist erstaunlich präzise. Das Instrument klingt selbst im Tutti mit Oktavkoppeln nicht brutal-laut, sondern rund und sonor. Ich sage mal böse: Jede original klingende Stumm-Orgel ist lauter. Die Lautstärke reduziert sich sehr schnell, schon in der Vierung sind die leisesten Register bei geschlossenen Schwelltüren kaum noch zu hören. Hier ist kein "Orgel-Monster" entstanden, sondern eine extrem differenzierte "Farb-Orgel" mit unerschöpflichen Schattierungen im piano-Bereich. Toll sind auch die drei Effektregister Harp, Celesta und Chimes.
Man sollte jetzt noch ein wenig warten, bis die 32'-Zunge, der Prospekt, die Aliquoten im Choir und die Register im schwellbaren Teil des Great klingen, dann wird sich die Hauptorgel komplett präsentieren. Das Antiphonal kommt erst, wenn genug Geld vorhanden ist. Man wird dieses Werk nicht nur für hübsche Effekte nutzen, sondern vor allem zur Begleitung der großen Chöre an der Saalkirche, die nicht auf der Empore Platz finden, sondern von vorne singen. Da ist ein schwellbares Begleitwerk schon sehr sinnvoll.
Ich finde das Projekt sehr gut, es gibt nicht viele Gemeinden in Deutschland, die eine solche finanzielle Potenz aufweisen können (Herr Böhringer gehört zur Gemeinde). Es ist für das an Orgeln reiche Rhein-Main-Gebiet eine hervorragende Bereicherung. Ich hatte gerade zuvor an der großen Walcker-Orgel von 1912 in der Wiesbadener Lutherkirche gespielt, da ist ein schöner Vergleich z. B. der Grundstimmen und Zungen möglich. Und da wir im nahen Mainz gerade eine neue Klais-Orgel bekommen haben, brauchte es in Ingelheim nicht auch eine "echte" Klais-Orgel.
Es war übrigens eine gute Entscheidung, diese Firma zu nehmen, die sich mit viel Engagement in die amerikanische Welt des Orgelbaus einlassen konnte und niemals versuchte, nach dem Motto "wir können das aber besser" Laden umzubauen oder Pfeifen zu verändern. Die konnten sich schön auf diesen ganz anderen Typ einlassen, das finde ich faszinierend. Da merkt man eine gewisse Erfahrung mit Restaurierungen aus verschiedenen Epochen. Und man hat ganz uneitel amerikanische Spezialisten nach Bonn geholt.
Also: Kommt her, hört und schaut (man kann da toll durch das Gehäuse laufen, ist alles sehr großzügig angeordnet) und spielt! Kollege Carsten Lenz ist sehr nett und stellt "sein" Instrument sehr gerne vor. Er war es auch, der durch langjährige Verbindungen und Konzerterfahrungen in Amerika den Kontakt dorthin herstellen konnte. Und er weiß einfach, wie die Pfeifen klingen müssen. Übrigens musste man die Amerikaner erst überzeugen, dass wir hier wirklich gut mit dem Material umgehen werden, bis man uns die Teile überließ! Die wissen ihre Skinner-Orgeln auch zu schätzen.
Ich wünsche ein gutes neues Jahr!
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- Skinner-Orgel Ingelheim -
friedemannw,
15.12.2013, 23:50
- Skinner-Orgel Ingelheim - tombecher, 16.12.2013, 00:49
- Skinner-Orgel Ingelheim - Friedrich, 16.12.2013, 08:35
- Skinner-Orgel Ingelheim -
Friedrich,
16.12.2013, 08:48
- Skinner-Orgel Ingelheim - MAT, 16.12.2013, 09:56
- Skinner-Orgel Ingelheim - friedemannw, 16.12.2013, 11:35
- Skinner-Orgel Ingelheim - stein, 16.12.2013, 10:23
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Solcena,
16.12.2013, 12:33
- Skinner-Orgel Ingelheim -
Dorforganist,
16.12.2013, 12:57
- Skinner-Orgel Ingelheim - kjz1, 16.12.2013, 16:36
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friedemannw,
16.12.2013, 18:42
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Solcena,
16.12.2013, 18:57
- Skinner-Orgel Ingelheim - Friedrich, 16.12.2013, 19:14
- Skinner-Orgel Ingelheim -
Solcena,
16.12.2013, 18:57
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Dorforganist,
16.12.2013, 12:57
- Skinner-Orgel Ingelheim -
Friedrich,
16.12.2013, 18:09
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friedemannw,
16.12.2013, 18:54
- Skinner-Orgel Ingelheim -
Tastenhalter,
16.12.2013, 22:25
- Skinner-Orgel Ingelheim - friedemannw, 17.12.2013, 22:02
- Skinner-Orgel Ingelheim -
Tastenhalter,
16.12.2013, 22:25
- Skinner-Orgel Ingelheim -
friedemannw,
16.12.2013, 18:54
- Skinner-Orgel Ingelheim - gehört und gespielt -
Orlos,
01.01.2014, 13:23
- Skinner-Orgel Ingelheim - gehört und gespielt - stein, 01.01.2014, 13:56