Orgelweihe in St. Elisabeth

B80C @, Mittwoch, 19. November 2014, 00:23 (vor 4350 Tagen) @ ThomasMP

Hier mal das Programm:

Der Reger allein war schon ein grandioser Einstieg, sehr erhebend! Die Orgel hat durch das umgebaute Schwellwerk unheimlich an romantischer Farbe gewonnen und die Registrierungen waren immer passend, aber doch auch erfrischend neu (relativ am Anfang der Fuge z.B. hatte Hr. Lohmann einen 1' anstelle der Zunge registriert). Mit der neuen Trompete 8' im HW, die die 1969 bloß nach innen versetzte Horizontaltrompete ersetzt hat, gewinnt das Tutti deutlich dazu. Und auch die Horizontalen 16' und 4' scheint man etwas zurückgenommen zu haben, sie passen lautstärkemäßig viel besser zum Rest der Orgel.

In der Froberger-Fantasie kamen dann ein wenig die italienischen Farben zum Vorschein (soweit ich da beurteilen kann). Neuentdeckung des Abends war jedoch die Passacaglia des mir völlig unbekannten Günter Raphael: Ein wunderbar farbiges Werk, in dem gerade die kurzbecherigen Zungen im BW und RP sowie das, was im Laufe der Jahre von den Aliquoten noch übrig geblieben ist, wunderbar zur Geltung kamen. Hat gewiss an die 15 Minuten gedauert, aber war zu keiner Sekunde langweilig.

Vom Tunder ist mir wenig in Erinnerung geblieben, der Bach war jedoch wieder sehr souverän gespielt und klar registriert. Das Stück war auch als Vorbereitung auf Duruflé gedacht, der dann noch einmal die unglaubliche Vielseitigkeit und Dynamik der überholten Orgel demonstrierte. In den Reden zu Konzertbeginn wurde erwähnt, dass erst die Sanierung die Aufführung solcher Werke ermöglicht hat. Und das stimmt, zusammen mit der Akustik von St. Elisabeth entsteht nun ein einzigartiges Hörerlebnis. Ich habe jede Sekunde des Konzerts genossen, die Anreise nach Stuttgart hat sich definitiv gelohnt!! Das Konzert war übrigens gut besucht, wenngleich einige Zuhörer mittendrin abgehauen sind. Die Zugabe habe ich leider nicht mehr mitbekommen, da die Bahn auf abendliche Konzerttermine keine Rücksicht nehmen kann.

Äußerst positiv überrascht war ich übrigens von der Wertschätzung, die die Riegerschen Arbeiten aus dem Jahre 1957 erfahren haben. Der Spieltisch wurde nur sehr behutsam überarbeitet, die neuen Koppeln zum elektrischen SW wurden allesamt neben den großen schwarzen Koppeltastern über dem IV. Manual ergänzt. Die Registerzüge sind soweit unverändert und auch der Setzer wurde zurückhaltend integriert. Es gibt ein kleines Display über den Manualen, die restlichen Taster sind wie gehabt links und rechts der Klaviaturen angeordnet. Es ist einfach ein schönes Gefühl, dass das das Werk von vor über 50 Jahren auch in der heutigen Zeit noch Bestand hat. Hier hat man das Glück, dass eine bedeutende Orgel der 50er Jahre mit relativ geringen Anpassungen überlebt hat und nun für die nächsten Jahrzehnte fit gemacht wurde. Und ich habe den Eindruck, dass die Gemeinde dies zu schätzen weiß und sich deshalb auch besonders engagiert hat!


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