leicht OT: Neues Chorbuch zum GL

Axel, Samstag, 18. Januar 2014, 09:51 (vor 4605 Tagen)

Liebe Kollegen,

hat das schon jemand angeschaut? Grundsätzlich finde ich ja die Idee dieses Kombi-Chorbuches prima. Allerdings habe ich gestern mal durchgeschaut und finde, das geht größtenteils gar nicht.

Wir finden ohne Mühe alles das, was im Tonsatz aus gutem Grund verboten ist. Übermäßige Schritte, verdeckte Parallelen, offene Parallelen, frei eintretende Dissonanzen, falsch aufgelöste Septimen. Ein Horrorkabinett, teilweise so grausam, dass man sich fragt, ob jetzt der letzte Rest den Gottesdienst fluchtartig verlassen soll. Ähnliches gilt für viele der freudlosen Orgelintonationen.

Man verstehe mich nicht falsch, das 20. Jh. ist nicht an mir vorbeigegangen. Wie man mit Quintparallelen schöne Sätze schreibt, kann man bei Distler, Schroeder u.a. nachschauen. Aber dort klingt es und ist klar erkennbar Kompositionsprinzip. Im genannten Chorbuch ist viel dabei, was gewollt und leider nicht gekonnt klingt.

Ebenfalls unbefriedigend ist oft die Lage der Sätze in Gemeindetonart. Das ist viel zu tief, um noch gut zu klingen. Wenn es schon die Tonart sein soll, müsste man einen Überchor schreiben. Leider ist das nur an wenigen Stellen realisiert. Gelungen z.B. bei "Menschen, die ihr wart verloren".

Frage in die Runde: Werde ich einfach alt, habe den Anschluss verpasst und muss so langsam ins betreute Wohnen, oder wart Ihr auch wenig begeistert?

Schöne Grüße
Axel

leicht OT: Neues Chorbuch zum GL

Karsten @, Samstag, 18. Januar 2014, 10:42 (vor 4605 Tagen) @ Axel

Hallo!

Ich kann dazu satzmäßig nichts fachliches beitragen.
Aber wenn es wirklich so schlimm sein sollte, macht man das in anderen Bereichen so: An den Internet-Pranger damit!
Rotstift raus und Fehler anstreichen, einscannen und online Stellen. Geht leider aus Copyrightgründen nicht. Eine Fehlerliste online wäre wohl sicherer, aber sehr aufwändig. Und dann kämen die Betroffenen gleich mit 'ner Unterlassungsklage etc... Wenn man so mitbekommt, wie harsch manche in der Musikszene auf (berechtigte) kritische Rezensionen reagieren...

Gruß
Karsten

leicht OT: Neues Chorbuch zum GL

Wolfgang Gourgé @, Samstag, 18. Januar 2014, 14:17 (vor 4604 Tagen) @ Karsten

Hallo!

Ich kann dazu satzmäßig nichts fachliches beitragen.
Aber wenn es wirklich so schlimm sein sollte, macht man das in anderen Bereichen so: An den Internet-Pranger damit!
Rotstift raus und Fehler anstreichen, einscannen und online Stellen. Geht leider aus Copyrightgründen nicht. Eine Fehlerliste online wäre wohl sicherer, aber sehr aufwändig. Und dann kämen die Betroffenen gleich mit 'ner Unterlassungsklage etc... Wenn man so mitbekommt, wie harsch manche in der Musikszene auf (berechtigte) kritische Rezensionen reagieren...

Gruß
Karsten

....Unterlassungsklagen wären wenig erfolgversprechend: die Schwelle zur justiziablen Schmähkritik liegt hoch. Alles, was an "Verriß" darunter liegt, fällt unter die Meinungs- und Kunstfreiheit.

Im übrigen: diejenigen, die die Kritik am nötigsten haben, vertragen sie meist am schlechtesten.....

Gruß
Wolfgang
(der seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt sieht...)

leicht OT: Neues Chorbuch zum GL

mh @, Samstag, 18. Januar 2014, 11:31 (vor 4605 Tagen) @ Axel

Hallo zusammen,

allgemeine Begeisterung löste das Chorbuch bei mir auch nicht aus.
Neben der tiefen Lage (v.a. bei vielen Kinderchorsätzen!) finde ich die teils sehr kleingliedrige Harmonisierung für ein flüssiges Liedtempo sehr hinderlich.

Ich sehe ansosnten vor allem praktische Probleme:
Der SATB-Band enthält mehrheitlich normale Liedsätze mit c.f. im Sopran (Ausnahmen z.B. 411 "Erde, singe"). Teilweise recht schöne Überstimmen sind dann im Kinderchorband, Frauenchor ist dann wieder extra.
Für eine Liedkantate (z.B. Gemeinde - SATB- Gemeinde - SSA - Gemeinde - Gemeinde mit Überstimme) bräuchte ich also mehr oder minder gleichzeitig 3 Bücher, um ein ermüdendes Gemeinde - SATB - Gemeinde ... zu vermeiden!

Daher werde ich nach gründlicher Prüfung den ein oder anderen Satz als Einzelausgabe ordern. Carus ist da in der Regel sehr flexibel.

Grüße
MH

leicht OT: Neues Chorbuch zum GL

zehnzweidrittel @, Samstag, 18. Januar 2014, 14:51 (vor 4604 Tagen) @ mh

Ich habe das Chorbuch auch angeschafft und bisher nur GL 193 durchgesehen / durchgespielt.

Da hat mich die Lust verlassen, weil

- bisher wenig wirklich Begeisterndes gesehen
- viel Handwerk, wenig Kunst
- einige Sätze, deren Klanglichkeit und Harmonie sich mir trotz deutlichem Hang zur Moderne überhaupt nicht erschließt.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Sammlung in Chorstärke den Weg nach NEW finden wird. Aber vielleicht wird es nach GL 193 noch viel besser ...


Viele Grüße

zehnzweidrittel

Neues Chorbuch zum GL

perotin, Samstag, 18. Januar 2014, 17:40 (vor 4604 Tagen) @ Axel
bearbeitet von perotin, Samstag, 18. Januar 2014, 19:38

Hallo Axel,

man kann online reinschauen, was ich gerade getan habe. Du hast leider Recht. Da gibt es Sachen, bei denen ich nicht mehr weiß, ob ich lachen oder weinen soll.

Da ich keinen Chor leite, bleiben mir weitere Überlegungen zu diesem Opus bzw. dessen Anschaffung erspart...

Allen trotzdem einen schönen Sonntag!

perotin

Neues Chorbuch zum GL

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 19. Januar 2014, 18:20 (vor 4603 Tagen) @ perotin

Findet Ihr 202 und 426 auch so schlecht?

Ich fand die Konzeptidee dieses Buches an sich nicht daneben...

Neues Chorbuch zum GL

Axel, Sonntag, 19. Januar 2014, 20:50 (vor 4603 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Gibt es dazu Sätze? Hab gerade mit einem Kollegen telefoniert, der meinte, die stehen gar nicht drin?! Von Dir? Ich meine, Deinen Namen gelesen zu haben. Und nein, die Sätze waren prima.


Um mal einige konkrete Beispiele zu nennen, die mir nicht gefallen haben:

Der Satz zu "Nun danket alle Gott" besteht nur aus Parallelen. Die Orgelbegleitung soll wohl an Jazz erinnern. Man kann das sehr kreativ finden, ich finde, es klingt nicht.

Die gewollte Harmonisierung von "O, Jesu, all mein Leben" kann man auch originell finden. Mir erscheint sie befremdlich und ich vermute, es ist für den Chor schlecht zu intonieren.

Im Satz zu "Wir sind nur Gast" (ich hoffe, meine Erinnerung stimmt, ich habe das Buch selbst nicht und werde es auch nicht kaufen) mutet Vieles recht traditionell an, in der Mitte gibt es aber Quinten zwischen B und T. Ähnliche Stellen gibt es auch in anderen Sätzen. Bitte, nichts gegen Quinten als Stilmittel, aber der Kontext ist in diesem Buch oft fragwürdig. Das klangliche Ergebnis leider auch.

Die Idee ist sicher gut, aber für mich hapert es in ungefähr 50% der Fälle an der handwerklichen Ausführung. Und bei handwerklich anständig reden wir von Kunsthandwerk und noch nicht zwingend von Kunst. Es gibt auch schöne Sätze, keine Frage. Aber im Schnitt finde ich das für so ein stark beworbenes Monumentalopus schon dünn.

Ich frage mich, ob ich einfach den Schuss nicht gehört habe, und man das inzwischen so macht, im Tonsatzunterricht, in Impro usw.

Oder haben wir im postbohlianischen Deutschland inzwischen durch Gitarrenquinten eine derartig verschobene Wahrnehmung, dass solides Handwerk, das über Jahrhunderte hochgehalten wurde nichts mehr zählt? Wenn sich jeder vor einem Millionenpublikum ist irgendeinem Scheiß präsentieren darf, sollte einen nicht mehr viel wundern. Dann muss man aber auch akzeptieren, dass die Kritik ähnlich vernichtend ausfällt wie bei Dieter. Ob das einen Fortschritt in Sachen Umgangsformen darstellt, sei dahingestellt.

Schöne Grüße
Axel

Neues Chorbuch zum GL

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 19. Januar 2014, 22:15 (vor 4603 Tagen) @ Axel

Gibt es dazu Sätze? Hab gerade mit einem Kollegen telefoniert, der meinte, die stehen gar nicht drin?! Von Dir? Ich meine, Deinen Namen gelesen zu haben. Und nein, die Sätze waren prima.

Stimmt, die Nummern sind jetzt 199 und 417. Unter den vorher genannten Nummern hatte ich die Sätze auf der Festplatte, anscheinden sind die Nummern in der Zwischenzeit noch mal geändert worden...??

leicht OT: Neues Chorbuch zum GL

Willscher, Sonntag, 19. Januar 2014, 12:52 (vor 4603 Tagen) @ Axel

Liebe Kollegen,

hat das schon jemand angeschaut? Grundsätzlich finde ich ja die Idee dieses Kombi-Chorbuches prima. Allerdings habe ich gestern mal durchgeschaut und finde, das geht größtenteils gar nicht.

Wir finden ohne Mühe alles das, was im Tonsatz aus gutem Grund verboten ist. Übermäßige Schritte, verdeckte Parallelen, offene Parallelen, frei eintretende Dissonanzen, falsch aufgelöste Septimen. Ein Horrorkabinett, teilweise so grausam, dass man sich fragt, ob jetzt der letzte Rest den Gottesdienst fluchtartig verlassen soll. Ähnliches gilt für viele der freudlosen Orgelintonationen.

Man verstehe mich nicht falsch, das 20. Jh. ist nicht an mir vorbeigegangen. Wie man mit Quintparallelen schöne Sätze schreibt, kann man bei Distler, Schroeder u.a. nachschauen. Aber dort klingt es und ist klar erkennbar Kompositionsprinzip. Im genannten Chorbuch ist viel dabei, was gewollt und leider nicht gekonnt klingt.

Ebenfalls unbefriedigend ist oft die Lage der Sätze in Gemeindetonart. Das ist viel zu tief, um noch gut zu klingen. Wenn es schon die Tonart sein soll, müsste man einen Überchor schreiben. Leider ist das nur an wenigen Stellen realisiert. Gelungen z.B. bei "Menschen, die ihr wart verloren".

Frage in die Runde: Werde ich einfach alt, habe den Anschluss verpasst und muss so langsam ins betreute Wohnen, oder wart Ihr auch wenig begeistert?

Schöne Grüße
Axel

Warte noch mit dem betreuten Wohnen. Das zieht einem ja wirklich die Schuhe aus, habe da gerade reingeschaut.
Schönen Sonntag noch.
Andreas

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