Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

Gast @, Donnerstag, 19. September 2024, 22:32 (vor 724 Tagen)

Hei Folkens!

Meine beiden Kollegen sind zur Zeit - natuerlich mal wieder gleichzeitig :-( - im Urlaub, so dass ich in Sachen Beerdigungen mal wieder in der Nachbargemeine wildern und «Neuland» entdecken darf.


Gestern war ich in einer Dorfkirche von 1967; Nachfolgerkirche einer abgebrannten historischen Kirche (mit Kirchenbraenden haben die das irgendwie hier in der Umgebung :-( ).
Orgel von Jørgensen, irgendwas um die 25/III, schwere mechanische Spiel- und el. Registertraktur. Komplett spielbar und unveraendert, technisch und musikalisch aber deutlich in Richtung «Neobarockschrott uebelster Sorte» einzuordnen. Man Kennt diesen Typus halt irgendwie und kommt damit zurecht :-)
Dennoch war irgendwas anders, und es ist mir erst auf der Rueckfahrt eingefallen: Die Orgel hatte tatsaechlich Radialpedal!!!
(Nun muss ich dazu sagen, dass ich frueher eine englische Dienstorgel hatte und zu Hause auf einer RT3 uebe, die Umstellung also gewoehnt bin - nicht verstellbare Baenke oder 32-30 Tasten sind dagegen fuer mich der Horror)


Heute ging es in eine Fialkirche der gleichen Gemeinde von 1957, Orgel vom gleichen Orgelbauer, also etwa 10 Jahre frueher.
Zweimanualige Orgel mit elektrischer Traktur wieder im Ursprungszustand, aber leider - wie das gesamte Gebaude - in sehr desolater. Verfassung.
Das was Spielbar war, war zumindest klanglich nicht schlecht, die Orgel wuerde ich eher in Richtung Orgelreform einordnen, wo man die Aliquote tatsaechlich noch auf einen romantischen Fundus gesetzt hat. In gepflegten Zustand auf jeden Fall ein voll liturgietaugliches Geraet!

Allerdings auch hier:
- Radialpedal! (Der Verschraubung nach definitiv nicht nachgeruestet)
- Manualumfang bis a3!

Die Disposition war, nach Gedaechtnis:
HW 8884442III8
SW 8884421SesqIII8
Ped 1688416
Normalkoppeln, Sub/Super II-I und II-II

Wohlgemerkt: da ist noch kein Streichern oder Unit dabei!
Im HW gibt es tatsaechlich in 8- und 4-Lage jeweils eine offene und eine gedeckte Floete. Das gleiche im SW in der 8-Lage, auch die Schwebung ist eine Floetenschwebung…

Bei kleineren Orgeln dieser Zeit findet man ja gerne mal die Pedalunitlade 16-8-4. (die nie wirklich ueberzeugt).
Diese Orgel hat dagegen noch eine 16-8 Unitlade im SW(!), einzeln registrierbar auf beiden Manualen und im Pedal.
Da steht zur Tarnung :-) zwar «Gemshorn» drauf - aber von Klang und Bauform her ist das eigentlich ein ziemlich amtlicher Streicher, irgendwo zwischen Salicional und Gambe anzusiedeln.

Ziemlich kurios das alles - ich werde das auf jeden Fall mal nachfragen/forschen. (Und wenn es tatsaechlich nur ist, das damals ein lokaler Organist/Sachverstaendiger/Geldgeber mit Affinitaet zu UK/GB beteiligt war? Hier in der Gegend wuerde ich das nicht ausschliessen).

Was mich jetzt mal interessieren wuerde: Sind euch aehnliche Beispiel auf dem «Kontinent» æææh Zentraleuropa aus dieser Zeit bekannt?


PS: Ich habe leider vergessen, Fotos zu machen :-((

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Donnerstag, 19. September 2024, 23:34 (vor 724 Tagen) @ Gast

Was ist das Anglophile daran? Die Extensionsreihe?

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

Gast @, Freitag, 20. September 2024, 00:00 (vor 724 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Was ist das Anglophile daran? Die Extensionsreihe?

Radialpedal og Manualumfang alleine habe ich so noch in keiner Orgel dieser Epoche erlebt…..
(Was aber nichts heissen muss, da nur evidenzbasiert :-) )

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

SilvanMeschke, Freitag, 20. September 2024, 11:10 (vor 723 Tagen) @ Gast

Rieger hat tatsächlich zu der Zeit auch Radialpedale (bis g1) und die Manuale ziemlich konsequent bis c4 gebaut. Siehe Neanderkirche Düsseldorf, Rieger 1965.

Rieger, war: Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

fluteceleste @, Freitag, 20. September 2024, 11:12 (vor 723 Tagen) @ SilvanMeschke
bearbeitet von fluteceleste, Freitag, 20. September 2024, 11:25

interessant, Rieger bis c4 ist mr jetzt eher von den Serienorgeln(DRP) im Gedächtnis..(@Johannes Maria ;-))

Anglophile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

3rd_astronaut, Freitag, 20. September 2024, 11:56 (vor 723 Tagen) @ Gast

Hier im Umkreis gibt es eine (evangelische) Nachkriegs-Walcker, die auch ein Radialpedal hat(te) [es wurde vor paar Jahren ersetzt bzw ein alternatives Pedal besorgt]. Ich habe das aber immer für einen besonderen Wunsch des Auftraggebers gehalten ... Wobei es auch ein katholisches Instrument von einem Walcker-SpinOff mit Radialpedal (und einem Ton mehr im Manual) in der Stadt gibt.

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

fluteceleste @, Freitag, 20. September 2024, 11:10 (vor 723 Tagen) @ Gast

Danke, ein interessantes Thema wie ich finde.

ich habe mal diesen mir bisher nicht bekannten Orgelbauer etwas näher angesehen, und es scheint doch öfter dieses Radialpedal und zT auch breitere Tonumfänge gegeben zu haben, nicht nur bei den größeren Kisten, wahrscheinlich sah das in Deinem Fall auch so ähnlich aus:
[image]
(Ullensvang, gefunden hier).

Könnte sich natürlich auch um eine Unit handeln.

Bislang sind mir im Hinblick auf die 50er und 60er nur selten Radialpedale und Tonumfänge mit mehr als g3 bzw f1 begegnet, außer bei größeren Kisten mal bis a3..

Es wäre sehr interessant, wenn Du diese Orgeln aus der Nachbarschaft nochmal genauer vorstellen könntest.

Viele Grüße,
Stefan

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

Wolfgang Gourgé @, Freitag, 20. September 2024, 11:12 (vor 723 Tagen) @ Gast

...die Jahnn/Kemper-Orgel in der Hamburger Heinrich Hertz - Schule hat auch ein Radialpedal, obwohl das zum Konzept dieser Orgel überhaupt nicht passt. Möglicherweise war man damals nicht so konsequent, wie man tat.

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

Cmcmcm1 @, Ottobrunn, Freitag, 20. September 2024, 11:48 (vor 723 Tagen) @ Wolfgang Gourgé

Gerhard Schmid (Kaufbeuren) hat ebenfalls Radialpedale in den 60ern gebaut, sonst ist an seinen Orgeln aber nichts Amerikanisches.

Hier ein Beispiel.

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

FranzS., Freitag, 20. September 2024, 11:55 (vor 723 Tagen) @ Cmcmcm1

Gerhard Schmid (Kaufbeuren) hat ebenfalls Radialpedale in den 60ern gebaut, sonst ist an seinen Orgeln aber nichts Amerikanisches.

Hier ein Beispiel.

Täusche ich mich komplett, oder hat nicht auch Walcker in den 60ern Radialpedale gebaut?

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

elias.orgel, Freitag, 20. September 2024, 12:44 (vor 723 Tagen) @ FranzS.
bearbeitet von elias.orgel, Freitag, 20. September 2024, 15:28

Täusche ich mich komplett, oder hat nicht auch Walcker in den 60ern Radialpedale gebaut?

zumindest "meine" Orgel in der Ev Kirche Oberdorstfeld . Walcker II/P 19 Op 5869 von 198x
hat ebenfalls ein RadialPedal
(nicht zu verwechseln mit der SauerOrgel aus Dorstfeld ;-)

unmöglich, dass es daran liegen könnte, dass die tatsächlich ergonomischer sind ...

--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

Orlos @, Freitag, 20. September 2024, 12:47 (vor 723 Tagen) @ FranzS.

Täusche ich mich komplett, oder hat nicht auch Walcker in den 60ern Radialpedale gebaut?

In einer Wiesbadener Vorortkirche baute Walcker noch 1977 eine extrem neobarocke Orgel mit 13 Registern - und Radialpedal. Das hat meines Erachtens überhaupt nichts mit angloamerikanischen Einflüssen zu tun. Die Idee, das Spielen angenehmer zu machen, ist nichts Schlechtes. Erst als der konsequente Nachbau (bzw. die Restaurierung) alter Orgeln in "Mode" kam, bekamen auch neue Orgeln (wieder) ein Parallelpedal.

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

hardy @, Freitag, 20. September 2024, 18:26 (vor 723 Tagen) @ Orlos

Die Walcker-Orgel in Bad Sassendorf-Lohne von 1906 wurde 1980 von Walcker elektrifiziert und erhielt einen neuen Spieltisch samt Radialpedal. Ich kam in einem Gottesdienst ohne dort vorher groß üben zu können erstaunlich gut damit zurecht. (1999 wurde die Orgel (II/18) von Stockmann wieder in die ursprünglichen Dispo gebracht, technisch blieb es bei besagtem Spieltisch. Ggfs. stelle ich sie hier mal etwas vor)

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

perotin, Freitag, 20. September 2024, 19:00 (vor 723 Tagen) @ hardy

Die Walcker-Orgel in Bad Sassendorf-Lohne von 1906 wurde 1980 von Walcker elektrifiziert und erhielt einen neuen Spieltisch samt Radialpedal. Ich kam in einem Gottesdienst ohne dort vorher groß üben zu können erstaunlich gut damit zurecht (...)

Ebenfalls 1980 erhielt die Ludwigshafener Melanchthonkirche eine neue, zweimanualige Weigle-Orgel. Als ich das Instrument vor ein paar Jahren kennenlernte, hatte es - sehr unerwartet - ein Radialpedal. Vermutlich war dieses von Anfang an vorhanden, genaueres weiß ich aber nicht.

Insgesamt hat mir die Orgel, wahrscheinlich die einzige Weigle in LU, gut gefallen. Der Raum ist akustisch leider recht trocken. Dispo siehe Wikipedia oder auch Piet Bron.

(Die "Harfpfeife" im HW ist kein säuselnder Streicher, sondern eher flötig.)

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MCVL @, Freitag, 20. September 2024, 12:09 (vor 723 Tagen) @ Cmcmcm1
bearbeitet von MCVL, Freitag, 20. September 2024, 12:12

Gerhard Schmid (Kaufbeuren) hat ebenfalls Radialpedale in den 60ern gebaut, sonst ist an seinen Orgeln aber nichts Amerikanisches.

Hier ein Beispiel.

Genau und das schon von Opus 1 an. Er war vor der Selbständigkeit auch länger in Skandinavien tätig, womöglich hat er dort die Radialpedale kennengelernt.
Auch von Zeilhuber sind mir Radialpedale spätestens ab etwa 1955 bekannt, auch elektropneumatische Kegelladenorgeln bekamen so etwas.

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MartinH, Freitag, 20. September 2024, 12:54 (vor 723 Tagen) @ MCVL

Bornefeld hat auch meist/gar immer?, bin ich jetzt überfragt Radialpedale verbauen lassen und das auch begründet, er wollte es den Leuten am Spieltisch ja in vielerlei Hinsicht einfach machen. Ich finde es unbequem und in der Gegend ungewohnt - unpassend für das dort meist gespielte (nicht gerade virtuose) Repertoire sowieso.

Beispiele aus eigener Kenntnis:
https://organindex.de/index.php?title=Gerstetten,_Nikolauskirche
https://organindex.de/index.php?title=Heidenheim_(Brenz),_Christuskirche - mittlerweile wechselbar - schön, dass sich da jetzt was tut in Bezug auf Überholung - dafür muss man bei der Michaelskirche bald Angst bekommen, was da so geschieht.

PS Das Pedal in der Hamburger Hertz-Schule ist wirklich ganz besonders übel...

radialpedale [Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?]

3rd_astronaut, Freitag, 20. September 2024, 21:31 (vor 723 Tagen) @ MartinH

Bornefeld hat auch meist/gar immer?, bin ich jetzt überfragt Radialpedale verbauen lassen und das auch begründet, er wollte es den Leuten am Spieltisch ja in vielerlei Hinsicht einfach machen. Ich finde es unbequem und in der Gegend ungewohnt - unpassend für das dort meist gespielte (nicht gerade virtuose) Repertoire sowieso.

Also unbequem finde ich die 3-fache Schweifung nicht, ganz im Gegenteil. Auch die Ungewohntheit in diesem Punkt ist nicht erheblich bei mir. Aber: Die Radialpedale hier sind auch seitlich verrutscht, also nicht C-C-orientiert mit den Manualen (ich weiß nicht, warum das zusammenkommt). Und dieser Punkt killt es für mich, die Fehlerquote steigt bei mir enorm. Es hilft mir, wenn ich meine Sitzposition am Pedal ausrichte, die Verschiebung im Manual gleiche ich leichter aus (virtuose Sprünge gibt's in der mir zugänglichen Orgelliteratur eher nicht in den Händen).

radialpedale [Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?]

MartinH, Samstag, 21. September 2024, 00:38 (vor 723 Tagen) @ 3rd_astronaut

Also unbequem finde ich die 3-fache Schweifung nicht, ganz im Gegenteil. Auch die Ungewohntheit in diesem Punkt ist nicht erheblich bei mir. Aber: Die Radialpedale hier sind auch seitlich verrutscht, also nicht C-C-orientiert mit den Manualen (ich weiß nicht, warum das zusammenkommt). Und dieser Punkt killt es für mich, die Fehlerquote steigt bei mir enorm. Es hilft mir, wenn ich meine Sitzposition am Pedal ausrichte, die Verschiebung im Manual gleiche ich leichter aus (virtuose Sprünge gibt's in der mir zugänglichen Orgelliteratur eher nicht in den Händen).

Ist sicher auch Geschmacks- und v.a. Gewohnheits-/Übungssache. Ich würde sagen: Man muss nicht so weit "ausschwenken" (war ja wohl auch ein/der Sinn dieser Entwicklung), verliert aber auch eine Sicherheit "vorne/hinten", weil die Schwenkung je nach Anschlagspunkt im Kreisbogen verschieden groß ausfallen muss. C unter irgendwas ist für mich dafür eigentlich unproblematisch, das kann auch eine Terz sein. Liegt vielleicht daran, dass mein einfaches Hoffrichter-MIDI-Übepedal - mit leider zu kurzen Tasten fernab einer Norm - eh immer unbemerkt verrutscht...

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

fluteceleste @, Freitag, 20. September 2024, 12:54 (vor 723 Tagen) @ MCVL

...und stets jenseits aller Normen ;-)

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

link1907 @, Freitag, 20. September 2024, 13:28 (vor 723 Tagen) @ fluteceleste

...und stets jenseits aller Normen ;-)<

Na ja, nicht aller Normen, war wohl dem Orgelpedalspiel nach der Germani-Technik geschuldet.
Was damals Rang und Namen hatte ging nach Italien um bei Fernando Germani zu studieren.
Walcker baute Radialpedale, z.Bsp. Stadtkirche Schorndorf( Dispo Bornefeld), oder auch
Tzschöckel.

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MartinH, Freitag, 20. September 2024, 14:12 (vor 723 Tagen) @ link1907

Stimmt, auch Rilling:
https://organindex.de/index.php?title=Stuttgart,_Ged%C3%A4chtniskirche

Und vielleicht ist das (wie oft geschweift auch immer) doch eher normal in der Gegend. Da sind wohl eher breite hist. Parallelpedale wie Dischingen die absolute Ausnahme:
https://organindex.de/index.php?title=Dischingen,_St._Johannes_Baptist

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MCVL @, Freitag, 20. September 2024, 15:10 (vor 723 Tagen) @ MartinH

Stimmt, auch Rilling:
https://organindex.de/index.php?title=Stuttgart,_Ged%C3%A4chtniskirche

Und vielleicht ist das (wie oft geschweift auch immer) doch eher normal in der Gegend. Da sind wohl eher breite hist. Parallelpedale wie Dischingen die absolute Ausnahme:
https://organindex.de/index.php?title=Dischingen,_St._Johannes_Baptist

Also wenn diese Orgel mit einem Radialpedal versehen worden wäre, dann hätte man nur noch den Kopf schütteln können. Wobei die 1939 wohl noch kaum verbreitet waren.
Auch die Weigle-Orgel von 1939 der Stiftskirche Zeil mit mechanischen Schleifladen und umfangreicher Verwendung historischer Substanz besitzt ein Parallelpedal.
Danke für den Hinweis auf Dischingen, diese Orgel steht immer noch etwas im Schatten ihrer bekannten oberschwäbischen Schwestern, obwohl sie das in keiner Weise verdient hat.

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MartinH, Freitag, 20. September 2024, 16:56 (vor 723 Tagen) @ MCVL

Danke für den Hinweis auf Dischingen, diese Orgel steht immer noch etwas im Schatten ihrer bekannten oberschwäbischen Schwestern, obwohl sie das in keiner Weise verdient hat.

Zumindest im Landkreis und weiterem Umfeld ist die schon bekannt, nicht nur durch die Zahlenbetrachtungen des Herrn Pampuch (übrigens letztes Jahr gestorben). Ist ja eine der wirklich wenigen historischen Werke im Umkreis. Habe dort auch mal gespielt, habe aber keine Aufnahme (und Fotos), das könnten die tontechnisch oft üblen HZ-Vorstellungen wirklich ab und an noch brauchen (auch hier ist wieder alles fast Mono und ein rechtes Gequäke).

PS Sohn Christoph hat(te?) übrigens "nur" eine Ott, aber dafür in Berlin :) https://organindex.de/index.php?title=Berlin/Britz,_F%C3%BCrbitt-Kirche

Dischingen - war Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MCVL @, Freitag, 20. September 2024, 17:25 (vor 723 Tagen) @ MartinH

Von der Orgel habe ich eine Aufnahme mit Wilhelm Krumbach, Musik des 18. Jahrhunderts aus dem süddeutschen Raum. U.a. spielt Krumbach eine Speth-Toccata und kleinere Werke von Ludwig Zöschinger und Christian Friedrich Daniel Schubart. Ja, zusammen mit der noch sehr dem 18. Jahrhundert verpflichteten Schultes-Orgel in Auernheim und der merkwürdigem Kabinettorgel in Trugenhofen ist das eine der besterhaltenen Denkmalorgeln der Region.

Dischingen - war Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MartinH, Freitag, 20. September 2024, 17:37 (vor 723 Tagen) @ MCVL

Interessant, die hatte ich ja erwähnt, aber nirgends online gefunden. Lad' sie gerne auf YT hoch (ich könnte es auch machen), ist ja mittlerweile einfach und legal.
Apropos Krumbach: "wir" rätseln gerade, an welcher Orgel es weihnachtete:
https://www.youtube.com/watch?v=IEvlNTnc_Xw

Dischingen - war Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

hardy @, Freitag, 20. September 2024, 18:43 (vor 723 Tagen) @ MartinH

Es gab in den 80er Jahren des öfteren auf WDR 3 Orgelaufnahmen mit Wilhelm Krumbach und romantischer Orgelmusik. Dabei verwendete er besonders 2 Orgeln: Pauluskirche Recklinghausen (Breil 1930) und St. Martin, Bad Lippspringe (Eggert-Feith 1911, Breil 1975). Aufgrund des zumindest damals unverwechselbaren Plenum-Klanges der Orgel in Recklinghausen scheidet diese für mich aus. Bad Lippspringe könnte evtl sein.

Plattenspieler, war:Dischingen - war Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MartinH, Freitag, 20. September 2024, 20:16 (vor 723 Tagen) @ hardy

Danke! Guter Tipp - hier ist wirklich ein breites Wissen vorhanden.
Apropos ältere Aufnahmen: Hier liegen schon Wochen einige LPs herum, die ich zu digitalisieren versprochen habe. Ohne Plattenspieler allerdings nicht ganz einfach:) und das Wegschicken habe ich mir mehrmals verkniffen, insgesamt ist das durchaus nicht billig. Jetzt frage ich mich, ob man akzeptable Ergebnisse mit einem Plattenspieler um die 400 EUR (incl. Phonoverst. auf Line-Pegel, einen guten A/D habe ich; und Nadel natürlich) hinbekommt. Dann könnte das mittelfristig noch ein Hobby werden. Mehr will und kann ich allerdibgs nicht ausgeben. Hat da jemand Erfahrung?
PS Auch keine Ahnung habe ich, ob RIAA-Entzerrer in *Software* mehr als eine Notlösung sind. Die Entzerrung selbst ist sicher kein Problem und wohl sogar genauer als Hardware, aber der Pegel dürfte zu gering sein und störanfällig, oder? Habe da keinerlei Erfahrung.

Dischingen - war Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MCVL @, Freitag, 20. September 2024, 21:36 (vor 723 Tagen) @ hardy

Es gab in den 80er Jahren des öfteren auf WDR 3 Orgelaufnahmen mit Wilhelm Krumbach und romantischer Orgelmusik. Dabei verwendete er besonders 2 Orgeln: Pauluskirche Recklinghausen (Breil 1930) und St. Martin, Bad Lippspringe (Eggert-Feith 1911, Breil 1975). Aufgrund des zumindest damals unverwechselbaren Plenum-Klanges der Orgel in Recklinghausen scheidet diese für mich aus. Bad Lippspringe könnte evtl sein.

Bislang ist es mir auch nicht gelungen, die Orgel zu identifizieren, aber dein Hinweis auf Krumbachs Rundfunkaufnahmen ist gut. Er hat eine Unmenge an Aufnahmen für verschiedene Sender eingespielt, neben dem WDR auch für den Südwestfunk und den Süddeutschen Rundfunk (für letzteren u.a. auch an den Orgeln der Stiftskirche und Hospitalkirche Stuttgart). Es wäre sehr interessant, ein Gesamtverzeichnis aller seiner Rundfunkaufnahmen einmal einsehen zu können.

Dischingen - war Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MCVL @, Freitag, 20. September 2024, 21:29 (vor 723 Tagen) @ MartinH
bearbeitet von MCVL, Samstag, 21. September 2024, 01:19

Interessant, die hatte ich ja erwähnt, aber nirgends online gefunden. Lad' sie gerne auf YT hoch (ich könnte es auch machen), ist ja mittlerweile einfach und legal.

Ich muss mich da mal näher damit beschäftigen, bisher habe ich noch nie auf YouTube etwas hochgeladen.
Gerade habe ich auch nochmal gesucht, aber die Tracks der CD scheinen noch niemals online zugänglich gemacht worden zu sein.

Die CD ist übrigens ein Teil einer zehnteiligen Reihe, die Instrumente oberschwäbischer Orgelbauer vorstellt.

Die weiteren Teile entstanden jeweils an den Gabler-Orgeln in Ochsenhausen und Weingarten, den Holzhey-Orgeln in Neresheim, Obermarchtal, Rot an der Rot, Ursberg und Weißenau, der Lang-Orgel in Inzigkofen und der Aichgasser/(Lang?)-Orgel in Wald.
Jede der CD beginnt mit einer der "Blumenfeld"-Toccaten von Speth, daran schließen sich Werke von Komponisten aus dem schwäbisch/altbayerischen Raum wie Metsch, Zöschinger, Eberlin, Murschhauser, Schubart, Bachmann, Kayser, Knecht, Schneider und anderen an. Auch bekannte Namen wie Couperin, Mozart und C.Ph.E.Bach sind mit dabei, ebenso eine Gesamtaufnahme des "Ochsenhausener Orgelbuchs".
Jeder, der die oberschwäbischen Orgeln des 18. Jahrhunderts schätzt und liebt, wird an den Aufnahmen seine Freude haben, auch weil Krumbach die Orgel perfekt und intelligent registriert. Ich besitze diese Aufnahmen seit nahezu 30 Jahren und höre sie immer wieder gerne.

P.S. bei mir liegt noch ein Aufsatz von 1939 oder 1940 aus der Feder Suppers herum, in welchem es sich ebenfalls über die Restaurierung der Dischinger Orgel dreht, den kann ich diese Tage mal einstellen.

YouTube, war:Dischingen - war Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MartinH, Samstag, 21. September 2024, 01:18 (vor 723 Tagen) @ MCVL
bearbeitet von MartinH, Samstag, 21. September 2024, 01:33

Ich muss mich da mal näher damit beschäftigen, bisher habe ich noch nie auf YouTube etwas hochgeladen.

Eigentlich ist es einfach, man muss ein MP3-File haben (am besten ab 192 kBit/s) und ein/mehrere Bilder und kann das dann einfach z.B. sogar online "konvertieren" (zusammenführen) in das Containerformat MP4.
https://converter.app/mp3-to-video (allgemein viele Möglichkeiten: https://converter.app)

Direkt mit einem gerippten wav oder was anderem als MP3 würde ich dort nicht beginnen, weil man die Codierungsrate irgendwie nicht sehen, geschweige denn wählen kann und mehrfache Konversionen unnötig sind. Die Titelbeginne kann man einfach setzen im Beschreibungstext, indem man die Zeitstempel in Form "min:sec" (z.B. 14:34) eingibt.

Beim Hochladen wird automatisch gescannt. Sollte ein Rechteinhaber was dagegen haben, hätte er diese Sequenzen hinterlegt und man würde wahrscheinlich aufgefordert, das zu löschen. Ansonsten wird es richtig oder meist auch falsch erkannt/zugeordnet mit dem Zusatz "Rechteinhaber erlaubt die Nutzung", der dürfte dann von YT einige wenige Bruchteil-Cent pro Aufruf bekommen, wenn ich es richtig verstanden habe. Insofern unproblematisch, viel einfacher jedenfalls als bei Wikimedia Commons.

Gut möglich allerdings, dass (Jahre) später noch Beschwerden/Löschaufforderungen kommen.

Dischingen - war Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MartinH, Samstag, 21. September 2024, 07:53 (vor 723 Tagen) @ MCVL

Kann man bei Trugenhofen (und Auernheim) vielleicht noch was ergänzen/korrigieren im OI?
https://organindex.de/index.php?title=Dischingen/Trugenhofen,_St._Georg

Ich muss zugeben, dass ich von diesen Orgeln früher noch nicht einmal was gehört hatte, obwohl ich aus diesem Landkreis komme und bis zum Abitur wohnte. Naja, mir reichte die Reiser von 1984 im Wohnort und ein paar "evangelische Orgeln" im Umkreis. Dass alte Orgeln überhaupt interessant sein können, war da gar nicht in meinem Bewusstsein. Wenn es auch so wenige gibt... Aber immerhin fuhr ich so manches mal Sonntag morgens mit dem Fahrrad 30 km(!) ins große Ulm, um im noch größeren Münster Fröschles (u.a.) Kunst lauschen zu können.

Dischingen - war Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MCVL @, Samstag, 21. September 2024, 10:39 (vor 722 Tagen) @ MartinH
bearbeitet von MCVL, Samstag, 21. September 2024, 10:45

Kann man bei Trugenhofen (und Auernheim) vielleicht noch was ergänzen/korrigieren im OI?
https://organindex.de/index.php?title=Dischingen/Trugenhofen,_St._Georg

Ich muss zugeben, dass ich von diesen Orgeln früher noch nicht einmal was gehört hatte, obwohl ich aus diesem Landkreis komme und bis zum Abitur wohnte. Naja, mir reichte die Reiser von 1984 im Wohnort und ein paar "evangelische Orgeln" im Umkreis. Dass alte Orgeln überhaupt interessant sein können, war da gar nicht in meinem Bewusstsein. Wenn es auch so wenige gibt... Aber immerhin fuhr ich so manches mal Sonntag morgens mit dem Fahrrad 30 km(!) ins große Ulm, um im noch größeren Münster Fröschles (u.a.) Kunst lauschen zu können.


Hier mal der erwähnte Supper-Artikel aus dem "Schwäbischen Merkur" vom 15. Oktober 1939:


[image]


Zu Trugenhofen gibt es durchaus einiges zu ergänzen. Es gibt dazu einen offenbar recht wenig bekannten Aufsatz von Fischer/Wohnhaas, die dazu im Thurn- und Taxis-Archiv in Regensburg geforscht haben. Die Orgel stammt nach den dort gewonnenen Erkenntnissen höchstwahrscheinlich aus den Niederlanden. Ich fasse das die kommenden Tage mal näher zusammen, da es die bisher über die Orgel gemachten Angaben ziemlich über den Haufen wirft.


Auch zu Auernheim liegt mir "Material vor" (wie hört sich denn das an?), in Form von Scans zur Baugeschichte aus mehreren Archiven. Die muss ich aber erst noch aufarbeiten, reiche das dann aber irgendwann mal nach. Über Johann Michael Schultes ist ja bislang wenig bekannt, außer dem von Reichling in einem Acta Organologica-Band veröffentlichten Werkverzeichnis, das in ergänzter Form auch in der Monographie über die Orgel der Johanneskirche Aalen publiziert wurde. Mittlerweile sind aber durch Feldforschung etliche bislang unbekannte Arbeiten von Schultes ans Tageslicht gekommen. Nur, außer Auernheim gibt es keine vollständig erhaltene Orgel mehr von ihm. Lediglich in der Pfarrkirche Hohenstadt bei Aalen ist noch das Gehäuse (eine Doublette der Holzheyschen Chororgel zu Rot an der Rot) und Pfeifenwerk sowie in der Marienkirche Ellwangen ebenfalls das Gehäuse (zu dem sich die handkolorierte Entwurfszeichnung Schultes erhalten hat) vorhanden. Zu der Orgel in Hohenstadt wurde übrigens in neuerer Zeit auch eine Monographie herausgebracht, die man beim dortigen Pfarramt beziehen kann.
Jedenfalls spielte der Holzhey-Schüler Schultes für das östliche Württemberg eine ähnlich wichtige Rolle wie Kiene für Oberschwaben (über sein Wirken in Ochsenhausen und Umgebung erschien vor vielen Jahren einmal ein Aufsatz in den "Heimatkundlichen Blättern für den Landkreis Biberach" - müsste digitalisiert und online abrufbar sein) und sein Arbeitsgebiet reichte von Hohenlohe über das Ulmer Land bis in die Gegend um Ochsenhausen sowie bis ins bayerische Schwaben.

Dischingen - war Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MartinH, Samstag, 21. September 2024, 11:06 (vor 722 Tagen) @ MCVL

Danke! Dachte ich mir's doch. Wäre nur schön, wenn Du Dich vielleicht sogar selbst dort registrieren und editieren könntest. Bei Deinem dichten Faktengehalt passieren sonst schnell mal noch mehr Fehler allein bei der Übertragung als es dort eh schon gibt. Das wäre wohl die größte Qualitätsoffensive seit Erstellung der Seite :)

Auernheim und Schultes - war Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

MCVL @, Samstag, 21. September 2024, 12:55 (vor 722 Tagen) @ MartinH
bearbeitet von MCVL, Samstag, 21. September 2024, 13:17

Auf die Schnelle ein Link nach Auernheim, die Orgel konnte vergangenes Jahr ihr 200jähriges Bestehen feiern: https://www.hz.de/lokales/nattheim/auernheimer-orgel-wird-200-jahre-alt

Und hier der Aufsatz über das Wirken Schultes im Raum Ochsenhausen: https://www.google.com/search?q=schultes+orgel&client=ms-android-samsung-gj-rev1&am...

Trugenhofen

MCVL @, Samstag, 21. September 2024, 21:42 (vor 722 Tagen) @ MartinH
bearbeitet von MCVL, Samstag, 21. September 2024, 21:59

Ich schreibe hier mal noch etwas zu dem Thema, vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen.

Der von mir schon erwähnte Aufsatz von Hermann Fischer und Theodor Wohnhaas trägt den Titel "Niederrheinische Positive im Schwäbischen Raum" und erschien im Jahrbuch "Musik in Bayern" Jg 32/1986.


Es war tatsächlich 1786 geplant, eine kleine Orgel aus dem Frauenkloster Lauingen für 150 fl. anzukaufen. Der seinerzeitige Trugenhofener Lehrer reiste zur Besichtigung des Werkchens nach Lauingen, riet aber von einem Ankauf ab, da das Instrument für die Trugenhofener Kirche viel zu klein sei.

Der Patronatsherr Fürst Carl Anselm von Thurn und Taxis schenkte der Kirchenstiftung daraufhin 1792 seine Kabinettorgel, die im sogenannten "Freisinger Hof" der Residenz in Regensburg gestanden hatte.
Das Werk wurde zwischen 1773 und 1785 erbaut und kann eindeutig durch den Befund als eine aus Holland stammende Arbeit eingeordnet werden.

1820 war geplant, die Orgel durch ein Pedal zu erweitern, der damit beauftragte Orgelbauer lehnte die Arbeit aber aus Platzmangel ab. Fischer/Wohnhaas schreiben diesen Vorgang einem der Orgelbauer Allgeyer aus Hofen zu, meiner Meinung nach kann dafür aber ebenso gut Schultes in Betracht gezogen werden.

1862 Generalüberholung und Einbau eines angehängten Pedals durch Johann Caspar Ebermayer aus Ellwangen.

1893 Generalüberholung durch Späth, ausführender Monteur Franz Schollharz.

Der Einbau des pneumatisch angesteuerten Subbaß kann bislang nicht datiert und einer Werkstätte zugeschrieben werden.

Trugenhofen

MartinH, Sonntag, 22. September 2024, 04:37 (vor 722 Tagen) @ MCVL

Danke! Also ich finde das sehr interessant und ergänze es gerne im OI. Fischer/Wohnhaas ist irgendwie unerschöpflich. Hoffentlich wurde sein Nachlass gut aufgearbeitet, das dürfte viel/nur Papier sein. Am Internet etc. war er ja wohl nicht so interessiert.

Trugenhofen

MartinH, Dienstag, 24. September 2024, 08:33 (vor 720 Tagen) @ MCVL

Habe versucht, zu ergänzen, bitte ggf. korrigieren/ausbauen. Wobei orgbase Mitterreither/Graz erwähnt, auch in Bezugnahme auf Fischer/Wohnhaas. https://www-orgbase-nl.translate.goog/scripts/ogb.exe?database=ob2&%250=2005108&...

Trugenhofen

MCVL @, Dienstag, 24. September 2024, 10:43 (vor 719 Tagen) @ MartinH
bearbeitet von MCVL, Dienstag, 24. September 2024, 10:48

Habe versucht, zu ergänzen, bitte ggf. korrigieren/ausbauen. Wobei orgbase Mitterreither/Graz erwähnt, auch in Bezugnahme auf Fischer/Wohnhaas. https://www-orgbase-nl.translate.goog/scripts/ogb.exe?database=ob2&%250=2005108&...

Also bei Fischer/Wohnhaas ist Mitterreiter/Graz nicht erwähnt, die schreiben in Bezugnahme auf einen niederländischen Organologen eindeutig von einer holländischen Herkunft der Orgel. Woher diese Angabe mit Mitterreiter stammt, ist mir nicht bekannt. Die Orgel kann auch laut Fischer/Wohnhaas nach dem Stand der Dinge nicht vor 1773 erbaut worden sein.

Trugenhofen

MartinH, Dienstag, 24. September 2024, 13:57 (vor 719 Tagen) @ MCVL

< Woher diese Angabe mit Mitterreiter stammt, ist mir nicht bekannt.

Da der Völkl und die Link-Schrift angeführt ist, vielleicht von dort (habe beides nicht)? Naja, egal, bleibt draußen, passt ja auch nicht. Die Orgeltester der HZ sind da irgendwie auch eher reingestolpert, wäre schon schön gewesen, wenn die da besser recherchiert hätten.

Trugenhofen

MCVL @, Dienstag, 24. September 2024, 14:29 (vor 719 Tagen) @ MartinH

< Woher diese Angabe mit Mitterreiter stammt, ist mir nicht bekannt.

Da der Völkl und die Link-Schrift angeführt ist, vielleicht von dort (habe beides nicht)? Naja, egal, bleibt draußen, passt ja auch nicht. Die Orgeltester der HZ sind da irgendwie auch eher reingestolpert, wäre schon schön gewesen, wenn die da besser recherchiert hätten.

Ich habe die beide, aber im Völkl steht es definitiv nicht, ob in der Link-Festschrift darüber etwas steht, kann ich auswendig nicht sagen. Was Halbe über die Orgel schreibt, weiss ich auswendig auch nicht, müsste ich später mal nachschauen.

Übrigens: kleine Fehlersuche im "Halbe'. Wer findet den Fauxpas bei Schwabsberg und kann ihn korrigieren? ;)

Trugenhofen

MCVL @, Mittwoch, 25. September 2024, 09:36 (vor 719 Tagen) @ MartinH
bearbeitet von MCVL, Mittwoch, 25. September 2024, 22:38

< Woher diese Angabe mit Mitterreiter stammt, ist mir nicht bekannt.

Da der Völkl und die Link-Schrift angeführt ist, vielleicht von dort (habe beides nicht)? Naja, egal, bleibt draußen, passt ja auch nicht. Die Orgeltester der HZ sind da irgendwie auch eher reingestolpert, wäre schon schön gewesen, wenn die da besser recherchiert hätten.

Ich habe es jetzt gefunden: das wird im letzten Absatz des Fischer/Wohnhaas-Aufsatz kurz gestreift, gar nicht im Kapitel zu Trugenhofen. Es wird ausgeführt, daß die Zuschreibung an eine bestimmte Werkstätte nicht eindeutig möglich ist, dann aber Mitterreither als Möglichkeit ins Spiel gebracht. Aber eindeutig klar ist damit nicht, wer die Orgel tatsächlich gebaut hat, nur, daß sie mit größter Sicherheit aus den Niederlanden stammt.

Trugenhofen

MartinH, Mittwoch, 25. September 2024, 12:50 (vor 718 Tagen) @ MCVL

Danke, dann ist das so nachvollziehbar. Eigentlich wollte ich den - schon viele Jahre vergriffenen - Halbe komplett in den OI übertragen (zumindest die Grunddaten, nicht z.B. die schöne handgemalte Landkarte), bin dann aber im letzten Drittel (alphabetisch) irgendwie steckengeblieben. Wenn also noch jemand helfen und fertigstellen möchte...

Trugenhofen

Evacuant, Dienstag, 24. September 2024, 14:26 (vor 719 Tagen) @ MCVL

Also bei Fischer/Wohnhaas ist Mitterreiter/Graz nicht erwähnt, die schreiben in Bezugnahme auf einen niederländischen Organologen eindeutig von einer holländischen Herkunft der Orgel. Woher diese Angabe mit Mitterreiter stammt, ist mir nicht bekannt.

Das steht in der Link-Festschrift - allerdings mit Bezug auf Fischer/Wohnhaas.

Johann Joseph Mitterreither hatte wohl tatsächlich von 1761 bis 1781 seine Werkstätte in den Niederlanden:

https://www.orgelverein.at/wp-content/uploads/2022/03/principal23.pdf

In Gouda steht noch eine Kabinettorgel von seiner Hand:

https://www.orgelsite.nl/gouda-grote-kerk-kabinetorgel/

Trugenhofen

MCVL @, Dienstag, 24. September 2024, 22:02 (vor 719 Tagen) @ Evacuant

Also bei Fischer/Wohnhaas ist Mitterreiter/Graz nicht erwähnt, die schreiben in Bezugnahme auf einen niederländischen Organologen eindeutig von einer holländischen Herkunft der Orgel. Woher diese Angabe mit Mitterreiter stammt, ist mir nicht bekannt.


Das steht in der Link-Festschrift - allerdings mit Bezug auf Fischer/Wohnhaas.

Johann Joseph Mitterreither hatte wohl tatsächlich von 1761 bis 1781 seine Werkstätte in den Niederlanden:

https://www.orgelverein.at/wp-content/uploads/2022/03/principal23.pdf

In Gouda steht noch eine Kabinettorgel von seiner Hand:

https://www.orgelsite.nl/gouda-grote-kerk-kabinetorgel/

Danke für die Hinweise. Also müsste man wohl mal Gouda und Trugenhofen genau miteinander vergleichen, dann käme man der Lösung wohl einen Schritt näher.

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

kjz1, Freitag, 20. September 2024, 13:33 (vor 723 Tagen) @ Gast

Dennoch war irgendwas anders, und es ist mir erst auf der Rueckfahrt eingefallen: Die Orgel hatte tatsaechlich Radialpedal!!!

Wobei sich dann noch die Frage stellt: einfach, zweifach oder dreifach geschweift?

also:

- die Obertasten sind nach aussen hin länger

- die Tasten stehen nicht parallel zueinander, sondern hinten näher als vorne

- die Tasten sind in der Mitte tiefer und links und rechts höher angeordnet

Amerikanische Pedalklaviaturen sind oft dreifach geschweift.

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

fluteceleste @, Freitag, 20. September 2024, 16:11 (vor 723 Tagen) @ kjz1

wahrscheinlich so wie hier, man sieht es nur nicht so gut
https://www.pfeifenorgelforum.net/forum/index.php?id=99087

Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

elias.orgel, Samstag, 21. September 2024, 10:11 (vor 722 Tagen) @ kjz1
bearbeitet von elias.orgel, Samstag, 21. September 2024, 11:35

Wobei sich dann noch die Frage stellt: einfach, zweifach oder dreifach geschweift?

also:

- die Tasten stehen nicht parallel zueinander, sondern hinten näher als vorne

.

soweit ich weiß, ist das die Definition für ein RadialPedal... (hinten "näher" als vorne)

womit mathematische natürlich DAS ParallelPedal nur ein SpezialfallPedal des Radikal radialen wäre...

und hat mit einer Schweifung (erstmal) nix zu tun - oder ;-)

Ich hoffe ich trete niemanden zu nahe, wenn ich behaupte, dass ein "schlichtes" ParallelPedal sowohl handwerklich als auch entwurfstechnisch am einfachsten herzustellen ist.
alle Ober-Tasten sind gleich alle Unter - Tasten ebenfalls und die mechanischen Lagerpunkte bzw Aussparungen für den Tastenweg lassen sich relativ leicht anzeichnen und herstellen
(mit CNC Fräsen geht sowieso alles viel einfacher...)

1. Schweifung:
Die "Verlängerung" der (äußeren) Obertasten, es wäre genauso gut lediglich eine Verschiebung der "Halbton Blöcke" möglich
ist ebenfalls kaum ein zeichnerisches oder ausführungstechnisches Problem...

2. Schweifung:
Das "Anheben" der äußeren Tasten kann auf zwei verschiedene Arten ermöglicht werden
a) können die Tasten im Querschnitt (nach außen) immer "höher" werden, die Tasten selbst aber weiterhin exakt senkrecht zum Boden "laufen" / gedrückt werden
b) können die Tasten ihre Form beibehalten, müssen dafür aber auf einem Kreisbogen angeordnet werden, und zwar so, dass die Bewegungen nun senkrecht zu diesem Kreisbogen erfolgen müssen
das ist sicherlich vom Entwurf und zum Zeichnen (sehr große Radien) deutlich aufwendiger und (so weit ich weiß) wesentlich schwerer herzustellen
Holz und rund* ist immer viel viel extra Arbeit - daher liebten die Designer im ArtDeco diese Kombination für ihre Luxus Kundschaft...


3. Schweifung
das "Kippen" der gesamten Klaviatur, so dass die Untertasten nach "hinten" ansteigen
Wiki KlötzchenPedal (nur zur Veranschaulichung)
Das ist, so weit ich weiß, bei modernen Pedal Klaviaturen sehr selten...

wird die radiale Anordnung der Tasten ebenfalls allgemein / offiziell als Schweifung bezeichnet?

leider finde ich den Beitrag nicht mehr:
irgendjemand hier hatte doch hier von "seinem seltenen dreifach geschweiften Pedal" geschrieben...
.
.
.

* mir gefällt der Spieltisch von LDZ für die Potsdamer Garnisonskirche wirklich sehr gut, aber gerade da, bei den Rundungen in Holz bzw furniert, zeigen sich (mbunmMn) deutliche Schwächen im Entwurf - oder das hat der ausführliche Tischler "verbockt" ;-)

--
Orgelspielen heißt: im Sitzen tanzen ...

... für Gott

Spieltischnorm 1972 • war: Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

tiratutti @, Samstag, 21. September 2024, 10:09 (vor 722 Tagen) @ Gast

Hallo zusammen,

in den 1960er-Jahren gab es eine intensive Diskussion über die Spieltische und auch die Pedalform und seine Lage. Das ist z.B. ersichtlich im Büchlein Die Gestaltung des Orgelpsieltisches von Werner Walcker-Mayer, in dem sich Friedrich Högner dezidiert für das Radialpedal ausspricht. Ein Pedal also, wie es erstmals 1855 Henry Willis als "Strahlenpedal" (fächerförmige Anordnung der Tasten und konkave Schweifung der Tastenhöhen) baute.

Die Diskussionen in Deutschland mündeten in die 1972 vom BDO veröffentlichte Orgel-Spieltisch-Norm. Dort ist das Normpedal das Radialpedal (!). Insofern ist nicht verwunderlich, dass in der damaligen Zeit etliche Orgelbauer, auch bei kleineren Orgeln, auf den Zug aufgesprungen sind.

Grüße von tiratutti

Literaturquelle: Christian Namberger · Untersuchungen zur ergonomischen Optimierung von Orgelspielanlagen · 1999 · Dissertation

Spieltischnorm 1972 • war: Anglofile Anleihen in der Orgelbewegung/-Reform?

Gast @, Sonntag, 22. September 2024, 18:18 (vor 721 Tagen) @ tiratutti

Die Diskussionen in Deutschland mündeten in die 1972 vom BDO veröffentlichte Orgel-Spieltisch-Norm. Dort ist das Normpedal das Radialpedal (!). Insofern ist nicht verwunderlich, dass in der damaligen Zeit etliche Orgelbauer, auch bei kleineren Orgeln, auf den Zug aufgesprungen sind.

Interessant!
Gibt es irgendwo Statistiken/Datenbanken, aus denen man die Verteilung Parallel/Radial in dieser Zeit rausziehen koennte?

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