Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Friedrich @, Samstag, 19. Februar 2011, 10:39 (vor 5673 Tagen)

Nachdem das Kaufbeurer Für und Wider inzwischen etwas ausgeufert ist, ist es Zeit für einen neuen Thread, denke ich. Und weil ich mir so gerne Dispositionen ausdenke -- wie wäre es mit folgender Orgel, HW auf Prinzipal 8', stattliches 4'-RP usw.

I. Rückpositiv
Gedackt 8'
Waldflöte 8' ab c (zyl. offen, Solo)
Salicional 8' (Innenkropf C-Gis)
Prinzipal 4'
Blockflöte 4'
Nasat 2 2/3'
Oktave 2'
*Flageolet 2'
Terz 1 3/5'
Scharf IV 1'
Cromorne 8'

II. Hauptwerk
Gemshorn 16' (C-H gedeckt)
Prinzipal 8'
Rohrflöte 8'
Gamba 8'
Oktave 4'
Nachthorn 4'
Quinte 2 2/3'
Superoktav 2'
Cornet V 8' ab c'
Großmixtur V 2' (mit 5 1/3' ab g')
Mixtur IV-V 1 1/3'
Trompete 16'
Trompete 8'

III. Schwellwerk
Quintaton 16'
Geigenprinzipal 8'
Flûte traversière 8'
Spitzgambe 8'
Schwebung 8' ab A
Prinzipal 4'
Holzflöte 4'
*Terz 3 1/5'
Waldflöte 2'
Sesquialtera II 2 2/3'
Plein Jeu V 2'
Trompette harmonique 8'
Hautbois 8'
Voix humaine 8'
Clairon 4'

Pedal
Prinzipalbass 16'
Violonbass 16' (stelle ich mir in einer Saalakustik sehr schön vor)
Subbass 16'
Quintaton 16' (Tr. III)
Quinte 10 2/3'
Oktavbass 8'
Bordun 8'
Oktave 4'
Mixtur VI 2 2/3'
Posaune 16'
Trompete 8'
*Klarine 4'

I/II, III/II, III/I, III/II 16'
I/P, II/P, III/P

Setzer und so weiter. Umfänge am liebsten bis c'''' und g'.

Die *-Register sind kann-Positionen. Eine Quintade 8' gibt's diesmal nicht, weil ich mir die in einer Saalakustik nur wenig charmant vorstelle.

Die Freiburger unter euch erkennen vielleicht Grundzüge der einen oder anderen hiesigen Orgel wieder.

Gruß,
Friedrich

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Aeolinchen, Samstag, 19. Februar 2011, 12:35 (vor 5673 Tagen) @ Friedrich

Nachdem das Kaufbeurer Für und Wider inzwischen etwas ausgeufert ist, ist es Zeit für einen neuen Thread, denke ich. Und weil ich mir so gerne Dispositionen ausdenke -- wie wäre es mit folgender Orgel, HW auf Prinzipal 8', stattliches 4'-RP usw.

I. Rückpositiv
Gedackt 8'
Waldflöte 8' ab c (zyl. offen, Solo)
Salicional 8' (Innenkropf C-Gis)
Prinzipal 4'
Blockflöte 4'
Nasat 2 2/3'
Oktave 2'
*Flageolet 2'
Terz 1 3/5'
Scharf IV 1'
Cromorne 8'

II. Hauptwerk
Gemshorn 16' (C-H gedeckt)
Prinzipal 8'
Rohrflöte 8'
Gamba 8'
Oktave 4'
Nachthorn 4'
Quinte 2 2/3'
Superoktav 2'
Cornet V 8' ab c'
Großmixtur V 2' (mit 5 1/3' ab g')
Mixtur IV-V 1 1/3'
Trompete 16'
Trompete 8'

III. Schwellwerk
Quintaton 16'
Geigenprinzipal 8'
Flûte traversière 8'
Spitzgambe 8'
Schwebung 8' ab A
Prinzipal 4'
Holzflöte 4'
*Terz 3 1/5'
Waldflöte 2'
Sesquialtera II 2 2/3'
Plein Jeu V 2'
Trompette harmonique 8'
Hautbois 8'
Voix humaine 8'
Clairon 4'

Pedal
Prinzipalbass 16'
Violonbass 16' (stelle ich mir in einer Saalakustik sehr schön vor)
Subbass 16'
Quintaton 16' (Tr. III)
Quinte 10 2/3'
Oktavbass 8'
Bordun 8'
Oktave 4'
Mixtur VI 2 2/3'
Posaune 16'
Trompete 8'
*Klarine 4'

I/II, III/II, III/I, III/II 16'
I/P, II/P, III/P

Setzer und so weiter. Umfänge am liebsten bis c'''' und g'.

Die *-Register sind kann-Positionen. Eine Quintade 8' gibt's diesmal nicht, weil ich mir die in einer Saalakustik nur wenig charmant vorstelle.


Mit der Disposition könnte ich mich schon anfreunden. Vorausgesetzt, die Raumgegebenheiten schreien nach einem 4'-Rückpositiv. Sonst würde ich ein richtiges 8'-Positiv vorziehen. Wenn möglich schwellbar!

Außerdem fallen mir noch folgende Kleinigkeiten ein:

1. In Hauptwerk und Rückpositiv ist alles da, was man für ein klassisches Grand Jeu braucht, nur der Clairon 4' fehlt. Schade. (Man kann ihn aus dem Schwellwerk dazukoppeln, aber das ist nie dasselbe.)

2. Einen 1 1/3' oder 1' hätte ich schon gern gehabt.

3. Den Bauartwechsel beim Gemshorn finde ich nicht schön, bei einem leisen Manualiterbass 16' + 8' hört man den vermutlich doch immer raus. Überhaupt haben mich die 16'-Gemshörner im Hauptwerk nie überzeugt, unabhängig vom Bauartwechsel.

4. Dem Sesquialter im Schwellwerk hätte ich gern einen runden, neutralen 8' als Grundlage gewünscht. Vielleicht sollte man Waldflöte (dann ab C) und Flûte traversière 8' (dann ab c) tauschen.

5. Ich habe kaum je eine überzeugende Spitzgamba gehört. Wenn man nicht gern drei zylindrische 8'-Streicher, aber einen guten Intonateur hat, würde ich mit dem lieber über trichterförmige Bauweisen diskutieren.

6. Ob die Quinte 10 2/3' einen überzeugenden 32' ergibt, hängt nach meiner Erfahrung vom Raum ab. Wenn man sich keinen richtigen 32' leisten kann, ist oft ein 32' ab c° besser, C-H akustisch.

7. Wenn mir der Leibhaftige in seiner Schwefelwolke noch ein paar Register abknöpfen wollte, würde ich am ehesten verhandeln über: Flageolet 2', Großmixtur, Terz 3 1/5', Sesquialtera, den 10 2/3' und alles im Pedal, was kleiner als 8' ist.

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Orgelbaumeister, Samstag, 19. Februar 2011, 13:53 (vor 5673 Tagen) @ Aeolinchen

So eine Disposition will doch heute keiner mehr. Für mich ist das eine 0815 Dispo, wie man sie in der 3. Stadtkirche findet.
Gemshorn 16' usw. das ist Schnee von gestern.

Grüße

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

D. Hausmann @, Samstag, 19. Februar 2011, 14:08 (vor 5673 Tagen) @ Orgelbaumeister

Hallo OBM,

- dann mal ran....
Neuerungen und innovative Ideen sind stets willkommen.

Herzlich grüßt
Dieter Hausmann

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Friedrich @, Samstag, 19. Februar 2011, 23:51 (vor 5673 Tagen) @ Orgelbaumeister

So eine Disposition will doch heute keiner mehr. Für mich ist das eine 0815 Dispo, wie man sie in der 3. Stadtkirche findet.
Gemshorn 16' usw. das ist Schnee von gestern.

Hallo OBM,

stimmt auch wieder — nichts Neues unter der Sonne. Hier gehört wohl wirklich ein Bordun hin. Nur: als 08/15 empfinde ich inzwischen die Dispositionen, die sich über historisch verbürgte und vertraute Registerreihungen absichern. Haupsache, es sieht irgendwie nach Cavaillé-Coll/Silbermann/König aus, oder am besten nach allen dreien, dann wird's schon hinhauen. Aber egal, wie die Register nun heißen: Mensuren und vor allem Intonation sind alles. Eine Orgel, die sich knallebunt liest (wie zugegebenermaßen meine), kann schön geschlossen klingen, und eine, die den reinen Aristide vor sich her trägt, findet nicht zusammen. Natürlich träumt ein Disponent von optimaler Umsetzung.

Im Ernstsfall würde ich, wäre ich in der Verantwortung, ein Rahmenkonzept formulieren (gewichtiges und energisches 8'-HW, SW gern mit frz. Potenz, aber auch mit Prinzipalchor, RP farbig und nicht niedlich, Pedal gravitätisch und eigenständig, also möglichst mit Prinzipalchor usw.) und dann den gründlich ausgesuchten (vor allem nach handwerklicher Ausführung und Intonation) Orgelbauer erstmal machen lassen. Wenn ich hier einen detaillierten Vorschlag mache, dann deswegen, weil mir — und damit haben wir ja, auf Wolfgangs Initiative hin, angefangen — das Rahmenkonzept nicht recht eingeleuchtet hat (und weil ich, zugegebenermaßen, mir gern einen Klang vorstelle und mir dann überlege, wie der wohl als Disposition aussehen könnte).

Gruß, Friedrich

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Tabernakelwanze @, Niederrhein, Sonntag, 20. Februar 2011, 17:40 (vor 5672 Tagen) @ Orgelbaumeister

Ich finde die ständigen französischen Zitate auch langsam langweilig, zumal doch gerade "englisch" der letzte Schrei sein soll. Ich hätte gern für meinen persönlichen Geschmack noch eine spanische Barockzutat, auch etwas Italienisches, um die Elevationen entsprechend gestaltet zu können; weil die Kassen aber leer sind, darf das Ganze höchstens 20 Register mit angehängtem Pedal haben. Oder wir gucken nach Second-Hand-Orgeln, davon gibt es bereits viele und es werden noch viel, viel mehr werden.

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

FranzS. @, Samstag, 19. Februar 2011, 19:13 (vor 5673 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von FranzS., Sonntag, 20. Februar 2011, 10:03

Hallo,

wie kommt denn diese real existierende Disposition an? Hab mich lange und mit großer Freude an dieser Orgel aufgehalten (im Ernst jetzt).

Rückpositiv:

Copula 8
Holzprincipal 4 (sehr spuckend)
Oktave 2
Larigot 1 1/3
Zimbel 1/2 + 2/5 + 1/3
Holzregal 4


Hauptwerk

Gedacktpommer 16
Principal 8
Spillflöte 8
Oktave 4
Schwiegl 2
Mixtur 2 + 1 1/3 + 1 + 2/3
Mixtur 1 + 1/2 + 1/3 + 1/4
Cornett 4 + 2 2/3 + 2 + 1 3/5
Fagott 16
Trompete 8

Oberwerk

Principal 8
Hohlflöte 8 *
Dolkan 4
Gambe 4 *
Superoktave 2
Glöckleinton 2 + 1 *
Cornettino 2 2/3 + 2 + 1 3/5 *
Scharff 1 + 1/2 + 1/4
Musette 8 *
Klarine 4

(* im Schwellkasten)

Pedal:

Principalbass 16
Gedecktbass 16
Oktavbass 8
Nachthorngedackt 8
Choralbass 4
Pommer 4
Flachflöte 2 + 1
Großzink 5 1/3 + 2 2/3 + 1 3/5
Rauschquinte 2 + 1 1/3
Posaune 16
Oboe 8
Singend Regal 4

Rein mechanische Trakturen.

Wo die steht und vieleicht auch wie die klingt folgt in unbestimmter Zukunft.

Grüße Franz

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

perotin @, Rhein-Neckar-Raum, Samstag, 19. Februar 2011, 20:56 (vor 5673 Tagen) @ FranzS.

Hallo,

wie kommt denn diese real existierende Disposition an? Hab mich lange und mit großer Freude an dieser Orgel aufgehalten.

Rückpositiv:
Copula 8
Holzprincipal 4 (sehr spuckend)
Oktave 2
Larigot 1 1/3
Zimbel 1/2 + 2/5 + 1/3
Holzregal 4

Hauptwerk:
Gedacktpommer 16
Principal 8
Spillflöte 8
Oktave 4
Schwiegl 2
Mixtur 2 + 1 1/3 + 1 + 2/3
Mixtur 1 + 1/2 + 1/3 + 1/4
Cornett 4 + 2 2/3 + 2 + 1 3/5
Fagott 16
Trompete 8

Oberwerk:
Principal 8
Hohlflöte 8 *
Dolkan 4
Gambe 4 *
Glöckleinton 2 + 1 *
Cornettino 2 2/3 + 2 + 1 3/5 *
Scharff 1 + 1/2 + 1/4
Musette 8 *
Klarine 4
(* im Schwellkasten)

Pedal:
Principalbass 16
Gedecktbass 8
Oktavbass 8
Nachthorngedackt 8
Choralbass 4
Pommer 4
Flachflöte 2 + 1
Großzink 5 1/3 + 2 2/3 + 1 3/5
Rauschquinte 2 + 1 1/3
Posaune 16
Oboe 8
Singend Regal 4

Das würde zwar heute wohl niemand mehr so planen... Aber bei guter Intonation wird man doch recht viel damit machen können. Immerhin gibt es zwei 8'-Principale im Manual, einen Streicher (leider nur 4'), und wenigstens einige Register sind schwellbar.

Ich würde vielleicht im OW das Cornettino in einen Sesquialter ändern (2' raus) und beim "Glöckleinton" den 1' entfernen. Eine Oboe statt der Musette wäre auch nicht ganz verkehrt.

Der Gedecktbass im Pedal ist vermutlich 16'?

Grüße,
perotin

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

FranzS. @, Samstag, 19. Februar 2011, 21:07 (vor 5673 Tagen) @ perotin

Hallo,


Ich würde vielleicht im OW das Cornettino in einen Sesquialter ändern (2' raus) und beim "Glöckleinton" den 1' entfernen. Eine Oboe statt der Musette wäre auch nicht ganz verkehrt.

Die Musette ist eigentlich eher eine Oboe, und die Oboe im Pedal ist eher ein Fagott.


Der Gedecktbass im Pedal ist vermutlich 16'?

gerade korregiert.

Diese Orgel ist leider eine Ausnahme, denn es ist eines der wenigen guten Instrumente dieser Zeit in unseren Breiten. Meinesereachtens höchster Denkmalwert vor allem weil der Raum auch aus der Zeit stammt (1964). Die Verantwortlichen sehen das genauso, denn die Orgel wird bald restauriert. Aber mehr dazu, wenns spruchreif ist (zumal es mich eigentlich nichts angeht, ist nicht "meine")

Grüße Franz


Grüße,
perotin

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

tiratutti @, Samstag, 19. Februar 2011, 20:21 (vor 5673 Tagen) @ Friedrich

Hallo,

Die Freiburger unter euch erkennen vielleicht Grundzüge der einen oder anderen hiesigen Orgel wieder.

stammt diese Disposition von einem OSV, der mit B beginnt und mit arx endet? Da muss es bekanntlich auch in jedem Werk die Kombi aus 2 2/3 und 1 3/5 sein. Ich frage mich immer: wozu? Was ist daran so umwerfend gut, dass es sein muss? Dreimal die gleiche Farbe mit leichten Nuancen. Na dann: herzlichen Glückwunsch.

Grüße von tiratutti

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Friedrich @, Samstag, 19. Februar 2011, 20:28 (vor 5673 Tagen) @ tiratutti

Ich hätte jetzt gedacht, er fängt mit K an und hört mit raus auf.

Gruß, Friedrich

BITTE UM BEACHTUNG!

D. Hausmann @, Samstag, 19. Februar 2011, 21:44 (vor 5673 Tagen) @ Friedrich

Kurze Info:

Ich bitte um grundsätzliche Vorsicht mit solchen Aussagen - zumindest was noch existierende Personen betrifft.

Dieter Hausmann
(Co - Admin)

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

orgelwilli, Samstag, 19. Februar 2011, 22:02 (vor 5673 Tagen) @ tiratutti

Wir haben auch in jedem Werk eine Cornetmischung:
Im Hauptwerk ein 5 faches 8'-Cornet ab c
Im Positif ein zerlegtes Cornet erweiterbar mit Larigot 1 1/3'
und im Schwellwerk eine zerlegtes Cornet erweiterbar mit Piccolo 1'
Es sind drei grundverschiedene Mensuren und damit auch drei grundverschiedene Klänge, die durch die Erweiterungen (1 1/3' und 1') noch eine besondere Farbe erhalten. Hinzu kommt, daß diese Cornetmischungen den Klang der Zungenregister, der im Diskant ja
nachläßt, verstärken.

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Aeolinchen, Sonntag, 20. Februar 2011, 12:46 (vor 5672 Tagen) @ tiratutti

stammt diese Disposition von einem OSV, der mit B beginnt und mit arx endet? Da muss es bekanntlich auch in jedem Werk die Kombi aus 2 2/3 und 1 3/5 sein. Ich frage mich immer: wozu? Was ist daran so umwerfend gut, dass es sein muss? Dreimal die gleiche Farbe mit leichten Nuancen. Na dann: herzlichen Glückwunsch.

Da scheint doch ein gewisses Vorbild nachzuwirken. J. A. Silbermann hat seine Villinger Orgel folgendermaßen disponiert:

Rückpositiv
Bourdon 8'
Prestant 4'
Flûte 4'
Nazard 2 2/3'
Doublette 2'
Tierce 1 3/5'
Fourniture 3fach
Cromorne 8'

Manual
Bourdon 16'
Montre 8'
Bourdon 8'
Prestant 4'
Nazard 2 2/3'
Doublette 2'
Tierce 1 3/5'
Sifflet 1'
Cornet 5fach
Fourniture 3fach
Cymbale 3fach
Trompette 8'
Voix humaine 8'

Echo
Bourdon 8' B/D
Prestant 4' D
Nazard 2 2/3' D
Doublette 2' D
Tierce 1 3/5' D
Fagottbass 8' B

Pedal
Subbass 16'
Octavbass 8'
Trompette 8'

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Friedrich @, Sonntag, 20. Februar 2011, 13:57 (vor 5672 Tagen) @ Aeolinchen

... Und in Villingen hat Gaston Kern auch drei sehr unterschiedliche Nazards gebaut. Das ist nicht dreimal dieselbe Farbe, sondern es sind drei wunderschöne Mischungen, verwandt, aber mit ganz eigenen musikalischen Aufgaben.

Warum also nicht?

Gruß,
Friedrich

51 Register real existierende Organismus,war: Mittelgroß,...

jrbecker @, Mittwoch, 23. Februar 2011, 19:52 (vor 5669 Tagen) @ Friedrich

Wie Friedrich gehöre auch ich zu der Spezies, die sich gerne einmal Dispositionen ausdenken. Seiner ausgedachten Disposition möchte ich aber einmal eine tatsächlich gebaute gegenüberstellen, sie ist auch noch gar nicht mal so alt!

Ein etwas anderer Werkaufbau – aber trotzdem: gleiche Manual- und Registerzahl, 8‘-Basis im HW. Das OW dieser Orgel ist in Registerzahl und Fußtonlagenverteilung dem Friedrich’schen Rückpositiv doch seeehr ähnlich, im HW hat’s noch etwas mehr an Grundtönigkeit, ist sicher nicht zu verachten. Das HiW fällt dafür etwas kleiner aus, merkt man vor allem an den Zungen, die beiden Pedalbesetzungen sind bis auf die Lage der Quinte wiederum sehr vergleichbar.

Es hängt eben immer wieder davon ab, was man als Planer will und noch mehr, was der Orgelbauer daraus macht/machen kann. Ich vermute mal, dass bei dieser tatsächlich gebauten Orgel ein bisschen an Wagner (HW) und ein klein wenig an Ladegast (HiW, ich weiß, die Mixtur hätte dann allenfalls eine Progressio sein dürfen, aber ich schrieb ja auch "ein klein wenig"...) gedacht wurde... es muss ja nicht immer CC sein und kann trotzdem brauchbar werden.

Hauptwerk (I)
Bordun 16'
Principal 8'
Hohlflöte 8'
Rohrflöte 8'
Viola di Gamba 8'
Octave 4'
Spitzflöte 4'
Traversflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Octave 2'
Cornett V 8'
Mixtur V 1 1/3'
Cimbel III 1'
Fagott 16'
Trompete 8'

Tremulant

Oberwerk (II)
Gedackt 8'
Quintadena 8'
Traversflöte 8'
Principal 4'
Rohrflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Octave 2'
Waldflöte 2'
Terz 1 3/5'
Quinte 1 1/3'
Scharff IV 1'
Vox humana 8'

Tremulant

Hinterwerk (III)
Lieblich Gedackt 16'
Principal 8'
Unda Maris 8'
Lieblich Gedackt 8'
Salicional 8'
Octave 4'
Fugara 4'
Nasat 2 2/3'
Flageolet 2'
Echokornett V 8'
Mixtur IV 1 1/3'
Trompete 8'
Oboe 8'

Tremulant

Pedalwerk
Principal 16'
Subbaß 16'
Violon 16'
Octavbaß 8'
Gemshorn 8'
Quinte 5 1/3'
Octave 4'
Mixtur VI 2 2/3'
Posaune 16'
Trompete 8'
Clairon 4'

Koppeln usw. sind in der Quelle leider nicht genannt…

LG
Jörg

51 Register real existierende Organismus,war: Mittelgroß,...

Friedrich @, Mittwoch, 23. Februar 2011, 20:06 (vor 5669 Tagen) @ jrbecker

Hallo JR,

das ist Spandau, oder? Klingt auf Platte sehr schön.

Koppeln nach der Eule-Website: II/I, III/I, I/P, II/P, III/P. Was braucht man mehr.

Gruß,
Friedrich

51 Register real existierende Organismus,war: Mittelgroß,...

jrbecker @, Mittwoch, 23. Februar 2011, 20:57 (vor 5669 Tagen) @ Friedrich

Touché...

LG
Jörg

51 Register real existierende Organismus,war: Mittelgroß,...

Karl-Bernhardin Kropf, Donnerstag, 24. Februar 2011, 12:08 (vor 5668 Tagen) @ jrbecker

nur ca. 400 Meter von dieser Orgel entfernt klingt es übrigens auch sehr gut.
Rund um die erstgenannte Eule-Orgel passiert auch viel Kirchenmusik. Die Kirche ist auch mehr oder weniger der einzige Lichtblick der dortigen "Innenstadt"...

51 Register real existierende Organismus,war: Mittelgroß,...

Martin78 @, Donnerstag, 24. Februar 2011, 13:50 (vor 5668 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

nur ca. 400 Meter von dieser Orgel entfernt klingt es übrigens auch sehr gut.
Rund um die erstgenannte Eule-Orgel passiert auch viel Kirchenmusik. Die Kirche ist auch mehr oder weniger der einzige Lichtblick der dortigen "Innenstadt"...

Oho, die "Klassische Deutsche Orgel"... man beachte die Großschreibung -> Eigenname!
Jetzt weiß ich endlich, wie man so etwas disponiert :-))

51 Register real existierende Organismus,war: Mittelgroß,...

Friedrich @, Donnerstag, 24. Februar 2011, 14:17 (vor 5668 Tagen) @ Martin78

Oho, die "Klassische Deutsche Orgel"... man beachte die Großschreibung -> Eigenname!

Ja, die beiden Texte sind schon ziemlich anstrengend. Sehr hochgestimmt, aber leider nicht immer sorgfältig formuliert (z. B. "eine Vielzahl ... Musik", "die Fanfaro"). Und ein Anspruch wird da erhoben, der doch so nicht hinhauen kann angesichts der vielen anderen Arten, wie in Deutschland gute Orgeln gebaut werden.

Über Orgelbauliches, gar über Klang ist damit nichts gesagt. Hören möchte ich sie schon gerne mal.

Gruß,
Friedrich

51 Register real existierende Organismus,war: Mittelgroß,...

Martin78 @, Donnerstag, 24. Februar 2011, 15:00 (vor 5668 Tagen) @ Friedrich

Über Orgelbauliches, gar über Klang ist damit nichts gesagt. Hören möchte ich sie schon gerne mal.

Gruß,
Friedrich

Klar, das wird schon eine schöne Orgel geworden sein.

Aber:
"Dabei bezieht sich die wachstumsfähige, schwellbare Klangkraft auf das gesamte Instrument und nicht auf einzelne Teilwerke, so dass hier ebenso die hohe Kunst des Registrierens erforderlich ist."

Steht also alles (incl. HW, Pedal) außer den Prospektprinzipalen im Schweller oder was sollen diese etwas "schwafeligen" Zeilen?

Martin

51 Register real existierende Organismus,war: Mittelgroß,...

Karsten, Donnerstag, 24. Februar 2011, 15:03 (vor 5668 Tagen) @ Martin78

Hallo!

Ich verstehe das so, dass, um ein großes Crescendo zu erreichen, eben nicht - wie bei französisch-romantischen Instrumenten - das Schwellwerk den Rest der Orgel dynamisch "mitzieht", sondern hier zumindest zusätzlich ein Art Registercrescendo notwendig ist, durch Hinzu- und Abstoßen von Registern im ganzen Werk.

Gruß
Karsten

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

FranzS. @, Donnerstag, 24. Februar 2011, 22:49 (vor 5668 Tagen) @ Friedrich
bearbeitet von FranzS., Donnerstag, 24. Februar 2011, 22:53

Hallo,

gerade fällt mir eine Orgel ein, die seit einiger Zeit mein Interesse geweckt hat. Ich hab das Instrument noch nicht gehört, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass die hier ziemlich gut ist (obwohl ich keine Erklärung dafür habe, warum ich das denke)

Grüße Franz

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Tabernakelwanze @, Niederrhein, Samstag, 26. Februar 2011, 13:20 (vor 5666 Tagen) @ FranzS.

Reil baut aus Überzeugung Orgeln in norddeutscher barocker Manier.
In den Niederlanden ist das ja nichts besonderes, wenn man sich Orgelneubauten ansieht, bei uns vielleicht schon eher, wo man doch inzwischen allüberall auf Voix humaines, Flute harmoniques, Trompettchen, Cromornes uws. stößt.

Besonders klangprächtig scheint mir auch seine Chororgel in Kampen zu sein.

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Aeolinchen, Sonntag, 27. Februar 2011, 00:36 (vor 5666 Tagen) @ Friedrich

Schon ein bisschen größer als "mittelgroß", aber auch ganz schön:

Rückpositiv

1. Prinzipal 8'
2. Gedackt 8'
3. Quintadena 8'
4. Oktav 4'
5. Blockflöte 4'
6. Oktav 2'
7. Waldflöte 2'
8. Sesquialtera 2f.
9. Quint 1 1/3'
10. Scharff 4-6f
11. Fagott 16'
12. Trechterregal 8'

Hauptwerk

13. Prinzipal 16'
14. Bordun 16'
15. Oktav 8'
16. Spitzflöte 8'
17. Quint 5 1/3'
18. Oktav 4'
19. Nachthorn 4'
20. Nasat 2 2/3'
21. Superoktav 2'
22. Flachflöte 2'
23. Mixtur 5-6f
24. Scharff 3f
25. Trompete 8'
26. Trompete 4'

Hinterwerk

27. Quintadena 16'
28. Oktav 8'
29. Viola di gamba 8'
30. Rohrflöte 8'
31. Oktav 4'
32. Flûte douce 4'
33. Quint 2 2/3'
34. Oktav 2'
35. Nachthorn 2'
36. Sifflet 1'
37. Tertian 2f.
38. Mixtur 6f.
39. Kling. Zimbel 3f
40. Hautbois 8'
41. Vox humana 8'

Pedal

42. Prinzipal 16'
43. Subbass 16'
44. Oktav 8'
45. Rohrflöte 8'
46. Quint 5 1/3'
47. Oktav 4'
48. Nachthorn 2'
49. Rauschpfeife 3f
50. Mixtur 4-6f
51. Posaune 16'
52. Fagott 16'
53. Trompete 8'
54. Trompete 4'
55. Cornett 2'

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Friedrich @, Sonntag, 27. Februar 2011, 14:31 (vor 5665 Tagen) @ Aeolinchen

Schon ein bisschen größer als "mittelgroß", aber auch ganz schön:
...

Also wenn das ein "Was bin ich" ist, dann bin ich schon mal ratlos. Ich tippe auf Karl Schuke oder nicht lange danach, vielleicht auch Beckerath; dafür spricht z. B. die Besetzung mit Nasat im HW, Fagott und Trechterregal im RP, kein komplettes Cornet décomposé usw.; für die Nähe zur Orgelbewegung spricht die Pedalbesetzung ohne 32', dafür mit norddeutschem Zungenchor bis 2', außerdem die Betonung des Prinzipalchors in allen Werken. Ungewöhnlich finde ich den großen HW-Prinzipalchor mit Großquinte und 16'-Prinzipal -- das muss schon ein großer Raum sein, für den da disponiert wurde, andererseits keiner, der zwingend einen 32' fordert. Gut kann man sich hier einen neu-hamburgischen Prospekt mit Pedaltürmen vorstellen.

So eine Orgel, kernig intoniert, macht bestimmt Spaß. Da wäre ich mal neugierig. Kommt hier jemand drauf?

Gruß,
Friedrich

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

jrbecker @, Sonntag, 27. Februar 2011, 19:22 (vor 5665 Tagen) @ Friedrich

Also ich habe unter mehr als 7.000 Orgeln nicht eine gefunden, in der ein Trechterregal als einzige 8'-Zunge neben einem Fagott steht. Ich habe ein ganze Serie gefunden, wo es neben Dulzian 16' oder Rankett 16' (oder anderen Regalen) steht, aber wie gesagt nicht ein einziges Mal neben einem Fagott 16'.

Ich habe nur eine Konstellation gefunden, in der es als einzige 8'-Zunge neben einer 16'-Trompete steht - aber das ist etwas ganz anderes :-)

Ich tippe auf etwas selbst ausgedachtes oder eine Planung, die so nicht umgesetzt wurde.

Lg
Jörg

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Aeolinchen, Sonntag, 27. Februar 2011, 20:43 (vor 5665 Tagen) @ jrbecker

Also ich habe unter mehr als 7.000 Orgeln nicht eine gefunden, in der ein Trechterregal als einzige 8'-Zunge neben einem Fagott steht. Ich habe ein ganze Serie gefunden, wo es neben Dulzian 16' oder Rankett 16' (oder anderen Regalen) steht, aber wie gesagt nicht ein einziges Mal neben einem Fagott 16'.

Nehmen wir doch einfach mal an, dass sich hinter dem Namen "Fagott" ein Dulzian verbirgt.

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

jrbecker @, Sonntag, 27. Februar 2011, 21:13 (vor 5665 Tagen) @ Aeolinchen

Nehmen wir doch einfach mal an, dass sich hinter dem Namen "Fagott" ein Dulzian verbirgt.


Tja, was sich hinter welchen Namen verbirgt ist so eine Sache. Wenn ich ein Instrument finden soll, muss ich nicht wissen, was im Gehäuse steht, sondern was auf dem Registerschild steht oder wie die Disposition veröffentlicht ist. Klar, ich habe bei weitem noch nicht alles gelesen, was es so gibt, aber: In den von mir bisher gesichteten Quellen stand diese Orgel so nicht drin. ... und gespielt habe ich sie auch noch nicht. Ich passe.

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Aeolinchen, Sonntag, 27. Februar 2011, 20:46 (vor 5665 Tagen) @ Friedrich

Ungewöhnlich finde ich den großen HW-Prinzipalchor mit Großquinte und 16'-Prinzipal -- das muss schon ein großer Raum sein, für den da disponiert wurde, andererseits keiner, der zwingend einen 32' fordert.

... und keine 16'-Trompete im Hauptwerk... :)

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Aeolinchen, Dienstag, 01. März 2011, 22:47 (vor 5663 Tagen) @ Friedrich

Gut kann man sich hier einen neu-hamburgischen Prospekt mit Pedaltürmen vorstellen.

Oder sogar einen alt-hamburgischen Prospekt mit Pedaltürmen:

[image]

Mittelgroß, Werkprinzip und andere Tabus

Friedrich @, Dienstag, 01. März 2011, 23:23 (vor 5663 Tagen) @ Aeolinchen

Äolinchen, Du Schuft.
Ein später Schnitger.
Teufel auch.

Gratulation!
Friedrich

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