Auftakt in St. Peter: Marcel Andreas Ober am 21.02.2011
Hallo Forum,
nun hat Düsseldorf sie wieder, die Kirche und Orgel St. Peter. Marcel Andreas Ober spielte am 21.02.2011 ein Konzert zur Wiedereröffnung. Da war für jeden etwas dabei: Barock, Romantik und Moderne, Bekanntes und weniger Bekanntes, Kräftiges und Lyrisches. Und so waren auch alle gekommen: Das Mittelschiff der Kirche war voll besetzt, und auch in den Querhäusern saßen noch Hörer. Festliche Erwartung.
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Passend zum Patron war der Auftakt gewählt: “Tu es Petrus”, Toccata von Henri Mulet. Dankbar stellte ich fest, daß Ober nicht in die Vollen ging. Oder war die Orgel deutlich gedrosselt? Oder hatte in den letzten Jahren mein Hörvermögen deutlich abgenommen? Alles drei ist möglich - auch die volle Kirche mag noch dazu beigetragen haben. Jedenfalls fehlte es an Brutalität. Und das empfand ich nun gar nicht als Manko - im Gegenteil.
Den Weg ins Barock fand Ober über ein geschmackvoll ausgespieltes Sicilienne aus “Bachs Memento” von Widor. BWV 664 “Allein Gott in der Höh sei Ehr” kam herrlich präzise mit seinen rollbewegten Themeneinsätzen. Und dann die Epidemische: Auch noch gut durchhörbar, Tempo mit Rücksicht auf den Nachhall nicht zu schnell, wunderbar satter Schlußakkord.
Eher duftig, aber an der Grenze zur Durchhörbarkeit danach Mendelssohn. Ober spielte eine eigene Bearbeitung des Scherzos aus der Sommernachtstraummusik op. 61.
War das ”Ave Maria von Arcadelt” (Liszt) neulich in St. Martin als andächtiges Gebet eher schlicht gewesen, so entwickelte es sich hier weiter zu einer raffinierten Mischung und Abstufung von schlanken Streicherstimmen etc. Das war sehr beeindruckend und zeigte exemplarisch, was die Orgel im lyrischen Bereich zu leisten imstande ist - ein Bereich, der vor dem Kirchenbrand von vielen Gastorganisten eher beiläufig benutzt wurde; da hatte die schiere Kraft der Orgel wohl mehr Reiz ausgeübt. Aber der Hausherr Ober kennt seine Orgel natürlich besonders gut.
Weiter ging es mit Frankreich: Gigout mit Scherzo E-Dur aus den “Dix pièces”, Boellmann mit “Canzona dans la tonalité grégrorienne” aus den “Douze pièces” op. 16
Von Messiaen kam “Joie et clarté des corps glorieux”, herrlich in der rhythmischen Akzentuierung. Auch die nötige Schärfe war da.
In Francks op. 18 mußte man unwillkürlich ein wenig schmunzeln: Orgeln sind halt auch nur Menschen, und so war die Oboe im oberen Bereich unüberhörbar verstimmt. Sonntag ein Pontifikalamt bei voller Kirche, bei diesem Konzert wieder eine volle Kirche: Wieviel Kaltluft (Außentemperatur um 0° oder kälter) dürfte da beim ständigen Öffnen der Türen unter der Orgel hereingeströmt sein? (Nebenbei: Thorsten Göbel läßt die Besucher stets nur über einen Nebeneingang in die Auferstehungskirche, weil er um das Halten der Stimmung fürchtet). Sei’s drum: Der Franck war schön ausgesungen und spannend dargeboten.
Abschluß dann mit Duruflé, Toccata aus op. 5. Auch hier satte Kraft, aber keine Brutalität. Großer, anhaltender Beifall. Und Ober hatte natürlich noch einen Trumpf im Ärmel: Widor, Toccata aus der Fünften. Tja, das stimmte halt alles. Tempo, Abstufungen, Durchhörbarkeit,... Kein reines Schau- oder Virtuosenstück sondern Musik.
Ein wahrhaft gelungener Wiedereinstieg in das Orgelleben an St. Peter. Und angekündigt wurde denn auch, daß man sich den dritten Montag im Monat, 19:30h vermerken solle. Die Tradition wird also aufgenommen. Gaudete!
Gruß Clemens Schäfer
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)
Auftakt in St. Peter: Marcel Andreas Ober am 21.02.2011
Passend zum Patron war der Auftakt gewählt: “Tu es Petrus”, Toccata von Henri Mulet. Dankbar stellte ich fest, daß Ober nicht in die Vollen ging. Oder war die Orgel deutlich gedrosselt? Oder hatte in den letzten Jahren mein Hörvermögen deutlich abgenommen? Alles drei ist möglich - auch die volle Kirche mag noch dazu beigetragen haben. Jedenfalls fehlte es an Brutalität. Und das empfand ich nun gar nicht als Manko - im Gegenteil.
Hallo!
Hier möchte ich nachhaken: Die Göckel-Orgel(n) sind für ihre aufgebohrten, lauten Klang bekannt, insbesondere war galt das auch für die Orgel in St. Peter. Ich war nun selbst nicht da, aber selbst bei Tonaufnahmen merkte, man, wie die Orgel "drückt".
Dass die Orgel in St. Peter nun beim Wiedereinbau etwas zurückgenommen worden ist, war zu vernehmen. Aber ich kann mir nun auch nicht vorstellen, dass die Orgel so stark zurück genommen wurde, dass man "Brutalität" vermissen müsste.
Und falls doch: dann kann man ja endlich die Registerzüge für die vorbereiteten Chamaden belegen ;)
Gruß
Karsten
Auftakt in St. Peter: Marcel Andreas Ober
Dass die Orgel in St. Peter nun beim Wiedereinbau etwas zurückgenommen worden ist, war zu vernehmen.
Wie ich kürzlich "von gut unterrichteter Seite" erfuhr, wurden - in Absprache u.a. mit Herrn Ober - hauptsächlich Zungenstimmen leiser gemacht.
Grüße,
perotin
Auftakt in St. Peter: Marcel Andreas Ober am 21.02.2011
Dass die Orgel in St. Peter nun beim Wiedereinbau etwas zurückgenommen worden ist, war zu vernehmen. Aber ich kann mir nun auch nicht vorstellen, dass die Orgel so stark zurück genommen wurde, dass man "Brutalität" vermissen müsste.
Und falls doch: dann kann man ja endlich die Registerzüge für die vorbereiteten Chamaden belegen ;)Gruß
Karsten
Hallo,
Kraft ist durchaus noch genug da. Wie an anderer Stelle schon berichtet wurde, sind insbesondere die Zungen zrückgenommen worden, allerdings nicht alle: in der Hauptsache wurden wohl die Hauptwerkszungen nachbearbeitet. Das führt nun nach meiner ersten Beobachtung zu dem seltsamen Ergebnis, dass die die Schwellwerkstrompeten deutlich fetter sind als die Schwestern im Hauptwerk. Die ohnehin schon mächtige 32' Zunge mit voller Länge deckt jetzt die "Mitte" der Orgel ziemlich zu. Die Orgel ist zwar etwas gezähmter, dafür stimmen aus meiner Sicht einige Proportionen nicht mehr so recht.
Clemens Schäfer berichtete oben schon von der verstimmten Oboe im Schwellwerk. Mir ist es nicht verständlich, wie einen Tag nach der der Wiedereinweihung ein Register im Diskantberich fast völlig unspielbar sein kann - nicht nur einzelne Töne!
Marcel Ober hat in der Variation des Franck das Thema auf der Zungenstimme eine Oktave nach unten transponiert, damit es einigermaßen erträglich wurde.
Aus meiner Sicht ist an der Orgel noch einiges zu tun.
Gruß
Rolf
Auftakt in St. Peter: Marcel Andreas Ober am 21.02.2011
Mir ist es nicht verständlich, wie einen Tag nach der der Wiedereinweihung ein Register im Diskantberich fast völlig unspielbar sein kann - nicht nur einzelne Töne!
Ich gehe davon aus, dass das von Intonationsproblemen herrührt.
Vor langen Jahren habe ich während meiner Lehrzeit eine große Domorgel von 175 ausgereinigt, die dann auch abschließend vom zweiten Intonateur meiner Lehrfirma nachintoniert wurde. Zwei Tage nach der Wiederinbetriebnahme rief der Organist an, dass die Zungen total verstimmt seien und die Stimmung nicht hielten.
Nach einer nochmaligen Nachintonation war das dann aber ok.
Dieter
Auftakt in St. Peter: Marcel Andreas Ober am 21.02.2011
für alle, die es interssiert:
das Pontifikalamt zur Wiedereröffnung der Peterkirche könnt Ihr Euch hier ansehen.
Schön, dass das Kölner "domradio" immer bis zum letzten Orgelton auf Sendung bleibt :-)