BWV 552 mit Pauken und Trompeten (OT)

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Samstag, 26. Februar 2011, 11:56 (vor 5667 Tagen)

Hallo Forum,

nein, dies ist kein Orgelbericht. Praeludium und Fuge Es-Dur, BWV 552, wurden von den Düsseldorfer Symphonikern unter Axel Kober (hiesiger Opern-GMD) gespielt. Als der Schlußakkord (mit Beckenschlag!) stand, mußte ich herzhaft lachen. Es war schon einigermaßen bizarr, was da über die Rampe gekommen war. Mit Pauken und Trompeten, Celesta und zwei Harfen, je zwei Kontrafagotte, Englische Hörner, Piccoloflöten, Sopran- und Baßklarinetten (neben dem üblichen Holz - und reichlichem Blech). Nun kann man dem Ganzen eine gewisse Raffinesse (Bearbeiter: Arnold Schönberg) nicht absprechen. In den Echostellen im Praeludium wechselten sich Hörner mit Holz ab. Wo Mixturen erwartet werden, kam die Celesta ins Spiel. Die Fuge begann mit Klarinetten (Comes mit Baßkl.),... Alles war ausgetüftelt bis ins Detail, manche Linie durch Klangfarbenwechsel willkürlich unterbrochen. Gedanken hat sich Schönberg da wirklich reichlich gemacht. Und das Ergebnis ist effektvoll, wenn auch geschmäcklerisch. Den gut aufgelegten Symphonikern machte das sichtlich Spaß. Der Beifall war aber eher müde.

Das änderte sich im Laufe des Abends. Vor der Pause gab es zunächst die Rückert Lieder von Mahler mit der superben Susan Maclaen, Mezzosopran. Nach der Pause wieder (verkappte) Orgelmusik: Bruckners Fünfte. Das waren 75 Minuten vom Feinsten und rief Jubelstürme hervor. Aber jetzt bin ich doch zu weit OT.

Gruß Clemens Schäfer

--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

BWV 552 mit Pauken und Trompeten (OT)

perotin @, Rhein-Neckar-Raum, Samstag, 26. Februar 2011, 15:10 (vor 5667 Tagen) @ Clemens Schäfer

Hallo Forum,

nein, dies ist kein Orgelbericht. Praeludium und Fuge Es-Dur, BWV 552, wurden von den Düsseldorfer Symphonikern unter Axel Kober (hiesiger Opern-GMD) gespielt. Als der Schlußakkord (mit Beckenschlag!) stand, mußte ich herzhaft lachen. Es war schon einigermaßen bizarr, was da über die Rampe gekommen war. Mit Pauken und Trompeten, Celesta und zwei Harfen, je zwei Kontrafagotte, Englische Hörner, Piccoloflöten, Sopran- und Baßklarinetten (neben dem üblichen Holz - und reichlichem Blech). Nun kann man dem Ganzen eine gewisse Raffinesse (Bearbeiter: Arnold Schönberg) nicht absprechen. In den Echostellen im Praeludium wechselten sich Hörner mit Holz ab. Wo Mixturen erwartet werden, kam die Celesta ins Spiel. Die Fuge begann mit Klarinetten (Comes mit Baßkl.),... Alles war ausgetüftelt bis ins Detail, manche Linie durch Klangfarbenwechsel willkürlich unterbrochen. Gedanken hat sich Schönberg da wirklich reichlich gemacht. Und das Ergebnis ist effektvoll, wenn auch geschmäcklerisch. Den gut aufgelegten Symphonikern machte das sichtlich Spaß. Der Beifall war aber eher müde. (...)

Hallo Herr Schäfer,

danke für die Impressionen. "Bizarr - willkürlich - geschmäcklerisch" trifft es ganz gut. Ich konnte mich bisher mit dieser Transkription allenfalls stellenweise anfreunden. Sie wird dem Werk insgesamt nicht gerecht.

Grüße,
perotin

BWV 552 mit Pauken und Trompeten (OT)

Karsten, Samstag, 26. Februar 2011, 17:53 (vor 5667 Tagen) @ perotin


danke für die Impressionen. "Bizarr - willkürlich - geschmäcklerisch" trifft es ganz gut. Ich konnte mich bisher mit dieser Transkription allenfalls stellenweise anfreunden. Sie wird dem Werk insgesamt nicht gerecht.

Also ich höre - hin und wieder - viele derartige romantischen Orchestertranskriptionen von Bach-Werken mit großem Vergnügen. Den von Clemens angesprochene "Spaß-Faktor", den diese Transkription bei den Ausführenden hervor rief, kann ich zumindest sehr gut nachvollziehen.

Ob diese Transkriptionen den Werken "gerecht" werden, nun ja. Man muss ganz klar shen, dass es - zumindest bei Stokowski - bei den Transkriptionen nicht darum ging, die Werke zu verbessern oder in Konkurrenz zu ihnen zu treten. Dazu schätzte er die Originalwerke zu sehr. Zu seiner Tranksription der Bach-Ciacona schrieb Stokowski:

"Bestimmte Entwürfe Bachs sind so gigantisch, daß sie eine große Leinwand benötigen. Wenn Bach die ausgezeichneten Orchester unserer Zeit zur Verfügung gestanden hätten, welch glorreiche Musik hätte er geschaffen. Mit diesem Gedanken im Sinn habe ich eine Orchesterbearbeitung der großen Chaconne in d-Moll vorgenommen. Natürlich nicht, um sie mit der ursprünglichen Fassung für Solovioline zu vergleichen. Wenn diese von einem großen Geiger gespielt wird, bei dem sich profunde Interpretation und meisterhafte Technik ergänzen, ist der Eindruck unvergeßlich. Doch solche Künstler und Aufführungen sind rar. Mein Wunsch ist es, dieses Meisterwerk Musikliebhabern nahezubringen in der Hoffnung, die Fülle des Ausdrucks zu vermitteln, die Bach vielleicht zu erreichen gewünscht hätte, wenn ihm eines der großen Orchester der Gegenwart zur Verfügung gestanden hätte."
Zitiert nach dem Booklet "Stokowski's Symphonic Bach Vol.2", BBC Philharmonic, Matthias Bamert, Chandos 10282

Also: einfach mal zurücklehnen und ein wenig im Klangrausch schwelgen ;) (Wenn man mit großem symphonischen Orchetserklang nix anfangen kann, kann man's natürlich gleich sein lassen.)

Gruß
Karsten

BWV 552 mit Pauken und Trompeten (OT)

Friedrich @, Samstag, 26. Februar 2011, 19:35 (vor 5667 Tagen) @ Karsten

Also: einfach mal zurücklehnen und ein wenig im Klangrausch schwelgen ;) (Wenn man mit großem symphonischen Orchetserklang nix anfangen kann, kann man's natürlich gleich sein lassen.)

Ooh jaaaa ...
Mein Lieblingsbeispiel, absolut kongenial. Unbedingt bis zum Schluss hören!

Gruß,
Friedrich

BWV 552 mit Pauken und Trompeten (OT)

schnitgers.anderer.erbe, Samstag, 26. Februar 2011, 21:17 (vor 5667 Tagen) @ Friedrich

Danke...das ist wunderbar!

BWV 552 mit Pauken und Trompeten (OT)

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Samstag, 26. Februar 2011, 21:33 (vor 5667 Tagen) @ Friedrich

Hallo,

Unbedingt bis zum Schluss hören!

ich hab's getan. Schaurig schön. Bombastischer geht's nimmer.

Ja, es ja toll, was Bach alles verträgt. Meditationen à la Gounod, Verjazzung à la Loussier, aufgedonnerte Bombastik à la Stokowski, Elgar, Schönberg etc., Bach auf dem Akkordion in der Fußgängerzone, von den Swingle-Singers mit Konsonantakrobatik...

Durch welchen Fleischwolf man Bach auch dreht, es kommt immer wieder Bach heraus. Man nenne mir einen Komponisten, der das alles auch verträgt.

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

BWV 552 mit Pauken und Trompeten (OT)

Fabian Brackhane ⌂ @, Worms, Samstag, 26. Februar 2011, 19:43 (vor 5667 Tagen) @ Karsten

Ob diese Transkriptionen den Werken "gerecht" werden, nun ja. Man muss ganz klar shen, dass es - zumindest bei Stokowski - bei den Transkriptionen nicht darum ging, die Werke zu verbessern oder in Konkurrenz zu ihnen zu treten. Dazu schätzte er die Originalwerke zu sehr.

Ich denke, genau das ist der Casus knacktus. Diese Orchestertranskriptionen sollen eben kein "anders" oder gar "besser" der Originalkompositionen sein. Ich denke, der Terminus "Palimpsest" träfe vielleicht ganz gut das, was Schönberg, Elgar & Co vorgeschwebt haben mag: Das musikalische "Rohmaterial" in eine zeitgemäße Form zu gießen, ohne sich aber sklavisch an die Intentionen des ursprünglichen Komponisten zu klammern.

BWV 552 mit Pauken und Trompeten (OT)

Tabernakelwanze @, Niederrhein, Sonntag, 27. Februar 2011, 13:13 (vor 5666 Tagen) @ Karsten

Ich finde, Bach hat auch ohne die heutigen Orchester gloreiche Musik geschrieben! Manche Leute schreiben sich einen Murks zusammen...

BWV 552 mit Pauken und Trompeten (OT)

kjz1, Sonntag, 27. Februar 2011, 17:44 (vor 5666 Tagen) @ Karsten

Ob diese Transkriptionen den Werken "gerecht" werden, nun ja. Man muss ganz klar shen, dass es - zumindest bei Stokowski - bei den Transkriptionen nicht darum ging, die Werke zu verbessern oder in Konkurrenz zu ihnen zu treten. Dazu schätzte er die Originalwerke zu sehr. Zu seiner Tranksription der Bach-Ciacona schrieb Stokowski:

Vielleicht schimmert da ja auch durch, dass Stokowski von Hause aus eigentlich gelernter Organist war und diese Position auch an einer großen Orgel in New York ausgeübt hat.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

BWV 552 mit Pauken und Trompeten (OT)

Karsten, Sonntag, 27. Februar 2011, 19:20 (vor 5666 Tagen) @ kjz1

Ob diese Transkriptionen den Werken "gerecht" werden, nun ja. Man muss ganz klar shen, dass es - zumindest bei Stokowski - bei den Transkriptionen nicht darum ging, die Werke zu verbessern oder in Konkurrenz zu ihnen zu treten. Dazu schätzte er die Originalwerke zu sehr. Zu seiner Tranksription der Bach-Ciacona schrieb Stokowski:


Vielleicht schimmert da ja auch durch, dass Stokowski von Hause aus eigentlich gelernter Organist war und diese Position auch an einer großen Orgel in New York ausgeübt hat.

Ja, das war ja auch einer der Gründe, warum sich Stokowski an die Transkriptionen machte (Orchesterbearbeitungen gab es ja schon von anderen): er liebte diese Werke, hatte aber durch die Dirigiertätigkeit keine Möglichkeit mehr, die Orgelwerke aufzuführen. Also waren diese Bearbeitungen eine Möglichkeit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Wieviele Orgelfans mag Stokowski durch seine Transkriptionen gewonnen haben?!

Gruß
Karsten

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