Anekdoten im Orgelbau

jrbecker @, Dienstag, 08. März 2011, 21:39 (vor 5656 Tagen)

Die Überlegung Koppelmanual oder 2 Koppeln in beide Richtungen aus einem anderen Thread brachte mich doch glatt auf die Idee, hier einmal von einer kleinen Anekdote zu berichten, die ich bei der Reinigung meiner Orgel vor kurzer Zeit erlebte. Ich habe ein zweimanualiges rein mechanisches Werk, das I. Manual spielt das RPos an, das II. Manual das HW. Verbunden werden sie durch eine Schiebkoppel, ziehe ich das oben liegende Hauptwerk nach vorne, wird das RPos an das HW angekoppelt - von "unten" nach "oben" sozusagen.

Nun fand die Ausreinigung der Orgel statt, und nachdem alles kurz vor dem Wochenende wieder auf den letzten Drücker zusammengebaut war, hatte ich einen Gottesdienst, zu dem ich zugegebenermaßen auch so spät kam, dass ich mich vorher nicht an die Orgel setzen konnte. Ich legte die Noten auf, wollte ein Stück spielen, mit Begleitung auf RPos und c.f. auf dem HW, das RPos wollte ich ans HW koppeln, also zog ich die Schiebekoppel. Um so erstaunter war ich, als beim ersten Begleitakkord auf dem RPos sich die HW-Tasten senkten und der volle "Sound" erklang...

Plötzlich koppelte meine Schiebekoppel nicht meht I/II, sondern II/I. Warum? Der Lehrling hatte die Mitnehmer nicht UNTER den Hauptwerkstasten auf die Stifte geschraubt, so dass die HW-Tasten die RPos-Tasten mit nach unten drücken, sondern er hat die Mitnehmer oben auf die durch die Tasten laufenden Stifte geschraubt, so dass die RPos-Tasten nun die HW-Tasten mitnahmen. Der kontrollierende Meister hatte dies offensichtlich nicht kontrolliert, denn er antwortete hierauf angesprochen nur: "Jetzt weiß ich auch, warum der beim Anschrauben der Muttern so geflucht hat, dass die Stifte so kurz sind..."

Ich habe dann einige Gottesdienste mit dieser umgebauten Koppel gespielt und tatsächlich kann ich verstehen, warum zwei Koppeln in beide Richtungen eine große klangliche Erweiterung darstellen können.

Sind euch ähnliche Anekdoten passiert oder bekannt? Dann berichtet doch einmal darüber!

LG
Jörg

Anekdoten im Orgelbau

Axel ⌂ @, Mechernich, Sonntag, 20. März 2011, 22:39 (vor 5644 Tagen) @ jrbecker

Chaotische Wartungsarbeiten kommen schon mal vor. Vor etlichen Jahren hat eine renommierte und von mir sehr geschätzte Firma an einer historischen Orgel die Traktur so reguliert, dass die Obertasten einen größeren Tastenfall hatten als die Untertasten. Es war nicht möglich, ein fis zu spielen ohne gleichzeitig f und g mitzunehmen. Selbstverständlich wurde der Fehler schnell korrigiert.

Schlimmer ist es, wenn die Krücken der Zungen klemmen und mit Caramba (oder wie heißt dieses Schmierspray) nachgeholfen wird. Da klebten alle Zungen fest...immerhin gingen nachher so wenige Töne, dass sich das Stimmen der Zungen eh nicht mehr lohnte. Das hat mal ein Kollege erlebt.

An gleicher Orgel brach der Schalter für die freie Kombination ab. Nach der Wartung befand sich dann ein Schalter für die Kombination "III. Manual" an dieser Stelle, obwohl die Orgel nur zwei Manuale hat. An welcher Orgel mag der Orgelbauer den Knopf wohl abgeschraubt haben?

Eines meiner alten Dienstinstrumente (inzwischen zum Glück ersetzt) war so verbaut, dass man die Hälfte der Krücken für die Posaune nicht erreichen konnte, ohne das halbe Pedal und einige Stimmgänge auszubauen. Entsprechend war die 30 Jahre lang nicht gestimmt worden...

Grüße
Axel

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