Alexander Herren in St. Andreas, D-Altstadt; Litanies von Al
Hallo Forum,
ist der Beginn von Alains “Litanies” nun ein Fragezeichen - oder doch eher ein Ausrufezeichen? Beide Versionen bekommt man zu hören. Mal ist die Anfangsfanfare verhalten, zögerlich, im Tempo gegenüber dem Nachfolgenden deutlich gemäßigt. Mal kommt es eckig, scharf, schnell und bestimmt. Ich weiß nicht ob ein Tempowechsel vorgeschrieben ist. Mir jedenfalls kommt der rhythmisch akzentuierte, ja vielleicht sogar ein wenig überakzentuierte Einstieg dem Stück angemessener vor. Schließlich handelt es sich nicht um ein Gutachten, wo die Fragestellung am Anfang steht, Argumente folgen und dann ein Ergebnis gezogen wird. Mir scheint der Beginn eher als Motto. Wenn Fragezeichen, dann höchstens das einer rhetorischen Frage. Und die ist nun mal eine Feststellung. Letztlich also ein Ausrufezeichen. Für mein Empfinden soll die Gebetsaussage dem Hörer geradezu trotzig entgegengeschleudert werden; und durch unablässige Wiederholung bekräftigt. Oder sinne ich hier abseits der Noten?
Jedenfalls war die Aufführung des Stück durch Alexander Herren in St. Andreas (Sonntagsorgel 16:30h) Anlaß, diese Gedanken zu formulieren. Denn diese Darbietung versuchte beim Beginn den Spagat zwischen Frage- und Ausrufezeichen. Und am Ende? Steht da eine Fermate über dem letzten Akkord? Der wurde unendlich lange ausgehalten. Muß er nicht kurz abgerissen kommen (Punktum! So ist es!)?
Begonnen hatte Herren (Seelsorgebereichsmusiker in Troisdorf, an der Andreas-Orgel aber nicht unerfahren) mit Francks drittem Choral a-moll. Richtig in Tempo und Dynamik. Einige Registrierungen schienen mir “unüblich”. Nun ja, ein wenig Experimentieren ist sicher erlaubt. Ganz wunderbar war das Mittelstück des Konzerts: Jeanne Demessieux , Choralparaphrase sur le “Attende Domine”. Ein ruhiges Stück über weit ausholender Harmonik. Sehr hörens- und spielenswert.
Gruß Clemens Schäfer
--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)