Mitteltönig & gleichschwebend in einer Orgel

der_kasibaer, Samstag, 25. August 2012, 20:24 (vor 5173 Tagen)

Hallo,

ich arbeite diesen Sommer an der Stanford University in Kalifornien (südl. von San Francisco) und habe in mehreren Konzerten die mechanische, norddeutsch inspirierte Fisk-Orgel in der Memorial Church gehört.


Nun habe ich heute ein Video einer Orgeldemonstration mit Adam Detzner gefunden (leider schlechte Qualität), in dem er demonstriert, dass das obere (4.) Manual (Brustpositiv) mit Subsemitonien immer mitteltönig erklingt, man aber mit einem großen Hebel über dem Spielschrank die anderen drei Klaviaturen umkoppeln kann auf mitteltönig. Dies gescheit (laut Website) durch 5 zusätzliche Pfeifen pro Register pro Oktave (für jede Semitonie), sodaß es nicht 12 sondern 17 Pfeifen pro Oktave sind.

Adam sagt in dem Video, dass das bei keiner anderen Fisk-Orgel und auch sonst bei keiner anderen Orgel existiert. Weiss jemand, ob das stimmt, bzw. gibts ähnliche (voll mechanische) Instrumente?

Robert H. Morgan - Buxtehude Prä. G (mit Barfußtechnik...)

-Ulf

PS: Es gibt auch noch andere interessante Instrumente, neben einer freien Kopie der berühmten hölzernen Compeniusorgel auch eine versuchte Rekonstruktion einer englischen Tudor-Orgel.

Mitteltönig & gleichschwebend in einer Orgel

SlowOrg @, Maribor, Samstag, 25. August 2012, 20:48 (vor 5173 Tagen) @ der_kasibaer

Hallo,

ich arbeite diesen Sommer an der Stanford University in Kalifornien (südl. von San Francisco) und habe in mehreren Konzerten die mechanische, norddeutsch inspirierte Fisk-Orgel in der Memorial Church gehört.


Nun habe ich heute ein Video einer Orgeldemonstration mit Adam Detzner gefunden (leider schlechte Qualität), in dem er demonstriert, dass das obere (4.) Manual (Brustpositiv) mit Subsemitonien immer mitteltönig erklingt, man aber mit einem großen Hebel über dem Spielschrank die anderen drei Klaviaturen umkoppeln kann auf mitteltönig. Dies gescheit (laut Website) durch 5 zusätzliche Pfeifen pro Register pro Oktave (für jede Semitonie), sodaß es nicht 12 sondern 17 Pfeifen pro Oktave sind.

Adam sagt in dem Video, dass das bei keiner anderen Fisk-Orgel und auch sonst bei keiner anderen Orgel existiert. Weiss jemand, ob das stimmt, bzw. gibts ähnliche (voll mechanische) Instrumente?

Robert H. Morgan - Buxtehude Prä. G (mit Barfußtechnik...)

-Ulf

PS: Es gibt auch noch andere interessante Instrumente, neben einer freien Kopie der berühmten hölzernen Compeniusorgel auch eine versuchte Rekonstruktion einer englischen Tudor-Orgel.


Hallo,

als erstes muss gesagt werden, dass die Fisk-Orgel in Standford mitteltönig und wohltemperiert, nicht gleichschwebend, gestimmt ist. Auch die Aussage, dass dies die einzige solche Orgel sei, stimmt nicht. Es gibt ein paar Orgeln von Kristian Wegscheider, die ebenfalls zwei Stimmungen in einem Instrument vereinen. Das letzte mir bekannt Beispiel ist allerdings die Pasi-Orgel in der Kathedrale von Omaha in den USA. Die ganze Orgel ist wohltemperiert gestimmt, von den insgesamt 55 Registern gibt es aber auch 29 Stimmen, die in der mitteltönigen Stimmung zur Auswahl stehen.

Hier ist übrigens auch noch ein Artikel von K. Wegscheider über die möglichen Ausführungsvarianten für eine solche Orgel.

M

Mitteltönig & gleichschwebend in einer Orgel

Oliver Horlitz ⌂, Samstag, 25. August 2012, 20:50 (vor 5173 Tagen) @ der_kasibaer

Hallo,

ich arbeite diesen Sommer an der Stanford University in Kalifornien (südl. von San Francisco) und habe in mehreren Konzerten die mechanische, norddeutsch inspirierte Fisk-Orgel in der Memorial Church gehört.


Nun habe ich heute ein Video einer Orgeldemonstration mit Adam Detzner gefunden (leider schlechte Qualität), in dem er demonstriert, dass das obere (4.) Manual (Brustpositiv) mit Subsemitonien immer mitteltönig erklingt, man aber mit einem großen Hebel über dem Spielschrank die anderen drei Klaviaturen umkoppeln kann auf mitteltönig. Dies gescheit (laut Website) durch 5 zusätzliche Pfeifen pro Register pro Oktave (für jede Semitonie), sodaß es nicht 12 sondern 17 Pfeifen pro Oktave sind.

Umkoppeln auf mitteltönig? (Welche mitteltönige Stimmung? 1/4 sK? 1/5 sK? Von welcher Ursprungsstimmung ausgehend? Das kann dann keine gleichstufige (wer hat gleichschwebend erwähnt?) Stimmung, sondern muß eine "wohltemperierte" sein.

Adam sagt in dem Video, dass das bei keiner anderen Fisk-Orgel und auch sonst bei keiner anderen Orgel existiert. Weiss jemand, ob das stimmt, bzw. gibts ähnliche (voll mechanische) Instrumente?

Meines Wissens hat Chr. Wegscheider so etwas mit 18 (also 6 zusätzlichen) Pfeifen pro Oktave gebaut. Am besten mal auf seiner HP nachforschen...

meint, freundlch grüßend,
Oliver

Mitteltönig & gleichschwebend in einer Orgel

Friedrich @, Samstag, 25. August 2012, 21:31 (vor 5173 Tagen) @ Oliver Horlitz
bearbeitet von Friedrich, Samstag, 25. August 2012, 21:45

Lieber Oliver, liebe alle,

ein paar Antworten gibt’s hier. In Kürze: Fisk hat eine Fünftel-Komma-Stimmung legen lassen, Harald Vogel hat beraten. (Ist das nicht auch die Norder bzw. Hamburger Lösung gewesen?)

Die Orgel war Charles Fisks letzte in dem Sinn, in dem die in der Dresdner Hofkirche Silbermanns letzte war: Er hat die Einweihung nicht mehr erlebt.

Gruß,
Friedrich

der schon neugierig ist, weil er das Jahr 2013 voraussichtlich ebenfalls in Stanford verbringen wird.

1/5K-mitteltönig & modifiziert gleichstufig in einer Orgel

der_kasibaer, Samstag, 25. August 2012, 21:50 (vor 5173 Tagen) @ Friedrich

Vielen Dank für die Antworten.

Gleichschwebend ist natürlich murks, da war ich in Gedanken woanders... Und auf die Idee, bei Fisk selbst nachzuschauen, hätte ich auch kommen können. Die Ausführungen von Wegscheider sind sehr aufschlussreich. Irgendwo habe ich (jetzt erinnere ich mich) auch mal was drüber gelesen, vielleicht gabs vor Jahren mal einen Artikel über eine kleine Wegscheier-Orgel in AO...

PS: Bin nächsten Sommer im übrigen auch wieder hier. Vielleicht sieht man sich im einen oder anderen Konzert!

1/5K-mitteltönig & modifiziert gleichstufig in einer Orgel

Hilbrands, Samstag, 25. August 2012, 22:01 (vor 5173 Tagen) @ der_kasibaer

Harald Vogel hat bei organa eine schöne CD eingespielt (Bruhns, Buxtehude, Bach), auf der zwei Werke einmal mitteltönig und einmal wohltemperiert erklingen.
Die Orgel (IV/60) hat 17 Pfeifen pro Oktave: sieben für beide Temperaturen und je fünf für die speziell mitteltönigen und wohltemperierten Töne. Im Brustwerk auf dem 4. Manuel gibt es zusätzlich Subsemitonien.

Mitteltönig & gleichschwebend in einer Orgel

Poupoulcorouse @, Mülheim am Rhein, Sonntag, 26. August 2012, 18:58 (vor 5172 Tagen) @ Oliver Horlitz

Das Konzept von Fisk in Stanford mit dem "Umschalthebel" ist äußerst beeindruckend.
Es wirkt, von der wirtschaftlichen Seite mal abgesehen, natürlich auch interessanter als die Lösung in Omaha.

Weiß jemand, wie störanfällig dieses System ist? Kennt jemand jemanden, der jemanden kennt, der weiß, wie wartungsintensiv die Orgel in Stanford ist? Hat sich diese Lösung bewährt?

Mitteltönig & gleichschwebend in einer Orgel

Andreas Scotty Böttcher ⌂ @, Dresden, Dienstag, 28. August 2012, 20:52 (vor 5170 Tagen) @ Oliver Horlitz

Meines Wissens hat Chr. Wegscheider so etwas mit 18 (also 6 zusätzlichen) Pfeifen pro Oktave gebaut. Am besten mal auf seiner HP nachforschen...

Stimmt:
in der Kirche Dresden-Wilschdorf...

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"Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche." (Gustav Mahler)

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