Konstantin: Die Lösung!

Friedrich @, Dienstag, 29. März 2011, 13:55 (vor 5637 Tagen)
bearbeitet von Friedrich, Dienstag, 29. März 2011, 13:58

Oder zumindest eine!

... habe ich mir in einer länglichen Sitzung ausgedacht.

Probleme: drei Baukörper; naheliegend: zumindest einen Teil der Manualwerke, mechanisch anspielbar, im mittleren. Pedal und wohl mindestens ein weiteres Manualwerk müssen in die Seitentürme ausgelagert und elektrisch angespielt werden. Das ist ungünstig für die Abhörbarkeit der Bassstimme.

Mein Lösungsvorschlag ist u. a. inspiriert von der Klais-Orgel in Bath mit ihren drei 8'-Stockwerken. (Dort ist das Pedal allerdings komplett hinter das Gehäuse geräumt, auf mehrere Stockwerke und in beträchtlicher Tiefe.)

Abhörbarkeit: Der Spieltisch sollte verhältnismäßig weit vor das Mittelturm-Gehäuse gesetzt werden, vielleicht sogar frei davor stehen. Dann verzichtet man auf hängende Trakturen, hat aber
a) bessere Chancen, das Pedal zu hören,
b) den Unterbau frei für ein Stockwerk mit Windladen.
Sekundärer Gewinn: ein bisschen Platz für kleine Ensembles oder Solisten.

Der Mittelturm, mit annähernd quadratischer Grundfläche, bekäme dann folgende Stockwerke:

1. Emporenebene: hinten ein lyrisches Schwellwerk (4. Manual), Windladen C-Cis-geteilt auf Sturz, Stimmgang von hinten nach vorne zwischen den Teilladen, Jalousien öffnen sich nach beiden Gehäuseseiten; darinnen ein Gedackt 16'. Parallel zur Front, dem Spieltisch (so freistehend) gegenüber: Eine kleine Pedallade mit Bordun 8', Flöte 4' und Nachthorn 2'*; der 16' vom Sw dahinter würde transmittiert.
Dieses Kleinpedal, eventuell mit gekoppeltem lyrischem SW, kann dem Organisten mehr Abhörkontrolle bzw. Fuß-Ohr-Kordination geben (und sollte deswegen auch lieber nicht mit in den Schwellkasten des vierten Manuals wandern). Alternativ ließe sich ein komplettes Kleinpedal dorthin packen, also auch mit leisen Zungen, Aliquoten und eventuell dem Cello (die Mixtur gehört allerdings m. E. zum großen Prinzipalchor in die Türme). Will man dann noch zwei Schwellwerke, müssten die in die Seitengehäuse, oder (ungern) das 8'-Nebenwerk müsste schwellbar gemacht werden.

2. erstes Obergeschoss: ein Oberwerk (1. oder 2. Manual), freistehend, mit Prinzipal 8' teilweise in der Front; dahinter Platz für Gebläse, Bälge und Treppen.

3. zweites Obergeschoss: eine schöne, breite und tiefe Hauptwerkslade (2. oder 1. Manual), auf der alles Platz hätte, was man sich da so wünscht. Z. B. auch Spanische; die ich mir allerdings auch im Oberwerk gut vorstellen kann, wo sie ein Gegengewicht zum HW ergäben.

Auf die Seitentürme würde das Pedal (Prinzipalchor, kräftige Streicher, Subbass, Aliquoten, Zungen) sinnvoll verteilt werden. Was C-Cis-Teilung angeht, wäre ich mir (wie schon gesagt) unsicher, ob die musikalisch sinnvoll ist. Frontlade mit 32'- und 16'-Registern, Hinterlade mit übrigen und den Bälgen. Ein zweite Etage auf etwa halber Tiefe nähme dann jeweils einen Teilschwellkasten des großen Schwellwerks (3. Manual) auf.

Gut eigentlich, dass die Bautzener dran sind. Die haben ja schon in der Porsche-Orgel Erfahrungen mit weit auseinandergezogenen C-Cis-Pedalladen gesammelt.

Gruß,
Friedrich

*Ja, ich weiß. Aber eine Orgel mit 83 Registern und ohne 2'-Flöte im Pedal ist nun mal eine Orgel ohne mich. Auch wenn das weiter nichts zu sagen hat.

Konstantin: Die Lösung!

Martin78 @, Dienstag, 05. April 2011, 09:58 (vor 5630 Tagen) @ Friedrich

Hallo,

hier befinden sich jetzt weitere Infos, aber bei mir wird die Seite nur unvollständig dargestellt bzw. der Text ist mitten im Satz abgeschnitten. Ist das bei euch auch so?

Man liest von drei schwellbaren Werken (Schwellwerk, Récit und Orchestral / Solo)...

Gruß
Martin

Konstantin - Neue Informationen

Martin78 @, Dienstag, 05. April 2011, 10:04 (vor 5630 Tagen) @ Martin78
bearbeitet von Martin78, Dienstag, 05. April 2011, 12:05

Ah, wenn man den Text rauskopiert, funktioniert's:


Realisierung einer Vision

Wohl kaum ein anderes Instrument hat so vielfältigen stilistischen Ansprüchen zu genügen wie die Orgel. Seit ihrer ersten Hochblüte im 17. / 18. Jahrhundert hat sich die „Königin der Instrumente“ stetig weiterentwickelt: Neue technische Möglichkeiten, die Ausweitung der Klangfarbenpalette sowie die Kompositions-technik gingen dabei Hand in Hand.

Seit nunmehr 51 Jahren verfügt die Basilika über ein zwar sehr klangschönes Instrument, aber sowohl von der technischen Ausstattung als auch der klanglichen Bandbreite her lediglich über eine Chororgel. Ein Großteil der Orgelliteratur ab dem frühen 19. Jahrhundert ist in Gottesdienst oder Konzert gegenwärtig entweder gar nicht oder nur mit höchst unseriösen künstlerischen Kompromissen darstellbar. Bis zu den Zerstörungen im 2. Weltkrieg existierte allerdings auf der ganzen Breite der Südwand eine große symphonische Hauptorgel.

Die Idee, die seit dem Krieg verlorene Hauptorgel für eine der größten evangelischen Kirchen der EKiR wiederzugewinnen, reichte schon in die 1950er Jahre zurück. Nachdem aber 1962 die kleine Lösung in Gestalt der Schuke-Chororgel umgesetzt wurde, war jahrzehntelang der Gedanke an eine neue Hauptorgel außer Reichweite.

Erst 2001 wurde ein neuer Vorstoß gewagt, der im Jahre 2006 – pünktlich zum Doppeljubiläum der Konstantin-Basilika (150 Jahre Ev. Kirche – 50 Jahre Wiederaufbau) erstmals ein offizielles Gesicht bekam: Staatsministerin Malu Dreyer verkündete öffentlich im Rahmen einer Festveranstaltung, dass das Land den Bau einer neuen Hauptorgel für die Basilika anstrebe. In einem frühen Stadium war klar, dass neben der Auswahl der Erbauerfirma in einem zweiten Schritt die äußere Gestaltung der Orgel Gegenstand eines Architektur-wettbewerbs sein sollte. Beide Auswahlverfahren fanden in enger Abstimmung zahlreicher Gremien statt: Neben dem Finanzministerium waren das Kulturministerium, die Staatliche und Städtische Denkmalpflege, die Archäologische Trier-Kommission, eine Orgelkommission, Vertreter der Ev. Kirche im Rheinland, Mitglieder des Presbyteriums der Ev. Kirchengemeinde Trier sowie – federführend in der organisatorischen Durchführung des Vorhabens – der LBB Trier (Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung) beteiligt. Als letzte Instanz auf dem Weg der Beauftragung fungierte die UNESCO, da es um ein Bauvorhaben in einer Weltkulturerbestätte ging.

Das Ergebnis dieses Auswahlprozesses kann sich im Jahr 2014 sehen und hören lassen: Mit dem Bau der Orgel wird die renommierte Firma Hermann Eule Orgelbau (Bautzen) beauftragt werden, die äußere Gestaltung wurde entwickelt vom Architekturbüro Auer & Weber (München / Stuttgart).

Von dem mit einem finanziellen Gesamtvolumen von 3,1 Millionen EURO bezifferten Projekt übernimmt das Land Rheinland-Pfalz 2,8 Mio., die Ev. Kirchengemeinde Trier steuert - ausschließlich durch eingeworbene Spenden - 300.000 EURO bei.


Die neue Eule-Orgel der Basilika - Eine Annäherung

Die neue Eule-Orgel der Basilika wird technisch in jeder Hinsicht ein Instrument des 21. Jahrhunderts sein und klanglich umfassende Möglichkeiten bieten zur Darstellung jeglicher Orgelmusik ab dem 18. Jahrhundert bis heute.

Beauftragt wird eine Orgel mit 87 Registern (Klangfarben) auf vier Manualen (Tastenreihen) und Pedal (Tastenreihe für die Füße). Jedem der insgesamt fünf Klaviaturen ist ein bestimmtes Werk zugeordnet: Das erste Manual spielt das Hauptwerk an, das zweite Manual das Schwellwerk, das dritte Manual das sogenannte Récit und das vierte Manual nennt sich Orchestral / Solo. Hinzu kommt die Pedalklaviatur. Die Werke des zweiten, dritten und vierten Manuals stehen in einem Schwellkasten, dessen frontseitig angebrachte Holzjalousien sich vom Spieler mittels eines Balanciertritts öffnen und schließen lassen. So wird eine stufenlose Steigerung und Zurücknahme der Klangstärke ermöglicht – eine wesentliche Erfordernis für die Orgelmusik der Romantik und Moderne.

Schon in der Benennung der einzelnen Werke wird deutlich, dass hier länderspezifische Klangcharakteristika eine besondere Rolle spielen. Das Hauptwerk ist dabei dem deutschen hoch- und spätbarocken Registerfundus verpflichtet (z.B. J.S. Bach), das Schwellwerk ist deutsch-romantisch disponiert (z.B. für Werke von Max Reger, Franz Liszt etc.), das Récit orientiert sich an der französisch-romantischen Klanglichkeit (z.B. für Musik von César Franck, Charles-Marie Widor oder Marcel Dupré) und im vierten Manual finden sich Klangfarben der englischen Romantik (z.B. ein voll ausgebauter Streicherchor) sowie besondere Hochdruck-Register wie die Tuba imperialis. Weitere anglo-amerikanische Farbtupfer sind über die ganze Orgel verteilt.

Wie ein Maler Farbmischungen für seine Bilder oder ein Koch bestimmte Zutaten zum Gelingen eines besonderen Gerichtes gezielt einsetzt, wird es in Zukunft möglich sein, mit genau den Klangfarben zu arbeiten, die den Komponisten ab dem frühen 19. Jahrhundert für ihre Orgelwerke vorschwebten - von den geradezu unerschöpflichen Möglichkeiten für improvisierte Musik ganz zu schweigen. Geplant ist – neben dem Hauptspieltisch direkt am Orgelgehäuse auf der Südwand – ein fahrbarer Zweitspieltisch zu ebener Erde, der einen nahtlosen Wechsel zwischen Orgelspiel und Chordirigat sowie das Zusammenspiel mit jeder denkbaren Instrumental- oder Vokalbesetzung ermöglichen wird.

Nach der Auftragsvergabe wird die Orgel zunächst in der Bautzener Werkstatt der Firma Eule Stück für Stück entstehen und dort erstmals zu einem funktionierenden Ganzen zusammengefügt. Anschließend wird sie wieder in ihre Einzelteile zerlegt, nach Trier gebracht und in der Basilika erneut montiert – diesmal dann dauerhaft. Die drei miteinander verbundenen Orgelkörper werden statisch allein von der Südwand getragen werden, was mit Hilfe von drei stählernen Körben als Bestandteil des Tragwerks der Orgel möglich wird.
Die Phase des Aufbaus in der Kirche ist für den Zeitraum März bis Mai 2014 geplant, während dem der hintere Bereich der Kirche als Bauabschnitt abgeteilt werden wird. Von Juni bis Dezember 2014 wird dann der wichtigste Abschnitt des gesamten Bauvorhabens erfolgen: die Intonation. Hierbei wird jede einzelne der insgesamt 6.000 Pfeifen in ihrem Klangcharakter auf den Raum hin optimiert. Nach dem heutigen Stand der Planung dürfte die neue Hauptorgel zu Weihnachten 2014 das erste Mal erklingen.

LG,
Martin

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