Sinn und Unsinn der Vita

Karsten, Freitag, 01. April 2011, 13:44 (vor 5634 Tagen)

Hallo!

Die Tage viel mir folgende CD in die Hände:

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Harmonies / Orgel Modern
- Krenek: Die vier Winde
- Ligeti: 2 Etüden
- Halffter: Ricercare
- Schnittke: 2 kleine Stücke
- Durko: Andromeda
- Bischof: Cadenza op. 19 Nr. 2
Martin haselböck an der Schuke-Konzertsaalorgel der Philharmonie Warschau
NCA , DDD, 2003

Leider hatte ich noch keine Gelegenehit, die CD anzuhören, ab es geht im folgenden eher um das Booklet. Ich fand die Relationen der Textbeiträge überaus bemerkenswert. Diese waren (in folgender Reihenfolge):

2 Seiten Trackliste
9 1/2 Seiten Künstlerbiographie
8 1/2 Seiten Werkbeschreibungen
3 1/2 Seiten Orgelbeschreibung, davon 2 Seiten Disposition.

Hinzuzufügen wäre, dass es sich um reine Textseiten handelt, also ohne Bilder etc.

Ich frage mich, welchen Sinn und Zweck diese Masse an Künstlerbiographie soll, die ersten kaum einer liest und zweitens nicht wirklich einen Mehrwert an Information bieten, insbesondere was das "Verständnis" der Musik und der Interpretation angeht.

Das lässt sich nun auf Künstler-Vitae(?) allgemein übertragen, insbesondere solche, die man in Konzertprogrammen findet. Dass Künstler-Lebensläufe notwendig und erwartet werden, versteht sich von selbst. Nur das, was drin steht, ist für die wenigsten Hörer von wirklichen Interesse oder Nutzen. Und dass die erfolgreiche Teilnahme an 120 Meisterkursen noch lange kein gutes Konzert garantiert, versteht sich von selbst.

Mich würden nun einie Meinungen dazu interessieren, sowohl aus Verfasser- als auch aus Leser-Sicht. Was erwartet ihr von einem Lebenslauf? Was soll rein? Und vor allem: Wieviel Lebenslauf braucht's??

Gruß
Karsten

Sinn und Unsinn der Vita

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Freitag, 01. April 2011, 14:19 (vor 5634 Tagen) @ Karsten

Hallo,

9 1/2 Wochen Künstlerbiographie - das ist doch was für Masochisten!

Im Ernst, das geht zu weit. Herkunft (Elternhaus Musiker etc? Landsmannschaft, Millieu) können interessant sein. Auch (Prägung durch) Lehrer. Wichtige Preise. Berufliche Stationen. Gfs. Vorlieben oder Spezialisierungen.

Das geht auf max. 2 Seiten.

Gruß Clemens Schäfer

--
Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

Sinn und Unsinn der Vita

doppelfloete_h @, Hannover, Freitag, 01. April 2011, 14:32 (vor 5634 Tagen) @ Karsten

Die 9 1/2 Seiten bedürfen wohl keines weiteren Kommentars, oder?

Ich erinnere mich an die Bitte eines wohl renommierten Gastorganisten, im Programm und in der Jahresvorschau meiner (ehemaligen) Konzertreihe bitte als Vita nur den von ihm selbst angegebenen Text abzudrucken. Das war ein sparsamer Drei- oder Vierzeiler, beinhaltend Wirkungsstätte, Herkunft, Prägung (Instrumente, Lehrer)...

Sinn und Unsinn der Vita

Axel ⌂ @, Mechernich, Freitag, 01. April 2011, 16:17 (vor 5634 Tagen) @ doppelfloete_h

...und das reicht auch. Im Ernst: wer will das lesen? Allerdings ergibt sich bei Bedarf viel Gelegenheit einen solchen Lebenslauf zu "türken", da wird gerne mal aus einem C-Kurs ein Kirchenmusikstudium.

Schöne Grüße
Axel

Sinn und Unsinn der Vita

gk @, Samstag, 02. April 2011, 08:49 (vor 5633 Tagen) @ Karsten

Ach ja, ich erinnere mich, die CD hatte ich unlängst auch auf dem Schreibtisch liegen. Das Mißverhältnis zwischen der Selbstdarstellung des Interpreten und deren Informationsgehalt vor allem vor dem Hintergrund der restlichen Booklets ist mir damals auch unangenehm aufgestoßen. Ich find's einfach ziemlich peinlich und nicht gerade bescheiden. Haselböck hätte so etwas eigentlich nicht nötig.

/guido

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