Els Biesemans in St. Lambertus, D-Altstadt, 04.04.2011
Hallo Forum,
Natürlich und selbstbewußt war die zierliche Els Biesemans (*1978 in Antwerpen) an das Pult getreten und hatte in leicht schwyzerisch gefärbtem Deutsch Ihr Programm erläutert. Seit Mai 2010 ist sie Organistin in Zürich-Wiedikon.
Cortège von Vierne (aus den 24 Stücken im freien Stil op. 31) machte den Auftakt. Ein Einzug mit Glaubensgewißheit, ein wenig Pomp (aber nicht übertrieben) und Größe.
Von Gabriel Pierné folgten Trois Pièces op. 29. Herrlich das laufende Prélude., schön ausgefeilt die Cantilène. Mit dem Scherzo an dritter Stelle eine sehr hörenswerte Gruppe von Stücken - bestens dargestellt.
Im Mittelpunkt des Konzerts Francks Prière. Das hat man nun schon oft gehört. Aber diesmal blieb man wirklich von der ersten bis letzten Note “dran”. Das war spannend und jederzeit von höchster klanglicher Raffinesse. Biesemans hatte Ruhe und Ausdauer (die sie später noch brauchen sollte!) in Fülle. Als der letzte Akkord gesetzt war, mußte man erst mal durchatmen.
Gut, daß sie hier ein auflockerndes Element ins Programm gestreut hatte: Von Ambroise Thomas gab es Offertoire von 1858. Echowirkungen mit der Chororgel und Klarinettensoli waren aber nur vordergründig opernhaft. Ein wirklich hübsches, nicht zu unterschätzendes Intermezzo.
Mit dem Tryptique pour orgue op. 58 von Vierne kam der nächste Höhepunkt. Der frühe Morgen wurde vorsichtig eröffnet. Andächtig die Kommunionsmusik. Geradezu herzzerreißend die Gedächtsnismusik für ein Kind, das nur wenige Stunden im Weinberg arbeiten mußte. Schwellwerkstreicher der Chororgel mit Flöte der Hauptorgel - wann hat man das gehört? Sehr eindrucksvoll.
Aber das war es noch nicht. Ans Ende hatte Biesemans eine Komposition von Jan Welmers (*1937) gesetzt: Sequens von 1979. Zunächst schoben sich abwechselnd und teilweise gleichzeitig Töne übereinander. Man könnte auch kurz Akkorde sagen, aber so war es wohl nicht gemeint. Jedenfalls ergaben sich Disharmonien und Harmonien in lockerer Folge über denen einige Male eine Art cf erklang. Nach dieser Einleitung setzte ein ostinates Motiv ein, das nun in immer wieder leicht veränderter Form bis zum Ende durchgehalten wurde - minimal music also. Die Aufbröselung des Motivs war überaus kunstvoll und spannend. Es ging längere Zeit im mf, erst gegen Ende schwoll das Ganze zum fff; bewundernswert das Durchhaltevermögen. Untrainierte hätten längst einen Krampf in den Fingern gehabt - Els Biesemans bot stoische Genauigkeit über die ganze Strecke. Wie bekommt man so ein Stück Maschinenmusik zum Stehen? Der einfachste Weg (Abschalten des Gebläses) hätte nahegelegen, wurde von Welmers aber verschmäht. Er machte sich an das Auskomponieren des Auslaufens. Und das war nicht minder eindrucksvoll, als das Laufen und Steigern. Als der letzte Pedaltupfer getan ward, erhob sich großer, begeisterter Beifall der leider kaum 100 Hörer.
Ein Programm auch mit seltenen Stücken, zur Orgel ideal passend; eine Spielerin in Hochform. Danke.
Das nächste Konzert dieser Reihe spielt am 02.05.2011, 19:30h Nicolas Kynaston.
Gruß Clemens Schäfer
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)