Internationales Erlebnis in westfälischer Vorstadt

P.Kampf, Sonntag, 10. April 2011, 14:58 (vor 5625 Tagen)

Hallo Forianer,

es heißt ja, mein steigere schwarz-Münster-Paderborn, und so habe ich mich dieses Wochenende etwas verdunkelt und bin nach Paderborn gefahren, wo ich die Gelegenheit hatte, die dort kürzlich aufgestellte Keates-Orgel im Gottesdienst zu spielen.

Da der Orgelbauer keine Disposition angibt, versuche ich Sie hier mal aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren (also bitte entschuldigt die nicht korrekten Schreibweisen/fehlenden Details):

I Great (C-a''')
Open Diapason 8'
Stopped Diapason 8'
Gambe 8'
Dulciana 8'
Principal 4'
Harmonic Flute 4'
Twelth
Fifteenth
Mixture II
Double Trumpet 16'
Trumpet 8'

II Swell (C-a''')
Open Diapason 8'
Lieblich Gedackt 8'
Viola Gamba 8'
Vox Coelestis 8'
Prinzipal 4'
Oboe 8'
Cornopean 8'

Pedal (da bin ich mir über den Tonumfang nicht ganz sicher)
Double Bourdon 32' (akustisch)
Bourdon 16'
Bass Flute 8'
Trombone 16'
Trumpet 8'

Couplers:
Swell-Great
Swell-Pedal
Swell Super Octave (durchkoppelnd)
Great-Pedal

Tremulant

Außerdem gibt es noch Tritte, um den Prinzipalchor (ohne Mixtur) im Great und die Zungen+4' im Swell rein- oder rauszudrücken sowie eine neu eingebaute Setzeranlage.


Das Instrument ist wunderbar tragend und passt gut in den Raum. Die Mixtur und die Zungen schreien nicht, auch nicht mit Superoktavkoppel und in hohen Lagen. Die einzelnen 8'er sind gut aufeinander abgestimmt, so dass man wunderbare Abstufungen erreichen kann.

Die Trakturen sind mechanisch, so dass sie beim Spielen und umregistrieren (vor allem mit dem Setzer) schon manchmal Geräusche macht, aber das gehört bei so einer alten Dame ja auch eher zum guten Ton.

Interessant ist sicher der Spieltisch. Die Manualtasten kamen mir breiter vor als bei anderen Instrumenten (vor allem breiter als bei meiner Steinmännin). Das Pedal war geschweift und die Obertasten recht hoch, aber abgewinkelt in Richtung des Spielers, fand ich sehr ungewohnt, aber auch echt angenehm.

Einziger Teil des Instrumentes, der nicht oder nur kaum spielbar ist, ist der Tremulant. Er lasst wirkt auf das gesamte Werk und klingt wie der 2-Takt-Motor eines Trabbis.

Ein Wort zum Raum ist sicher auch angebracht: Die St-Hedwig-Kirche ist meines Wissens nach die letzte Kirche, die im Bistum Paderborn gebaut wurde (Ende der 1990er Jahre). Meiner Meinung nach ist sie trotz ihrer Schlichtheit sehr geschmackvoll geworden und hat für das Instrument eine passende Akustik (nicht zu trocken, aber auch nicht zu schwammig).

Alles in allem hat mir das Spielen sehr viel Freude gemacht und ich finde, das Instrument ist sehr sehenswert. Wen es also mal nach Paderborn verschlägt, der sollte unbedingt mal einen Ausflug dahin machen.

Viele Grüße
Patrick


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