Jens-Peter Enk in der CHristuskirche, neu: edit OT
Hallo Forum,
in die Christuskirche, D-Oberbilk, hatte Jens-Peter Enk zu einer Auswahl von 11 der 18 Leipziger Chorälen eingeladen (außen vor blieben die Choräle zu Advent und Weihnachten).
Die neugotische Kirche (gelbe Backsteine) war im Krieg stark zerstört und wurde wohl vereinfacht wiederaufgebaut. Der Nachhall ist angesichts des Rauputzes im Innern nicht allzu groß. Die Orgel stammt von Schuke (1957, 43/III).
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Enk begann mit BWV 651+652 “Komm, heiliger Geist, Herre Gott”. Zuerst (bei 651) hatte ich Befürchtungen, daß organo pleno mit allerley kreyschend geschrey zu rechnen war. Das hielt sich aber in erträglichen Grenzen und trat später überhaupt nicht mehr auf. Enk kennt offenbar seine Orgel und weiß, wo und wie er sich beschränken muß. Das funktionierte insgesamt sehr gut, so daß die Vorzüge von Orgel und Raum (klar durchhörbare Polyphonie) bestens zur Geltung kamen.
Man weiß nicht recht, was man zuerst loben soll: Da gab es die schöne Zunge mit cf im Sopran über der sauber und gleichmäßigen Begleitung fugaliter (652), ein Krummhorn bei 653 (Babylon). Schneidend setzte die Oboe in 654 (Schmücke dich) ein - die Begleitung lief in schönem Fluß, nicht träge oder gar schleppend, andererseits aber mit Ruhe und unaufgeregt. Mehrfach im Charakter wechselnd dann das selten zu hörende 656 (O Lamm Gottes) mit gut verstecktem cf. Schnell und lebhaft 658 (Von Gott will ich nicht lassen).
Denn dreimal (Allein Gott in der Höh’) 662+663+664. Alles lief phantastisch. Keine Drücker, Tempowechsel, ganz natürlich - dabei aber nicht steril. Es war wirklich der Geist dabey, ohne den alles nur wär’ ein teuflisch Geplärr und Geleier.
Abschließend dann in ruhigem Legatospiel noch 668 (Vor deinen Thron). Stille.
Dankbarer, von Herzen kommender Applaus. Aber manchmal ist auch Düsseldorf Provinz: 20 Hörer. Aber denen war etwas Besonderes zu teil geworden. Etwas, wovon man zehren kann.
Gruß Clemens Schäfer
edit OT:
Hinweisen möchte ich für Interessierte auf die hp der Eugen-Biser-Stiftung. Hier findet man Hinweis auf eine Fernsehsendung via br-alpha vom 09.04., die ich gesehen habe und empfehlen kann. Die Sendung selbst (Titel: Kirche - Idee und Wirklichkeit; 120 Minuten) ist zur Zeit in der Mediathek des br (dort auf Sa, alle Sendungen, "Denkzeit" gehen) abrufbar. Der Text der Einführung (Prof. Dr. Richard Heinzmann) und des Vortrags (Prof. Dr. Otto Hermann Pesch) sind auf der Biser-hp als pdf-Dateien herunterladbar.
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)