Orgelkonzert in Berlin, Sonntag
Liebe Forenser in und um Berlin,
morgen abend spielt Hedwig-Organist Thomas Sauer an »seiner« Klais-Orgel zwei wahre Fingerbrecher: die Fünften von Vierne und Widor. Ich habe vor, hinzugehen. Sauer ist ein Guter, und Viernes Fünfte halte ich für ein missverstandenes Superstück, auf die bin ich sehr gespannt.
Treffe ich dort jemanden von euch?
Gruß,
Friedrich
Orgelkonzert in Berlin, Sonntag
Das zyklische Thema von Viernes 5. Symphonie hat meines Erachtens Ohrwurmqualität! Ich finde diese Symphonie genial, kann sie aber leider (noch) nicht spielen. Da müsste man sich ein paar Wochen in der Kirche einschließen...
Viel Erfolg dem Berliner Kollegen!
Orgelkonzert in Berlin, Sonntag
Liebe Forenser in und um Berlin,
morgen abend spielt Hedwig-Organist Thomas Sauer an »seiner« Klais-Orgel zwei wahre Fingerbrecher: die Fünften von Vierne und Widor. Ich habe vor, hinzugehen. Sauer ist ein Guter, und Viernes Fünfte halte ich für ein missverstandenes Superstück, auf die bin ich sehr gespannt.
Ich habe ihn mit demselben Programm vergangenen Juli an der Grazer Domorgel (1978, Klais, IV/73) gehört. Diese beiden Brocken wurden derart durcheilt, dass das Konzert nicht einmal eine Stunde gedauert hat. Ich blieb ziemlich ratlos zurück.
Ich wäre auf Deine Eindrücke gespannt.
Gruß, Florian
--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-
Orgelkonzert in Berlin, Sonntag
Liebe Forenser in und um Berlin,
morgen abend spielt Hedwig-Organist Thomas Sauer an »seiner« Klais-Orgel zwei wahre Fingerbrecher: die Fünften von Vierne und Widor. Ich habe vor, hinzugehen. Sauer ist ein Guter, und Viernes Fünfte halte ich für ein missverstandenes Superstück, auf die bin ich sehr gespannt.
Treffe ich dort jemanden von euch?
Gruß,
Friedrich
Das Final aus Viernes Fünfter war schon vor einigen Wochen (neben George Bakers Variations on "Rouen", die im Zusammenhang mit Stephen Tharp ja schon häufiger erwähnt wurden) in Berlin zu hören. Forumsmitglieder waren dort aber nicht anzutreffen.
Orgelkonzert in Berlin, Sonntag
Das Final aus Viernes Fünfter war schon vor einigen Wochen (neben George Bakers Variations on "Rouen", die im Zusammenhang mit Stephen Tharp ja schon häufiger erwähnt wurden) in Berlin zu hören. Forumsmitglieder waren dort aber nicht anzutreffen.
Ja, ich war da auch nicht – ebenso wenig bei Iveta Apkalna am 30. oder bei CC am 24. Familienleben und Orgelleidenschaft passen nicht immer gut zusammen. :-( Aber Ian Tracey habe ich letzten Samstag gehört, in St. Matthias. Da werde ich noch ein paar Eindrücke zu Tastatur bringen.
Die Fünfte von Vierne interessiert mich vor allem im Zusammenhang. Das Finale ist in meinen Ohren ein ganz anderes Stück, wenn es nach den vier anderen Sätzen kommt. Ohne sie ist es nur eine ziemlich lange Carillon-Toccata. Orlos hat schon recht – der zyklische Ohrwurm von Hauptthema ist was besonderes. Wie die Hauptfigur in einem ganzen Roman. Wenn man es »umfangen, fassen« will, muss man einfach »vorher mit ihm leiden / groß Pein & Marter viel«. (OK, bin mal wieder ein paar Kirchenjahrswochen zu früh dran.)
Gruß,
Friedrich
Orgelkonzert in Berlin, Sonntag
So, nun bin ich wieder da nach einer kalten Radfahrt aus Mitte in mein Quartier (vulgo »Kiez«).
Zu Thomas Sauers Konzert in der Hedwigskathedrale waren etwa hundert Leute erschienen – ganz gut eigentlich für das unfreundliche Oktoberwetter am Sonntagabend mit parallel laufendem »Tatort«.
Sauer begann pünktlich mit dem düsteren Vierne-Einstieg. Florians Eindruck kann ich bestätigen: Sauer ging das Stück ziemlich flott an, es war tatsächlich nach einer halben Stunde vorbei. Wer z. B. Ben van Oostens grandios ruhige Aufnahme aus Toulouse im Ohr hat (sollte jeder haben, übrigens), der musste sich wundern. Das Tempo war eher Andante con moto statt Grave; das Allegro molto marcato wurde zum Allegro energico. Das Scherzo bekam dann – da stimmten die Proportionen – ein sattes Presto-Grundtempo. Das Finale war gar nicht so geschwinde, da kamen die großzügigen Themenbögen mit generösem Schwung. Es war alles gut gespielt, die Agogik stimmte innerhalb des Temporahmens; allerdings gab es auch ein paar Gasttöne. Mein Gesamteindruck war: Das Stück bleibt gut, wenn einer es so beherrscht; langsamer wäre es mir allerdings lieber gewesen, schon der ausgetüftelten Chromatik wegen, die sich in ruhigerem Tempo doch ziemlich klärt.
Widors Fünfte war ebenso flott – hui, der dritte Satz besonders, da war im Trio richtig Krieg, mit Fanfaren und Erdbeben –, das Werk geriet Sauer aber insgesamt weitaus klarer; als er anfing, hatte man ein wenig das Gefühl, er wäre nach Hause gekommen. Der Variationensatz war wunderbar – die Laufvariation begann mit dem RP-Quintatön, sehr gute Wahl! –, der Liedsatz schön kantabel; das Adagio war ebenso klar wie die Toccata. Das machte insgesamt viel Spaß.
Von der Orgel war der Eindruck wieder gemischt. Sie eignete sich mit ihrem großen Schwellwerk und den schönen Pedalgrundstimmen (einen echten 32' vermisst man nicht) im Prinzip gut; aber wenn es in Richtung Forte ging, erwies sich das RP oft als etwas zu leicht, um noch eine ernstzunehmende Rolle zu spielen. Seine 8'-Rohrflöte zeigte sich im Eingangssolo zum zweiten Widor-Satz wenig charmant. Die SW-Oboe klingt immer etwas dick und kehlig, vielleicht ein Erbe aus der Zeit, bevor die Trompette ins SW dazukam und die Oboe auch deren Aufgaben übernehmen musste. Ein eleganterer, obertönigerer Hautbois hat mir oft gefehlt. Auch wurde klar, dass diese mächtige, schluckige Flûte harmonique im SW keinen flinken, dunklen Bourdon ersetzt (das Holzprinzipal klingt nicht unbedingt leise und etwas neutral). Überhaupt klang das SW vielfach, trotz Maximalbesetzung (19 Register!), etwas dumpf – da denke ich dann, dass Cavaillé-Coll schon wusste, warum er da allen Labialen Expressionen mitgab und den Zungen einen erhöhten Sägefaktor.
Auf jeden Fall hat sich wieder gezeigt, dass Sauer ein gewandter Spieler ist und die Franzosen gekonnt auf seine große Orgel zu übersetzen weiß. Was Viernes Fünfte angeht, kam mir ein kühner Gedanke – dass ich die nämlich gerne Mal im Dom hören würde …
Gruß,
Friedrich
Orgelkonzert in Jena, Sauer um acht
Hallo,
da bin ich mal gespannt, was Herr Sauer nächsten Sonntag bei uns in Jena spielt. Zum diesjährigen Orgelfest der Kutter-Orgel in der katholischen Pfarrkirche Jena spielt er abends 20h das Festkonzert mit Werken von Buxtehude, Bach, César Franck, Dandrieu und Widor. Sein Eröffnungskonzert 2009 zur Orgelweihe mit Guillmant`s 1.Orgelsonate war jedenfalls ne Wucht!
Übrigens ist unsere Orgel jetzt komplett mit dem Register "Panflöte" aus Glaspfeifen, es wird nächsten Sonntag eingeweiht. Die Glaspfeifen befinden sich zum Teil über dem Spielschrank. Für mich siehts eher etwas gewöhnungsbedürftig aus, da ich optisch etwas anderes erwartet hatte...
(Bildqualität nicht besonders, da Handy)
![[image]](images/uploaded/201210072055335071ec4592ca2.jpg)
![[image]](images/uploaded/201210072056345071ec82459a3.jpg)
Grüße aus Thüringen vom Thomas
Orgelkonzert in Berlin, Sonntag
Hallo Friedrich!
Danke für Deinen Bericht.
Ich konnte die Orgel der Hedwigskathedrale letzten August hören mit Widors Achter und Thomas Sauer.
Was soll ich sagen? Es kam einfach keine Stimmung auf.
Gruß, Florian
--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-
Orgelkonzert in Berlin, Sonntag
Sauer begann pünktlich mit dem düsteren Vierne-Einstieg. Florians Eindruck kann ich bestätigen: Sauer ging das Stück ziemlich flott an, es war tatsächlich nach einer halben Stunde vorbei. Wer z. B. Ben van Oostens grandios ruhige Aufnahme aus Toulouse im Ohr hat (sollte jeder haben, übrigens), der musste sich wundern. Das Tempo war eher Andante con moto statt Grave; das Allegro molto marcato wurde zum Allegro energico. Das Scherzo bekam dann – da stimmten die Proportionen – ein sattes Presto-Grundtempo.
Schade, denn Vierne schreibt ausdrücklich "Tempo di scherzo ma non troppo".
Das Finale war gar nicht so geschwinde, da kamen die großzügigen Themenbögen mit generösem Schwung. Es war alles gut gespielt, die Agogik stimmte innerhalb des Temporahmens; allerdings gab es auch ein paar Gasttöne. Mein Gesamteindruck war: Das Stück bleibt gut, wenn einer es so beherrscht; langsamer wäre es mir allerdings lieber gewesen, schon der ausgetüftelten Chromatik wegen, die sich in ruhigerem Tempo doch ziemlich klärt.
Ich kann es eigentlich nicht glauben, dass Thomas Sauer die 5. Vierne-Symphonie in einer halben Stunde gespielt haben soll. Selbst Günther Kaunzinger hat keinen derartigen Geschwindigkeits-Rekord in seiner Waldsassen-Einspielung aufgestellt. Bei einer der jeweiligen Akustik angemessenen Interpretation der fünf Sätze komme ich auf folgende Zeiten:
1. Satz (Grave): 7 1/2 Minuten
2. Satz (Allegro molto marcato): 8 1/2 Minuten
3. Satz (Tempo di scherzo ma non troppo): 5 Minuten
4. Satz (Larghetto): 10 Minuten
5. Satz (Final): 11 Minuten
Gesamtspielzeit: 42 Minuten.
Im Gegensatz zu den Symphonien 1-4 und 6 habe ich bei der Textur der 5. Symphonie den Eindruck, dass Vierne sie nicht für einen Raum mit viel Nachhall konzipiert hat, sondern vielmehr für einen Konzertsaal. Bei dieser Symphonie stimmen meiner Meinung nach auch die Metronomangaben Viernes. Sie ist das musikalische Gegenstück zu Richard Wagners "Tristan und Isolde", was sich gleich innerhalb der ersten Takte des "Grave" zeigt (bei der Vorstellung des zweiten Themas und dessen Harmonisierung, die dem berühmten "Tristan-Akkord" sehr nahe kommt).
Orgelkonzert in Berlin, Sonntag
Ich kann es eigentlich nicht glauben, dass Thomas Sauer die 5. Vierne-Symphonie in einer halben Stunde gespielt haben soll. Selbst Günther Kaunzinger hat keinen derartigen Geschwindigkeits-Rekord in seiner Waldsassen-Einspielung aufgestellt.
An den musste ich auch öfter denken – der kann auch nicht langsam. Aber die halbe Stunde stimmt. Ich habe auf die Uhr geschaut, als der Widor begann: Da war es drei nach acht. Um halb acht (Uhrblick) hatte Sauer angefangen. Am meisten Zeit hat er sicher beim ersten und beim vierten Satz reingeholt. Der Larghetto-Schluss klang trotzdem ganz schön, richtig tranquillo. Trotzdem – gerade der Satz ist ein echter Höhepunkt der van-Oosten-Einspielung, eine unglaubliche Ruhe.
Gruß,
Friedrich