1. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Sonntag, 21. Oktober 2012, 20:40 (vor 5117 Tagen)

Guten Abend,

ich sehe, über „meine“ Orgel wurde schon munter im „Septimen-Thread“ diskutiert oder auch Dispositionswünsche geäußert , ohne vielleicht die Begebenheiten vom Raum vor Ort zu kennen, die Raumakustik, die Platzmöglichkeiten für Erweiterungen im Orgelgehäuse oder auch die finanziellen Möglichkeiten.

Nichtdestotrotz finde ich es sehr gut, wenn über solche Maßnahmen diskutiert wird und auch einiges in Frage gestellt wird, dies gehört zu einer Diskussion dazu und man muss auch nicht (immer) einer Meinung sein. Geschmäcker sind verschieden, ein Anderer hätte es bestimmt anders gemacht usw.

Wenn ich (neue) Orgeldispositionen oder auch Umbauten sehe, kommt bei mir auch immer ein Katalog an Ideen auf, was ich „besser“ gemacht oder gewußt hätte... wenn dann aber in der eigenen Kirche eine Neukonzeption der Orgel bevorsteht, wird man ganz schnell auf den Boden der Tatsachen und Möglichkeiten zurückgeschleudert.

Ich bitte um Nachsicht, wenn ich nicht alles über die Neukonzeption der Orgel auf einmal schaffe zu berichten, leider fehlt mir die „berufliche“ Zeit. Öfters würde ich mich auch gerne hier an Diskussionen beteiligen... Entschuldigt bitte auch die schlechte Qualität der Phots (IPhone) und auch vielleicht mein schlechteres Deutsch, manchmal scheint der Luxemburger noch sehr durch mich durch.

Aus akustischen Gründen möchte ich mit unserem Kirchenbau beginnen:

Unsere Pfarrkirche St. Johann Baptist, die aus dem 19. Jahrhundert stammt, hatte ursprünglich ein Längshaus mit zwei kurzen Seitenschiffen und abschließenden Chorraum. Nach dem Bau von zwei weiteren Pfarrkirchen in Refrath (die jetzt wieder Filialkirchen sind) war die Pfarrkirche trotzdem zu klein.

In den 60er Jahren wurde um den Chorraum rum (!) ein Querhaus eingezogen und und der alte Chorraum in diese Anlage integriert (Überdachung des Chorraumes). Die Fenster wurden rausgenommen um eine freie Sicht auf den Altar zu erhalten. Die Orgel fand Platz hinter dem Chorraum in einer früheren Fensternische.

In den 80er Jahren wurde der Chorraum innerhalb dieses Raumes abgebrochen, die Orgel abgetragen und ein Baldachin eingezogen. Der frühere Chorraum nimmt ungefähr die Maßen des jetzigen Baldachins ein.

Dabei muss ich anmerken, daß das Querhaus in etwa so lang ist wie das Längshaus bis zum (jetzigen) Altarraumabschluß! Im alten Längshaus ist das Gewölbe erhalten, das neue Querhaus und der neue Altarraum sind deutlicher höher und mit einer Holzdecke versehen, dies natürlich vor dem Hintergrund, da dieser Raum ja früher den ursprünglichen abgebrochenen Chorraum einnahm. Durch den Abbau des früheren Chorraumes ist der jetzige Altarraum riesig, man bedenkt, bei uns findet immer ein Kommunionkreis statt, um den Altar können ca 150 Leute ohne Schwierigkeiten einen Kreis bilden. (Wenn ich mit einer Chorgruppe im Altarraum stehe wie letzlich bei einer Meßgestaltung mit der Jazz Mass von Chilcott sieht die Gruppe sehr verloren in dem Raum aus.) Architektonisch kann man streiten. Machte die Lösung in den 60 Jahren noch ein bißchen Sinn (in meinen Augen eigentlich schon Unsinn), ist die heutige Lösung ohne den ursprünglichen integrierten Chorraum natürlich absoluter Unsinn (Höhe der Holzdecke und der Wände des Altarraums und Querhauses im Vergleich zum Gewölbe des alten Längshauses.)

Ein paar Photos (leider verzerrt das Iphone die Ausmaßen, leider habe ich auch keine Photos vom Altarraum gemacht, wo man mal dessen Ausmaßen erkennen kann, bitte um Nachsicht):

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Kirche von aussen
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Rechtes angebautes Querhaus
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Längshaus zum Altarraum
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Längshaus vom Ende des "alten Baus" zum Westen hin
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vom Altar zum Westen
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Altarraum zum nördlichen Querhaus
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idem
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Südliches Querhaus zum nördlichen Querhaus
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Idem, man sieht den Baldachin (in etwa früherer Querraum, darüber ist noch "Luft", dann kommt die Holzdecke).
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Ostquerhaus
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nochmal Längshaus
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Altarraum und Längshaus
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Südliches Querhaus, Altarraum, Längshaus

2. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Sonntag, 21. Oktober 2012, 21:59 (vor 5117 Tagen) @ ChristopheKnabe

Die Orgel wurde 1988 (von Orgelbau Siegfried Schulte) im nördliche Querhaus ebenerdig aufgestellt. Das nicht tiefe Gehäuse (ca. 1,5 m geschätzt) ist fest in der Wand verankert und hat keine Gehäuserückwand. Das Schwellwerk befindet sich in der Mitte vom Querhaus.

Hier die ursprüngliche Disposition:
I. Hauptwerk
Principal 8'
Gemshorn 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Prinzipal 2'
Waldflöte 2'
Mixtur III-IV 1 1/3'
Trompete 8'

II. Schwellwerk
Holzprinzipal 8'
Gedackt 8'
Viola da Gamba 8'
Geigenprinzipal 4'
Flûte harmonique 4'
Dolkan 2'
Nasard 2 2/3'
Terz 1 3/5'
Quinte 1 1/3'
Zimbel II-III 1'
Hautbois 8'

Pedal
Subbaß 16'
Oktavbaß 8'
Pommer 8'
Choralbaß 4'
Hintersatz III-IV 2 2/3'
Fagott 16'

8 Setzer.

Einige Probleme verdeutlichen die folgenden Photos und ein einfaches Beispiel:

Im sonntäglichen Gottesdienst begleitete man die Gemeinde (wir haben das Glück, daß unsere Gottesdienste immer gut gefüllt sind, ca. 400 Sitzplätze fasst der Raum ohne Zusatzstühle/Stehplätze), den Altarraum ausgenommen, wo man einiges aufstellen könnte) im kompletten Tutti (!) der Orgel. Die Besucher, die direkt an der Orgel im Querhaus saßen, waren natürlich zu bedauern, aber der Klang reichte kaum über die erste Säule des Hauptschiffes (wurde wargenommen wie ein weites Fernwerk oder wie ein Säuseln aus aus einem anderen Raum (dabei Tutti!), trug den Gesang überhaupt nicht mehr). Man muss bedenken, daß der Klang zuerst gegen die natürlich naheliegende, gegenüberliegende Wand knallt, bevor er sich überhaupt entfalten könnte (das Schwellwerk ist zudem quasi mittig im Querhaus), auf dem Weg ins Hauptschiff wird der Klang durch die Holzdeckenkonstruktion, die Winkelposition und eine sehr breite Säule nochmals abgedämpft (tragende Säule des früheren Chorapsis, die Orgel steht wie quasi in einem anderen Raum!). Zudem muss man die Höhe des Querhauses miteinrechnen, ebenso das tiefer liegende Längshaus, den Baldachin... usw. Es ist erstaunlich, trotz sehr günstigem Hall (einige Sekunden), wie sich eine Aufstellung der Orgel und dabei die Architektur auf den Klang auswirkt. Dazu war zusätzlich natürlich kaum noch was von der Orgel im gegenüberliegenden Querhaus zu hören. Dies wird aber noch durch andere Faktoren verschärft, auf die ich hier unten und später noch zurückkehren werde.

Einige „kleine“ Konzeptionsfehler wurden beim Bau der Orgel auch begangen. Um drei mal kurz zu nennen (Ausgeklammert sei die Verarbeitung der Pfeifen und deren Intonation und natürlich die Aufstellung der Orgel (dafür kann "sie" kann sie nix), auf eine zweigeteilte Lösung im Dolby-Sourrund in einem weiteren zukünftlichen (Traum-)projekt komme ich später zu sprechen, dieser Raum ist schlichtweg wegen der unterschiedlichen Bauweise und räumlichen Begebenheiten sowieso sehr schwer zu fassen.)

-Zeichne zuerst das Gehäuse, versuche es dann mit Pfeifen zu füllen (architektonisch passt Gehäuse passt sich sehr dem Raum an, es nimmt die formelle Züge zum Baldachin und den Fenstern auf, eigentlich vom bildlichen her sehr gelungen, das kann S. Schulte sehr gut, siehe andere realisierte Prospektentwürfe von ihm!): Das Schwellwerk ist ein absolutes Schwitzwerk, zudem wurde es nur auf 4’-Höhe gebaut, d. h. die tiefe Oktave der Viola da Gamba ist z. B. eine Quintade, die tiefe Oktave des Holzprinzipals steht außerhalb des Schwellwerks im darüberliegenden Pedalgehäuse, das ebenso sehr eng ist. (viele Pfeifen sind gekröpft...). Schön ist natürlich der Schwung des Hauptwerkes mit dem Prinzipal 8’ im Prospekt, wenn man sich aber die reelle durchgehende Höhe des Hauptwerkes ansieht, ist kaum für weiteres 8’ füßiges Platz...
- auf Wunsch einer Person wurden für das Fagott 16’ im Pedal die Becher aus Messing hergestellt ... das Fagott ist unkontrollierbar reich an unkontrollierbaren Obertönen, rasselt, kaum zu stimmen. Zudem wurde auf dessen Wunsch die Intonation sehr zurückgenommen. (Eigentlich klang die Orgel sehr nett, wenn man am Spieltisch saß oder direkt im nördlichen Querhaus als Zuhörer dabei, für Privatkonzerte sehr geeignet:-))
- Das Pfeifenwerk (hergestellt von Laukkuff) hat zu größten Teil eigentlich sehr, sehr weite Mensuren, was man nicht erwarten würde, leider wurde die Orgel auf Wunsch einer Person auf sehr niedrigen Winddruck (60mm) intoniert, vieles sprach natürlich teils nur sehr dumpf und sehr schwammig an. Man merkte, es fehlte an "Luft" für die Pfeifen, sie sind für einen höheren Winddruck konzipiert. Zudem wurde vieles am Pfeifenmaterial quasi im „Rohzustand“ übernommen und nicht weiter verarbeitet (wie die Viola da Gamba, usw., dazu später). Da der damalige Intonateur von Orgelbau Schulte der jetzige Orgelbauer der Orgel ist, kann ich versichern, daß dies nicht an der Orgelbaufirma lag, dabei noch vieles am Pfeifenmaterial auf Wunsch einer Person zusätzlich gedämpft worden ist (dazu mehr...) (Josef Potthoff ist ein hervorragender Intonateur, wirklich sehr zu empfehlen, was er jetzt aus unserer Orgel jetzt gemacht hat, traumhaft, dazu auch später mehr.)

Natürlich spricht man gerne über Mängel und weist zuerst darauf hin, aber ich möchte gerne hinzufügen, daß die Orgel tadellos 25 Jahre funktionierte und eine sehr gute mechanische Traktur (freistehender Spieltisch) hat, dabei ist es ein sehr solides (Verarbeitung und Technik) Werk.

Ein paar Photos:
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Orgel nördliches Querhaus
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"Blick" auf die Orgel vom Längshaus
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vom anderen Querhaus
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Schwitzwerk und Pedalturm

3. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Sonntag, 21. Oktober 2012, 23:05 (vor 5117 Tagen) @ ChristopheKnabe

Da die Kirche grundsaniert werden musste (Fensterausbau und Neuabdichung, Neuanstrich des gesamten Raumes, Liedanzeigertafel unter Putz gelegt, Schließung von Nischen (frühere Eingänge, unter den Fenstern des Längshaues waren „Staubischen) etc.) war für die Orgel nach 25 Jahren Dienstjahren eine Grundreinigung nötig. Das Pfeifenwerk und die Windladen wurden ausgebaut, das Gehäuse eingepackt. Dabei sollte die Orgel um eine leistungsfähigere Setzeranlage erweitert werden. Für diese Arbeiten bekam Orgelbau Josef Potthoff, nach Empfehlung des Orgelsachverständigen den Auftrag. Als die Orgel abgebaut war, reifte bei mir der Plan für eine Neukonzierung der Orgel (wenn schon einmal zerlegtl, die vom Orgelsachverständigen Eckhard Isenberg sehr wohlwollend aufgenommen und an die Gemeinde weiter empfohlen worden ist und vom Orgelbauer sehr befürwortet worden ist, obwohl wir dadurch im Nachhinein den finanziellen Rahmen gesprengt haben und vom Orgelbauer zusätzlich dazu sehr viel in ehrenamtlicher Leistung beigetragen worden ist (als Spende für die Orgel, Hut ab!).

Dabei gab es natürlich einige Ideen, einige Gegebenheiten und besonders (enge) Grenzen, die zu berücksichtigen waren (nicht nur finanzielle Gründe...):. Es galt natürlich der Grundsatz, die Orgel im Rahmen des Möglichen umzuarbeiten.
- Eine Versetzung der Orgel ins Westwerk wurde als unsinnig betrachtet
1) hätte dies ein kompletter technischer Neubau mit sich gebracht
2) wäre das Problem mit der Klangabstrahlung nicht gelöst worden (man hätte das Problem umgekehrt: „Beschallung“ Querhaus???)
3) die Chorgemeinschaft hätte mit seinen fast 80 SängerInnen mit der Chorbühne nie und nimmer in den Westen gepasst (Portal usw., neben der Orgel steht eine normalerweise ein festes Chorpodest für 100 Sänger)
4) Als längerfristige Lösung/Traum ist eine Westwerkorgel angedacht, um die Kirche ordentlich von beiden Seiten im Dolby-Sourround „beschallen“ zu können.)
- Eine Erweiterung der Orgel war nicht möglich, das Gehäuse ist „voll“. Nur eine Neuintonation oder Austausch von Registern war möglich. Zudem wollte ich auch nicht in die tadellos funktionierende Mechanik der Orgel eingreifen.
- Dazu muss man berücksichtigen, daß in etwa 25 Register von der jetzigen Orgelaufstellung, die auf eine direkt gegenüberliegende Wand knallen, daß absolute Mögliche ist, welcher könnte kann sich dann noch überhaupt entfalte, ohne überzusteuern?
- Die weiten Mensuren sind bei vielen Regisern angebracht (leider bis dahin zu tiefer Winddruck), um den Raum tragend zu füllen. Dabei muss gesagt werden, daß durch die Architektur vorgegebene Situation der Standort und die daraus resultierende Akustik die Orgel sehr baßlastig ist (tiefe Frequenzen werden sehr verstärkt!), dabei 4’ mit enger Mensur aber (auf höherem Winddruck) sehr wahrnehmbar im Raum sind, dazu aber 2’ mit enger Mensur sehr schrill und unangenehm nahe an der Orgel wirken und im Raum dabei komischerweise komplett untergehen. (Der Subbaß 16' entfaltete sich bis dahin prächtig und trug die ganze Orgel als alleiniges Register durch den Raum!)
- Dazu war das Schwellwerk (und natürlich auch wegen seiner Aufstellung) im Raum trotz umwerfenden Tutti am Spieltisch im Raum kaum wahrnehmbar und dem akustisch günstig liegendem Hauptwerk nicht ebenbürdig.
- Gehäusemäßig (4' Höhe Schwellwerk, eigentliche 4' Höhe Hauptwerk und kaum Tiefe) sind zusätzlich einiges an Grenzen gesetzt.

4. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Montag, 22. Oktober 2012, 00:40 (vor 5116 Tagen) @ ChristopheKnabe
bearbeitet von ChristopheKnabe, Montag, 22. Oktober 2012, 08:45

Jetzt mal zur Neukonzeption (die auf meinem Mist gewachsen ist, wer mich hauen will, ich habe ein dickes Fell;-) ), die folglicb folgende Änderungen mit sich zogen (die entweder gut oder daneben gehen würden, keiner wußte es, es war nicht vorauszusehen):

In erster Linie ist zu berücksichtigen (ich weiß nicht, wie ich es „akustisch aus dem Bauch" hinaus darstellen soll), daß der Klang sehr baßlastig wird durch die gegenüberliegende Wand, daß nur ein sehr „weit“ mensuerierter Klang raumfüllend ist, dabei ein sehr klarzeichnender enger Klang in 4’ Lage sehr gut rüberkommt, dazu aber wiederum in enger 2’ Lage einfach in Orgelnähe nervend ist und nicht in den Raum rüberkommt. (Komische Akustik...).

Zuerst wurde der Winddruck des Hauptwerkes von 60mm auf 70mm im Hauptwerk erhöht. Nach leichter Nachintonation klangen plötzlich Prinzipal 8’ und Oktave 4’, sehr raumfüllend, tragend und singend, ein komplett neues Erlebnis (vorher matt und mulmig), womit der Orgelbauer auch nicht gerechnet hätte. Er war selbst erstaunt über die Klangfülle, hatte aber Sorge, daß höhere Pfeifen vielleicht zu kurz sind, was sich aber im Nachhinein als unberechtigte Sorge erübrigte. Ich war auch erstaunt über die veränderte Klangfülle im Vergleich zu vorhergehenden Situation, da wir natürlich den Unterschied durch Änderung der Feder auf den Ursprungszustand wieder vollziehen konnten!
Das dumpfklingende und schwammige Gemshorn (tiefe Oktave war gedeckt) wurde durch eine überblasende Harmonieflöte 8’ (ab c1 überblasend) ersetzt. Klarzeichend in den hohen Lagen im ganzen Raum, natürlich gedeckt in tieferer Lage durch die gegebenen Voraussetzungen des Gehäuses (siehe Fotos Hauptwerk, daher sehr gut einsetzbar als Begleitregister. Die Rohrflöte wurde umgearbeitet zur Traversflöte teils auch durch andere Pfeifen ersetzt, und ist jetzt ab gis1 auch überblasend, mitsamt der Harmonieflöte als „Begleitregister“ sehr gut einsetzbar, in den oberen Lagen also Soloregister. In Kombination mit dem Prinzipal 8’ ensteht ein klarzeichnender Klang, den man bisher mit dem Gemshorn vermisst hat. Galt vorher das Gemshorn als schwammig + dumpflingend, hat man jetzt eine Harmonieflöte die raumfüllend + zeichnend ist.
Im Hauptwerk gab es bisher die weite Waldflöte 2’ und ein sehr enger Prinzipal 2’. Die Waldflöte hatte durch die Winddruckerhöhung viel an Klang gewonnen. Super einsetzbar mit der Harmonieflöte 8’ zum Triospiel mit der Oboe oder anderen Registern im Schwellwerk (was sie schon vorher vorzüglich tat.), oder auch als Soloregister.
Der Prinzipal 2’ passte nicht mehr wegen seiner sehr engen Mensur ins Hauptwerk, an der Orgel selbst klang er sehr schneidend und schrill, im Raum kaum noch wahrnehmbar oder tragend wegen der vorgegebenen Akustik. Die Kombination Flöte 8’ (4’) 2’ ist sehr reizend, im kleinen Plenum Prinzipal 8’, Oktave 4’ (sehr weite Mensuren) passt die Waldflöte 2’ sehr gut rein, zudem wurde die ursprüngliche Mixtur 3-4ff 1 1/3’ umgearbeitet und ergänzt auf 2’ Basis (jetzt 4ff), das Plenum des Hauptwerk klingt jetzt sehr gravitätisch im Raum. (man bedenke die baßlastige Wirkung der Akustik).
Auf der Windlade des Prinzipals 2' steht jetzt eine Septime 1 1/7’. Die Pfeifen sind die der Quinte 1 1/3’ des Schwellwerkes. Durch das Abschneiden der Pfeifen ist die Septime sehr weit geworden. An all meinen „Dienst“orgeln bisher hatte ich eine Septime, sei es in Esch (L) St. Josef oder auch in Kevelaer. Ich fand diese Aliquotenstimme bisher immer sehr bereichernd und reizend, habe sie gerne immer eingesetzt. Als Solostimme, liegende Streicher, dazu Flöten und Septime, oder als Triostimme im Spiel gen andere Stimmen, dabei ist sie einsetzbar als Glockenspiel (4’ im Pedal 4' liegend als Melodie, darüber in höchster Lage in der Quinte kurz arpeggiert), kombiniert mit der Trompete gibt es einen zeichnenden Klang, auch im Hauptwerksplenum gibt sie durch ihre weite Note eine zusätzliche (vielleicht) aparte Klangnote. Diese zusätzliche Klangmöglichkeit ist mir lieber als der jetzt fehlende Prinzipal 2’ (der in der Mixtur integriert ist.) Was hat man lieber natürlich im Rahmen des jetzigen Möglichen bei der Orgel: ein Prinzipal 2', nicht solistisch einsetzbar, Plenumfähigkeit ist durch die Waldflöte oder durch die Mixtur sowieso gesichert oder eine Septime 1 1/7', ich tendiere natürlich für die zusätzliche Klangfarbe Septime, die mir eine weitere Klangmöglichkeit bietet und durch die weite Mensur raumfüllend ist).
Die Trompete im Hauptwerk klingt jetzt erstmals richtig. Mittels Papierknüllchen an den Kehlen wurde sie bisher gedämpft (Wunsch einer Person), keiner hätte gelaubt, welcher Klang durch eine Neuintonation überhaupt möglich wäre, fast wie eine Chamade (!) glänzend, strahlend... bin selbst erstaunt.
Schlußendlich kann man jetzt sagen, daß das Hauptwerk mit seinen Grundstimmen sehr füllend und breit klingt, aber trotzdem zeichnend im Raum. Tragender für einen Gemeindesang (natürlich immer noch eingeschränkt durch die Bausubstanz, aber besser als Tutti vorher, man hat noch viel Reserve).

Dispo Hauptwerk:
I. Hauptwerk
Prinzipal 8'
Harmonieflöte 8’
Oktave 4'
Traversflöte 4’
Waldflöte 2'
Septime 1 1/7
Mixtur IV 2’
Trompete 8'

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Hauptwerk mit Blick ins Pedal
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4. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

Karl-Bernhardin Kropf, Montag, 22. Oktober 2012, 06:57 (vor 5116 Tagen) @ ChristopheKnabe

Informativ! Danke.

4. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

Friedrich @, Montag, 22. Oktober 2012, 08:37 (vor 5116 Tagen) @ ChristopheKnabe

Ich schließe mich KBK an: Vielen Dank für die genaue Schilderung!
Da wird schön klar, dass der Raum und die Ohren die Orgel bauen und nicht die Dispositionsschreiber.

Gruß,
Friedrich

4. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Montag, 22. Oktober 2012, 08:41 (vor 5116 Tagen) @ Friedrich

Forsetzung folgt, sobald ich dazu komme!

Gruß, Christophe

4. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

JSBach @, Aachen, Montag, 22. Oktober 2012, 09:30 (vor 5116 Tagen) @ ChristopheKnabe

auch von mir vielen Dank

Nebenbei: Ich hatte in nem andren Thema die Behauptung aufgestellt, das Glockenspiel hinterm Kevelaerer Hochaltar seien "echte" Glocken, und keine Röhren. Könntest du da Klarheit verschaffen? :)

Celesta Kevelaer

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Montag, 22. Oktober 2012, 13:13 (vor 5116 Tagen) @ JSBach

auch von mir vielen Dank

Nebenbei: Ich hatte in nem andren Thema die Behauptung aufgestellt, das Glockenspiel hinterm Kevelaerer Hochaltar seien "echte" Glocken, und keine Röhren. Könntest du da Klarheit verschaffen? :)

Hallo Benedikt,

die sogenannte "Seraphon Celesta 8'" hinter dem Retabel in der Kevelaerer Basilika sind Röhrenglocken, leider klingen die nicht besonders gut (als würden "Metallstäbe" auf den Boden geschmissen werden). Der Plan war, die Röhrenglocken durch Glockenschalen zu ersetzen, dies ist aber bisher noch nicht erfolgt.

Sehr schön ist die kleine Celesta 4' im Fernwerk. Die klingt traumhaft! Bei den Pilgerandachten habe ich mir immer den Spaß erlaubt, bei der Segnung der Andachtsgegenstände zeitgleich den Wasserschuss aus dem Aspergil mit einem netten Arpeggio der kleinen Celesta in hoher Lage zu untermalen:-)

Celesta Kevelaer

JSBach @, Aachen, Montag, 22. Oktober 2012, 13:49 (vor 5116 Tagen) @ ChristopheKnabe

ah okay, dann war ich da einem Irrtum unterlegen... hatte das immer als Schalenglocken im Kopf... Danke :)

5. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Montag, 22. Oktober 2012, 16:51 (vor 5116 Tagen) @ ChristopheKnabe
bearbeitet von ChristopheKnabe, Montag, 22. Oktober 2012, 16:57

Das Schwellwerk war bisher der totale Knaller... leider nur am Spieltisch und für die paar Leute im Querhaus. Über die Akustik hatte ich schon oben berichtet. Bislang wurde das Schwellwerk als Säuselwerk im weiten Raum wahrgenommen. Ich habe nix gegen Fernwerke, wenn das weitere nötige Pedant dem gegenübersteht, aber zum jetzigen Hauptwerk war es einfach sehr schwächelnd. Über einige vorgebene Probleme habe ich ebenfalls oben schon berichtet (4’ Fußhöhe, sehr eng), mit denen man einfach leben muss.

Zuerst haben wir den Winddruck erhöht (60 auf 68mm), damit die mal die Achtfüßer richtig ansprechen. Waren die drei 8’ Füßer bisher matt und irgendwie gleichklingend, sprachen sie plötzlich schön an. Die Viola da Gamba wurde umgearbeitet, mit Rollbärten versehen und siehe an, plötzlich ist sie eine sehr schöne Gambe geworden, schön zeichnend, nix säuselndes mehr, fast Seraphongambe vom Klang her. Wermutstropfen: Die tiefe Oktave bleibt halt immer eine Quintade. Der furchtbar spukende Gedeckt wurde mit Kernstichen versehen. Der Holzprinzipal gibt in der tiefen Lage jetzt ein sehr breites Fundament, nach oben hin wird er sehr flötig im Klang, aber immer noch tragend. Ich wollte eine Schwebung ins Schwellwerk. Eine säuselnde Vox coelestis kam nicht in Frage. Da Pfeifen Geld kosten, haben wir das Experiment gewagt mit dem früheren Gemshorn 8’ aus dem Hauptwerk. Entweder klappts oder es klappt nicht. Nach anfänglicher Skepsis ob dies funktionieren könnte wurde das Gemshorn c0-g3 umgearbeitet und unterschwebend gestimmt. Wir waren selbst über das Resultat überrascht, wenn nicht sogar überwältigend. Josef Potthoff, ein man mit sonst sehr höflichen Ausdrucksweise, sagte „einfach geil“.

Die nun genannte Vox angelica kann mit jedem 8’ Fuß eingesetzt werden, auch mit den 8’ Füßern im Hauptwerk, dies war eine weitere Überraschung, mit der wir auch nicht gerechnet haben. Zieht man im Schwellwerk alle Achtfüßer, dazu die Schwebung und die Fugara hat man einen kompletten sehr breiten Streicherchorklang. Sogar mit allen Achtfüßern und Schwebung ist die Schwebung noch sehr gut zu erkennen und integriert sich komplett in den Klang.

So, genug geschwebt und geträumt...

Die Vox angelica fand Platz auf der Lade der Flûte harmonique 4’.
Im Septimenthread kam einiges an Fragen auf (jetzt nur noch ein 4’ im Schwellwerk, dabei eine Fugara 4’, Cornet decomposé-Möglichkeit? usw.). Natürlich sehr berechtigte Fragen, wenn man sich die Dispo durchließt.

Die Flûte harmonique, die in etwa mittig hinter den 8’-Füßern stand, konnte ihren Klang im Schwitzkasten nie richtig entfalten. Am Spieltisch klang Sie eigentlich sehr nett, leider war sie als Soloregister nicht einsetzbar. Sogar nur vom Gemshorn 8’ im Hauptwerk begleitet, ging sie im Raum unter, das klangliche Gleichgewicht stimmte einfach nicht. Die Flöten im Hauptwerk sind freier und sind dort gut aufgehoben und einsetzbar. Das Nazard und die Terz klingen sehr eng und nicht sonderbar schön, so wie fades, dünnes Geklimper, nicht was man von einem Nasard oder einer Terz erwartet. Früher 8’ Gedackt 4’ Flöte und eine der Aliquoten (oder beide) ging gar nicht, musikalisch reizlos, auch schlecht einsetzbar. Vom Gemshorn im Hauptwerk begleitet klang es, als käme das Solo aus einer Hinterkammer. Ich habe immer 8’ Gedackt 4’ Prinzipal und Aliquote registriert, habe dem 4’ sozusagen durch die Aliquote gefärbt, das ging. Zum Cornet: immer 8’ Prinzipal 4’ Prinzipal 2 2/3’ 2’ 1 3/5’, im Raum war dies als nettes Cornet erkennbar ☺
Nochmals zur Akustik: bei gut besetzer Kirche sah das Triospiel (Improvisation oder Triosonaten) folgendermaßen bisher aus: 8’ Gemshorn und Flöte 4’ oder 2’ im HW, im Schwellwerk: 8’4’ Prinzipal +2 2/3’ 2’ 1 3/5’, am Spieltisch knallte das Schwellwerk (armes linke Ohr), das HW war kaum noch hörbar, im Raum war es dann mal ausgeglichen...
Zum 4’ zurück: in Frage kam für mich nur ein klar zeichnendes Register. Der enge Geigenprinzipal wurde umgearbeitet zum Fugara 4’ mit leichtem Strich, schön Wind drunter, es ist jetzt richtig klar und sehr zeichnend im Raum, ohne daß es aber einem die Ohren absägt. Ein gutes Pendant zu den 8’ Füßern im Schwellwerk, wo es sich durchsetzen kann (früher 8’ Füßer, dazu danndie Flûte harmonique ging nicht, es war kaum ein Unterschied zu merken, im Raum schon überhaupt nicht.) Sehr gut klingt jetzt 8’ Gedackt, 4’ Fugara und eine Aliquote. Die Fugara zeichnet klar in den Raum, die Aliquote gibt die nötige Würze.

Angezweifelt wurde auch im Septimenthread die Plenumsmöglichkeit (was zwischen 8’ Prinzipal und Zimbel). Ich kann versichern, daß Prinzipal 8’ Fugara 4’ (eigentlich ja Prinzipal) 2’ Nachthorn (weit) und Cymbel gesichert ist. Dazu muss ich anmerken, daß natürlich das Nachthorn kein Prinzipal ist: Ich hatte aber oben glaub ich vom Effekt vom engen 2’ am Spieltisch und die Wirkung und tragende Kraft im Raum gesprochen. (Dies gilt natürlich leider auch für die beiden Aliquoten im SW oder auch die Cymbel (die sehr oft repetiert): nach längerem Spielen sind sie sehr ermüdend fürs Ohr am Spieltisch, klirrt irgendwann, aber damit muss man halt leben.)

Das Hautbois ist heißt Oboe, es war nie ein Hautbois, sondern von der Bauweise eine Schalmey-Oboe. Am Spieltisch knallt sie gewaltig (wie eine Trompete), im Raum sie dann abgemildeter.

Durch der Wechsel der Quinte 1 1/3’ ins Hauptwerk als Septime war jetzt eine Lade frei. Die Gelegenheit wurde genutzt, die Cymbel auf die auf Lade der Quinte zu stellen, und die Oboe auf die der Cymbel. Dies hat jetzt den Vorteil, daß man besser an die Oboe im engen Kasten zum Stimmen kommt (Cymbel bildete ja bisher den Abschluß).

Da wir noch die Cymbellade freihatten, konnten wir das Schwellwerk um ein weiteres Register ergänzen. Im Septimenthread kam der Vorschlag auf, nach einem 16’ Bordun oder einer 16’ Fußzunge. Dazu muss ich sagen, daß im Schwellwerk (4’ Höhe!) kein Platz dafür ist, auch nicht im Hauptwerk. Auch kam der Vorschlag nach Subkoppeln auf. Abgesehen davon, daß die finanziellen Mitteln für eine Doppeltraktur nicht zur Verfügung standen. macht dies hier nicht soviel Sinn. 1) Die 8’ Füßer ergeben einen sehr breiten raumfüllenden Klang. Dabei ist die Akustik sehr baßlastig und baßverstärkend. Man vermisst hier keinen 16’ beim Spielen in den Manualen. 2) Ich bin ein Freund von Sub/Superkoppeln, es ergeben sich dadurch viele neue Klangmöglichkeiten. Hier kann ich sie aber schlecht anwenden: was käme mit einer Subkoppel an Breiklang aus dem schon sehr engen Schwellwerk raus: es wäre nur noch undifferenzierbare Masse. Ich stelle mir gerade die 8’ 4’ 2’ im SW vor, dabei Subkoppel, geht nicht. Das klingt so, als würden 10 Leute sich in einen Mini quetschen. Dabei knallt der ganze Klang gegen die gegenüberliegende Wand... 3) ein 16’ Fuß im SW (angenommen wäre trotz der Größe des SW möglich) würde das SW einfach ersticken. Vielleicht sehen andere Leute dies anders, dies ist aber der Standpunkt, den ich vertrete.

Als Lösung bot sich für mich ein Clairon/Klarine 4’, da es die Klangmöglichkeiten um einiges erweitert. 1) steht es im SW, mit der Oboe zusammen hat man einen schönen Zungenchor, der durch die Schwellwirkung dynamisch ist 2) Es setzt dem Tutti des SW noch eine schöne „Krone“ auf 3) um eine Oktave transponiert hat man eine schöne klarzeichnende Solo-Trompete und ist darüberhinaus ins Pedal gekoppelt als cf verfügbar. Es ergänzt gut die Trompete im Hauptwerk.
Jetzt beim Probespielen der Orgel fiel mir auf, daß diese Klarine die Orgel um beachtliche Möglichkeiten erweitert hat und ich möchte sie jetzt schon nicht missen.

To be continued (Pedal und Spieltisch). Ich hoffe es ist nicht ein zu langer Roman geworden;-)
Grüße, Christophe

Hier ein paar Photos vom SW:
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und SW voll!

5. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

JFK, Montag, 22. Oktober 2012, 17:42 (vor 5116 Tagen) @ ChristopheKnabe

Was kostet denn so ein "Generalumbau"?

6. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Montag, 22. Oktober 2012, 22:13 (vor 5116 Tagen) @ ChristopheKnabe

Da wir den Winddruck in den Manualen erhöht haben, wurde das Pedal von 60 auf 85 mm angehoben. Eine ursprüngliche Idee oder eher Traum war es, eventuell den Hintersatz durch einen Quintbass 10 2/3’ zu ersetzen. Leider war dies aus finanziellen Möglichkeiten wie auch aus Platzgründen nicht möglich (sehr eng, vieles gekröpft), ist auch sehr gut, im Nachhinein ist man immer schlauer. Der Subbaß (durch die bevorzugte Baßakustik im Raum und die Erhöhung des Druckes) trägt die ganze Orgel super, ist im ganzen Raum sehr tragend wahrnehmbar, ist nicht aufdringlich bei einem 8’ Fuß im geschlossenen Schweller, sehr edel, und das ist auch gut so.
Der Pommer 8’ im Pedal wurde zum Gedacktbaß umbenannt, es ist eine Extension des Subbaßes und kein Pommer...
Der Oktavbaß klang alleine durch die Erhöhung des Winddruckes.
Der Choralbaß war jetzt auch etwas präsenter, war mir aber immer zu wenig als alleiniges c.f. –Register im Pedal, zum Triospiel mit c.f. im Pedal zu wenig. Eigentlich merkte man bisher bei 16’ 8’ 8’ dazu den 4’ keinen Unterschied.
Der Choralbaß 4’ wurde bis auf geht nicht mehr aufgerissen... jetzt ist er super als c. f. im Triospiel zu gebrauchen, schön zeichnend und durchdringend, und fungiert jetzt als Tenoroktave.
Das Fagott war das Register, was das größte Kopfzerbrechen brachte. Die Becher auf Wunsch einer Person wurden aus Messing hergestellt. Dies brachte verrückt spielende Obertöne, es war kaum zu stimmen, jede Pfeife klang anders und es rasselte und vibrierte ohne Ende. Potthoff hat tagelang dran gearbeitet, mit wenigen Erfolgen. Eine Sache hat dann auspropiert, die er nur noch als verbessernde Lösung ansah: Er hat die Pfeifen mit einem Klebeband umklebt, dessen Namen ich leider nicht mehr einfällt. Die Pfeifen sehen jetzt mit ihren silbrigen Umklebungen sch... aus, es braucht sie ja keiner glücklicherweise anzusehen. Das Fagott konnte dadurch einigermaßen gebändigt werden, klingt immer noch nicht gut, aber im Rahmen des Machbaren war es trotzdem ein großer Sprung.

Zwei Photos vom Fagott:
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7. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Montag, 22. Oktober 2012, 22:54 (vor 5116 Tagen) @ ChristopheKnabe

Zum Spieltisch:

Super Traktur und angenehm spielbar!
8 Setzer waren zu wenig, eine neue Setzeranlage musste her. Es gibt jetzt das einfach übliche, 8 x 8 x 32, dies mal drei Benutzer (2048 pro Benutzer, 6144 insgesamt) , viel Schnickschnack wollte ich nicht haben. Display befindet sich in der Leiste unter dem Notenpult, dort gibt es auch den Auf und Ab Knopf für die 32 Gruppen.) Sequenzschalter gibt es mittig unter dem 1. Manual, für den Registranten links über den Registerschalter und natürlich als Pistons für die für die Füße.
Auf meinen Wunsch hin wurde die Anordnung unter dem 1. Manual geändert, anstatt wie meistens üblich S, A-H, < > 1-8, 0 haben wir dies bißchen umgekehrt auf S, 1-8, < > A-H. Ich finde dies angenehmer zum „Umschalten“, die linke Hand ist öfters freier als die rechte, dabei ist das auch sehr angenehm zum einregistrieren, da die Registerwippen sich auch alle links befinden.
Zudem wurden die Pistons geändert. Befanden sich jetzt die Koppeln und < > in einem Block links neben dem Schweller, wurde die Anordnung jetzt geändert. > befindet sich rechts neben Schweller, < links. Dazu wurde eine Lücke zwischen dem < und den Koppeln gelassen. Dazu waren die Pistons bisher sehr unangenehm zu erreichen, durch eine neue Leiste wurde dies deutlich verbessert.

Paar Photos (glücklicherweise ist dies kein Photoforum;-))
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siehe Anordnung Pistons und auch deren Stellung, unangenehm mit dem Fuß zu erreichen
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Ergänzen wollte ich noch, daß jetzt auch die Spieltischlampe eingetroffen und eingebaut worden ist, leider habe ich kein Photo. Die bisherige Lampe war unbeweglich und aus Holz über das Plexiglas geschwungen. Mehr als DIN A4 war nicht auf dem Notepult unterzubekommen (Messiaen Ascension musste ich kopieren, die Originalpartitur konnte ich zwischen Lampe und Notenpult "einklemmen", leider war ein Blättern nicht möglich. Wenn ich Literatur spiele brauche ich Noten, und wenn es nur die Form der Partitur vor der Nase ist und ich eigentlich nicht aus den Noten ablese, ich beneide jeden, der auswendig spielen kann, ich kann es leider überhaupt nicht.

Schluß Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Dienstag, 23. Oktober 2012, 00:21 (vor 5115 Tagen) @ ChristopheKnabe

Um endlich mal zu einem Schluß zu kommen:

Wir haben das Schießpulver natürlich nicht erfunden, aber aus einer Prinzessin ist eine schon eine Königin geworden. Die Aufstellung der Orgel war zu berücksichtigen, die unterschiedliche Raumakustik, die Vorgaben des Gehäuses, die finanziellen Möglichkeiten, zudem galt es, das meiste des (sehr guten) Pfeifenmaterials wiederzuverwenden, umzuarbeiten und neuzuintonieren und wenig neues Pfeifenmaterial zu verwenden (man darf die Orgel nicht verleugnen!), dabei musste einiges an Grenzen berücksichtigt werden. Potthoff meinte anfangs, wir versuchen einiges rauszuholen, dies steigerte sich in etwa „Christophe, du kriegst eine neue Orgel“. Er war selbst erstaunt, was eigentlich machbar war! Er sagte selbst, daß es viel interessanter sei, so eine Orgel umzuarbeiten oder neuzukonzipieren und den Unterschied zu merken als eine neue Orgel zu bauen, das würde ihm viel mehr Spaß bereiten.

Ich bin sehr zufrieden. Ein kleines Beispiel um nicht ins Detail jetzt gehen: Die beiden 8’ Füßer im Hauptwerk sind sehr breit und tragend, wenn man alle 8’ berücksichtigt ist „alles“ an Klangmöglichkeiten möglich (von eng bis weit, differenzierte Klänge). Wenn man alle zieht würde man kaum glauben, daß dies nur 5 Register sind. Die Orgel mit ihren „nur“ 25 Registern klingt im Raum größer, schön füllend, mächtig, aber nicht schreiend oder umwerfend, eine runde Sache oder „edle Königin“.
Dazu muss man sagen, daß es natürlich alles nur im machbaren Bereich erfolgt ist, für mich persönlich ist es ein enormer Gewinn zum Zustand davor. Wenn ich die Dispo selbst so lese, würde ich denken, naja, aber es ist vielsprechender als es aussieht.

Hier nochmal die neue Dispo:
I. Hauptwerk
Prinzipal 8'
Harmonieflöte 8’
Oktave 4'
Traversflöte 4’
Waldflöte 2'
Septime 1 1/7
Mixtur IV 2’
Trompete 8'
II. Schwellwerk
Holzprinzipal 8’
Gedackt 8'
Viola da Gamba 8'
Vox Angelica 8’ ab c0
Fugara 4’
Nasard 2 2/3'
Nachthorn 2’
Terz 1 3/5'
Cymbel III 1'
Oboe 8’
Klarine 4’
Pedal
Subbaß 16'
Oktavbaß 8'
Gedacktbaß 8’
Tenoroktave 4'
Hintersatz III-IV 2 2/3'
Fagott 16'

Ich habe keine Aktien beim Orgelbauer Potthoff. Ich möchte ihn aufrichtig an dieser Stelle loben, ein toller Orgelbauer, ein prima Intonateur, ein super netter Mensch, sehr zu empfehlen!

Es wurde der Kostenpunkt für die Maßnahme angesprochen. Dazu darf ich nicht zu viel sagen: es liegt im fünfstelligen Bereich, für uns unter der 50.000 € Marke (mitsamt der Grundreinigung und der neuen Setzeranlage und Einschalung der Orgel).. Potthoff hat sehr viel in ehrenamtlicher Leistung getan, weil auch vieles nicht voraussehbar war, er es aber mit großer Liebe und Eifer getragen hat, auch viele zusätzliche Arbeiten. Für uns und mich ein Glücksfall!!!

Die Orgelweihe findet an diesem Sonntag, den 28. Oktober in einer Vesper um 16:15 Uhr statt. Um 17:00 Uhr findet das Wiedereinweihungs-Improvisationskonzert statt. Ich bin sehr glücklich darüber, daß mein Freund Otto (Krämer), Mitforianer, beides übernimmt, ein toller Mensch und genialer Improvisator, den ich sehr um sein Können beneide und bewundere und von dem ich mich bescheiden Lichtjahre entfernt bewege! (Otto, Weizen ist schon kalt gestellt.) Herzliche Einladung an alle, vielleicht lerne ich den einen oder anderen auch mal persönlich kennen.

Wer gerne die Orgel mal ausprobiert oder spilen möchte, ist herzlich eingeladen. (christopheknabe(at)hotmail.de). Wenn darüber hinaus noch sympathisch ist, ;-) kann gerne mein Hausorgel ausprobieren und sich mit mir bei einem edlen Tropfen im Wintergarten austauschen, soweit es dienstlich/zeitlich möglich ist und Kind und Kegel es zulassen. Herzlich willkommen!

Im nächsten Jahr haben wir jetzt einige Orgelkonzerte angesetzt, bei Interesse kann ich gerne die Programme, Daten und Interpreten zeitnah posten. (Ich weiß nicht, in wie wie Werbung hier erschwünscht ist.)

Noch ein paar Photos:
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Schluß Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

JSBach @, Aachen, Dienstag, 23. Oktober 2012, 05:32 (vor 5115 Tagen) @ ChristopheKnabe

also zumindest bei mir sind Konzerttermine/Empfehlungen immer willkommen!

Dir Glückwunsch zu einer offensichtlich gelungenen Restrukturierung einer "schlafenden Königin" mit viel verschenktem Potential! Ein großes Glück, dass ihr einen fähigen und zudem engagierten Orgelbauer gefunden habt, der soviel eigene Zeit (und damit auch Geld) in die Sache gesteckt hat, würde vermutlich nicht jeder tun (mir kam da immer der Vergleich zum alten Aristide auf...)

Konzertprogramm Otto Krämer am 28. Oktober, 17:00 Uhr

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Dienstag, 23. Oktober 2012, 11:06 (vor 5115 Tagen) @ JSBach

Programm: "Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb’ es, um es zu besitzen“

Kein Stück für den Pedalflügel
(Für den Namensgeber einer Musikhochschule)
- sehr lebhaft markiert, nicht depressiv
- mit Nachdruck
- nicht beliebig

Suite francaise
(Chapeau für Clerambault, Couperin und Chapuis)
- Plein jeu
- Duo
- Basse et dessus de trompette
- Tierce en taille
- Récit
- Concert des Flûtes
- Grand Jeu

Phantasie, Cantilene und Fuge
(im Gedenken an Mendelssohn-Bartholdy)

Suite francaise im neuen Stil
- Fonds
- Canon sur le cromorne
- Anches
- Arabesque sur les flutes
- Canon sur les cornets
- voix célestes
- Finale

Partita (so barock wie möglich)

PC-Suite francaise en 4 mouvements
(Chapeau für Pierre Cochereau)
- Allegro
- Scherzo
- Priere
- Sortie

St. Johann Baptist, Kirchplatz 12, 51427 Bergisch Gladbach

6. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

1trompette, Dienstag, 23. Oktober 2012, 04:03 (vor 5115 Tagen) @ ChristopheKnabe

Das Messing auf den Fotos heisst Kupfer ;-).Das rasseln kommt doch eher von den Zungen oder einer ,wenn vorhanden,was ich glaube, schadhaften belederung der Kehlen.Bei so einer Winddruckerhöhung müssen wahrscheinlich sowieso neue und dickere Zungen eingebaut werden. Von zu kurzen Bechern ganz zu schweigen.Bordunpunkt ,gell?

6. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

Tabernakelwanze @, Niederrhein, Dienstag, 23. Oktober 2012, 06:08 (vor 5115 Tagen) @ 1trompette

Tja, wenn dem so wäre, hätte das der OB sicher festgestellt und behoben.

--
Gruß vom Niederrhein

6. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Dienstag, 23. Oktober 2012, 07:31 (vor 5115 Tagen) @ Tabernakelwanze

Tja, wenn dem so wäre, hätte das der OB sicher festgestellt und behoben.

Der Meinung bin ich auch.

6. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Dienstag, 23. Oktober 2012, 06:45 (vor 5115 Tagen) @ 1trompette

Das Messing auf den Fotos heisst Kupfer ;-).

Natürlich Kupfer, vielleicht sollte ich es unterlassen, abends spät zu schreiben;-)

Das rasseln kommt doch eher von den Zungen oder einer ,wenn vorhanden,was ich glaube, schadhaften belederung der Kehlen.

Nö, von den Bechern. Glaub mir, nicht nur ein Orgelbauer hat sich an dem Ding versucht. Leider hat das Ding klanglich Schrottwert, Kupferdiebe würden sich freuen. Wenn einer Geld spendet, würde ich sehr gerne ersetzen. :-)

Bei so einer Winddruckerhöhung müssen wahrscheinlich sowieso neue und dickere Zungen eingebaut werden. Von zu kurzen Bechern ganz zu schweigen.Bordunpunkt ,gell?

War nicht der Fall, stand alles auf zu niedrigem Wind.

6. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

orgelquaeler, Südwestdeutschland, Dienstag, 23. Oktober 2012, 09:28 (vor 5115 Tagen) @ ChristopheKnabe

Das silberne Klebeband: war das ein dickes mit schwarzer Klebefläche? mit Bitumengewicht hat man schon manchem Blech das Schwingen genommen, allerdings eher im Autohifi-Bereich...

LG

OQ

6. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Dienstag, 23. Oktober 2012, 09:33 (vor 5115 Tagen) @ orgelquaeler

Das silberne Klebeband: war das ein dickes mit schwarzer Klebefläche? mit Bitumengewicht hat man schon manchem Blech das Schwingen genommen, allerdings eher im Autohifi-Bereich...

LG

OQ


Genau das ist es, Not macht erfinderisch.

Lg, Christophe

6. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

orgelquaeler, Südwestdeutschland, Dienstag, 23. Oktober 2012, 09:36 (vor 5115 Tagen) @ ChristopheKnabe

das alukaschierte Bitumenklebeband kann auch zum Reparieren von Regenrinnen verwendet werden, nicht nur von Fallrohren...
man, habt ihr da einen Aufwand betrieben.
Ist das eine Seiltraktur oder dünne Alustäbe?

LG

OQ

6. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

Tabernakelwanze @, Niederrhein, Dienstag, 23. Oktober 2012, 09:42 (vor 5115 Tagen) @ orgelquaeler

Es sieht aus wie Alu. Diese Trakturen wurden auch in der Orgel meines Heimatdorfes verbaut, an der ich das Orgelspiel erlernte. Man mag heute die Nase darüber rümpfen, allerdings sind die Dinger unverwüstlich und kaum Klimaschwankungen unterworfen.

--
Gruß vom Niederrhein

6. Neukonzeption Orgel in St. J. Baptist Refrath B-Gladbach

hardy, Dienstag, 23. Oktober 2012, 19:48 (vor 5115 Tagen) @ Tabernakelwanze

Erstmal vielen Dank für den ausführlichen Bericht!
"Meine" Schuke-Orgel von 1970 hat auch Alu-Traktur und einer der es wissen mußte hielt sie von der Spielbarkeit her für die angenehmste in unserer Stadt (ca. 10 Orgeln). Ich mag die Spielbarkeit auch sehr, hatte aber auch Bedenken, wie lange die wohl halten mag...

Traktur

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Dienstag, 23. Oktober 2012, 20:49 (vor 5115 Tagen) @ hardy

Erstmal vielen Dank für den ausführlichen Bericht!
"Meine" Schuke-Orgel von 1970 hat auch Alu-Traktur und einer der es wissen mußte hielt sie von der Spielbarkeit her für die angenehmste in unserer Stadt (ca. 10 Orgeln). Ich mag die Spielbarkeit auch sehr, hatte aber auch Bedenken, wie lange die wohl halten mag...

Soweit ich mich erinnern kann, hat Potthoff glaub ich gesagt, daß S. Schulte sehr von der Alutraktur überzeugt war, und die noch lange weiter gebaut hat, schon als sie längst außer Mode war.

Wenn ich eine Matratze kaufe, ich es mir grundsätzlich egal, was der Matratzenbauer für ein Material benutzt hat, mich interessiert das Resultat, Hauptsache ich kann gut drauf liegen, andere können es vielleicht nicht, dies ist immer subjektiv. So ist es mir auch eigentlich wurscht, welches Material der Orgelbauer für die Traktur benutzt, meiner Meinung kann er auch Gummi benutzen, ich bin nur Tastennudler und nicht Orgelbauer;-) mich interessiert dann nur das Resultat und die Spielbarkeit.

Hier funktioniert die Traktur seit 25 Jahren tadellos, sehr solide, musste nur bißchen nachreguliert werden. Das I. Manual spielt sich sehr angenehm, das II. Manual war bisher bißchen schwammig, das lag aber auch am niedrigen Tastengang (nur 5-6 mm), dies wurde aber natürlich gelöst und es spielt sich jetzt auch vorzüglich. Mit der Manualkoppel hat man schon ein bißchen was unter den Fingern, aber jetzt nix unangenehmes. Es "wackelt" jetzt nix an Tasten, man hat ein finde ich sicheres Spielen. Ich mag solche "ängstliche" Trakturen nicht (auch solche Tasten, die schon fast einen Klang aus einer Pfeife entlocken wenn man sie nur ankuckt, ich bin zumal im Konzert ein sehr "ängstlicher" Spieler. Dies ist natürlich alles nur subjektiv.

Ich habe aber auch schon Alutrakturen gespielt, die scheußlich waren, aber genauso so das Phänomen erlebt bei welchen mit Holzabstrakten. Es kommt halt auf den Orgelbauer an, den Ort, wo das Ding stehen soll, Raumklima, Größe des Instrumentes und und und...

... ich habe gerade bei meiner Hausorgel nachgeguckt, Alutraktur, wußte ich bisher auch nicht, hat mich auch nie interessiert, Hauptsache, sie läßt sich gut spielen;-)

Lg,
Christophe

OT Hausorgel, war: Traktur

Benjamin Danner, Mittwoch, 24. Oktober 2012, 09:13 (vor 5114 Tagen) @ ChristopheKnabe

Darf man etwas über deine/Ihre Hausorgel erfahren? Größe / Dispo etc.?

DANKE!

OT Hausorgel, war: Traktur

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Mittwoch, 24. Oktober 2012, 10:21 (vor 5114 Tagen) @ Benjamin Danner

Hallo Benjamin,

kein Problem.

Schumacher Orgelbau (Eupen, Belgien)

I. Manual (C-g3)
Gedeckt 8'
Prinzipal 2'
Quinte 1 1/3'

II. Manual (C-g3)
Gedeckt 8' (tr)
Rohrflöte 4'
Nasard 2 2/3'
Terz 1 3/5'

Pedal (C-f1)
kein Register

Koppeln II/I I/P II/P

Faktisch im Gebrauch 8' und 4', das andere ist auch nett, aber mit der Zeit nervend.

Seit ca. 14 Jahren besteht zwischen ihr und mir eine Liebes/Haßfreundschaft. Ich tat mich lange schwer mit dem Üben drauf (jetzt auch noch manchmal), denn sie fordert auch trakturenbedingt sehr präzises und kontrolliertes Spielen und ist unverzeihlich. Man kann einfach nicht schummeln und pfuschen.

Ich weiß noch, daß ich mal in einem Hochschulsemester die Dritte von Vierne und Ascension von Messiaen in der Kerzenkapelle erabeitet hatte, eigentlich lief es schon gut. Für einen Tag war ich auf Heimatbesuch in Luxemburg und setzte mich stolz an das kleine Instrument: es lief nix, ich kam mir vor, als hätte ich die Stücke noch nie gespielt... grausam.

Umgekehrt, was an dem kleinen Ding erarbeitet worden ist, läuft in der Regel überall. Nur mit 8' (+ manchmal auch 4') kann man sehr konzentriert (auch dicke Schinken) üben, die Orgel ist ja nicht zum Vergnügen da (dafür kann ich ja zur Kirche laufen), sondern zum Üben: und das ist sehr gut so, daß sie einen auf den Boden der Tatsachen zurückholt und viel abverlangt. Ich bin sehr zufrieden mit ihr, mit meinem Spielen drauf öfters nicht;-)

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OT Hausorgel, war: Traktur

fluteceleste @, München, Mittwoch, 24. Oktober 2012, 16:23 (vor 5114 Tagen) @ ChristopheKnabe

erstmal vielen Dank für den ausführlichen und aufschlußreichen Bericht!
ich vermute mal, daß bei der Hausorgel die Stimmen ab 2' nur bei geschlossenen Türen verwendbar sind? ;-)
hausgeorgelte Grüße
Stefan

OT Hausorgel, war: Traktur

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Montag, 29. Oktober 2012, 23:23 (vor 5108 Tagen) @ fluteceleste

Hallo Stefan

erstmal vielen Dank für den ausführlichen und aufschlußreichen Bericht!

Gern geschehen:-)

ich vermute mal, daß bei der Hausorgel die Stimmen ab 2' nur bei geschlossenen Türen verwendbar sind? ;-)
hausgeorgelte Grüße
Stefan

Das will ich mal nicht sagen. Aber z. B. versuche ich mich momentan an der Symphonie-Passion (da ich im Gottesdienst meistens "Stücke" ohne Noten spiele, ein paar Leute denken ich kann das, ich bin da eher anderer Meinung..., spiele ich bei Konzerten fast ausschließlich Literatur, um mich zum Üben zu zwingen), das klingt dann mit 8' 4' 2' absolut nach Drehorgel und nervt nach ein paar Sekunden. Unnötig sowieso, mein einfacher Gedackt 8' holt mich bei Impro und Literatur schön auf den Boden der Tatsachen zurück, und das ist auch gut so, sehr heilsam, man kann sich und besonders andere nicht blenden...

Aber was ich mit dem 8' (Man+Ped) auf dem Sch...ding spielen kann, geht (meistens, wenn ich mich gut gequält habe, leider steht sie im Wohnzimmer, das wird auch von anderen gerne frequentiert) sonst wo auch.

Herzliche Grüße,
Christophe

Traktur

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Mittwoch, 24. Oktober 2012, 09:53 (vor 5114 Tagen) @ ChristopheKnabe

Ich mag solche "ängstliche" Trakturen nicht (auch solche Tasten, die schon fast einen Klang aus einer Pfeife entlocken wenn man sie nur ankuckt,...


Solche Trakturen finde ich auch sehr unangenehm. Das kommt ja bei Postiven öfters vor. Ein wenig Widerstand finde ich durchaus angenehm.
Allerdings habe ich in meiner Jugend auf einer 3-manualigen Späth/Ennetach-Orgel (Ertingen, wie ich höre, wird sie gerade überarbeitet) gespielt: Alutraktur ("Drahtverhau", wie Daniel Brustwerkle sagen würde). Das Ding war sehr schwergängig und mit Koppeln fast nicht mehr spielbar, obwohl sie damals ja noch ganz neu war. Ich bekam nach ziemlich intensivem Üben an diesem Instrument eine Geschwulst an einer Sehnenscheide des rechten Mittelfingers, die operativ entfernt werden mußte.

Traktur

ChristopheKnabe ⌂ @, Bergisch Gladbach, Mittwoch, 24. Oktober 2012, 10:41 (vor 5114 Tagen) @ Hausorgler

Ich mag solche "ängstliche" Trakturen nicht (auch solche Tasten, die schon fast einen Klang aus einer Pfeife entlocken wenn man sie nur ankuckt,...

Solche Trakturen finde ich auch sehr unangenehm. Das kommt ja bei Postiven öfters vor. Ein wenig Widerstand finde ich durchaus angenehm.
Allerdings habe ich in meiner Jugend auf einer 3-manualigen Späth/Ennetach-Orgel (Ertingen, wie ich höre, wird sie gerade überarbeitet) gespielt: Alutraktur ("Drahtverhau", wie Daniel Brustwerkle sagen würde). Das Ding war sehr schwergängig und mit Koppeln fast nicht mehr spielbar, obwohl sie damals ja noch ganz neu war. Ich bekam nach ziemlich intensivem Üben an diesem Instrument eine Geschwulst an einer Sehnenscheide des rechten Mittelfingers, die operativ entfernt werden mußte.

Ja, zwei Beispiele meinerseits:

Westenfelder-Orgel (60 Register), super zu spielen, auch volles Werk mitsamt Koppeln (ok, man hat schon Wiederstand, aber nie unangenehm, ermüdend oder störend). Übrigens, ein sehr sehr schönes Instrument, ca 17 Register aus der ersten Stahlhuth-Orgel oder Hauptorgel sind mit integriert worden:

http://www.orgues.lu/index.php?option=com_content&view=article&id=191:esch-st-j...

Das sind:
I. Rankett, Schalmey
II. Gedackt 16', Holzflöte
III. Alle 16' 8', Trompete 8'
IV. Trompete 16'
Ped. Subbaß 16' Oktave 8' Gemshorn 8' und die Zungen

Gegenbespiel:
Orgel Musikkonservatorium (33 Register)
Schon sehr schwergängig und unangenehm zu spielen ohne Koppeln (Kaugummi, viel Wiederstand), mit Koppeln für mich jedenfalls kaum auf Dauer zu bewältigen. Ob sich was geändert hat in den letzten 10 Jahren, kann ich nicht sagen.

http://www.orgues.lu/index.php?option=com_content&view=article&id=188:esch-alze...

Gruß

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