Orgel der ev.ref. Kirche in Wetter (Ruhr)
Schreipositiv
, Wetter, Donnerstag, 03. Januar 2013, 17:21 (vor 5043 Tagen)
bearbeitet von Schreipositiv, Donnerstag, 03. Januar 2013, 17:34
Hallo,
nachdem es sich endlich zugetragen hat, dass neben Kamera auch ein Leiter-Halter (ohne den sollte man sich nicht auf die Leiter zu den Pfeifen wagen, wenn einem seine Gesundheit lieb ist) anwesend waren, hier ein paar Bilder vom inneren der Orgel.
Die Dispostion und etwas zur Geschichte erwähnte ich bereits in diesem Thread.
So, dann fang ich mal an.
Der Gebläsemotor:
Geliefert von einer nicht ganz unbekannten Firma:
Hat immerhin 0.45 PS
Weiter geht's mit den 3 tiefsten Tönen des Subbaß 16'
Wie man sieht kamen beim Bau der Orgel edelste Materialien zum Einsatz, wie
dieser hochwertige Plastikschlauch.
Achtung: Leute, die den Anblick von Stahltrakturen nicht ertragen können, sollten nun lieber wegsehen:
Hier sieht man die Registertraktur.
Und hier die Spieltraktur:
Aber eines muss man sagen: Das Spielgefühl ist hervorrangend. Die Orgel spielt sich stramm, aber nicht zu stramm. Der Druckpunkt ist präzise und die Koppel nicht übermäßig schwer.
Kommen wir zu den Pfeifen:
Von Rechts nach Links:
Mixtur 3-4 Fach
Glöckleinton 2 Fach
Prinzipal 2'
Nasat 2 2/3'
Flöte 4'
Octave 4'
Gedackt 8'
Rohrflöte 8' (Bei einigen Pfeifen fehlt das Rohr in der Flöte)
Die Prospekt Pfeifen von hinten. Sie haben Stimmschlitze, also vielleicht der
"verschollene" Principal 8'?
Die Pfeifen des Pedals:
Von Rechts nach Links:
Choralbaß 4'
Rohrpommer 8'
Subbaß 16'
Hier sieht man den sch*** Strebbogen, der es fast unmöglich macht, in die Orgel rein zu kommen. Man muss einen guten Gleichgewichtssinn haben und darf nicht zu dick sein,
da man ansonsten unwiegerlich die Pfeifen der Mixtur umknickt.
Und als Abschluß die Kirche bei Nacht:
So, das war mein kleiner Bildbericht, ich entschuldige mich für die nicht optimale Qualität der Bilder, aber glaubt mir wenn ich sage, man ist froh, wenn man wieder aus der Orgel raus ist ohne was kaputtgemacht zu haben. Es ist sehr eng dort. Und Spinnenweben mitsamt possierlichen Bewohnern gibt es ebenfalls dort.
Gruß,
Pascal
Orgel der ev.ref. Kirche in Wetter (Ruhr)
Florian-L, Freitag, 04. Januar 2013, 08:05 (vor 5042 Tagen) @ Schreipositiv
Rohrflöte 8' (Bei einigen Pfeifen fehlt das Rohr in der Flöte)
Könnten diese Pfeifen vielleicht mit einem Innenrohr ausgestattet sein?
Gruß, Florian
--
"Nicht alles, was tönt, ist auch Musik."
-Joseph Marx-
Orgel der ev.ref. Kirche in Wetter (Ruhr)
Schreipositiv
, Wetter, Freitag, 04. Januar 2013, 10:27 (vor 5042 Tagen) @ Florian-L
Rohrflöte 8' (Bei einigen Pfeifen fehlt das Rohr in der Flöte)
Könnten diese Pfeifen vielleicht mit einem Innenrohr ausgestattet sein?Gruß, Florian
Glaube ich nicht, da es keine Systematik gibt. Eine Pfeife hat kein Rohr, dann haben 10 Pfeifen wieder eins,
und dann fehlt wieder eins, dann wieder keins usw.
Auf dem Bild von den Pfeifen der Manuale sieht man Links oben in der Ecke eine Rohrflöte ohne Rohr.
Dort ist ein Loch im Deckel, was nicht nach Innenrohr aussieht.
Gruß,
Pascal
Orgel der ev.ref. Kirche in Wetter (Ruhr)
FriedemannW, Lindau, Freitag, 04. Januar 2013, 14:22 (vor 5042 Tagen) @ Schreipositiv
Hallo Schreipositiv,
ich denke, die Geschichte der Orgel so ist etwas detaillierter:
- gebaut von Link als Werk mit pneumatischer Traktur
- die pneumatische Orgel wurde 1954 erweitert
- 1980 Neubau auf Schleifladen unter Verwendung von Gehäuse und alten Registern
Einige Gedanken zum jetzigen Zustand:
- im Prospekt stehen Teile von (mindestens) 2 Registern, die unterschiedlich breiten Stimmschlitze der Prospektpfeifen belegen das, das Reaktivieren dieser Prospektpfeifen ist aber wahrscheinlich recht aufwändig, und es gibt keine Fortführung dieser Prospektregister auf der Windlade (da es neue Schleifladen sind)
- gut, dass alte Register übernommen wurden, ein alter halbrund aufgeschnittener Subbaß mit ordentlicher Mensur ist besser als ein Pommer 16' im Pedal...
- die Zugänglichkeit sieht doch gar nicht so schlecht aus, da gibts viel engeres!
- die Windstößigkeit kann auch von zu engen Kanzellen herkommen und die altern Register haben sicherlich einen höheren Windverbrauch
- Winddruck deutlich erhöhen (wie im anderen Thread erwähnt) ist immer schwierig, die alten Pfeifen machen das klanglich bestimmt mit, das Problem sind dann die Pfeifenlängen, die einfach zu kurz sind. Das ist ohne umfangreiche Nacharbeiten (Anlängen der Pfeifen & Stimmrollen zulöten, besser Pfeifenwerk weiter rücken) schwer möglich. Die Holzpfeifen der 4' Flöte sind ja jetzt schon recht kurz.
Wie wäre es denn mit einer Reaorganisation des Werkes? :D
Beste Grüße
Friedemann
Orgel der ev.ref. Kirche in Wetter (Ruhr)
Schreipositiv
, Wetter, Freitag, 04. Januar 2013, 16:51 (vor 5042 Tagen) @ FriedemannW
Hallo Schreipositiv,
ich denke, die Geschichte der Orgel so ist etwas detaillierter:
- gebaut von Link als Werk mit pneumatischer Traktur
- die pneumatische Orgel wurde 1954 erweitert
- 1980 Neubau auf Schleifladen unter Verwendung von Gehäuse und alten Registern
Danke. Wieder etwas neues über die Orgel gelernt. Der Ordner mit allen Dokumenten ist noch nicht aufgetaucht, also beruht all mein Wissen über die Orgel aus Sekundärquellen, Berichten von alten Gemeindemitgliedern usw. Ich hatte eingentlich damit gerechnet, dass die Orgel 1954 elektrifiziert wurde, da der gleich Orgelbauer (Faust?) 1954 auch die Orgel in der Lutherkirche elektrifiziert hat.
Einige Gedanken zum jetzigen Zustand:
- im Prospekt stehen Teile von (mindestens) 2 Registern, die unterschiedlich breiten Stimmschlitze der Prospektpfeifen belegen das, das Reaktivieren dieser Prospektpfeifen ist aber wahrscheinlich recht aufwändig, und es gibt keine Fortführung dieser Prospektregister auf der Windlade (da es neue Schleifladen sind)
Danm werden dass Wahrscheinlich Teile vom Principal 8' und vom Salicional 8' sein.
- gut, dass alte Register übernommen wurden, ein alter halbrund aufgeschnittener Subbaß mit ordentlicher Mensur ist besser als ein Pommer 16' im Pedal...
Das Stimmt, der Subbaß hat ordentlich Fundament. Das braucht die Orgel auch, da
Rohrflöte und Gedackt zwar auch original sind, aber nicht als Fundament vorgesehen waren.
- die Zugänglichkeit sieht doch gar nicht so schlecht aus, da gibts viel engeres!
Wenn man erst mal unter dem Pfeiler durch ist, geht es. Der Orgelbauer (er ist etwas rundlicher) muss immer erst einige Pfeifen der Mixtur ausbauen, da er sie sonst mit seinem Bauch abknicken würde. Ich habe das Problem, dass ich zu groß bin, und mich deshalb so weit über die Pfeifen lehen muss, dass ich ohne mich abzustützen das Gleichgewicht verlieren würde.
Hier sieht man es etaws besser:
Ganz schlimme ist es beim 2. Bogen:
- die Windstößigkeit kann auch von zu engen Kanzellen herkommen und die altern Register haben sicherlich einen höheren Windverbrauch
Die hat sich in der Zwischenzeit erledigt. Grund für die Asthmatik war der Schlauch, der vom Gebläse abgeht. Er hatte ein einer schwer zugänglichen Stelle einen Riss. Ich hab ihn nur durch Zufall entdeckt und dann "fachmännisch" mit Klebeband abgedichtet.
- Winddruck deutlich erhöhen (wie im anderen Thread erwähnt) ist immer schwierig, die alten Pfeifen machen das klanglich bestimmt mit, das Problem sind dann die Pfeifenlängen, die einfach zu kurz sind. Das ist ohne umfangreiche Nacharbeiten (Anlängen der Pfeifen & Stimmrollen zulöten, besser Pfeifenwerk weiter rücken) schwer möglich. Die Holzpfeifen der 4' Flöte sind ja jetzt schon recht kurz.
Winddruck erhöhen ist jetzt nicht unbedingt notwendig. Die Orgel ist laut genug.
Wie wäre es denn mit einer Reaorganisation des Werkes? :D
"Wer soll das Bezahlen, wer hat so viel Geld"?
Man muss beachten, die Gemeinde hat etwas über 500 Mitglieder, während die Luthergemeinde gut das Sechsfache hat.
Beste Grüße
Friedemann
Gruß,
Pascal
Orgel der ev.ref. Kirche in Wetter (Ruhr)
FriedemannW, Lindau, Freitag, 04. Januar 2013, 17:05 (vor 5042 Tagen) @ Schreipositiv
Hallo Schreipositiv,
ich denke, die Geschichte der Orgel so ist etwas detaillierter:
- gebaut von Link als Werk mit pneumatischer Traktur
- die pneumatische Orgel wurde 1954 erweitert
- 1980 Neubau auf Schleifladen unter Verwendung von Gehäuse und alten Registern
Danke. Wieder etwas neues über die Orgel gelernt. Der Ordner mit allen Dokumenten ist noch nicht aufgetaucht, also beruht all mein Wissen über die Orgel aus Sekundärquellen, Berichten von alten Gemeindemitgliedern usw. Ich hatte eingentlich damit gerechnet, dass die Orgel 1954 elektrifiziert wurde, da der gleich Orgelbauer (Faust?) 1954 auch die Orgel in der Lutherkirche elektrifiziert hat.
Ich kenne das Instrument leider(?) nicht "persönlich". Kann natürlich sein, dass die Orgel 1954 elektrifiziert wurde - das sieht man ja auf den Bildern nicht ;-) Es war nur meine Vermutung, dass die Orgel 1980 technisch neu gebaut wurde - Mechanik von 1954 war noch nicht so Alu-haltig mit Wiener Kapseln :D
Beste Grüße
Friedemann
Orgel der ev.ref. Kirche in Wetter (Ruhr)
Schreipositiv
, Wetter, Freitag, 04. Januar 2013, 17:45 (vor 5042 Tagen) @ FriedemannW
Ich kenne das Instrument leider(?) nicht "persönlich". Kann natürlich sein, dass die Orgel 1954 elektrifiziert wurde - das sieht man ja auf den Bildern nicht ;-) Es war nur meine Vermutung, dass die Orgel 1980 technisch neu gebaut wurde - Mechanik von 1954 war noch nicht so Alu-haltig mit Wiener Kapseln :D
Beste Grüße
Friedemann
1980 wurde die Orgel technisch neu gebaut, das stimmt schon und da bin ich mir ausnahmsweise mal sicher :-) Was von 1954 bis 1980 war, Elektrik oder Pneumatik, das weiß ich nicht. Bis 1954 wars auf jeden Fall Pneumatik.
Gruß,
Pascal
Orgel der ev.ref. Kirche in Wetter (Ruhr)
Klaus K
, nahe Kassel, Freitag, 04. Januar 2013, 17:52 (vor 5042 Tagen) @ FriedemannW
bearbeitet von Klaus K, Freitag, 04. Januar 2013, 18:01
Hallo,
ich habe in den 60er Jahren sowohl die Orgel in der ref. Kirche als auch in der Lutherkirche ein paarmal gespielt. Ich meine mich erinnern zu können, dass die Orgel in der ref. Kirche pneumatisch traktiert wurde und etwa 20 Register besaß. Sie hatte die typische Verzögerung der Tonansprache, was für mich als damals junger Pennäler noch fremd war. In Erinnerung geblieben ist eine ungemein silbrige , wohlklingende Mixtur im HW und eine gut zeichnende Posaune im Pedal. Insgesamt eine sehr frisch klingende Disposition und Intonation.
Die Lutherkirchen-Orgel war war wohl komplett elektrisch gesteuert mit einem relativ unspezifischen Klang. 3 Manuale und ca 40 Register; Spieltisch freistehend quer stehend vor einem breit ausladenden Prospekt.
Einen schönen Abend und herzliche Grüße aus Nordhessen
Klaus
Orgel der ev.ref. Kirche in Wetter (Ruhr)
Schreipositiv
, Wetter, Freitag, 04. Januar 2013, 18:21 (vor 5042 Tagen) @ Klaus K
Hallo,
ich habe in den 60er Jahren sowohl die Orgel in der ref. Kirche als auch in der Lutherkirche ein paarmal gespielt. Ich meine mich erinnern zu können, dass die Orgel in der ref. Kirche pneumatisch traktiert wurde und etwa 20 Register besaß. Sie hatte die typische Verzögerung der Tonansprache, was für mich als damals junger Pennäler noch fremd war. In Erinnerung geblieben ist eine ungemein silbrige , wohlklingende Mixtur im HW und eine gut zeichnende Posaune im Pedal. Insgesamt eine sehr frisch klingende Disposition und Intonation.
Du bist der erste den ich kenne, der die Orgel vor 1980 kennt.
War der Prospektanbau wirklich so hässlich, wie mir immer gesagt wird?
Denn ohne Grund (am Klang scheints ja nicht gelgen zu haben) wirft man doch keine 9 Register weg, oder?
Die Lutherkirchen-Orgel war war wohl komplett elektrisch gesteuert mit einem relativ unspezifischen Klang. 3 Manuale und ca 40 Register; Spieltisch freistehend quer stehend vor einem breit ausladenden Prospekt.
Daran hat sich nichts geändert. Wobei man sagen muss, dass die Akustik der Lutherkirche nicht die beste ist. Man hört oft Beschwerden von Chören, die dort singen. Außerdem gehören die Krichenbänke zu den Schlimmsten, die ich kenne.
Einen schönen Abend und herzliche Grüße aus NordhessenKlaus
Gruß zurück aus Wetter,
Pascal
Orgel der ev.ref. Kirche in Wetter (Ruhr)
Klaus K
, nahe Kassel, Freitag, 04. Januar 2013, 21:15 (vor 5042 Tagen) @ Schreipositiv
An den Prospekt kann ich mich nur noch rudimentär erinnern; ich glaube, er war in dunklem Holz gehalten, vielleicht Tendenz neogotisch. Hässlich kam er mir nicht vor. Klanglich schien mir die Orgel gut an Raumgröße und -akustik angepasst gewesen zu sein.
Alles aber unter dem Vorbehalt, dass meine Eindrücke und Erinnerungen ca. 50 Jahre alt sind. Leider gehörten die Fotografie und die Tonaufnahme damals noch nicht zu meinen Hobbies, sonst könnte ich heute mit objektiven Belegen aufwarten.
Was die Lutherkirche angeht, teile ich die in der Orgelbeschreibung im Internet formulierte Auffassung, man hätte den Zustand aus der Erbauerzeit um 1907 belassen sollen; so ist ein Zeitdokument durch orgelbewegte Änderungen verlorengegangen.
Gruß
Klaus
Orgel der ev.ref. Kirche in Wetter (Ruhr)
Schreipositiv
, Wetter, Samstag, 05. Januar 2013, 11:41 (vor 5041 Tagen) @ Klaus K
An den Prospekt kann ich mich nur noch rudimentär erinnern; ich glaube, er war in dunklem Holz gehalten, vielleicht Tendenz neogotisch. Hässlich kam er mir nicht vor. Klanglich schien mir die Orgel gut an Raumgröße und -akustik angepasst gewesen zu sein.
Alles aber unter dem Vorbehalt, dass meine Eindrücke und Erinnerungen ca. 50 Jahre alt sind. Leider gehörten die Fotografie und die Tonaufnahme damals noch nicht zu meinen Hobbies, sonst könnte ich heute mit objektiven Belegen aufwarten.
Danke für Deine Mühen. Der Beitrag bekräfitgt aber die Frage, warum man die Orgel 1980 praktisch halbiert hat. Nun ja, da werde ich wohl noch weiter forschen müssen. Das Interessiert mich nämlich, was eine Gemeinde dazu bewegt, eine anscheinend solide Orgel zu halbieren. Vergrößern kann man ja verstehen, aber warum verkleinern?
Gruß,
Pascal
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