R.I.P.

Werni @, Donnerstag, 10. Januar 2013, 19:51 (vor 5035 Tagen) @ OrganisteTuttilaire

Ich fand die Nachricht auch gerade bestätigt durch Gereon Krahforst, ja ebenfalls ein Schüler Lehnrdorfers.

Franz Lehrndorfer war sich nicht zu schade, auch einem unbedeutenden Organisten wie mir zu meiner Hochzeit die damals gerade fertig gestellte Münchner Domorgel in einer einstündigen Orgelvorführung zu zeigen. Ein großartiger und weitherziger Mensch.

Ich hatte die Freude sehr viele Konzerte von ihm besuchen zu können. So kenne ich auch die alte Münchner Domorgel und erinnere mich, dass Lehrndorfer die Flöten der Orgel sehr liebte.

Lehrndorfer war in der Tat der König der improvisierten Fuge. Ich erinnere mich an Düsseldorf St. Franziskus Xaverius, wo er eine Fuge über ein Thema von Reger, noch ein Fugenthema und den Choral "wenn ich einmal soll scheiden" improvisierte - nachzuhören in der Beilage-CD der Festschrift "Dux et comes" zu Ehren Franz Lehrndorfers.

Lehrndorfer hatte trotz seines hohen Intellektes eine Affinität zum Weihnachtsfest. Ich erinnere mich, dass ich seine Choralvariationen "O du fröhliche" meinen holländischen Freunden W.H. Zwart, Herman van Vliet und anderen gezeigt habe, die diese spontan in ihre jeweiligen Weihnachtskonzerte eingebauen wollten. Es kam aber die Frage an mich, ob Franz Lehrndorfer nicht auch noch eine Toccata zu diesem Lied komponieren könne. Ich habe dies Herrn Lehrndorfer vorgetragen und innerhalb weniger Tage von ihm eine handschriftliche Kopie dieser Toccata erhalten, die er in dieser kurzen Zeit erarbeitet hatte. Diese fand in Holland hohen Anklang.

Gerne improvisierte Lehrndorfer auch über den Choral "wie schön leuchtet der Morgenstern", den ich in vielen Konzerten nicht müde wurde zu hören - die Grundstruktur war sicher jeweils sehr ähnlich, aber der Unterschied zwischen einer Improvisation vor 40 Jahren und vor fünf Jahren war dergestalt, dass man in letzterer die versammelte musikalische Altersweisheit erleben konnte und virtuos war beides.

Legendär war sein trockener Humor und seine menschliche Art auch seinen Schülern gegenüber. Nicht umsonst sind viele derzeit tätige und emeritierte Domorganisten hoch begeistert von Franz Lehrndorfer.

War es nicht im alten Forum, oder von wem habe ich das gehört: Lehrndorfer und Cochereau sollen einmal im Hamburger Michel eine Art Improvisationswettstreit durchgeführt haben, wobei Lehrndorfer die große Orgel Cochereu überliess?

Franz Lehrndorfer - R.I.P.

Gerhard Wernecke


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