Banquet céleste -- Allegorie

Friedrich @, Sonntag, 13. Januar 2013, 06:50 (vor 5032 Tagen)
bearbeitet von Friedrich, Sonntag, 13. Januar 2013, 07:00

Lieber Forenser,

ich bin gerade in einer Quellenverlegenheit, und vielleicht kann mir der eine oder andere von euch heraushelfen.

Seitdem ich irgendwann in den späten Achtzigerjahren Messiaens "Banquet céleste" zum erstenmal gehört hatte -- Traugott Timme hatte es in St. Marien, Osnabrück, zum Gründonnerstagsgottesdienst gespielt --, ist mir die Deutung vertraut, dass die Staccato-Pedalstimme die Blutstropfen Jesu darstelle, die in den Abendmahlskelch tropfen; die weichen Akkorde bedeuteten die göttliche Liebe.

Wenn ich an andere Stücke Messiaens denke, dann leuchtet mir diese einfache und sinnfällige Allegorie sofort ein. Bei ihm dreht man einen beliebigen Stein um und findet drunter eine allegorische musikalische Konstruktion. Oft hat er solche Bilder selber aufgeschlüsselt, und die Organisten, die mit ihm direkt gearbeitet haben, haben solche Schlüssel oft und gern weitergegeben.

Ausgerechnet zu diesem Stück und dieser Deutung habe ich aber keine weitere Quelle als die Aussage Timmes. Der war ein großer Messiaen-Spieler und hatte sich intensiv mit Messiaens "Technik meiner musikalischen Sprache" befasst. Das Buch kann ich im Moment nicht einsehen, auch Über-Eck-Quellen wie Booklettexte oder Artikel habe ich bis auf weiteres nicht zu Hand.

Kommt diese Deutung aus Messiaens Buch? Ist sie noch anderen Forensern bekannt? Lässt sich möglicherweise dazu eine verlässliche Quelle angeben?

Vielen Dank im Voraus!
Gruß,
Friedrich

Banquet céleste -- Allegorie

polisire, Sonntag, 13. Januar 2013, 09:25 (vor 5032 Tagen) @ Friedrich

Sh. Hans-Dieter Möller, Die Orgelwerke Messiaens (1926-1939), in: S.Ahrens, H.-D. Möller, A. Rößler, Das Orgelwerk Messiaens, Duisburg 1976, S. 14.
MfG

Banquet céleste -- Allegorie

perotin @, Rhein-Neckar-Raum, Sonntag, 13. Januar 2013, 16:37 (vor 5032 Tagen) @ polisire
bearbeitet von perotin, Sonntag, 13. Januar 2013, 16:43

Sh. Hans-Dieter Möller, Die Orgelwerke Messiaens (1926-1939), in: S.Ahrens, H.-D. Möller, A. Rößler, Das Orgelwerk Messiaens, Duisburg 1976, S. 14.

Ich zitiere mal auszugsweise:

Das erste Orgelstück Messiaens. Es entstand im Jahre 1926 (...)
Unter den harmonisch sehr differenzierten Klängen des Manuals (...) tupft das Pedal kurze Töne mit Flûte 4', Doublette 2' und Piccolo 1' hinein, die das Blut Christi symbolisieren. (...) Bei der Interpretation beachte man die äußerst genauen Artikulationsvorschriften für das Pedalstaccato: staccato bref, à la goutte d'eau, staccato un peu plus long, staccato long.
Man bediene sich möglichst der zweiten Edition des Stückes von 1960.


Im übrigen siehe Karstens Beitrag...

Grüße,
perotin

Banquet céleste -- Allegorie

Karsten, Sonntag, 13. Januar 2013, 09:31 (vor 5032 Tagen) @ Friedrich

Hallo!

Eine konkrete Quelle für diee Allegorie habe ich im Moment auch nicht parat (kann heute abend mal stöbern), aber vielleicht ist eine solche Quelle gar nicht nötig:

Messiaen stellt das Bibelzitat "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir wie ich in ihm." (Johannes 6, 5-6)

Im Notentext ist bei den Pedalstaccati die Spielanweisung "staccato bref, à la goute d'eau" (kurzes Staccato, wie Wassertropfen) zu finden. Man muss nun nur noch Eins und Eins zusammenzählen.

Ich hoffe das bietet eine erste Lösung.

Gruß
Karsten

Danke! (Banquet céleste -- Allegorie)

Friedrich @, Montag, 14. Januar 2013, 19:35 (vor 5031 Tagen) @ Friedrich

Danke!
Ihr habt mir alle sehr geholfen!

Viele Grüße,
Friedrich

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