Harmonium oder E-Orgel

orgelsolo ⌂, Voitsberg, Sonntag, 20. Januar 2013, 21:14 (vor 5024 Tagen)

Guten Abend,


Ich muss mir ein Erlebnis von heute Vormittag von der Seele schreiben.
Etwa alle 2 Jahre ist unsere katholische Kirchengemeinde zu einem ökumenischen Gottesdienst in die evang. Kirche eingeladen.

Die dortigen Orgelverhältnisse sind ziemlich bescheiden.
Einen Organisten gibt es nicht, und die Gottesdienste werden vom CD Player begleitet
(CD-Serie Klingende Kirche)

Als Instrument diente in dieser Kirche jahrzehntelang ein
großes Druckluftharmonium - ein Kunstharmonium der K.u.K. Firma Kotykiewicz aus Wien.
Dieses Instrument befindet sich nach wie vor auf der Empore.

Bei Youtube habe ich ein Video mit einem ziemlich ähnlichen Kotykiewicz Harmonium
gefunden.

Vor ca. 15 Jahren bekam die Kirche eine E-Orgel von der Musikschule geschenkt.
es handelt sich um so eine Unterhaltungsmusik E-Orgel mit versetzten Manualen und
Stummelpedal. Wenn in der Kirche jetzt "Orgel" gespielt wird, kommt dieses Instrument zum Einsatz.

Ich habe mich für das Harmonium entschieden. Allerdings ist mir aufgefallen, dass der Magazinbalg bei diesem Instrument anscheinend nicht arbeitet.
Die Luft war ähnlich wie bei einem Akkordeon gleich weg,
sobald man die Tretschemel nicht mehr betätigte.
Ich habs mit und ohne "Perkussionszug" versucht - kein Unterschied.

Jedenfalls habe ich den Gottesdienst einigermaßen gut bestritten und mich bemüht durch gleichmäßiges Treten diese Luftlöcher möglichst zu vermeiden.

Nach dem Gottesdienst haben mich aber die Leute angesprochen, mit was für einem Instrument ich da gespielt habe. Es habe geklungen wie eine kräftige Harmonika, der Gastpfarrer hatte gemeint warum ich nicht die E-Orgel gespielt habe.

Nun mache ich mir irgendwie Vorwürfe, ob es anders besser gewesen wäre.
Ist die Gemeinde an den Harmoniumklang nicht mehr gewöhnt?
Zugegeben, das Instrument hat schon eine sonoren, etwas sägenden Klang - nicht gerade
orgelmäßig. Und der manchmal instabile Wind war nicht gerade zu meinem Vorteil.

Andrerseits habe ich andre (Saugluft)Harmonien kennengelernt, die einen zarten, weichen und runden Klang haben. Ein gleichmäßiges Spiel ist hier auch leichter, das bedienen der Tretschemel kein Problem für mich.
Diese Instrumente wurde ich schon einem pimpigen Elektronium vorziehen.

Wenn ich das nächste Mal in dieser Kirche spiel, werde ich aber wahrscheinlich
dann leider die Hohner "Tango" Orgel nehmen.

Gruß, Martin

Harmonium oder E-Orgel

JSBach @, Aachen, Sonntag, 20. Januar 2013, 21:23 (vor 5024 Tagen) @ orgelsolo

was für eine Klangabstrahlung hatte die Eorgel denn? und wenn die 15 Jahre alt und eigentlich aus der Unterhaltungsmusik stammt, wie klingt das denn dann... also da würde ich mich wohl auch eher für eine Reparatur/Restaurierung des Harmoniums entscheiden und das weiterhin nutzen...

Harmonium oder E-Orgel

Kaerschemusiker ⌂ @, Ensdorf, Sonntag, 20. Januar 2013, 21:32 (vor 5024 Tagen) @ orgelsolo

Hallo Martin,

Die Perkussion hat damit nix zu tun. Die schaltet nur die "Hämmerchen" beim ersten 8'.
Du hast wohl eher die Expression gezogen! Dann ist nämlich der Magazinbalg abgeschaltet und Du spielst nur mit den Schöpfern. Und dann heißt es: kein Treten, kein Wind!

Probiere es mal ohne die Expression. Es kann dann nur sein, dass die Register dann sehr laut werden, denn sie sind über den Wind ja nicht mehr schwellbar (wie es eben mit Expression wäre).

Auch wenn es am Anfang richtig mühsam ist, kann ich Dich aber nur ermutigen, das Expressionsspiel mal zu probieren! Expression ein, und mal versuchen einen Ton "gerade" zu halten. Am Ende macht es richtig Laune mit der Expression die Lautstärke zu kontrollieren! Eigentlich so, wie es sein soll! ;-)

Hiernoch die Wiki-Seite mit weiteren Links!

Gruß
Andreas

Harmonium oder E-Orgel

orgelsolo ⌂, Voitsberg, Sonntag, 20. Januar 2013, 22:00 (vor 5024 Tagen) @ Kaerschemusiker

Hallo Andreas,

Ja ich weiß, dass das richtige Bedienen der Tretschemeln beim Harmoniumspiel
ähnlich wichtig ist, wie der Anschlag beim Klavier.

Ich hab mich vorhin verschrieben. Ich habe der die Expression gemeint
und diese probiert an und abzuschalten. Vielleicht ist dieser Zug kaputt
und der Magazinbalg dauerabgeschaltet.
Das die Bälge undicht sind, hatte ich nicht den Eindruck.

Die E-Orgel in der Kirche hat als Klangabstrahlung nur die eingebauten
kleinen Lautsprecher und ist auch nicht sehr laut.

Das Harmonium könnte da schon wesentlich lauter spielen. Es hatte 20 Registerzüge,
16', 8' und 4' waren zahlreich vorhanden.
Nur ein zartes Spiel ist glaube ich mit dem Ding schwierig.

Zuhause habe ich ein Saugluftharmonium von Alois Mayer in Fulda, Bj 1929
Dieses hat ein sehr schönes "Flötenregister" weich und rund
nicht so sägend harmonikaartig.

hie noch ein Beispiel von einem traumhaft schönen
Hamoniumklang - schon fast orgelmäßig.

Gruß, Martin

Harmonium oder E-Orgel

FranzS. @, Sonntag, 20. Januar 2013, 22:06 (vor 5024 Tagen) @ orgelsolo

hie noch ein Beispiel von einem traumhaft schönen
Hamoniumklang - schon fast orgelmäßig.

nichts für ungut, aber ich stelle mir unter einem Harmonium eher sowas vor.

Harmonium oder E-Orgel

FranzS. @, Sonntag, 20. Januar 2013, 22:03 (vor 5024 Tagen) @ orgelsolo


Als Instrument diente in dieser Kirche jahrzehntelang ein
großes Druckluftharmonium - ein Kunstharmonium der K.u.K. Firma Kotykiewicz aus Wien.

Donnerwetter, wenn ich du wäre würde ich der Gemeinde das Harmonium abkaufen. Ein Kotykiewicz ist wirklich erste Garnitur und mit einem gewöhnlichen Saugwindharmonium absolut nicht zu vergleichen. Eine solche Gelegenheit gibt es nicht oft und die Gemeinde will das Harmonium anscheinend nicht hören.

Harmonium oder E-Orgel

florianf, Graz, AT, Sonntag, 20. Januar 2013, 22:47 (vor 5024 Tagen) @ FranzS.

Da ist wohl was dran.
Weiter gefragt: Angenommen, man wollte sich heutzutage ein Kunstharmonium anschaffen, um beispielsweise ein paar Werke von Karg-Elert zu spielen - wo kriegt man etwas derartiges her? Mit viel Glück und einem Restaurator aus der Originalzeit? Oder gibt es auch noch heute Neubauten? (mal ganz naiv gefragt)

Grüße,
Florian

Harmonium oder E-Orgel

FranzS. @, Sonntag, 20. Januar 2013, 23:34 (vor 5024 Tagen) @ florianf

Da ist wohl was dran.
Weiter gefragt: Angenommen, man wollte sich heutzutage ein Kunstharmonium anschaffen, um beispielsweise ein paar Werke von Karg-Elert zu spielen - wo kriegt man etwas derartiges her? Mit viel Glück und einem Restaurator aus der Originalzeit? Oder gibt es auch noch heute Neubauten? (mal ganz naiv gefragt)

Grüße,
Florian

Ein französisches Vierspiel, oder Viereinhalbspiel ist nicht so schwer zu bekommen. Da gab es schon viele schöne Sachen bei e-bay und co. Ein Freund von mir hat erst vor ein paar Monaten ein französisches Vierspiel günstig ersteigert (es muss natürlich noch einiges dran gemacht werden). Wenn es denn auch eine Percussion haben soll, wird es schon schwieriger. Allerdings reicht ein normales Vierspiel für die meisten französischen Harmoniumkompositionen die ich gesehen habe (jedoch ist die französische Musik nicht gerade mein Fachgebiet). Karg-Elert allerdings verlangt in seinen großen Werken ein Harmonium mit "Vollausstattung" und da wird es sehr schwierig. An solche Instrumente gelangt man nur durch zufällige Geheimkontakte, die man sogar den besten Kollegen nicht gerne weitersagt ;-). Geld ist dann eine Nebensache, man muss erst würdig sein so ein Instrument erwerben zu dürfen und das zurecht, wie ich finde. Ein Kunstharmonium komplett neu zu bauen, ist meiner Meinung nach unmöglich. Selbst wenn man jemanden finden sollte, der das könnte, wäre es unbezahlbar. Außerdem müsste immer noch auf alte Materialien zurückgegriffen werden, da ja die Zungenplatten nicht mehr hergestellt werden.

Grüße
Franz

Harmonium oder E-Orgel

willscher, Montag, 21. Januar 2013, 07:17 (vor 5024 Tagen) @ florianf

Oder gibt es auch noch heute Neubauten? (mal ganz naiv gefragt)

Grüße,
Florian

Tatsächlich werden Harmoniums noch gebaut, aber nur kleine Instrumente, als Continuo gedacht (siehe Early Music Shop).

Gruß

Andreas

Harmonium oder E-Orgel

Hausorgler @, Feldkirch/Vorarlberg, Sonntag, 20. Januar 2013, 22:28 (vor 5024 Tagen) @ orgelsolo

Also in Götterkreisen scheint das Harmonium nicht unbeliebt zu sein:

[image]

Harmonium oder E-Orgel

3rd_astronaut, Montag, 21. Januar 2013, 14:33 (vor 5023 Tagen) @ orgelsolo

Nach dem Gottesdienst haben mich aber die Leute angesprochen, mit was für einem Instrument ich da gespielt habe. Es habe geklungen wie eine kräftige Harmonika, der Gastpfarrer hatte gemeint warum ich nicht die E-Orgel gespielt habe.

ich verstehe das problem nicht?? warum sollen die leute nicht fragen, wenn ein anderes instrument als sonst zum einsatz kommt? und die klangbeschreibung ist doch korrekt...

auf die frage des gastpfarrers gibt es eine vernünftige antwort (weil ihr nicht im mutantenstadl wart), und überhaupt hat ein gastpfarrer doch nix zu melden.

wenn du dich reinhängen willst, reg beim pfarrer an, dass das harmonium repariert wird (evtl über den evang. regionalkantor) und installier dich als gelegentlichen harmonisten bei den evangelens -- die haben die schöneren lieder und zahlen besser ;-)
oder staub das teil ab, bevor es franzS tut ;-)

Harmonium oder E-Orgel

orgelsolo ⌂, Voitsberg, Montag, 21. Januar 2013, 16:37 (vor 5023 Tagen) @ 3rd_astronaut

Danke für die Zahlreichten Antworten.

Ein drittes Harmonium brauche ich daheim nicht :-)
Ich habe schon 2 Stück, daneben noch eine Hausorgel und ein Pianino.
Die letzte Anschaffung war ein 2manualiges Schiedmayer Pedalharmonium um
250 € - das ich gerade restauriere.

Gruß, Martin

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