Sympathisch

Orlos, Donnerstag, 24. Januar 2013, 02:06 (vor 5021 Tagen)

Durch Zufall bin auf eine neue Einspielung der Orgelwerke von Duruflé (nebst anderen netten Stücken) gestoßen (Hörbeispiele). Aufgenommen ist sie aber weder an einer Orgel in Frankreich, noch an einer der vielen (pseudo-) französischen Orgeln in Deutschland, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind, sondern an der Klais-Orgel aus dem Jahr 1965 in Braunschweig. Und diese Orgel ist anscheinend nicht nachträglich mit einer Schwebung und Hochdruckzungen o.ä. ausgestattet worden!
Nun kam mir das erst ziemlich mutig und gewagt vor, ich war dann aber doch neugierig, wie das klingen könnte. Die CD ist noch nicht da, aber die Hörbeispiele sind doch ganz erfreulich. Sicher, da quäkt mal eine Quintade und spuckt eine typische Klais-Rohrflöte aus den 60ern, aber die Stimmung ist doch getroffen. Und man hört schön alle Linien.
Ich möchte diese CD nicht anpreisen, kenne weder die Orgel im Original noch den Organisten, finde es aber sympathisch, dass man solche Musik auch an stilistisch nicht hundertprozentig passenden Orgeln spielt. Vielleicht auch ein Plädoyer für einen Orgeltyp, der oft auf der "Abschussliste" steht - wenn er überhaupt noch mit großen Instrumenten vertreten ist! -, weil in der Disposition keine Vox coelestis, Konzertflöte oder Klarinette steht. Mit Phantasie auf beiden Seiten (Spieler und Hörer) ist doch viel möglich.
Und in der Praxis hat man als Organist damit vielleicht sogar mehr Spaß als mit einer extrem festgelegten Stilorgel, an der dann zwar die eine Richtung phantastisch authentisch klingt, alles andere aber eben gar nicht wirkt.

Sympathisch

Barry Jordan, Donnerstag, 24. Januar 2013, 06:39 (vor 5020 Tagen) @ Orlos

Nun, mit einer schönen Bartpfeife und einem deftigen Non(n)encymbale kann man doch eine Menge anstellen.

Im Ernst, CC-Orgeln sind für Duruflé nur bedingt geeignet, wie 20 Minuten am Spieltisch von St. Etienne-du-Mont schon klar machen.

Grüße
BJ

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Karl-Bernhardin Kropf, Donnerstag, 24. Januar 2013, 13:30 (vor 5020 Tagen) @ Barry Jordan

Nun, mit einer schönen Bartpfeife und einem deftigen Non(n)encymbale kann man doch eine Menge anstellen.

Im Ernst, CC-Orgeln sind für Duruflé nur bedingt geeignet, wie 20 Minuten am Spieltisch von St. Etienne-du-Mont schon klar machen.

Grüße
BJ

Das ist ja auch meine Hoffnung für die Orgel hier in Rostock. Auch nach Überarbeitung wäre sie nur (gute) 2. Wahl für die wirklich-CC-inspirierten Autoren wie Franck, Widor, Vierne etc., aber ab dem Aufkommen der Neoklassik - Alain, Duruflé, Tournemire, Messiaen usw. - steigt ihr Marktwert wieder deutlich.

Gut, dass diese Kompositionen existieren, sie verhelfen auch mancher französischen Orgel, die Anfang des 20. Jahrhunderts auf Basis einer spätromantischen grundlage noch mal verändert wurde, zu mehr Existenzberechtigung auch im aktuellen Zustand.

Sympathisch

Friedrich @, Donnerstag, 24. Januar 2013, 06:56 (vor 5020 Tagen) @ Orlos

Durch Zufall bin auf eine neue Einspielung der Orgelwerke von Duruflé (nebst anderen netten Stücken) gestoßen (Hörbeispiele). Aufgenommen ist sie aber weder an einer Orgel in Frankreich, noch an einer der vielen (pseudo-) französischen Orgeln in Deutschland, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind, sondern an der Klais-Orgel aus dem Jahr 1965 in Braunschweig. Und diese Orgel ist anscheinend nicht nachträglich mit einer Schwebung und Hochdruckzungen o.ä. ausgestattet worden!

Das ist die einstige Orgel der Kasseler Stadthalle, die – wenn meine Erinnerung mich nicht trügt – von Ernst Karl Rössler geplant worden war. Sie wurde in den Neunzigern hier mit leicht veränderter Disposition in Braunschweig aufgestellt. Als ich frisch bei »Orgel International« (für alle Jüngeren: Das war fünf Jahre lang eine unabhängige Orgelzeitschrift) war, musste ich mit dem – mir damals komplett neuen – Quark XPress eine ganze Seite Repetitionsschemata setzen – selten habe ich eine gründlichere Lektion im Tabulieren empfangen … Schön, dass diese Orgel mal ausgiebig vorgestellt wird.

Es ist also eigentlich eine weltliche Klais-Orgel, die in der Kirchenakustik offenbar stark gewonnen hat. Der von Dir angesprochene derbe Rohrflötenklang kann Rössler-Erbe sein – eine Kirche kann den sicher besser verknusen als eine Stadthalle.

An Barry: Das finde ich interessant – ich kann es mir, nach Deiner Bemerkung, aber auch gut vorstellen. Cavaillé-Colls Klangmassen könnten sich bei Duruflés subtiler Musik als zu klobig erweisen. Aber was meinst Du mit Saint-Étienne? Da war C-C durch nur zwischendurch mal dran, in seiner mittleren Phase, und danach kamen noch etliche Umbauten. Oder wäre sie ein Lehrstück einer Nicht-Cavaillé-Coll-Orgel, die dann eben Duruflés Sprache spricht?

Gruß,
Friedrich

Sympathisch

Xrot, Donnerstag, 24. Januar 2013, 07:34 (vor 5020 Tagen) @ Friedrich

Ne, die ist nicht aus Kassel.
Die ehem. Kasseler Stadthallenorgel steht leicht verändert und mit teils neuem Prinzipal 16 Prospekt im Dom zu Nordhausen – ist ein Bornefeldprodukt.

Sympathisch

Friedrich @, Donnerstag, 24. Januar 2013, 08:07 (vor 5020 Tagen) @ Xrot

Ne, die ist nicht aus Kassel.
Die ehem. Kasseler Stadthallenorgel steht leicht verändert und mit teils neuem Prinzipal 16 Prospekt im Dom zu Nordhausen – ist ein Bornefeldprodukt.

Mann. Peinlich. Danebener geht nicht. Da traue ich mich kaum noch, apologetisch zu behaupten, dass beide Prospekte frühe Schäfers sind und ich sie deshalb verwechselt habe.

Und all das ist erst fünfzehn Jährchen her.

Schamrot,
Friedrich

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ArnezN, Donnerstag, 24. Januar 2013, 23:48 (vor 5020 Tagen) @ Friedrich

Hallo,

hier mal ein Bild aus Nordhausen, es war draußen sehr dunkel...

[image]

Viele Grüße,
Arne

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Orlos, Donnerstag, 24. Januar 2013, 23:59 (vor 5020 Tagen) @ ArnezN

Nordhausen: Beschreibung
Ein bisschen "Bornefeld" ist ersetzt worden: Unruh 3f und Siebenquart 2f. gibt es nicht mehr.

Sympathisch

kjz1, Donnerstag, 24. Januar 2013, 07:50 (vor 5020 Tagen) @ Friedrich

Oder wäre sie ein Lehrstück einer Nicht-Cavaillé-Coll-Orgel, die dann eben Duruflés Sprache spricht?

So habe ich jedenfalls Barrys Aussage interpretiert.

OT: Sympathisch

schnitgers.anderer.erbe, Donnerstag, 24. Januar 2013, 08:03 (vor 5020 Tagen) @ Friedrich

. Als ich frisch bei »Orgel International« (für alle Jüngeren: Das war fünf Jahre lang eine unabhängige Orgelzeitschrift) war, ...

Gruß,
Friedrich

...sehr schade, dass sie so wie sie war nicht weiter bestehen konnte. Mit dem "Nachfolgeprodukt" bin ich nie warm geworden.

Sympathisch

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Donnerstag, 24. Januar 2013, 11:11 (vor 5020 Tagen) @ Orlos

Die Psalite-LP im Würzburger Dom mit George Markey hat mich seinerzeit in den Achtzigern überhaupt erst zu Durufle's Musik geführt. Schade, dass es die nicht auf CD gibt...

Gruss Thomas

--
Thomas Haubrich

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Orlos, Donnerstag, 24. Januar 2013, 11:14 (vor 5020 Tagen) @ untersatz32

Ja, ging mir ganz genauso. Eine tolle Aufnahme! An die musste ich auch denken, als ich jetzt wieder Duruflé auf einer Klais-Orgel dieser Zeit hörte.

Sympathisch

JSBach @, Aachen, Donnerstag, 24. Januar 2013, 11:27 (vor 5020 Tagen) @ untersatz32

ich kenne nur seine dortige Dupre-Aufnahme. Er war ein guter Freund meines früheren Lehrers und dort oft zu Gast

hat mir viele Geschichten über ihn erzählt...

Sympathisch

untersatz32 ⌂ @, Amriswil, Donnerstag, 24. Januar 2013, 18:05 (vor 5020 Tagen) @ JSBach

Ich glaub, in meinem Urlaub muss ich die beiden LPs mal auf CD transferieren...

--
Thomas Haubrich

Sympathisch

Werni @, Donnerstag, 31. Januar 2013, 18:56 (vor 5013 Tagen) @ untersatz32

Genau so ist es mir auch ergangen. Ich freue mich sehr, dass hier im Forum tatsächlich der Organist George Markey bekannt ist. Eigentlich habe ich mich nicht getraut, George Markey zu erwähnen, weil ich glaubte, dass diesen Namen keiner kennt. Ich kenne ihn von einem Konzert in Kevelaer, wo er auf Einladung von W. Seifen ein zweistündiges Konzert gab - natürlich auswendig gespielt und registriert ohne Hilfe. Als er ankam, habe ich mich über seine dünne Aktentasche gewundert. Da waren nur das Programm und einige Schreibutensilien drin. Auch hier, wie in den anderen Bemerkungen zu großen amerikanischen Organisten erwähnt: unaufgeregtes Spiel aber mit Biss, keine unnötigen Bewegungen, traumhaft sichere Technik und in seinem Fall auch mit Herz gespielt. Zudem ein sehr liebenswürdiger Mensch, der zu seinem stets vorhandenen Hunger auf Eiskreme stand. Haben wir dann nach dem Konzert auch zusammen genossen.

Gerhard

Sympathisch

Reinhard Kluth ⌂ @, Tübingen, Donnerstag, 31. Januar 2013, 22:29 (vor 5013 Tagen) @ Werni

Jawohl, dem schließe ich mich gerne an. In den 60iger Jahren war George Markey häufig in meiner Heimatgemeinde Dülken St.Cornelius zu Gast. Dort hat er an der - bis heute größten Orgel des Bistums Aachen -viele Rundfunkaufnahmen eingespielt. Ich bin übrigens stolzer Besitzer zweier LPs aus dieser Zeit von Psallite, auf denen Markey an dieser Orgel Widor und Vierne eingepielt hat. Diese LPs wurden für den amerikanischen Markt hergestellt und waren hier nie zu bekommen. Eine tolle Erinnerung.
Reinhard Kluth

Sympathisch

JSBach @, Aachen, Donnerstag, 31. Januar 2013, 22:48 (vor 5013 Tagen) @ Reinhard Kluth

hat hier jemand die (ungefähren) Lebensdaten zur Verfügung?

ich weiß nur, dass er vor 1985 oft bei meinem Lehrer in Kamp-Lintfort zu gast war, Konzerte gab und von da auf seine Europatouren ging

Sympathisch

perotin @, Rhein-Neckar-Raum, Freitag, 01. Februar 2013, 00:05 (vor 5013 Tagen) @ JSBach

hat hier jemand die (ungefähren) Lebensdaten zur Verfügung?

Laut dieser Seite hier: 1925-1999.

Grüße,
perotin

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