Skinner-Orgel Ingelheim

Friedrich @, Freitag, 29. April 2011, 11:16 (vor 5602 Tagen) @ kjz1

Durch einen Bericht in der Lokalpresse bin ich darauf aufmerksam geworden:
die evang. Saalkirche in Ingelheim hat eine Skinner-Orgel (op. 823, 1930) angekauft, die von Klais 2012 in Ingelheim aufgebaut werden soll.

Um mal kjzs Beitrag im Ernst zu würdigen: Das ist schon was Spezielles, und die Skinner-Orgel macht die Region für Orgelleute noch etwas interessanter.

Die Disposition grenzt an das, was die Amis "octopod" nennen, Achtfüßer. Auf vier Manualen und Pedal vier 4'-Register, zwei Flöten und zwei Prinzipale; dazu Nasat und Flöte im Choir und zwei Mixturen, das war's oberhalb 8' -- bei 37 Registern, vier Auszügen, zwei Transmissionen und einer 32'-Schaltung.

Skinner, damals kein junger Mann mehr, hatte sich schon nach England orientiert und war an "Willis-style"-Mixturen interessiert (womit er Henry Willis III meinte, der schon eine Art englischen Neoklassizismus baute, allerdings sonst erzkonservativ und möglicherweise nicht in jeder Hinsicht der hellste unter den Orgelbauern war). Hier ist vielleicht die Swell-Mixtur in dieser Art gehalten (ansteigende Repetition). Die "Grave Mixture" wird mit Quinte und Oktave besetzt sein und eventuell ein-, vielleicht zweimal repetieren; sie rechnet mit der Oktavkoppel (siehe die Laden mit 73 Tönen), was wiederum heißt, dass die Mensuren für hiesige Begriffe im Diskant ziemlich schmal sein werden. Die Bässe dagegen werden in Ingelheim gehörig wummern, zumal wenn die Akustik in der ursprünglichen Kirche orgelunfreundlich war, was meistens heißt, dass Bässe gnadenlos geschluckt werden. In der Ingelheimer Kirche mit ihren schweren Steinwänden werden sie freie Bahn haben.

Es ist also abzuwarten, wie das Ding in Ingelheim klingen wird, besonders was die Bass-Diskant-Balance angeht. Neugierig bin ich auch, was für ein Gehäuse die Orgel bekommen wird und ob sie ihre originalen, wahrscheinlich elektropneumatischen Setzer behält. Skinner-Laden und Kombinationsschränke gelten als unkaputtbar. Hier sind sie z. B. immer noch uneingeschränkt in Betrieb.

Gruß,
Friedrich


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