Leiden, Hooglandse Kerk

Friedrich @, Freitag, 08. Februar 2013, 17:43 (vor 5003 Tagen) @ tiratutti

Für die Hooglandse Kerk wird die Orgel jetzt auf vier Manuale aufgeblasen. Hoffentlich geht das gut.

Das ist gut möglich, denn Father Willis hatte seinen Betrieb so stark rationalisiert, dass er die Orgeln regelrecht zusammenpuzzeln konnte und dabei verhältnismäßig unabhängig von der Raumgröße war. Die Orgeln waren komplett vorintoniert, an Ort und Stelle wurde nur ausgeglichen. Mit diesem Konzept schlug er eine Mende Konkurrenten aus dem Feld.

In musikalischer Hinsicht ist das natürlich anfechtbar. Deswegen fallen die Urteile über verschiedene Willis-Orgeln so unterschiedlich aus: Es kommt sehr stark drauf an, wo sie stehen. Die Orgeln in der Royal Albert Hall und im Alexandra Palace glichen sich stark in Disposition und Aufbau; während die eine aber als Fehlschlag gilt, der bis zur letzten Renovierung eine orgelbauliche Dauerbaustelle war, hat die andere immer noch einen festen Verehrerkreis, der keine Kosten und Mühen scheut, sie aus ihren Resten zu rekonstruieren. Disposition, Pfeifen und Laden waren bei beiden Orgeln so gut wie gleich – in der RAH stand die Orgel aber unter der Riesenkuppel, die ihren Klang verzwergte, während die »Ally-Pally«-Orgel in einer Schallmuschel aufgestellt war, die den Klang bündelte. Die relativ wenigen Willis-Orgeln, die heute noch verehrt werden – Salisbury, Canterbury, Lincoln, Hereford, Truro usw. – sind also eigentlich die in den akustisch besten Räumen; die, bei denen das Serienkonzept nicht hinhaute, sind inzwischen ersetzt oder stark umgebaut.

Für die Hooglandse Kerk heißt das, dass im Prinzip nur die Willis-typischen Ausbaustufen mit den entsprechenden Registern und Mensuren dazugestellt werden müssen. Der Rest ist dann – wenn man historisch genau vorgehen will – eine Sache der Akustik.

Gruß,
Friedrich


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